Seite 2 von 2 ErsteErste 12
Ergebnis 11 bis 18 von 18
Like Tree1gefällt dies

Thema: Definition "geistig behindert"

  1. #11
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von valentin2003 Beitrag anzeigen
    Ich hatte vor ca. 1 Jahr ein persönliches Schlüsselerlebnis. Ich bin auch Lehrerin an einer Schule mit Inklusion (1 Drittel der Klasse hat irgendein Handicap: geistig, körperlich, Down...) Die restlichen Kinder sind ebenfalls bunt gewürfelt (ADHS, hochbegabt...) altersgemischt. Insgesamt ein bunt gewürfelter, total liebenswerter ,,Haufen''. Mein Sohn ist jetzt 10. Er wollte unbedingt die Klasse kennenlernen. Ich habe ihm im Vorfeld kurz einige Fragen beantwortet, aber wirklich nur kurz.
    Er kam in meine Klasse und es war natürlich anfangs ungewohnt. Heute ist er sobald es geht (nachmittags oder am Wochenende/Ferien) dabei. Den einen mag er (körperlich behindert, verständigt sich über einen Sprachcomputer), weil der so wahnsinnig witzig ist. Das andere Mädel mit Down, weil sie so lustig lacht. Er schiebt die Rollstühle, fährt Slalom in der Turnhalle (wir haben Rollstühle für die Fußgänger), hilft beim Essen...
    Im Winter waren wir mit allen Kindern zum Wintersport, regelmäßig geht's zum Schwimmen.
    Natürlich haben wir auch kindgerecht Fragen nach den Ursachen der Behinderung (wir versuchen Defizit zu benutzen) besprochen. Aber dieser wirklich unbedarfte Umgang hat mich kurzzeitig sprachlos gemacht (mein Sohn meinte letztens: jeder kann was besonders gut, egal was er hat).
    Ich finde es genial, wenn in den Regelschulen Kinder inkludiert werden. Aber leider ist es meist aus organisatorischen Gründen nicht möglich.
    Den normalen Umgang lernen Kinder eigentlich nur, wenn sie Kontakt zu solchen Menschen haben. Die Fragen kommen automatisch und sollten auch beantwortet werden.
    Ja, das kann gut sein. Aber ich hab auch Fälle gesehen, wo es nicht viel gebracht hat. Meine Tochter hatte, wie gesagt, einen geistig behinderten Jungen in der Klasse. Die Kinder haben zwar etwas darüber gelernt, wie man mit ihm umgehen kann. Aber ab einem gewissen Alter taten sie das freiwillig nicht mehr. Und das war bestimmt spätestens so ab 10 Jahre. Manchmal sagen sie auch heute noch Hallo und fragen vielleicht, wie es ihm geht oder was er macht. So eher als Pflichtübung, aber immerhin. Bei körperlich Behinderten kann es besser laufen. Aber mit dem Jungen hatten die Kinder einfach nichts gemeinsam. Aber vielleicht war es ja für ihn immerhin etwas, dass manche wenigstens ein paar Worte mit ihm wechseln.

  2. #12
    sindzusiebt ist offline addict

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von Fairie Beitrag anzeigen
    Ja, das kann gut sein. Aber ich hab auch Fälle gesehen, wo es nicht viel gebracht hat. Meine Tochter hatte, wie gesagt, einen geistig behinderten Jungen in der Klasse. Die Kinder haben zwar etwas darüber gelernt, wie man mit ihm umgehen kann. Aber ab einem gewissen Alter taten sie das freiwillig nicht mehr. Und das war bestimmt spätestens so ab 10 Jahre. Manchmal sagen sie auch heute noch Hallo und fragen vielleicht, wie es ihm geht oder was er macht. So eher als Pflichtübung, aber immerhin. Bei körperlich Behinderten kann es besser laufen. Aber mit dem Jungen hatten die Kinder einfach nichts gemeinsam. Aber vielleicht war es ja für ihn immerhin etwas, dass manche wenigstens ein paar Worte mit ihm wechseln.
    Das hört sich sehr schrecklich an :-( Da hat dann Inklusion mal so gar nicht funktioniert, an was es auch immer gelegen haben mag. Sehr schade, nicht nur für den Jungen, vor allem für die Mitschüler, denn sie haben daraus durchaus etwas gelernt, nur sicher nicht das, was man sich durch Inklusion und für die Bildung als Mensch in der Gesamtheit erwünscht.

  3. #13
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von sindzusiebt Beitrag anzeigen
    Das hört sich sehr schrecklich an :-( Da hat dann Inklusion mal so gar nicht funktioniert, an was es auch immer gelegen haben mag. Sehr schade, nicht nur für den Jungen, vor allem für die Mitschüler, denn sie haben daraus durchaus etwas gelernt, nur sicher nicht das, was man sich durch Inklusion und für die Bildung als Mensch in der Gesamtheit erwünscht.
    Gut und schön. Aber ist es realistisch? Der Junge war nicht nur leicht geistig behindert, sondern eher so mittelmässig. Also keinen IQ von 70, wo die geistige Behinderung anfängt, sondern schätzungsweise so 30 - 40. Wobei ich das eigentlich auch nicht schätzen kann, aber es gab da halt kaum Berührungspunkte mit den anderen Kindern. D.h. der Junge konnte ja doch so gut wie nichts mitmachen, was die Anderen machten. Die ersten Jahre noch eher, aber dann nicht mehr so. Und ob wie er das auffasst, weiss man auch nicht so genau. Ich meine, kann ja sein, dass er damit ganz zufrieden ist? Oder auch nicht.

    Ich bin absolut nicht dagegen, dass man die Inklusion versuchen soll. Hier (Schweden) hat es sie auch lange gegeben. Aber wenn man bedenkt, dass selbst Kinder, die nur ein klein bisschen anders sind, leicht ausgegrenzt werden, dann kann man auch nicht zu viel erwarten, wenn man ein Kind integrieren will, dass SEHR anders ist. Da sind die Möglichkeiten nicht unbegrenzt. Oder ob ich pessimistisch bin ?

  4. #14
    sindzusiebt ist offline addict

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Das sehe ich anders. Denn in meinen Augen ist genau das zu verändern, die Gesellschaft zu verändern, offener zu machen für die Vielfältigkeit des Menschen auch eine Aufgabe der Inklusion. Als gegeben hinzunehmen, dass Menschen, die auf irgendeine Art "anders" sind, halt ausgegrenzt werden, dass das irgendwie normal ist, finde ich nicht in Ordnung und für mich geht das in die völlig falsche Richtung. Mir ist schon klar, dass es nicht möglich ist, ein Kind wie in deinem Beispiel mit sehr niedrigem IQ gleichwertig an allem mitarbeiten zu lassen wie die anderen Mitschüler, und dass es evtl. nicht der Klassenliebling wird, aber dennoch muss es möglich sein, dass das Kind als Person wertgeschätzt wird, dass es respektiert und mit Achtung behandelt wird, in alle Aktivitäten nach seiner Möglichkeit einbezogen wird. Und da ist es eben Aufgabe der Lehrer, Integrationshelfer etc. dass man den Mitschülern dabei hilft, die tollen Seiten, die besonders liebenswerten Eigenschaften am Mitschüler zu entdecken und wertzuschätzen. Das Kind irgendwo mitlaufen zu lassen und ab und zu ein paar Worte an es zu richten ist verachtend und m. M. n. haben da die Erwachsenen versagt, deren Aufgabe es gewesen wäre, die Kinder anzuleiten und den Jungen wirklich zu inkludieren, denn das fand ja offensichtlich nicht statt.
    Mag sein, dass ich das zu optimistisch sehe ;-) aber ich versuche zumindest im Kleinen anzufangen und es meinen Kindern so zu vermitteln.

  5. #15
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Ihr habt beide Recht, find ich. Es klingt in Fairies Beispiel so, als ob es nur EIN Kind in einer Regelklasse gewesen waere. Das kann eigentlich nicht funktionieren. "Ein bunt zusammengewuerfelter Haufen" wie Valentin beschreibt, funktioniert viel eher. Die Frage ist auch: Wie sind die Rahmenbedingungen? Wie viele Lehrer gibt es, wie viele weitere Helfer? Wie sehr kann binnendifferenziert werden und jeder nach seinen Beduerfnissen gefoerdert werden??? Wie sehr das behinderte Kind? Profitiert es von der "normalen" Klasse oder geht mit seinen Beduerfnissen unter, weil es "so mitlaeuft"?
    Ich bin selbst Lehrerin, kenne die Diskussion gut und hab einige Versuche gesehen. Manche funktionieren, andere weniger. Was meine Freundin und Ex-Kollegin nun in einer Regelklasse (Gymnasium) realisieren soll, ist unter normalen Schulbedingungen auch zum Scheitern verurteilt: Sie soll einen Autisten "inkludieren". Er kommt in einer lange bestehenden Klassengemeinschaft DAZU. - In der gibt es bereits ein hyperaktives Kind, auch nicht einfach. An der ganzen Schule gibt es einen Sozialarbeiter und zwei Jugendpflegerinnen, die fuer die GESAMTE STADT arbeiten.
    - Das ist das, was gerade praktiziert wird: Es MUSS inkludiert werden. - Im normalen Schulsystem, mit Lehrer- und Expertenmangel (und insgesamt viel zu wenig Personal!), mit viel zu grossen Klassen, fehlenden Raeumlichkeiten etc. . Das KANN doch nicht klappen!!! Ein Regelschullehrer hat von Sonderpaedagogik keine Ahnung!
    Fuer mich ist das das, was du schreibst, "wirsindzusiebt": "Mitlaufenlassen". Absolut herzlos. Das wird dann ein paar Jahre praktiziert um anschliessend zu zeigen, dass es nicht funktioniert.
    Das ganze System muesste umgekrempelt werden, damit es geht. Und dann haette man noch immer das Problem, das Fairie beschreibt. Das ist die Realitaet. Ich weiss auch nicht, ob das so schlimm ist. - Vielleicht haette sich der Junge unter "Seinesgleichen" wohler gefuehlt, weil er dann nicht immer "mithalten" koennen muss? Versteht mich jetzt bitte nicht falsch! Ich halte das gemeinsame Lernen ALLER in EINER Schule fuer den besten Weg, ebenso wie wir ALLE in EINER Welt leben. - Aber man kann halt nicht ein, zwei Kinder mit Behinderung in eine "normale" KLasse stecken und dann laeuft das schon. - Was ist mit den Beduerfnissen der anderen Kinder? Muessen die immer nur Ruecksicht nehmen? Das muesste man ganz anders anfassen...
    sindzusiebt gefällt dies

  6. #16
    Suzie+Lisa ist offline Veteran

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von valentin2003 Beitrag anzeigen
    Ich hatte vor ca. 1 Jahr ein persönliches Schlüsselerlebnis. Ich bin auch Lehrerin an einer Schule mit Inklusion (1 Drittel der Klasse hat irgendein Handicap: geistig, körperlich, Down...) Die restlichen Kinder sind ebenfalls bunt gewürfelt (ADHS, hochbegabt...) altersgemischt. Insgesamt ein bunt gewürfelter, total liebenswerter ,,Haufen''. Mein Sohn ist jetzt 10. Er wollte unbedingt die Klasse kennenlernen. Ich habe ihm im Vorfeld kurz einige Fragen beantwortet, aber wirklich nur kurz.
    Er kam in meine Klasse und es war natürlich anfangs ungewohnt. Heute ist er sobald es geht (nachmittags oder am Wochenende/Ferien) dabei. Den einen mag er (körperlich behindert, verständigt sich über einen Sprachcomputer), weil der so wahnsinnig witzig ist. Das andere Mädel mit Down, weil sie so lustig lacht. Er schiebt die Rollstühle, fährt Slalom in der Turnhalle (wir haben Rollstühle für die Fußgänger), hilft beim Essen...
    Im Winter waren wir mit allen Kindern zum Wintersport, regelmäßig geht's zum Schwimmen.
    Natürlich haben wir auch kindgerecht Fragen nach den Ursachen der Behinderung (wir versuchen Defizit zu benutzen) besprochen. Aber dieser wirklich unbedarfte Umgang hat mich kurzzeitig sprachlos gemacht (mein Sohn meinte letztens: jeder kann was besonders gut, egal was er hat).
    Ich finde es genial, wenn in den Regelschulen Kinder inkludiert werden. Aber leider ist es meist aus organisatorischen Gründen nicht möglich.
    Den normalen Umgang lernen Kinder eigentlich nur, wenn sie Kontakt zu solchen Menschen haben. Die Fragen kommen automatisch und sollten auch beantwortet werden.
    Hallo Valentin,
    ich finde Deine Beitrag sehr schön :)
    Einerseits das Wort "Defizit" - wir benutzen "Beeinträchtigung".
    Andererseits zeigt dieser Beitrag, dass man oftmals nur einen Schritt auf die "andere Seite" machen muss um den Anderen zu verstehen. Deine Erklärung "wir haben Rollstühle für Fußgänger" spricht von einem genialen Selbstverständnis, dass das "Normal" immer durch die Masse definiert wird.
    Meinen Kindern habe ich diese Unterschiede schon immer mit ganz selbstverständlichen Erklärungen nahegebracht. Es ist ihnen klar, dass es angeborene Fehlbildungen gibt die ebenso zu einem Menschen gehören wie die Haar- oder Augenfarbe und durch ein Ereignis oder eine Krankheit verursachte Besonderheiten. (Als kleines Beispiel: In unserem familiären Umfeld gibt es zB eine beinamputierte Frau. Schon mit 2 Jahren wollten die Kinder ihr den Stock "klauen" und sie immer überreden den "Fuß" abzunehmen, weil ein abnehmbarer Fuß "etwas besonderes" ist. Und nein, sie durften weder das Bein noch den Stock klauen )
    Inklusion wird bei uns gelebt und ist auch das vorgegebene Ziel für alle Regelschulen. Ob das überall ideal, durchführbar und realisierbar ist, weiß ich nicht. In unserer kleinen Schule gab es in den letzten 10 Jahren 2 beeinträchtigte Kinder, die problemlos inkludiert wurden und werden. Allerdings liegt das vielleicht wirklich an den Strukturen eines kleinen Ortes.

    LG Suzie

  7. #17
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von sindzusiebt Beitrag anzeigen
    Das sehe ich anders. Denn in meinen Augen ist genau das zu verändern, die Gesellschaft zu verändern, offener zu machen für die Vielfältigkeit des Menschen auch eine Aufgabe der Inklusion. Als gegeben hinzunehmen, dass Menschen, die auf irgendeine Art "anders" sind, halt ausgegrenzt werden, dass das irgendwie normal ist, finde ich nicht in Ordnung und für mich geht das in die völlig falsche Richtung. Mir ist schon klar, dass es nicht möglich ist, ein Kind wie in deinem Beispiel mit sehr niedrigem IQ gleichwertig an allem mitarbeiten zu lassen wie die anderen Mitschüler, und dass es evtl. nicht der Klassenliebling wird, aber dennoch muss es möglich sein, dass das Kind als Person wertgeschätzt wird, dass es respektiert und mit Achtung behandelt wird, in alle Aktivitäten nach seiner Möglichkeit einbezogen wird. Und da ist es eben Aufgabe der Lehrer, Integrationshelfer etc. dass man den Mitschülern dabei hilft, die tollen Seiten, die besonders liebenswerten Eigenschaften am Mitschüler zu entdecken und wertzuschätzen. Das Kind irgendwo mitlaufen zu lassen und ab und zu ein paar Worte an es zu richten ist verachtend und m. M. n. haben da die Erwachsenen versagt, deren Aufgabe es gewesen wäre, die Kinder anzuleiten und den Jungen wirklich zu inkludieren, denn das fand ja offensichtlich nicht statt.
    Mag sein, dass ich das zu optimistisch sehe ;-) aber ich versuche zumindest im Kleinen anzufangen und es meinen Kindern so zu vermitteln.
    Glaub mir, mir wäre es auch lieber, wenn die Gesellschaft toleranter wäre und ich persönlich hab da sehr viel Geduld und Toleranz. Aber so in der Gruppe scheint es nicht so einfach zu sein. Ich hab da selbst schlechte Erfahrungen gemacht als Kind. Offensichtlich war ich "anders genug" um ausgegrenzt zu werden. Aber gerade aus der Erfahrung - ich meine, wenn schon kleinere Unterschiede reichen, wie soll es dann funktionieren, wenn die Unterschiede riesig gross sind? Natürlich kommt es auch sehr drauf an, wie man das vorbereitet und organisiert, und welche Erwartungen man hat. Aber dann kommt auch noch eine Portion Glück und Zufall dazu. Manchmal passt es gut, manchmal nicht.

    Ich weiss nicht, ob es verachtend ist, ein solches Kind nur mitlaufen zu lassen und ab und zu ein bisschen mit ihm zu reden. Das hängt ja auch davon ab, wie viel das Kind da mitmachen kann und was das Kind für Bedürfnisse hat. Ich hab vielleicht zu wenig davon gesehen, wie es lief mit dem Jungen. Vielleicht hat man getan, was man konnte. Vielleicht hatten die Kinder auch mehr Kontakt mit ihm, als das Wenige, was ich gesehen habe. Kann auch sein, dass der Kontakt einige Zeit ganz gut war und dann abnahm, als die Kinder älter wurden. Und immerhin geht meine Tochter (jetzt 17) mit Behinderten gut um. Und auch mit dementen, alten Menschen. Sie hat mal Praktikum im Altersheim gemacht. :)

  8. #18
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

    User Info Menu

    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Ihr habt beide Recht, find ich. Es klingt in Fairies Beispiel so, als ob es nur EIN Kind in einer Regelklasse gewesen waere. Das kann eigentlich nicht funktionieren. "Ein bunt zusammengewuerfelter Haufen" wie Valentin beschreibt, funktioniert viel eher. Die Frage ist auch: Wie sind die Rahmenbedingungen? Wie viele Lehrer gibt es, wie viele weitere Helfer? Wie sehr kann binnendifferenziert werden und jeder nach seinen Beduerfnissen gefoerdert werden??? Wie sehr das behinderte Kind? Profitiert es von der "normalen" Klasse oder geht mit seinen Beduerfnissen unter, weil es "so mitlaeuft"?
    Ich bin selbst Lehrerin, kenne die Diskussion gut und hab einige Versuche gesehen. Manche funktionieren, andere weniger. Was meine Freundin und Ex-Kollegin nun in einer Regelklasse (Gymnasium) realisieren soll, ist unter normalen Schulbedingungen auch zum Scheitern verurteilt: Sie soll einen Autisten "inkludieren". Er kommt in einer lange bestehenden Klassengemeinschaft DAZU. - In der gibt es bereits ein hyperaktives Kind, auch nicht einfach. An der ganzen Schule gibt es einen Sozialarbeiter und zwei Jugendpflegerinnen, die fuer die GESAMTE STADT arbeiten.
    - Das ist das, was gerade praktiziert wird: Es MUSS inkludiert werden. - Im normalen Schulsystem, mit Lehrer- und Expertenmangel (und insgesamt viel zu wenig Personal!), mit viel zu grossen Klassen, fehlenden Raeumlichkeiten etc. . Das KANN doch nicht klappen!!! Ein Regelschullehrer hat von Sonderpaedagogik keine Ahnung!
    Fuer mich ist das das, was du schreibst, "wirsindzusiebt": "Mitlaufenlassen". Absolut herzlos. Das wird dann ein paar Jahre praktiziert um anschliessend zu zeigen, dass es nicht funktioniert.
    Das ganze System muesste umgekrempelt werden, damit es geht. Und dann haette man noch immer das Problem, das Fairie beschreibt. Das ist die Realitaet. Ich weiss auch nicht, ob das so schlimm ist. - Vielleicht haette sich der Junge unter "Seinesgleichen" wohler gefuehlt, weil er dann nicht immer "mithalten" koennen muss? Versteht mich jetzt bitte nicht falsch! Ich halte das gemeinsame Lernen ALLER in EINER Schule fuer den besten Weg, ebenso wie wir ALLE in EINER Welt leben. - Aber man kann halt nicht ein, zwei Kinder mit Behinderung in eine "normale" KLasse stecken und dann laeuft das schon. - Was ist mit den Beduerfnissen der anderen Kinder? Muessen die immer nur Ruecksicht nehmen? Das muesste man ganz anders anfassen...
    Ja, es war nur ein Kind. Aber nicht allein in einer Regelklasse, sondern mit Assistentin. Er war auch nicht die ganze Zeit in der Klasse, sondern eben so viel wie er selbst das auch konnte. Ich kann mir vorstellen, dass die Assistentin mit ihm rausging, wenn er unruhig wurde. Das mit der Sonderpädagogik - das müssen bei uns offensichtlich auch alle Lehrer können, obwohl sie es nicht studiert haben. Viele holen es dann nebenbei nach. Werde ich vielleicht auch mal machen, Distanz-Teilzeit-Studium.

    Natürlich ist es falsch, Kinder "mitlaufen" zu lassen, wenn das nicht ihren Bedürfnissen entspricht. Normalerweise braucht man ja spezielle Förderung. Ich kann mir aber vorstellen, dass es unter Umständen für ein geistig behindertes Kind auch eine geeignete Aktivität sein kann, (manchmal) dabei sein zu können, auch wenn es vieles nicht mitmachen kann. Das kommt ganz drauf an. Kann man so allgemein nicht sagen.

    Extra-Personal braucht man auf jeden Fall, sonst geht das gar nicht. Könnte ausnahmsweise mal gehen, aber das wäre dann Glück. In Tochters KLasse war auch noch ein Mädchen, das ziemlich extrem war. Hyperaktiv vielleicht, aber eigentlich kein reiner ADHS-ler. Die war sehr extrem, ist einmal mit einer Scheere auf ihre Mitschüler losgegangen. Wenn man da nicht wenigstens eine zusätzliche Erwachsene in der Klasse hat, dann kann man das ja nicht hinkriegen.

    Hier in Schweden macht man es manchmal so, dass man eine "kleine Gruppe" in der Schule hat, wo man 4 -5 Kinder mit besonderen Problemen mit zwei Pädagogen in einem eigenen Raum hat und dann versucht man, die Kinder in Fächern wie z.B. Sport oder Kunst an den Stunden mit ihrer eigentlichen Klasse zu integrieren. Und wenn das klappt, kann man das in mehreren Fächern machen. Aber nichts klappt immer und bei allen Kindern. Individuelle Lösungen sind immer gut. :)

Seite 2 von 2 ErsteErste 12
>
close