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Thema: Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

  1. #1
    Dannyundfamiliy ist offline Stranger

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    Standard Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

    Hallo,

    wir sind eine bald fünfköpfige Familie und haben mit unserem Ältesten (jetzt 11 Jahre) einiges durchgemacht.

    Sorry...ziemlich lange Geschichte...versuche es zu verkürzen, aber obs was wird....

    Begonnen hat es schon mit 2 Jahren, als er Schreiattacken hatte, sobald ich (der Vater) aus dem Haus ging. Weiter ging es mit dem Rauswurf aus dem Kindergarten, schulische Probleme, Schule für Erziehungshilfe, Familienhelfer, .... er war also schon seit früher Kindheit verhaltensauffällig.

    Und dann kam der Hammer: Er hatte in kurzen Zeitabständen zweimal eine Harnwegsentzündung, die im Krankenhaus behandelt werden mußte.

    Wegen seiner Spritzenangst hat er sich nur unter gutem Zureden, einmal erst am zweiten Tag, die Nadel für die Infusion legen lassen.. Blut abnehmen war der absolute Horror mit Schreierei über den ganzen Flur, Wegrennen - das volle Programm. Naja...mit "Zauberpflaster" hat er dann doch noch zugestimmt. Und dann? Der Arzt hatte die falsche Stelle betäubt und einfach ohne Betäubung danebengestochen (mit festhalten).

    Danach wars natürlich ganz vorbei! Das Vertrauen war dahin und er hat jede Behandlung verweigert.

    Die Ärzte hatten bei ihm den Verdacht auf einen Reflux (mit sowas ist nicht zu spaßen) und er hätte untersucht werden müssen. Hat er aber nicht! Naja...und die Ärzte haben gesagt, das sie dann nichts machen können und ihn heimgeschickt.

    Familienhelfer, Leiter der Schule für Erziehungshilfe - alle waren beteiligt - nichts zu machen, wir mußten ihn unbehandelt mitnehmen. Damit war er das erste Mal in seinem Leben eine Gefahr für sich selbst und wir hatten Riesen-Angst, denn ein Reflux kann unbehandelt ruckzuck zu schweren Nierenschäden führen. Auf die Möglichkeit, mit einer Einstweiligen Verfügung die Untersuchung durchsetzen zu lassen, hat uns keiner der "Helfer" hingewiesen.

    Dieser Sieg wurde natürlich gefeiert! Ab diesem Zeitpunkt wußte er ja: Wenn ich nicht will - muß ich auch nicht! Und das hat er in vollen Zügen ausgelebt. Zu Hause, in der Schule - einfach überall.

    Also haben wir mit unserem Familienhelfer überlegt, was wir machen können (so gings ja nicht weiter) und sein Rat war: Eine befristete räumliche Trennung muß her! Am besten eine Wohngruppe. Dann könne man das Kind psychatrisch durchchecken, die Untersuchungen würden mit Therapien vorbereitet und wir hätten mal etwas Luft zum Atmen. Das Kind könnte nach der Eingewöhnungszeit jedes Wochenende nach Hause - alles prima...nur leider nicht durchführbar, denn lt. Jugendamt war er noch zu jung für diese Maßnahme.

    Also wurde weiter überlegt...und das ERgebnis war eine Erziehungsstelle. Da dürfte er zwar nicht jedes Wochenende heim, sondern nur jedes zweite oder dritte, aber in den Ferien, wenn die Familie nichts unternimmt, dürfte er heim. VIel mehr wußten wir nicht und weil wir im Zugzwang waren, haben wir zugestimmt.

    Das war unser größter Fehler, den nun ist unser Sohn sein 1 1/2 Jahren dort, wir haben ihn in dieser Zeit noch keine zehnmal zuhause gehabt, Weihnachten 2006 ohne ihn "gefeiert" und sogar die Sonntagstelefonate werden teilweise beschnitten, wenn sein Verhalten nicht dementsprechend war.

    Unser Kind ist so weit aus der Familie gerissen worden, wie es nie einer wollte und wo wir auch nie zugestimmt hätten. Wir alle vermissen ihn und auch er hat ständig heimweh... eine untragbare Situation, fast wie eine Trauer die nicht enden will....

    Übrigens: Die Untersuchung ist immer noch nicht gemacht worden. Erst jetzt, wo wir gesagt haben, daß das Kind nach Hause soll, hat man es wieder in Angriff genommen, trotz vieler Nachfragen unsererseits...

    Also wollen wir, daß er wieder nach Hause kommt!

    Jetzt die eigentliche Frage: Kann es da Schwierigkeiten geben?

    Ich lese nämlich immer mehr darüber, daß Kinder die in solche Stellen kommen, für üblich bis zur Verselbständigung dort bleiben sollen. Die "Herkunftseltern" müßten sich damit abfinden, daß sie zwar noch das Sorgerecht hätten, aber das Kind nicht mehr sehen usw. usw. usw. ....

    Kann ich bestimmen, daß mein Sohn wieder nach Hause kommt, oder kann das jemand verhindern?

    Wer hat hier Erfahrungen mit solchen Situaitionen?

    Viele Grüße
    von dannyundfamily

  2. #2
    Avatar von kati1966
    kati1966 ist gerade online Urgestein

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    Standard Re: Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

    ich wünsche euch das Beste. Bei uns im Bekanntenkreis ist ein Junge in eine Pflegefamilie gekommen , er wohnte in Thüringen und ist jetzt irgendwo an der Küste.

    Seine Eltern kamen nicht mehr mit ihm klar, nachdem er in schlechte Kreise abgerutscht war, von Alkohol und stärkeren Sachen war die Rede.

    Soweit ich gehört habe, bleibt er bis zum Abschluss der Schule und danach der Lehre dort (er ist jetzt 14).

    Er ist seit etwa einem halben Jahr fort und war jetzt mal über Vatertag zu Hause.

    Alles Gute Kati

  3. #3
    Dannyundfamiliy ist offline Stranger

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    Standard Re: Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

    Hallo Kati,

    danke für deine Antwort, die genau das bestätigt, was ich mittlerweile so alles über Erziehungsstellen herausbekommen haben.

    Da bei uns aber eigentlich die Rede von einem kurz- bis mittelfristigen Timeout war und uns nie jemand gesagt hat, daß wir unser Kind so selten zu Gesicht bekommen, fühlen wir uns schon eine ganze Zeit lang falsch beraten, ja sogar ziemlich hinters Licht geführt.

    Wir haben in der ganzen Zeit bei jeder Gelegenheit (Hilfeplan- und Helfergespräche, private Treffen mit den Erziehungsstellen"eltern" usw.) immer betont, daß uns das nicht Recht ist und daß das geändert werden muß. In Wirklichkeit ändert sich aber gar nichts! Als man im Januar auch noch die Besuchskontakte NOCH weiter einschränken wollte, weil er bei ihnen "nicht richtig ankommt" und ständig nur von uns erzählt, hat es uns gereicht und wir haben mal richtig auf den Tisch gehauen....naja zumindest ist es nicht weniger geworden....

    Wir haben halt nach der Lektüre der letzten Zeit echt Angst, daß man uns nicht Ernst nimmt, bzw. das Kind nicht "freiwillig" wiedergeben will und wir einen teuren Prozess führen müssen.

    Ich kann nur hoffen, daß man die Interessen unseres Sohnes richtig einschätzt. Er nämlich sagt genau dasselbe wie wir: Im Prinzip mag er die Leute dort auch und soooo schlecht ist es da nicht, aber er hat ständig Heimweh und vermisst uns. Er will einfach wieder nach Hause.

    Naja....die Briefe an die Erziehungsstelle und das Jugendamt sind raus....jetzt drehen sich die Mühlen...

    Ich hoffe, daß das so läuft, wie es richtig wäre...


    Viele Grüße
    dannyundfamily

  4. #4
    Avatar von kati1966
    kati1966 ist gerade online Urgestein

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    Standard Re: Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

    dann hoffe ich mal das Beste für euch. Der Junge um den es hier geht, kam im Elternhaus nicht zurecht. Die Mutter kümmerte sich nicht, der Vater zog aus, Sohn wurde von Mutter zu Vater zu Opa gereicht und sackte immer mehr in falsche Kontakte rein.

    Er hatte wohl auch Angst vor irgendeiner Clicke.
    Irgendwann schaltete wohl einer das JA ein und dann kam er zu einer Pflegefamilie bei der er sich wahrscheinlich sehr wohl fühlt.

    Aber er war auch glücklich, als er jetzt wieder ein paar Tage in seiner Heimatstadt sein durfte und seine "alten Kumpels" wiedersah, er bekam aber strenge Auflagen von den Pflegeeltern mit auf den Weg (kein Alk, keinen Mist bauen ... ).

    Ich wünsche euch alle Gute
    Kati

  5. #5
    claud79 Gast

    Standard Re: Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

    Es kann keinen sorgeberechtigten Eltern die Aufenthaltsbestimmung entzogen werden ohne das dafür Gründe vorliegen. Wenn ihr die Aufenthaltsbestimmung über euer Kind habt dann kann ein Kind gegen den Wunsch der sorgeberechtigten Eltern nicht irgendwo festgehalten werden

  6. #6
    Dannyundfamiliy ist offline Stranger

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    Standard Re: Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

    Hallo und vielen Dank für Eure Antworten,

    eigentlich haben wir die gleiche Rechtsauffassung. Wir haben das Sorgerecht, die Fremdunterbringung ging (notgedrungen und aufgrund falscher Voraussetzungen) von uns aus - also können wir auch sagen, wann Schluß ist.

    Es gibt aber für Pflegepersonen (welche Erziehungsstellen-Eltern ja sind) die Möglichkeit, einen Verbleibensantrag zu stellen. Das wird zwar vom Gesetzgeber extrem eingeschränkt, aber man weiß ja nie wie solche Sachen ausgelegt werden, wenns hart auf hart kommt (was wir nicht hoffen und wonach es auch bisher nicht aussieht).

    Hoffen wir das Beste und warten auf den 20. Juni...

    Viele Grüße
    dannyundfamily

  7. #7
    TiniF ist offline 6-fach Mum

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    Standard Re: Erziehungsstelle - Wir wollen nicht mehr!

    Du kannst jederzeit deinen Sohn nach Hause holen, du brauchst es nicht einmal zu begründen. Meine Große war auch schon bei Pflegeeltern (hat ADHS und ich brauchte mal nach 13 Jahren ne Pause) und ich habe sie nach nicht mal 3 Monaten wieder geholt, sie durfte nur mit Lautsprecher mit mir telefonieren, der Pflegevater hat sie sehr oft beleidigt Beurlaubungen wurden immer umgangen und so weiter. Erwarte aber nicht das du ein völlig anderes Kind wieder bekommst. Meistens fallen sie erstmal in alte Verhaltensmuster zurück. So wie du deinen Sohn beschreibst drängt sich mir der Verdacht auf das er auch ADHS haben könnte, habt ihr dahingehend schon mal Tests machen lassen? Wie war er den als Baby? Falls es dir nichts ausmacht schreib doch mal einer Art Lebenslauf.

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