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  1. #1
    TanteT. ist offline Stranger
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    Standard Bipolare Störung

    Hallo zusammen!
    Ich habe mich heute hier angemeldet weil die 15-jährige Tochter meiner besten Freundin meiner Meinung nach eine bibolare Störung hat, oder irgendetwas in diese Richtung. Eine Form von Narzissmus möchte ich auch nicht ganz ausschließen.

    Ich kenne dieses Mädchen seit sie auf der Welt ist. Mir ist schon recht früh aufgefallen, daß sie sehr jähzornig sein konnte.
    Bereits im Kleinkindalter hatte sie Ausraster wenn es nicht nach ihrem Willen ging, die ich je bei einem anderen Kind in dieser ausgeprägten Form beobachten konnte.
    Als sie in den Kindergarten kam fiel sie von Anfang an negativ auf weil sie grundsätzlich über alles und jeden bestimmen wollte.
    Was wird gespielt, wer bekommt welches Spielzeug oder welche Rolle im Spiel, und wann das Spiel für sie uns somit für alle beendet ist. So lange alle ihren Anweisungen folgten war sie glücklich und wahnsinnig stolz auf sich wie gut das alles verlief.
    Wenn ein Kind etwas anderes wollte ist sehr schnell total ausgeflippt. Sie weinte sofort schrie alle an und verstand die Welt nicht mehr. Wenn sie damit keinen Erfolg hatte hat sie sich den Rest des Tage lethargisch in eine Ecke verzogen, sobald sie jemand aus diesem Zustand heraus holen wollte hat sie sofort angefangen zu weinen und betont das sie nichts falsch gemacht hat und einfach nicht verstehen kann warum die anderen Kinder nicht so wollen wie sie.
    Zuhause hat sie das auch so praktiziert. Im Nachhinein muss ich sagen, ihre Eltern hätten damals schon anders auf dieses Verhalten reagieren müssen, aber hinterher ist man ja immer schlauer.

    Als sie dann in die Schule kam stellen wir sehr schnell fest das diese Kind sehr intelligent ist. Von Anfang an fiel ist alles leicht, sie musste und muss bis heute nicht besonders viel lernen. Heute ist sie im Gymnasium und in ihrer bisherigen Schulzeit hatte sie jedes Jahr Bestnoten und bekam immer Auszeichnungen. Wenn es irgendwann mal "nur" ein Lob gab war sie schon stinksauer.
    Sie ist extrem ehrgeizig und will wirklich alles sofort können und verstehen, und wenn das nicht klappt, oder man will sie in ihrem Bestreben immer die besten sein zu müssen ausbremsen, folgen Wutanfälle und der Vorwurf man würde ihr nichts zutrauen und alle halten sie für blöd. Wenn sie merkt, daß sie etwas wirklich nicht sofort zu 100% kann, empfindet sie selbst sich als total scheisse und unfähig. Dann zieht sie sich wieder zurück und verfällt in eine Art depressive Verstimmung die tagelang anhalten kann.
    Wenn man nur den kleinsten Zweifel an ihr äussert "bist du dir sicher?" rastet sie sofort aus und fällt in dieses Loch.
    Man kann sie da dann auch nicht raus holen, sie reagiert dermaßen agressiv und abweisend das jeder in Deckung gehen muss.

    Wenn sie auf den leisesten Widerstand im Freundeskreis, in der Schule trifft, nimmt sie das sofort auf ganz extreme Art persönlich und flippt erst aus, weint viel und verkriecht sich. Und es ist nicht möglich mit ihr gleich wieder Frieden zu schließen, das kommt für sie gar nicht in Frage. So lange alles nach ihrem Willen geht, so lange sie uneingeschränkte Bewunderung für ihre Leistungen und ihr Aussehen erhält, ist sie ein liebenswertes und herzensgutes Mädchen. Aber wenn das nachlässt oder sie Kritik einstecken muss ist der Teufel los.

    Was bei ihr auch schon immer eigenartig war, das Kind hatte nie regelmäßig Schlaf. Nachts ist sie bis heute sehr lange wach, sie kommt zwar morgens gut raus und ist in der Schule fit, aber nachmittags braucht sie dann ein Schläfchen. Vor 23 Uhr ist sie zwar ins Bett zu kriegen, aber sie schläft nicht. Und sie muss morgens um 5 Uhr aufstehen!

    Aktuell sind wir nun in einer sehr schwierigen und traumatischen Lebenssituation. Ihr Vater hat sie vor 3 Monaten das Leben genommen. Er war hochgradig depressiv, seine Mutter war das ebenfalls mit zusätzlichen schizzophrenen Phasen.
    Das Mädchen gibt sich selbst sehr viel Schuld an dem Suizid weil sie ca. 14 Tage vorher mit ihrem Vater den schlimmsten Streit aller Zeiten hatte und ab da bis zu seinem Tod nicht mehr mit ihm gesprochen hat. Sie hat jeden seiner Versuche ein Gespräch zu führen, ihn wieder an sich heran zu lassen, mit einer Radikalität abgeschmettert wie ich sie noch nie erlebt habe.
    Sie hat keine Schuld an seinem Tod. Er hat uns alle angelogen das es ihm besser gehen würde, und das er seine Medikamente nimmt und sich bei einem Therapeuten angemeldet hat. Nichts von dem hat er getan und eines Tages als meine Freundin mit den Kindern nicht zu Hause war hat er sich das Leben genommen.

    Das dieses Trauma für ein Kind nicht zu bewältigen ist, ist natürlich ganz klar. Dieses Mädchen ist nun völlig aus der Bahn geworfen und war bereits für mehrere Wochen in einer Klinik weil sie ständig Todessehnsucht geäußert hat.
    Sie hat sich völlig von ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder entfernt, sie behauptet nicht mehr zur Familie zu gehören und das jeder sie hasst. Sie terrorisiert ihre Mutter, ihre Wutausbrüche sind so intensiv das ihre Mutter sich einfach nicht mehr zu helfen weiß. Die Therapiestunden und die Trauerbegleitung können dieses brutale Verhalten auch nicht mildern.

    Es ist nach wie vor so, wenn alles nach ihrem Willen geht und jeder nur das sagt was sie hören will ist sie entspannt, hilfsbereit, kann lachen und auch mal fröhlich sein. Sobald sich diese Momente aber verändern, d.h. sie gerät mit ihrem 12-jährigen Bruder in Streit, eine Freundin hat keine Zeit, in der Schule wird sie nur schief oder mitleidig angeschaut, oder sie wird ermahnt weil sie sich nicht an eine Abmachung (um 22 Uhr Zuhause sein) hält, oder man rät ihr ein anderes Kleidungsstück anzuziehen weil dieses nicht zum Wetter passt oder zum Rest nicht so schön aussieht, bricht ein kriegsähnlicher Zustand aus.
    Sie bekommt Wutanfälle ungeahnter Intensität, sie schreit und weint, schmeisst Zeug durch die Gegen, beschimpft ihren Bruder und ihre Mutter auf das übelste. Das passiert von einer Sekunde auf die andere, ist nicht vorhersehbar, und dann verfällt sie in tiefste Depressionen die tagelang anhalten. Und in dieser Phase redet sie nur noch davon sich auch das Leben zu nehmen.

    Es herrschen Zustände die einfach nicht mehr auszuhalten sind. Meine Freundin und die beiden Kinder finden nicht zusammen. Der Sohn ist überhaupt nicht so, er möchte nur Frieden und Ruhe finden. Aber die Tochter ist einfach unberechenbar geworden. Die Therapie bringt nichts. Die Oma, die Tanten und Onkel, keiner findet einen Zugang zu diesem Mädchen. Sie blockt alles und jeden ab in diesen Phasen.
    Und dann steht sie nacht 2-3 Tagen des völligen Irrsinns morgens auf und ist wie ausgewechselt. Macht für alle Frühstück, ist freundlich und aufmerksam, hilf im Haushalt, geht die Oma besuchen. Und nur schon die Frage: geht es dir wieder besser?, lässt sie gleich wieder ausrasten. Mir geht es scheisse, mein Vater ist tot, ich bin krank im Kopf, glaubt ihr echt das es mir gut gehen könnte? Wenn ich auch tot bin, dann geht es mir gut. Ihr könnt mich alle mal, ihr findet mich alles doch nur scheisse.

    Natürlich ist der Suizid des Vater ein Trauma das die Kinder, und auch die Mutter, noch lange begleiten wird und immer ein Teil ihres Lebens bleiben wird. Und das wir von so etwas wie Normalität noch lange und sehr weit entfernt sind ist ganz klar.
    Aber nicht nur ich, sondern auch andere Freundinnen der Mutter, ja sogar sie selbst, sind sich nicht so ganz sicher, ob in den
    Ausrastern der Tochter nicht auch Berechnung ist. Ich war schon in Situationen dabei, da sah es so aus als würde sie absichtlich anfangen zu toben und zu weinen um ihren Willen durchzusetzen. Und wenn sie keine Chance sieht damit durchzukommen packt sie noch oben drauf das sie krank sei und es sowieso am besten wäre wenn sie von der Brücke springt.

    Ihr Verhalten seit frühester Kindheit hat sich jetzt, nach diesem Erlebnis, in so ein unvorstellbares Ausmaß erweitert das es wirklich nicht mehr auszuhalten ist. Ich sage das ganz deutlich, dieses Kind ist nicht mehr zu ertragen und sie macht ihren Bruder und ihre Mutter völlig fertig. Jeder Tag, der gut anfängt, an dem es Mutter und Sohn auch mal einfach nur gut geht, endet in einem Drama. Meine Freundin kann nicht mehr, sie ist am Ende. Der Tod ihres Mannes, der Papierkrieg, die Schulden die er hinterlassen hat, ihr eigenes Geschäft, ihre Trauer und die Sorgen um die Kinder, sie kann nicht mehr.

    Und ich sowie das weitere Umfeld stellen sich die Frage: wenn man das Kind von klein auf betrachtet, dann hat da früher schon was nicht gestimmt und keiner kam auf die Idee die Frage nach einer psychischen Störung zu stellen. Und mit Einsetzen der Pupertät wurde ihr Verhalten schon um einiges schlimmer. Und jetzt, jetzt ist es nicht mehr auszuhalten und wir stellen uns die Frage ob ihr jetziges Verhalten wirklich nur mit dem Tod des Vaters zusammenhängt oder ob da noch mehr dahinter steckt, was sie selbst gar nicht beeinflussen und steuern kann weil es eine Störung ist, die man nicht nur mit Gesprächen und Trauerarbeit abfangen kann.

    Vielleicht kann oder will sich jetzt hier niemand so konkret äußern weil es ein heißes Thema ist und niemand Erfahrung damit hat.
    Aber vielleicht hat jemand einen Rat an wen man sich noch wenden könnte oder kennt eine gute Lektüre die der Mutter weiter helfen würde das Verhalten ihrer Tochter klarer beurteilen zu können.

    Ich bin jedenfalls jetzt schon Dankbar für jeden Rat den ich bekommen kann.

  2. #2
    linebdp ist offline Veteran
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    06.05.2010
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    Standard Re: Bipolare Störung

    Das klingt wirklich dramatisch.
    Sie war doch in einer Klinik, das wird ja wohl eine Kinder- und Jugendpsychiatrie gewesen sein. Was haben die denn gesagt und unternommen? War das Thema Borderline schon mal im Gespräch?

    Insgesamt ist das für mich klar ein Fall für den Kinder- und Jugendpsychiater, wenn das noch nicht in die Wege geleitet wurde. Es ist dann dessen Sache, eine Diagnose zu stellen und eine entsprechende Behandlung zu veranlassen. Das Mädchen leidet ja selbst sicherlich unglaublich. Die Familie ohnehin.

    Psychische Störungen haben ja auch durchaus eine genetische Komponente. Ganz unabhängig von der momentanen Ausnahmesituation nach dem väterlichen Suizid gibt ja die Familienanamnese durchaus Hinweise auf die Möglichkeit (! Mehr sage und meine ich nicht) einer psychischen Störung.

    Ich wünsche der Familie alles Gute!!

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