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Thema: Aggressivität gegenüber Geschwistern

  1. #1
    Bine79 ist offline Stranger

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    Standard Aggressivität gegenüber Geschwistern

    Hallo,

    ich habe drei Kinder (Tochter 6 1/2J., Sohn 4 1/2 J. und Sohn 20 Mon.). Meine Tochter ist von klein an ziemlich anstrengend (Trotzphase von 15 Mon. bis 5 1/2 J., kann sich nur sehr selten allein beschäftigen, ist sehr fordernd und sehr, sehr eifersüchtig, insbesondere auf den Mittleren). Obwohl ich mir viel Mühe gegeben habe, dies zu vermeiden bzw. zu mindern, war die Eifersucht auf ihren Bruder so stark, dass sie ihn im Kleinkindalter ständig geschubst und gehauen hat. Seit der Geburt des zweiten Bruders hatte sich das deutlich gebessert, die beiden älteren spielen oft zusammen und die Streitereien wurden seltener.

    Doch seit ein paar Monaten wurde es erst schleichend, dann in den letzten beiden Wochen rapide schlimmer. Die beiden gehen in denselben Kindergarten, aber in verschiedene Gruppen, und dort passt sie ihn auf dem Gang oder im Waschraum ab und versucht gezielt und für meine Begriffe ausgesprochen brutal, ihn zu verletzen. Zu Hause ist es zwar auch schon vorgekommen, im Kindergarten inzwischen fast täglich. Sie tritt ihn in den Bauch oder auf die Nase bis zum Nasenbluten. Sie schubst ihn von hinten an der Treppe, an der Straße oder wenn er rennt. Am Freitag hat sie ihn mit der Schere absichtlich in den Finger geschnitten, erst einmal, als es noch nicht blutete, noch einmal fester. Ich bin total erschüttert und habe Angst davor, wohin das noch führt, denn es steigert sich. Das passiert praktisch nie aus einem Streit heraus, sondern aus heiterem Himmel. Sie wollen auch (beide) ständig zusammen sein und spielen. Ich kann aber nicht ununterbrochen daneben stehen und aufpassen, dass nicht irgendwann etwas noch Schlimmeres passiert. Wenn die Erzieherin oder ich sie ruhig fragen, warum sie das macht, sagt sie nichts. Wenn ich sehr wütend bin, guckt sie ängstlich und zuckt mit den Schultern. Wir waren einige Zeit vor der Geburt des Jüngsten mit ihr in psychologischer Behandlung, das hat ihr gefallen, aber nichts Spürbares bewirkt. Die Erzieherinnen im früheren und im jetzigen Kindergarten sagen alle, sie hätten noch nie so ein erziehungsresistentes Kind erlebt.

    Mir ist klar, dass sie gern mehr Aufmerksamkeit hätte und dass sie sich zurückgesetzt fühlt, zumal unser Verhältnis durch ihr Verhalten etwas angespannt ist. Aber ich versuche ganz gezielt, ihr "Exclusivzeit" zu geben und privilegiere sie ein bißchen als Älteste, aber sie kommt mir, was Aufmerksamkeit und Liebe anbelangt, vor wie ein Faß ohne Boden. Natürlich bekommt sie auch viel negative Aufmerksamkeit, weil wir eben oft Auseinandersetzungen mit ihr haben. Da der Mittlere ein ausgesprochen pflegeleichtes, ruhiges Kind ist, bekommt er mehr positive Aufmerksamkeit, aber er droht auch ein bißchen "unterzugehen", weil er eben nicht so viel fordert.
    Der Jüngste hält mich auch sehr auf Trab, ist zwar der ewige Sonnenschein, macht aber viel Unsinn. Auch er ist gelegentlich Opfer ihrer Attacken (Schubsen, Festhalten, Spielzeug wegnehmen), aber seltener und nicht so schlimm.

    Entschuldigung, das ist jetzt viel länger geworden als geplant. Was denkt Ihr, was dahintersteckt und wie ich dem begegnen könnte? Es ist schrecklich, hilflos daneben zu stehen und sein eigenes Kind nicht zu verstehen.

    Bine79

  2. #2
    2fachmama ist offline enthusiast

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    Standard Re: Aggressivität gegenüber Geschwistern

    Hallo Bine79!

    Das hört sich erst mal schon heftig an. Was raten dir die Erzieherinnen? Benimmt sie sich anderen Kindern gegenüber ähnlich oder beschränkt sich das aggressive Verhalten ausschließlich auf ihre Geschwister.
    Unser Großer (4,5 Jahre) ist auch sehr aggressiv seinem kleinen Bruder (2 Jahre) gegenüber. Bei uns ist es jedoch meist so, dass der Kleine irgendwas gemacht hat, was ihm nicht gepasst hat, und wenn er ihn nur schief angeschaut hat. Für sich findet er immer einen Grund, weshalb er ihn schubst, haut, beißt und zwickt. Oft kann er seine Kraft auch gar nicht richtig einschätzen bzw. die Folgen seines Tuns.

    Welche Art psychologische Behandlung war das?
    Hast du schon mit dem KiA darüber gesprochen? Was sagt der dazu? Unser KiA hat uns zur Frühförderstelle geschickt. Da haben wir im März den ersten Behandlungstermin. Zuvor waren wir bei der Erziehungsberatungsstelle, da wir uns auch nicht mehr zu helfen wussten.

    Warum wurde sie noch nicht eingeschult? Könnte es sein das sie unterfordert ist?

    Hol dir auf jeden Fall irgendwo Hilfe, bevor ihr noch mehr unter der Situation leidet. Du schreibst ja selber, dass euer Verhältnis schon ein bisschen angespannt ist. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Wobei sich unser Großer auch anderen Kindern gegenüber oft nicht korrekt benimmt. Irgendwann war ich dann nur noch mit seinem auffälligen Verhalten beschäftigt und habe die schönen Momente nicht mehr gesehen bzw. genießen können. Wir machen jetzt eine Mutter-Kind-Kur, unter anderem, damit ich lerne ihn wieder mit anderen Augen zu sehen. Nicht nur als das Problemkind.

    Liebe Grüße
    2fachmama
    Geändert von 2fachmama (19.02.2009 um 22:31 Uhr)

  3. #3
    Bine79 ist offline Stranger

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    Standard Re: Aggressivität gegenüber Geschwistern

    Hallo 2fachmama!

    Danke für Deine Antwort.

    Die Erzieherinnen raten gar nichts, die sind selbst hilflos. Sie ist auch gegenüber anderen Kindern manchmal aggressiv, aber seltener und nicht so brutal, eher so wie beim Jüngsten - einfach aus lauter Übermut.

    Sie ist noch nicht eingeschult, weil sie nach dem Stichtag geboren ist, also erst dieses Jahr schulpflichtig wird, und der Schularzt letztes Jahr meinte, sie hätte zwar die geistige, aber noch nicht die soziale Reife für die Schule (u. a. wegen der von mir beschriebenen Vorfälle). Ich versuche aber, sie geistig zu fordern, mit Basteln, Buchstabenlernen, Lernspielen u. ä., auch der Kindergarten ist darin sehr gut.

    Den Kinderarzt habe ich wegen der aktuellen Dinge noch nicht befragt, zum Verhalten zuvor meint er nur "Abwarten, das gibt sich".

    Die psychologische Beratung war in einer Erziehungsberatungsstelle. Sie hat das Problem zwar nicht gelöst, aber uns schon gut getan (mir auch, eben wegen der Sichtweise "Problemkind"). Wir sind aber inzwischen aufs Dorf gezogen, d. h. die nächste Erziehungsberatung ist weit weg. Auch habe ich nicht mehr die Zeit, weit zu fahren und dann allein mit ihr hinzugehen. Ich müßte zumindest den Jüngsten immer mitnehmen, glaube nicht, dass es dann noch effektiv wäre (sie fand daran am besten, dass ich allein mit ihr dort war). Der Mittlere müßte dann länger im Kindergarten bleiben, das würde wieder ihn zurücksetzen.

    Mutter-Kind-Kur hab ich auch schon mal überlegt, aber die Probleme sind dieselben. Mit allen dreien fahren, davor graust es mir ehrlich gesagt, hier kann wenigstens mein Mann mal auf die Kinder aufpassen. Aber vier Wochen nur ich - rund um die Uhr??? Ich bin nicht sicher, ob ich sie dann entspannter betrachten kann.;-)

    Aber es ist gut zu wissen, dass auch andere das Problem kennen, ich sehe schon selektiv immer nur Geschwister, die sich rührend umeinander kümmern.

    Wahrscheinlich wird mir nichts anderes übrig bleiben, als nochmal den Spagat mit der Erziehungsberatung zu machen...

    Liebe Grüße
    Bine79

  4. #4
    2fachmama ist offline enthusiast

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    Standard Re: Aggressivität gegenüber Geschwistern

    Hallo Bine79!

    Das mit dem Übermut kenne ich auch. Oft geht sozusagen "der Gaul mit ihm durch" und er merkt gar nicht, dass den anderen Kindern das grad zuviel wird. Das mit dem gezielt Hauen beschränkt sich mittlerweile größtenteils auf seinen kleinen Bruder.

    Der Kinderarzt hat bei uns anfangs, als ich ihn die erstenmale auf das Verhalten von unserem Großen angesprochen habe, auch immer abgeblockt mit das wächst sich schon noch aus, manche Kinder sind halt lebhafter usw. Erst als wir ihm einen Entwicklungsbericht des Kindergartens vorlegten, in dem vor allem auf seine Defizite im Sozialverhalten hingewiesen wurde, nahm er mich ernst (zumindest hatte ich bis dato das Gefühl, er wäre der Meinung, ich sei bloß überfordert). Daraufhin schlug er eben vor, mal in der Frühförderstelle vorzusprechen. Dort könnte man Sozialverhalten (mit dafür ausgebildeten Pädagogen) mit den Kindern immer wieder üben und einstudieren, in kleinen Gruppen mit anderen Kindern, aber auch mit dem Geschwisterkind. Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass jemand "Hausbesuche" macht um mal die "Alltagssituation" zu beobachten und Verbesserungsvorschläge macht (quasi wie bei Supernanny, nur anonym). Vielleicht könnt ihr sowas mal anregen.

    Mu-Ki-Kur habe ich dann auf anraten einer Freundin und des KiA beantragt. Anfangs dachte ich auch, dass wird ja noch schlimmer als zu Hause, aber mittlerweile freue ich mich total, wenns am Dienstag losgeht. Ich gehe mal davon aus, dass beide mit der Fremdbetreuung klarkommen, da dass bis jetzt auch kein Problem war, und sie sich momentan total darauf freuen, wenn sie gemeinsam in den Kindergarten gehen dürfen. Somit könnte ich alleine etwas Entspannung finden und dann hoffe ich auch auf Lösungsvorschläge bzw. Therapiestunden bezüglich der extremen Geschwisterrivalität (war eine der Indikationen) sowie des allgemeinen Sozialverhalten. Denke mal das spielt sich ähnlich ab wie in der Frühförderstelle, nur geballter. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass das für mich wie Urlaub wird. Unser Großer fährt übrigens als "zu behandelndes Kind" mit, der Kleine lediglich als Begleitperson. Und ich hoffe natürlich, dass, wenn mal der ganze Alltag nicht anfällt (Wäsche, Kochen, Putzen, Einkaufen usw.) ich mich auch wieder etwas mehr auf die Kinder einlassen kann.

    Und ja, um mich herum sind auch nur Geschwisterkinder die sich lieben.:)

    Liebe Grüße
    2fachmama
    Geändert von 2fachmama (22.02.2009 um 11:53 Uhr)

  5. #5
    Bine79 ist offline Stranger

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    Standard Re: Aggressivität gegenüber Geschwistern

    Hallo 2fachmama,

    von der Frühförderstelle hatte ich noch nie gehört und konnte mir auch nichts darunter vorstellen. Aber das, was Du darüber schreibst, klingt höchst interessant, das ist ja wie für uns gemacht. Dann werde ich statt weiterer Erziehungsberatung mal Deinen Weg ausprobieren und nochmal den Kinderarzt direkt darauf ansprechen.

    Die Mutter-Kind-Kur hebe ich mir lieber als allerletzten Ausweg auf. Sicher, keine Alltagsarbeiten zu haben, bringt bestimmt auch schon was, aber schon ein Leben ohne Laufstall... puh! (Ich bewahre den Kleinen nicht darin auf, es geht oft tagelang ohne, aber wenn er grad einen schlechten Tag hat, kommt man mit Katastrophenverhindern und Beseitigung der gröbsten Schäden gar nicht hinterher.) Außerdem war der Jüngste noch nie in Fremdbetreuung und ich meine gehört zu haben, dass sie auch in der Kur nur Kinder ab 3 Jahren nehmen.

    Ich wünsche Euch gute Erholung und viel Erfolg!
    Liebe Grüße
    Bine79

  6. #6
    2fachmama ist offline enthusiast

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    Standard Re: Aggressivität gegenüber Geschwistern

    Hallo nochmal!

    Wie gesagt, ich würde den Kiga mal darauf ansprechen, ob du nicht von denen eine(n) Bestätigung/Entwicklungsbericht für den KiA bekommen könntest. Damit der sieht, dass auch erfahrene Pädagogen das Benehmen/Sozialverhalten deiner Tochter als nicht mehr "im Rahmen" einstufen (ist nicht bös gemeint :) ).
    Ansonsten wird in der Frühförderstelle Ergotherapie, Logopädie bzw. Unterstützung durch Kinderpsychologen angeboten. Ein Rund-um-Paket sozusagen. Jedoch wird von denen erstmal geprüft, ob das Kind diese Maßnahme auch benötigt. Schließlich muss das ganze die Krankenkasse bezahlen.

    Richtige Fremdbetreuung hatte unser Kleiner (er ist übrigens im Januar zwei geworden) auch noch nicht regelmäßig. Er ist halt mal bei den Großeltern/Freunden oder auch mal für eine Stunde im Kiga des Großen etc. Aber er ist Kindern gegenüber total offen und freut sich über jeden Kontakt zu ihnen. Ganz im Gegenteil zu unserem Großen in dem Alter. Da er trotz allem seinen großen Bruder vergöttert und mit ihm durch die Hölle gehen würde (was auch nicht immer das beste ist, er kopiert ihn mittlerweile in allem und es entstehen richtige Zweikämpfe zwischen ihnen mit "Verletzten" auf beiden Seiten), denke ich nicht, dass die Betreuung für ein paar Stunden am Tag (evtl. mit Pausen dazwischen, je nachdem wie das sonstige Programm gestaltet wird) ein großes Problem werden dürfte. Aber mal sehen.
    Außerdem haben wir ein Kurhaus die Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr anbieten.
    Wobei ich dich schon verstehen kann, wenn du damit noch warten möchtest, bis dein Kleiner vielleicht etwas älter ist. Drei Kinder mitzunehmen ist sicher eine größere Herausforderung als zwei Kinder.

    Liebe Grüße
    2fachmama
    Geändert von 2fachmama (22.02.2009 um 19:26 Uhr)

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