Das Marienhospital Euskirchen versteht sich als babyfreundliches Krankenhaus. Auf eine gute Mutter-Kind-Beziehung wird viel Wert gelegt, ebenso auf Stillen. Das nur so vorneweg, weil es ja eine wichtige Info ist.

Nach der Geburt kamen mein Mann, das Kind und ich erst einmal in ein Überwachungszimmer, wo wir eine Stunde für uns waren, ehe wir ins normale Zimmer kamen. Das macht Sinn bei Mehrbettzimmern, wenigstens ein bisschen Ruhe. Ich wäre allerdings lieber direkt ins Zimmer gekommen, weil man in dieser Stunde auch irgendwie in der Luft hängt. Ich konnte nicht so abschalten weil ich ja noch wusste, dass der Umzug ins andere Zimmer und wer weiß was noch bevor stand.
Eine Stunde später kamen wir auch aufs Zimmer. Ich hatte ein Zweibettzimmer, in dem ich alleine lag. Da genug Platz war hatte mein Mann die Option, auch dort zu schlafen. Weil unsere Haustiere noch versorgt werden wollten, verzichteten wir aber darauf. Als ich im Zimmer war, verließ mein Mann mich recht schnell, denn es war schon 4 Uhr morgens. Ich lag dann da alleine mit dem Kind auf der Brust und dem Versprechen, dass gleich noch eine Schwester käme um mich einzuweisen. Die kam allerdings nicht und so lag ich eine ganze Stunde todmüde bei brennendem Licht im Zimmer rum (der Lichtschalter war nur an der Tür, wo ich wegen der PDA und allgemeiner Unsicherheit nicht hinkam).
Irgendwann klingelte ich nach der Schwester, die dann auch kam. Sie war gerade im Nebenzimmer um eine andere frischgebackene Mutter in alles einzuweisen und hatte deshalb keine Zeit für mich. Sie riet mir deshalb nur schnell, mit Kind auf der Brust zu schlafen, machte das Licht aus und versprach wiederzukommen. Tat sie aber nicht, da kam wohl der morgendliche Schichtwechsel dazwischen.

Im Nachhinein ärgert mich das sehr, denn weder wusste ich wie ich mit dem Kind umgehe, noch wusste ich wann und wie ich es zum Stillen anlegen sollte. Ich wusste nicht, dass im "Kinderzimmer" Waschsachen bereitlagen und wie ich sie benutzte etc. pp. Ich wusste NICHTS. (Meine Zimmernachbarin hat all das in ihrer Einführungsstunde erfahren, die man direkt nach der Geburt bekommt. Die fiel bei mir zugunsten der anderen frischgebackenen Mutter aus. ) Das ärgert mich im Nachinein sehr. Wenigstens die wichtigsten Fakten hätte man mir doch schnell sagen können - oder das ganze am Morgen sofort nachholen. Ich kann mein kind nicht richtig stillen, habe nicht genug Milch. Und ich glaube schon, dass das auch ein bisschen daran liegt, dass mir keiner gesagt hat was ich tun muss. Das ist zwar ein Ausnahmefall wegen der fast gleichzeitigen Geburt meines Sohnes mit dem Nachbarmädchen gewesen, aber das ändert ja nichts daran.

In der zweiten Nacht schrie mein Sohn sehr viel und der einzige Rat der Nachtschwester war, das Kind herumzutragen. Sitzen und liegen ging nicht, er brüllte sofort wieder los. Morgens um 6 bekam ich dann eine Zimmernachbarin. Das war insofern enttäuschend, da ich über die Nacht beschlossen hatte, meinen Mann doch ins Familienzimmer zu bitten. Gut kann man nichts machen. Leider war die Zimmernachbarin genau das, was ich nicht wollte. Ich bin ausgesprochen Ruhebedürftig wenn es mir nicht gut geht. Das hatte ich bei der Anmeldung im Krankenhaus auch gesagt und man versicherte mir, dass man bei Zimmernachbarn auf ähnliches Alter und ähnliche Kultur achten würde (also Zimmernachbarin, die ähnlich viel oder wenig Besuch haben). Leider war meine tatsächliche Zimmernachbarin eine Türkin, die von morgens 8 bis abends 8 permanent Familienbesuch hatte. Ständig hingen mindestens 5 Besucher von ihr im Zimmer rum. Genau das also, was ich auf gar keinen Fall wollte. Ich hab mich deshalb auch so viel wie möglich außerhalb des Zimmers aufgehalten und habe mich zwei Tage später selber entlassen. Lieber Ruhe zu Hause ohne schwesternhilfe als noch einen Tag in der Unruhe.

Die Ärzte waren durch die Bank freundlich, die Schwestern im Prinzip auch. Obwohl bei einer Kreißsaalführung betont wurde, dass niemand ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn er nicht stillen wollte, gab es von einigen Schwestern doch schiefe Blicke, wenn ich andeutete dass das mit dem Stillen irgendwie nicht so zu klappen scheint. Auch als ich meinen Sohn am letzten Tag aus den Pucksack nahm und in einen Strampler steckte bekam ich so einen Blick "Damit zerstören Sie aber die wichtige Bondingphase mit viel Hautkontakt". Lobend hervorheben möchte ich aber die übrigen Schwestern. Insbesondere Schwester Maria war in der zweiten Nacht immer wieder bei mir, um Fragen zu beantworten. Mein Mann campte mit dem Sohn im Stillzimmer, damit ich etwas Schlaf bekam und auch zu ihm ging die Schwester immer wieder, u ihm zu helfen, Fragen zu beantworten und ihn zu motivieren.

Da Bonn zu weit weg ist und Mechernich für sein unfreundliches Personal bekannt ist, würde ich auf jeden Fall wieder nach Euskirchen gehen. Ich würde aber nicht mehr so lange im Krankenhaus bleiben. Erstgebärenden kann ich nur raten, alle Fragen zu stellen und zwar sofort. Im Umgang mit Babys kann es wirklich negative Auswirkungen haben, wenn man bestimmte Dinge erst zu spät macht oder erfährt.

Das Personal war weitestgehend super, Unterbringung und erste Betreuung nach der Geburt aber vollkommen gegen meine Vorstellungen. Insofern weder ein besonders tolles, noch ein besonders schlechtes Krankenhaus.