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  1. #1
    Avatar von -inselkind-
    -inselkind- ist offline kemasmama

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    Standard pflegekinder - erfahrungen?

    unsere tagesmutter rief gestern spätabends an um für heute abzusagen.
    das jugendamt mußte kurzfristig ein baby in kurzzeitpflege unterbringen und hat niemanden gefunden ausser ihr. :(

    ich hab ja schon länger an pflegekinder gedacht. allerdings läßt es die situation hier wohl eher nicht zu dauerhaft ein kind aufzunehmen. da müssen ja auch bauliche voraussetzungen (eigenes zimmer, genügend platz) erfüllt sein. und mit meiner arbeit und der eigenen betreuungssituation ginge das wohl auch eher schlecht.

    aber so als kurzzeitpflege? notfallversorgung? geht das überhaupt?
    hat da jemand erfahrung was da auf einen zukommt, welche voraussetzungen man braucht?
    ich werd mich die tage mal mit dem jugendamt in verbindung setzen, aber wüßte gerne schon vorher ob das überhaupt sinn macht!

    davon abgesehen, mir geht der arme wurm grad nicht aus dem kopf. ein paar wochen alt und muß aus der familie genommen werden
    LG Bine 95/05/07/07/09/11/14

  2. #2
    enomis678 ist offline VierMädelHaus

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    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Zitat Zitat von -inselkind- Beitrag anzeigen
    unsere tagesmutter rief gestern spätabends an um für heute abzusagen.
    das jugendamt mußte kurzfristig ein baby in kurzzeitpflege unterbringen und hat niemanden gefunden ausser ihr. :(

    ich hab ja schon länger an pflegekinder gedacht. allerdings läßt es die situation hier wohl eher nicht zu dauerhaft ein kind aufzunehmen. da müssen ja auch bauliche voraussetzungen (eigenes zimmer, genügend platz) erfüllt sein. und mit meiner arbeit und der eigenen betreuungssituation ginge das wohl auch eher schlecht.

    aber so als kurzzeitpflege? notfallversorgung? geht das überhaupt?
    hat da jemand erfahrung was da auf einen zukommt, welche voraussetzungen man braucht?
    ich werd mich die tage mal mit dem jugendamt in verbindung setzen, aber wüßte gerne schon vorher ob das überhaupt sinn macht!

    davon abgesehen, mir geht der arme wurm grad nicht aus dem kopf. ein paar wochen alt und muß aus der familie genommen werden
    Erfahrungen habe ich damit nicht. Aber meiner Schwägerin, die auch TaMu ist, ist ähnliches passiert. Sie bekam quasi über Nacht ein 9 Monate altes Baby vom JA "überreicht". Das Kind hatte nichts wie einen Body und Socken an (es war Oktober). Es hatte ganz schlechte Haut - Neurodermitis - und keine Pflegeprodukte, Kleidung, Windeln, Kuscheltier... dabei. Sie hat dem Jungen dann erstmal Klamotten von ihren Töchtern angezogen und ist am nächsten Tag mit ihm zum Hautarzt um sich Creme aufschreiben zu lassen. Sie hatte ihn dann fast 3 Wochen, bis sich eine Familie gefunden hatte die ihn in Dauerpflege aufnehmen konnte.
    Meine Schwägerin hat hinterher gesagt, das sie das nie nie wieder machen würde. Das Schicksal dieses Jungen hat sie derart mitgenommen, dass sie heute noch schlecht davon träumt. Bei allem guten Willen den man hat, muss man sich echt gut überlegen, ob man das selbst aushalten kann.

    6/95, 4/08, 6/10, 12/12

  3. #3
    Zwerghausen Gast

    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Zitat Zitat von -inselkind- Beitrag anzeigen
    unsere tagesmutter rief gestern spätabends an um für heute abzusagen.
    das jugendamt mußte kurzfristig ein baby in kurzzeitpflege unterbringen und hat niemanden gefunden ausser ihr. :(

    ich hab ja schon länger an pflegekinder gedacht. allerdings läßt es die situation hier wohl eher nicht zu dauerhaft ein kind aufzunehmen. da müssen ja auch bauliche voraussetzungen (eigenes zimmer, genügend platz) erfüllt sein. und mit meiner arbeit und der eigenen betreuungssituation ginge das wohl auch eher schlecht.

    aber so als kurzzeitpflege? notfallversorgung? geht das überhaupt?
    hat da jemand erfahrung was da auf einen zukommt, welche voraussetzungen man braucht?
    ich werd mich die tage mal mit dem jugendamt in verbindung setzen, aber wüßte gerne schon vorher ob das überhaupt sinn macht!

    davon abgesehen, mir geht der arme wurm grad nicht aus dem kopf. ein paar wochen alt und muß aus der familie genommen werden

    Ich bin Bereitschaftspflegemutter. In 5,5 Jahren haben 20 Kinder hier gewohnt. Einige nur wenige Tage, abdere bis zu 9 Monaten.
    Im schnitt dauert die Klärungsphase 6 Monate. Länger dauert es wenn ein Gutachten hinzu kommt. Wobei auch dies nat. von Amt zu Amt und von Stadt zu Stadt unterschiedlich ist!
    Die Kinder kommen selten mit "Voranmeldung". Oft sitzt das Ja. schon im Auto wenn hier das Telefon klingelt. Die Kinder haben manchmal Säckeweise (unbrauchbare)-Kleidung dabei, oder nur eine Tüte wo in der schnelle etwas reingeschmissen wurde, oder eben gar nichts.
    Sie sind meist verdreckt, stinken, sind allgem. ungepflegt. Einige sind von Gewalt gezeichnet, andere haben diese Psychisch erlebt.
    Alle tragen ihr Päckchen mit und packen es stück für stück aus. Die meisten sind Verhaltensauffällig und haben Probleme mit dem Thema Essen.

    Wir päpeln sie auf, medizinisch, mit viel Liebe, aber auch mit Regeln und Struktur. Am besten läuft es wenn jeder! Tag gleich ist. Das gibt viel Sicherheit.
    Beim Ja. haben wir damals ein Seminar besucht. Außerdem wirst du hier auf Herz und Nieren geprüft, Führungszeugniss usw.

    Wir brauchten ein freies Zimmer, Grundausstattung, Führerschein + Auto und ich darf nicht Arbeiten gehen.
    Es gibt viele Termine nebenher, gerade in den ersten Wochen.

    Mir macht diese Arbeit sehr viel "Spass". Es erfüllt mich einfach, es ist wie eine Berufung. Und so muss man es auch sehen. Man muss die Kinder lieben, darf sich aber nicht verlieben. Das kann nicht jeder...
    So schlimm die Leiblichen Eltern auch sein mögen, du musst ihnen freundlich entgegentreten. Du hast keinerlei Rechte, nur Pflichten. Und wenn der Richter sagt, das Kind geht zurück, dann musst du dies positiv gestallten, für das Kind.
    Weinen darf man hinterher...



  4. #4
    sindzusiebt ist offline addict

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    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Für kurzfristige Aufnahmen aus Inobhutnahmen stehen den Jugendämtern normalerweise Bereitschaftspflegefamilien zur Verfügung.
    Diese nehmen kurzfristig und übergangsweise Kinder auf. Um als Bereitschaftspfl.familie zu arbeiten, musst du dich vom Jugendamt überprüfen und ausbilden lassen. Ein eigenes Zimmer für die Kinder ist ratsam, es sei denn man nimmt nur Babys auf. Ansonsten muss einem klar sein, dass diese Kinder oft in sehr erbärmlichen Zustand ankommen. Sie können sehr verstört, schmutzig, stinkend, verlaust, ausgehungert uvm. sein. Ebenso aber auch völlig distanzlos und überaus zutraulich sein. Es ist meist unklar, WAS genau die Kinder erlebt haben und welche Verhaltensweisen sie mitbringen. Hatten die Kinder Gewalterfahrung und üben selbst GEwalt aus? Haben sie schlechte Erfahrungen mit Wasser? Liegt z. B. sex. Missbrauch vor und das Kind zeigt sexualisiertes Verhalten, wovor andere Kinder geschützt werden müssen?
    Auch Babys können schon traumatisiert sein. Evtl. haben sie keinerlei Rhythmus, sind alkoholgeschädigt oder müssen einen Entzug anderer Substanzen durchmachen. Und haben dadurch lange Schreiphasen.
    Vieles ist möglich. Nichts muss! Da muss man sich überlegen, was man leisten kann. Denn einfach mal ausprobieren und nach ein paar Tagen weiterreichen ist für diese Kinder ein Fiasko.
    Wichtig zu wissen ist, dass bei Bereitschafts- und Kurzzeitpflege natürlich häufige Kontakte mit den Eltern anstehen. Da ist zu Bedenken: Kann ich mit "solchen" Leuten respektvoll umgehen? Ertrage ich es, die Kontakte durchzuführen, auch wenn ich das Kind hinterher leiden sehe? Habe ich Kraft und Zeit das Kind hinterher aufzufangen?

    Wenn ihr euch das zutraut, dann nur zu, bewerbt euch beim JA! Pflegeeltern werden gebraucht!

    Mehr gerne auch per PN

  5. #5
    Zwerghausen Gast

    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Zitat Zitat von sindzusiebt Beitrag anzeigen
    Für kurzfristige Aufnahmen aus Inobhutnahmen stehen den Jugendämtern normalerweise Bereitschaftspflegefamilien zur Verfügung.
    Diese nehmen kurzfristig und übergangsweise Kinder auf. Um als Bereitschaftspfl.familie zu arbeiten, musst du dich vom Jugendamt überprüfen und ausbilden lassen. Ein eigenes Zimmer für die Kinder ist ratsam, es sei denn man nimmt nur Babys auf. Ansonsten muss einem klar sein, dass diese Kinder oft in sehr erbärmlichen Zustand ankommen. Sie können sehr verstört, schmutzig, stinkend, verlaust, ausgehungert uvm. sein. Ebenso aber auch völlig distanzlos und überaus zutraulich sein. Es ist meist unklar, WAS genau die Kinder erlebt haben und welche Verhaltensweisen sie mitbringen. Hatten die Kinder Gewalterfahrung und üben selbst GEwalt aus? Haben sie schlechte Erfahrungen mit Wasser? Liegt z. B. sex. Missbrauch vor und das Kind zeigt sexualisiertes Verhalten, wovor andere Kinder geschützt werden müssen?
    Auch Babys können schon traumatisiert sein. Evtl. haben sie keinerlei Rhythmus, sind alkoholgeschädigt oder müssen einen Entzug anderer Substanzen durchmachen. Und haben dadurch lange Schreiphasen.
    Vieles ist möglich. Nichts muss! Da muss man sich überlegen, was man leisten kann. Denn einfach mal ausprobieren und nach ein paar Tagen weiterreichen ist für diese Kinder ein Fiasko.
    Wichtig zu wissen ist, dass bei Bereitschafts- und Kurzzeitpflege natürlich häufige Kontakte mit den Eltern anstehen. Da ist zu Bedenken: Kann ich mit "solchen" Leuten respektvoll umgehen? Ertrage ich es, die Kontakte durchzuführen, auch wenn ich das Kind hinterher leiden sehe? Habe ich Kraft und Zeit das Kind hinterher aufzufangen?

    Wenn ihr euch das zutraut, dann nur zu, bewerbt euch beim JA! Pflegeeltern werden gebraucht!

    Mehr gerne auch per PN

    So habe ich es auch gerade beschieben

  6. #6
    Avatar von Tobka
    Tobka ist offline Veteran

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    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Wie organisiert man das mit eigenen Kindern? Und wie gehen diese damit um? Ich frage interessehalber, weil ich es mir sehr schwer vorstelle und selbst wohl nicht leisten könnte Hast Du immer Kinder bei Dir oder gibt es auch Zeiten, wo Du keine Pflegekinder hast? Das wäre ja finanziell dann auch schwierig (weil du ja nicht woanders arbeiten gehen kannst) oder bekommt man da pauschal monatlich etwas, auch wenn man gerade kein Kind hat? Ich merke gerade, dass ich überhaupt keine Ahnung von diesem Thema habe (unsere Vormieter haben vier Pflegekinder und hier im Dorf geht die Mähr, sie hätten sich "damit" ihr Haus finanziert, nach dem Motto: So leicht will ich auch mal an Geld kommen... )
    LG, tobka

    Tochter 04/02, Sohn 01/07, Sohn 11/08, Tochter 03/12

  7. #7
    Zwerghausen Gast

    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Zitat Zitat von Tobka Beitrag anzeigen
    Wie organisiert man das mit eigenen Kindern? Und wie gehen diese damit um? Ich frage interessehalber, weil ich es mir sehr schwer vorstelle und selbst wohl nicht leisten könnte Hast Du immer Kinder bei Dir oder gibt es auch Zeiten, wo Du keine Pflegekinder hast? Das wäre ja finanziell dann auch schwierig (weil du ja nicht woanders arbeiten gehen kannst) oder bekommt man da pauschal monatlich etwas, auch wenn man gerade kein Kind hat? Ich merke gerade, dass ich überhaupt keine Ahnung von diesem Thema habe (unsere Vormieter haben vier Pflegekinder und hier im Dorf geht die Mähr, sie hätten sich "damit" ihr Haus finanziert, nach dem Motto: So leicht will ich auch mal an Geld kommen... )

    Meine Kinder sind da reingewachsen und nehmen die Besucherkinder immer Herzlich auf. Gut, mein Sohn sagt schonmal das Babys nerven wenn sie schreien, aber das ist jetzt kein Grund für mich diese Tätigkeit zu beenden.
    Es gäbe aber Gründe, das muss man wohl individuell als Familie besprechen.
    Wir müssen finanziell unabhängig sein. Es muss auch reichen wenn ich nicht arbeite, denn es stimmt, wenn kein Kind da ist, "verdiene" ich nichts! Damit muss ich immer rechnen und Haushalten.
    Doch in den letzten drei Jahren bin ich quasi dauerbelegt. Mal 7 Tage frei, mal 10 Tage...
    Und dann bekommen wir reichlich Geld. Ich sehe das so. Im gegensatz eines Heimplatzes sind wir spottbillig, aber dennoch ist es Geld und für mich als Job zu betrachten. Da geht das ein und andere extra von dem Geld - nur langfristig Planen geht eben nicht. Also nicht diverse Sportvereine, Hobbys, Abos usw.

    Es gibt IMMER Leute die reden. Ich bin zb. Herzlos und Gefühlskalt weil ich ja die Kinder alle wieder her gebe. Und ich mache es nur des Geldes wegen, wer würde sowas auch sonst machen! Und das große Auto kommt nat. auch durch die Pflegekinder, quasi vom Ja. finanziert... :D
    Ohne finanzieller Hilfe könnte ich auch kein weiteres Kind durchfüttern, und das was gezahlt wird bestimmt das Amt. Ich kann schlecht sagen mir würde die hälfte von dem genügen
    Ich stecke es gerne in die Kinder, auch in meine. Und ich den Familienurlaub, den wir alle brauchen

  8. #8
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Eine Bekannte von mir hatte das als Job - Bereitschaftsdienst. Sie hielt ein Zimmer in Bereitschaft und bekam mit 30 Minuten Vorwarnzeit Kinder zwischen 10 Tagen und 16 Jahren für 1 Tag bis 1 Jahr lang überreicht
    In unserem Landkreis damals musste man aber Psychologin sein, um das machen zu dürfen.
    Sie hatte mal ein kleines Baby mit Schütteltrauma, er war gleich alt wie meine Jüngste. Den Jungen hatte sie 9 Monate lang und musste dann die Mutter betreuen und "anlernen", denn sie hat ihn wiederbekommen. Da hat meine Bekannte zugegeben, dass das sehr hart war - das Kind wieder abgeben und dann auch noch zusehen müssen, wie das Kind einer Mutter gegeben wird, die frisch aus dem Gefängnis kam und keine Plan hat. Boah, das hat mich damals echt beschäftigt :(
    mit Mädelshaushalt (03, 05, 07, 10, 13)
    .. und einem, der fehlt (05)

  9. #9
    tufle ist offline Fernwehgeplagte

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    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Mein Respekt an euch Pflegemütter. Ich wär da zu labil für. Mich nehmen schon die schlechten Nachrichten aus TV mit, wenn mal wieder ein Kind verhungern musste oder ähnliches. Und dann hautnah das Kind erleben, Liebe schenken und dann abgeben müssen - das würd mich innerlich zerreissen. Da würd ich jede Sekunde an das Kind denken, obs ihm wohl grad gut geht....
    Das Quartett:
    2005, 2007, 2008, 2011

  10. #10

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    Standard Re: pflegekinder - erfahrungen?

    Zitat Zitat von tufle Beitrag anzeigen
    Mein Respekt an euch Pflegemütter. Ich wär da zu labil für. Mich nehmen schon die schlechten Nachrichten aus TV mit, wenn mal wieder ein Kind verhungern musste oder ähnliches. Und dann hautnah das Kind erleben, Liebe schenken und dann abgeben müssen - das würd mich innerlich zerreissen. Da würd ich jede Sekunde an das Kind denken, obs ihm wohl grad gut geht....
    Das dachte ich mir eben auch: Hut ab, wer das kann. Ich weiß, daß das eine immens wichtige Aufgabe ist und wenn meine Kinder größer sind, dann würde ich mir wünschen, daß ich das auch könnte. Aber ich könnte es nicht.
    Ihr habt wirklich meine volle Hochachtung.
    Mit der Rasselbande: September '07, Mai '09 und Dezember '11

    Wenn nicht in Weisheit, so in Liebe geborgen und ich mach' mit Liebe alles falsch so gut ich kann.
    Reinhard Mey

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