Seit einiger Zeit habe ich den Verdacht, dass unsere Tochter an Asperger Autismus leiden könnte. Sie hat typisch autistische Stereotypien, aber zeigt sonst nur wenig Anzeichen für Autismus. Beispiele für ihr Verhalten:

• C flattert mit den Händen, hüpft und grimassiert dabei
• C läuft auf Zehen spitzen
• C schaukelt 2 Stunden oder länger im Garten und denkt nach
• C läuft stundenlang im Kreis herum und führt Selbstgespräche (erzählt sich selbst Geschichten)
• C ist sehr zappelig
• C hält ein Buch in der Hand, läuft im Kreis und erzählt Geschichten
• C hüpft oft auf dem Sofa rum und grimassiert
• C läuft von A nach B und das stundenlang (oder im Kreis) und denkt dabei nach
• C läuft stundenlang im Kreis und hört dabei Musik (sie sagt, dass sie sich dabei gut Sachen vorstellen kann...)

Was gegen Autismus spricht:
- Die Steoreotypien treten nur zu Hause auf und verschwinden mit der Zeit (alle Stereotypien sind bis auf eines zurück gegangen und heute nicht mehr vorhanden)
- keine Spezialinteressen
- großes Bedürfniss danach Interessen zu teilen
- Sozialverhalten deutet auf Hochbegabung und nicht
Autismus hin
- versteht Regeln, Metaphern, Sprichwörter -----> nimmt nicht alles wörtlich
- keine Sprachentwicklungsverzögerung (Entwicklung deutet auf Hochbegabung hin: Krabbeln übersprungen, sehr neugierig und wachsam, wissbegierig, großer Wortschatz usw.)
- Empathie vorhanden (große Anpassungsfähigkeit, Mitgefühl)
- kann mit anderen spielen, findet es aber langweilig
- versteht/ benutzt Ironie
- mag keine Regeln oder Routine und kann mit Veränderungen umgehen
- Mimik und Gestik unauffällig, Blickkontakt vorhanden
- motorisch nicht ungeschickt (klettert gut, macht Akrobatik, liebt tanzen)
- hohe Kreativität und Fantasie
- keine Übersensibilität (z.B Geräuschempfindlichkeit etc.)



C war auch sehr anfällig für Tics (Fingernägel kauen, Lippen zupfen etc.) Ich weiß nun nicht ob C eher an Asperger leidet oder hochbegabt ist (vielleicht auch beides?) Ich fasse ihre Entwicklung mal kurz zusammen:

- Krabbeln und Robben wurde übersprungen, C lief auf eigenem Wunsch schon mit 8 Monaten
- Die ersten Sätze sprach C mit 11 Monaten. Babysprache wurde kaum gesprochen
- sehr großer Wortschatz, gute Ausdrucksweise
- Frühes Interesse an "Erwachsenen Themen" z.B Philosophie (Sinn des Lebens, was kommt nach dem Tod etc.) oder Medizin
- Große Neugierde und Wissbegierigkeit
- C hat es geliebt Geschichten vorgelesen zu bekommen und sich gerne Bücher angesehen
- C hat gerne Puzzles gemacht, Karten geordnet oder mit jüngeren Kindern gespielt (sie war gern der Anführer)
- Das Lesen hat C sich mit 4 Jahren selbst beigebracht und danach ALLES gelesen
- breit gestreute Interessen (alles lesen was man in die Hände bekommt)
- früher Wunsch das Schreiben zu erlernen
- C hat ständig fantasievolle Geschichten erzählt, als sie noch nicht schreiben konnte
- Frühes Schreiben von eigenen Geschichten (mit ca. 6 Jahren)
- großes Interesse an Erwachsenenliteratur z.B (!!) Elternratgeber aber auch Gedichte etc.
- ständiges Nachfragen WARUM etwas so ist
- kein Befolgen von Anweisungen und Regeln, die C sinnlos oder unlogisch fand


Soziale Entwicklung:

C verhielt sich uns gegenüber normal. Sie war selbstbewusst, lebhaft, neugierig und frech. Bei Fremden war sie anfangs zurückhaltender und brauchte erstmal Zeit um sich zu öffnen.
Sie war sehr anpassungsfähig und konnte auf Kommando ein braves Durchschnittsmädchen sein. Deswegen war sie überall unauffällig. Das Sozialverhalten war normal. C hat keiner Fliege etwas zu Leide getan und viel Empathie (sie nahm auf andere Rücksicht, wollte es allen Recht machen, empfand das Wohlergehen anderer wichtiger als ihr eigenes ----> konnte keine Wünsche abschlagen, hat sich herumkommandieren lassen damit die anderen zufrieden sind)
C hatte kein Bedürfniss nach Kontakt mit Gleichaltrigen und war eine glückliche Einzelgängerin.

Ihre Charaktereigenschaften:

- zu Hause: neugierig, lebhaft, wissbegierig, eigenwillig, optimistisch (fröhlich, harmonisch)
- bei Fremden/Schule: schüchtern, distanziert, zurückgezogen, misstrauisch (Tendenz zu ängstlich) wortkarg
- introvertiert, verträumt (C hat eine sehr gute visuelle Vorstellungskraft und träumt deswegen sehr viel)
- typische Einzelgängerin
- kann Kritik nicht gut vertragen, sucht nach einem Hacken im Lob
- ist eine gute Verliererin und nicht ehrgeizig (macht nichts zu Ende, will nicht gewinnen oder besser sein als die anderen)
- Zufriedenheit mit sich selbst und den anderen (findet alles an sich oder den anderen okay, meckert nicht)
- weint selten, großes Durchhaltevermögen
- gute Konzentrationsfähigeit
- Neigung zu Unehrlichkeit, damit sich keiner schlecht fühlt (C sagt, dass sie das Kleid von X schön findet, obwohl sie das eigentlich nicht so sieht)
- redet in vertrauter Umgebung sehr sehr viel
- liebt Diskussionen, langweilt sich bei Smaltalk
- viele soziale Ängste (Angst jemanden zu enttäuschen, muss sich gedanklich auf soziale Situationen vorbereiten)
- kreativ, fantasievoll, chaotisch, unordentlich, zerstreut
- Perfektionist ABER kann Fehler bei sich verzeihen
- überhaupt keine Draufgängerin, muss erst mal nachdenken bevor sie etwas macht
- Neigung zum tagträumen
- macht sich häufig Sorgen über Dinge die noch nicht passiert sind (z.B "Was wäre wenn die Welt untergeht?")



Insgesamt treffen alle Merkmale von Hochbegabung und einige Merkmale von Asperger und Hochsensibilität zu. Ich habe nun paar Fragen:

- Was haltet ihr bei meiner Tochter am wahrscheinlichsten bzw. mit welcher Frage soll ich sie beim Psychologen vorstellen?
(Ist das überhaupt nötig?)
- Kann es sein, dass meine Tochter an allen 3 Sachen "leidet" ?
- Ich habe mal gehört, dass mit der Höhe der Begabung autistische Tendenzen zu nehmen. Ab einem Iq von 145 + soll dies sogar sehr wahrscheinlich sein. Stimmt das bzw. wäre das auch eine Erklärung für die autistischen Züge von C ? Oder ist es doch eher das Asperger Syndrom und nicht nur Züge davon?