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Thema: Definition "geistig behindert"

  1. #1
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Definition "geistig behindert"

    Ich hab den Thread, in dem es um die Beschimpfung als "behindert" ging, aufmerksam mitgelesen. Geschrieben hab ich lieber nichts, weil mir zuviel zur Kindergaertnerin einfiel...

    Jetzt brauche ich mal Denkanstoesse zur Definition des Begriffs "geistig behindert".
    Ich hatte heute Morgen auf dem Weg zur Schule ein interessantes Gespraech mit meinen Mittleren (fast 10 und 11 Jahre alt), das wir leider nicht zu Ende fuehren konnten:
    (Vorbemerkung: Wir wohnen in einem grossen Dorf/Kleinstadt in Israel, wo so ziemlich jeder jeden kennt.)
    Kurz nach unserem Haus trafen wir auf einen geistig behinderten jungen Mann, den meine Kinder aus der Kirche kennen und der ihnen bisher dadurch auffiel, dass er dort immer Kaugummi kaut. Ich:
    "Oh, der wartet bestimmt auf's Taxi." Mein 11jaehriger: "Ja, manche, die nicht so gut lernen koennen, fahren woanders in die Schule." Tochter: "Wieso, was ist mit dem?" Ich: "Er ist geistig behindert." - Kurze Pause.
    Dann ich: "Ich weiss gar nicht, wie alt er ist. Vielleicht faehrt er auch in die gleiche Firma wie J. und arbeitet dort. "
    Nachdem wir geklaert hatten, welchen J. ich meinte, fragt mein Sohn: "Wieso, ist der behindert?????"
    Dazu muss ich erklaeren, dass J. im Dorf bekannt ist, weil er immer und ueberall dabei ist (v.a. bei kirchlichen Aktivitaeten). Bei einer unserer Taufen hat er das Handtuch gehalten.Er ist erwachsen und hat -unuebersehbar- das Downsyndrom. - Was meinen Kindern bislang nicht aufgefallen war.
    Den Rest des Schulweges verbrachte ich damit, ihnen das Downsyndrom zu erklaeren (darueber hab ich mich mal recht gut informiert). Kurz vor'm Schultor kam dann die Frage: "Und was ist "geistig behindert'???"
    Tja, und da sitze ich nun.
    Erklaert das mal bitte! Das mit dem "koennen nicht so gut lernen" leuchtete den Kindern ja ein. Aber es gibt auch Lernbehinderte. Dass manche auch ein bisschen anders aussehen, auch (obwohl ihnen das ja gar nicht als aeusseres Zeichen einer Behinderung aufgefallen war!).
    Sprachbehinderungen haben auch andere. Niedriger IQ (gibt's da nicht eine Definition?)???? Ich tue mich damit schwer, zumal ich nicht sicher bin, ob das so stimmt (z.B. beim Downsyndrom). Und ich wehre mich gegen "dumm" oder "bloed", was dann schnell kommt, denn da fallen mir spontan einige ein, die das eindeutig sind, aber nicht als geistig behindert gelten....
    Koennt ihr mir mal helfen? Gibt es vielleicht Betroffene, die mir sagen, wie SIE den Begriff gern definiert haetten? Wir haben das Thema noch nie gross angesprochen, da es sich einfach nicht ergab. Meinen Kindern begegnen sehr selten Behinderte, Inklusion gibt's hier nicht.
    - Und dann kam mir noch der Gedanke (denn ich musste heute Morgen sofort an den Thread von neulich denken): Kindern fallen anscheinend geistig Behinderte gar nicht als "andere Gruppe" auf, wenn man sie nicht als solche klassifiziert.

  2. #2
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Ich hab den Thread, in dem es um die Beschimpfung als "behindert" ging, aufmerksam mitgelesen. Geschrieben hab ich lieber nichts, weil mir zuviel zur Kindergaertnerin einfiel...

    Jetzt brauche ich mal Denkanstoesse zur Definition des Begriffs "geistig behindert".
    Ich hatte heute Morgen auf dem Weg zur Schule ein interessantes Gespraech mit meinen Mittleren (fast 10 und 11 Jahre alt), das wir leider nicht zu Ende fuehren konnten:
    (Vorbemerkung: Wir wohnen in einem grossen Dorf/Kleinstadt in Israel, wo so ziemlich jeder jeden kennt.)
    Kurz nach unserem Haus trafen wir auf einen geistig behinderten jungen Mann, den meine Kinder aus der Kirche kennen und der ihnen bisher dadurch auffiel, dass er dort immer Kaugummi kaut. Ich:
    "Oh, der wartet bestimmt auf's Taxi." Mein 11jaehriger: "Ja, manche, die nicht so gut lernen koennen, fahren woanders in die Schule." Tochter: "Wieso, was ist mit dem?" Ich: "Er ist geistig behindert." - Kurze Pause.
    Dann ich: "Ich weiss gar nicht, wie alt er ist. Vielleicht faehrt er auch in die gleiche Firma wie J. und arbeitet dort. "
    Nachdem wir geklaert hatten, welchen J. ich meinte, fragt mein Sohn: "Wieso, ist der behindert?????"
    Dazu muss ich erklaeren, dass J. im Dorf bekannt ist, weil er immer und ueberall dabei ist (v.a. bei kirchlichen Aktivitaeten). Bei einer unserer Taufen hat er das Handtuch gehalten.Er ist erwachsen und hat -unuebersehbar- das Downsyndrom. - Was meinen Kindern bislang nicht aufgefallen war.
    Den Rest des Schulweges verbrachte ich damit, ihnen das Downsyndrom zu erklaeren (darueber hab ich mich mal recht gut informiert). Kurz vor'm Schultor kam dann die Frage: "Und was ist "geistig behindert'???"
    Tja, und da sitze ich nun.
    Erklaert das mal bitte! Das mit dem "koennen nicht so gut lernen" leuchtete den Kindern ja ein. Aber es gibt auch Lernbehinderte. Dass manche auch ein bisschen anders aussehen, auch (obwohl ihnen das ja gar nicht als aeusseres Zeichen einer Behinderung aufgefallen war!).
    Sprachbehinderungen haben auch andere. Niedriger IQ (gibt's da nicht eine Definition?)???? Ich tue mich damit schwer, zumal ich nicht sicher bin, ob das so stimmt (z.B. beim Downsyndrom). Und ich wehre mich gegen "dumm" oder "bloed", was dann schnell kommt, denn da fallen mir spontan einige ein, die das eindeutig sind, aber nicht als geistig behindert gelten....
    Koennt ihr mir mal helfen? Gibt es vielleicht Betroffene, die mir sagen, wie SIE den Begriff gern definiert haetten? Wir haben das Thema noch nie gross angesprochen, da es sich einfach nicht ergab. Meinen Kindern begegnen sehr selten Behinderte, Inklusion gibt's hier nicht.
    - Und dann kam mir noch der Gedanke (denn ich musste heute Morgen sofort an den Thread von neulich denken): Kindern fallen anscheinend geistig Behinderte gar nicht als "andere Gruppe" auf, wenn man sie nicht als solche klassifiziert.
    Bin zwar nicht betroffen, aber Lehrerin und hab das auch schon mal erklären müssen. Allerdings nicht direkt den Begriff "geistig behindert". In der Klasse meiner Tochter hatte man einen geistig behinderten Jungen inkludiert und da hatte man den Kindern ganz konkret gesagt, dass der Junge eine Gehirnblutung gehabt hatte als Baby, oder bei der Geburt. Ob das die beste Erklärung war, weiss ich nicht, vielleicht erschreckt es manche Kinder, dass so etwas passieren kann? Keine Ahnung.

    Selbst würde ich wahrscheinlich auch sagen (wenn ich es Kindern erklären wollte), dass geistig behinderte Probleme haben Dinge zu lernen, dass sie vieles erst später lernen als Andere, oder auch dass sie langsamer lernen. Das mit dem langsam - das ist eigentlich der Kern der Sache. Zumindest relativ leicht geistig Behinderte können das meiste lernen, aber es dauert länger. Vielleicht verstehen es Kinder auch ganz gut, wenn man sagt, dass viele Behinderte dann halt so funktionieren als seien sie einige Jahre jünger. Aber dann hat man natürlich das Risiko, dass die Kinder denken, man soll denjenigen wie ein kleines Kind behandeln?

    Eigentlich müssen Kinder den Umgang halt auch lernen, d.h. ab und zu mal Kontakt mit Behinderten haben, um das wirklich verstehen zu können.

  3. #3
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Letzteres stimmt natuerlich. Obwohl meinen KIndern ja nie aufgefallen war, dass J. behindert ist...

    Dass auch Kindern Schlimmes passieren kann, muessen sie lernen. Ich halte es fuer falsch, alles Erschreckende von ihnen fernzuhalten, denn es wird ihnen irgendwann begegnen. Vor kurzem ist ein Junge aus der Kindergartengruppe meiner Zwillis an Krebs gestorben. Das ist fuerchterlich, aber sie muessen lernen, damit umzugehen. - Der Bruder des Jungen muss es auch ertragen!

  4. #4
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Ich hab den Thread, in dem es um die Beschimpfung als "behindert" ging, aufmerksam mitgelesen. Geschrieben hab ich lieber nichts, weil mir zuviel zur Kindergaertnerin einfiel...

    Jetzt brauche ich mal Denkanstoesse zur Definition des Begriffs "geistig behindert".
    Ich hatte heute Morgen auf dem Weg zur Schule ein interessantes Gespraech mit meinen Mittleren (fast 10 und 11 Jahre alt), das wir leider nicht zu Ende fuehren konnten:
    (Vorbemerkung: Wir wohnen in einem grossen Dorf/Kleinstadt in Israel, wo so ziemlich jeder jeden kennt.)
    Kurz nach unserem Haus trafen wir auf einen geistig behinderten jungen Mann, den meine Kinder aus der Kirche kennen und der ihnen bisher dadurch auffiel, dass er dort immer Kaugummi kaut. Ich:
    "Oh, der wartet bestimmt auf's Taxi." Mein 11jaehriger: "Ja, manche, die nicht so gut lernen koennen, fahren woanders in die Schule." Tochter: "Wieso, was ist mit dem?" Ich: "Er ist geistig behindert." - Kurze Pause.
    Dann ich: "Ich weiss gar nicht, wie alt er ist. Vielleicht faehrt er auch in die gleiche Firma wie J. und arbeitet dort. "
    Nachdem wir geklaert hatten, welchen J. ich meinte, fragt mein Sohn: "Wieso, ist der behindert?????"
    Dazu muss ich erklaeren, dass J. im Dorf bekannt ist, weil er immer und ueberall dabei ist (v.a. bei kirchlichen Aktivitaeten). Bei einer unserer Taufen hat er das Handtuch gehalten.Er ist erwachsen und hat -unuebersehbar- das Downsyndrom. - Was meinen Kindern bislang nicht aufgefallen war.
    Den Rest des Schulweges verbrachte ich damit, ihnen das Downsyndrom zu erklaeren (darueber hab ich mich mal recht gut informiert). Kurz vor'm Schultor kam dann die Frage: "Und was ist "geistig behindert'???"
    Tja, und da sitze ich nun.
    Erklaert das mal bitte! Das mit dem "koennen nicht so gut lernen" leuchtete den Kindern ja ein. Aber es gibt auch Lernbehinderte. Dass manche auch ein bisschen anders aussehen, auch (obwohl ihnen das ja gar nicht als aeusseres Zeichen einer Behinderung aufgefallen war!).
    Sprachbehinderungen haben auch andere. Niedriger IQ (gibt's da nicht eine Definition?)???? Ich tue mich damit schwer, zumal ich nicht sicher bin, ob das so stimmt (z.B. beim Downsyndrom). Und ich wehre mich gegen "dumm" oder "bloed", was dann schnell kommt, denn da fallen mir spontan einige ein, die das eindeutig sind, aber nicht als geistig behindert gelten....
    Koennt ihr mir mal helfen? Gibt es vielleicht Betroffene, die mir sagen, wie SIE den Begriff gern definiert haetten? Wir haben das Thema noch nie gross angesprochen, da es sich einfach nicht ergab. Meinen Kindern begegnen sehr selten Behinderte, Inklusion gibt's hier nicht.
    - Und dann kam mir noch der Gedanke (denn ich musste heute Morgen sofort an den Thread von neulich denken): Kindern fallen anscheinend geistig Behinderte gar nicht als "andere Gruppe" auf, wenn man sie nicht als solche klassifiziert.
    Hm, ich hätte so erst gar nicht angefangen, eben weil das Label "geistig behindert" so wenig hilfreich ist. Ich habe meinen Kindern gesagt, dass praktisch jeder Bereich des Menschen Schwierigkeiten machen kann. Körperlich, kognitiv ("wie schnell und gut der Kopf funktioniert"), aber auch sozial oder emotional oder "nur" die Sprache betreffend. Damit ist die Bandbreite angelegt.

    Meine Kinder haben natürlich auch nach der Ursache gefragt, und das ist nicht so leicht. Da wir so viele autistische Kinder kennen (würdest du das zu den geistigen Behinderungen rechnen, wenn es bei dir nur körperlich oder geiatig behindert gibt?), hab ich ihnen erzählt, wie man bei der Ursachensuche im Nebel stochert. Andere Dinge wie Downsyndrom sind vom Prinzip her entschlüsselt.

    Was Kategorisierungen angeht, bin ich vorsichtig. Meine Große würde Downsydrom erkennen - vielleicht. Da kennen wir zu wenige Menschen. Ich versuche immer davon auszugehen, was uns betrifft und ihnen zu helfen, Muster zu erkennen. Das soll ihnen eher helfen, einschätzen zu können, was vor sich geht (bei autistischen Kindern ist man ja schnell verärgert oder so, wenn man es nicht weiß). Ich stehe halt unter Erklärungszwang, wenn bei diesen mehr Nachsicht im Spiel ist. Darüber hinaus halte ich mich mit Kategorisierungen zurück.

    Zurück zum Thema - ich würde es nicht so kompliziert machen und sagen, dass es auch Menschen mit Schwierigkeiten im Denken gibt. Als Analogie würde ich einen Rollstuhlfahrer nehmen (kommt meistens auch zurecht, bloß vielleicht langsamer), und wenn ich in Redelaune wäre, würde ich dransetzen, dass manche Leute langsamer laufen als fitte Rollstuhlfahrer fahren können

    Fühlst du dich unwohl bei dem Thema? Es wirkt ein wenig so (bloß nichts Falsches sagen wollen). Das hinterlässt wahrscheinlich mehr Eindruck als ein falsches Wort....

  5. #5
    Lausbubenmama ist offline Member

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Hm, ich habe meinen Kindern das mal so erklärt, dass im Gehirn Verknüpfungen (kann man sich wie Brücken vorstellen) sind, die man zum denken, merken und rätseln braucht. Bei geistig behinderten Menschen fehlen diese Verknüpfungen zum Teil oder sind kaputt gegangen. Deshalb brauchen sie zum Nachdenken länger, können sich viele Dinge nicht gut merken und auch schwer Rätsel lösen. Meine Jungs geben wieder "sie können nicht so gut nachdenken weil das Gehirn nicht (mehr) richtig funktioniert". Ob das nun die ideale Lösung ist weiß ich nicht...manchmal ist ja auch ein ganzer Teil des Gehirns unterentwickelt, gar nicht entwickelt, geschädigt usw.

    Ich habe bewusst das nicht mit "lernen" gesagt, denn sonst kommt gleich die Vermutung xy hat eine 6 in z.B. Mathe - kann nicht gut lernen - ist also geistig behindert...

    Gibts vielleicht ein tolles Buch, das Kindern behinderung erklären kann?
    Lausbubenmama mit
    Lausbub Nr. 1: 08/2003
    Lausbub Nr. 2: 03/2006
    Lausbub Nr. 3: 12/2012

  6. #6
    Arcta ist offline old hand

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Ich hab den Thread, in dem es um die Beschimpfung als "behindert" ging, aufmerksam mitgelesen. Geschrieben hab ich lieber nichts, weil mir zuviel zur Kindergaertnerin einfiel...

    Jetzt brauche ich mal Denkanstoesse zur Definition des Begriffs "geistig behindert".
    Ich hatte heute Morgen auf dem Weg zur Schule ein interessantes Gespraech mit meinen Mittleren (fast 10 und 11 Jahre alt), das wir leider nicht zu Ende fuehren konnten:
    (Vorbemerkung: Wir wohnen in einem grossen Dorf/Kleinstadt in Israel, wo so ziemlich jeder jeden kennt.)
    Kurz nach unserem Haus trafen wir auf einen geistig behinderten jungen Mann, den meine Kinder aus der Kirche kennen und der ihnen bisher dadurch auffiel, dass er dort immer Kaugummi kaut. Ich:
    "Oh, der wartet bestimmt auf's Taxi." Mein 11jaehriger: "Ja, manche, die nicht so gut lernen koennen, fahren woanders in die Schule." Tochter: "Wieso, was ist mit dem?" Ich: "Er ist geistig behindert." - Kurze Pause.
    Dann ich: "Ich weiss gar nicht, wie alt er ist. Vielleicht faehrt er auch in die gleiche Firma wie J. und arbeitet dort. "
    Nachdem wir geklaert hatten, welchen J. ich meinte, fragt mein Sohn: "Wieso, ist der behindert?????"
    Dazu muss ich erklaeren, dass J. im Dorf bekannt ist, weil er immer und ueberall dabei ist (v.a. bei kirchlichen Aktivitaeten). Bei einer unserer Taufen hat er das Handtuch gehalten.Er ist erwachsen und hat -unuebersehbar- das Downsyndrom. - Was meinen Kindern bislang nicht aufgefallen war.
    Den Rest des Schulweges verbrachte ich damit, ihnen das Downsyndrom zu erklaeren (darueber hab ich mich mal recht gut informiert). Kurz vor'm Schultor kam dann die Frage: "Und was ist "geistig behindert'???"
    Tja, und da sitze ich nun.
    Erklaert das mal bitte! Das mit dem "koennen nicht so gut lernen" leuchtete den Kindern ja ein. Aber es gibt auch Lernbehinderte. Dass manche auch ein bisschen anders aussehen, auch (obwohl ihnen das ja gar nicht als aeusseres Zeichen einer Behinderung aufgefallen war!).
    Sprachbehinderungen haben auch andere. Niedriger IQ (gibt's da nicht eine Definition?)???? Ich tue mich damit schwer, zumal ich nicht sicher bin, ob das so stimmt (z.B. beim Downsyndrom). Und ich wehre mich gegen "dumm" oder "bloed", was dann schnell kommt, denn da fallen mir spontan einige ein, die das eindeutig sind, aber nicht als geistig behindert gelten....
    Koennt ihr mir mal helfen? Gibt es vielleicht Betroffene, die mir sagen, wie SIE den Begriff gern definiert haetten? Wir haben das Thema noch nie gross angesprochen, da es sich einfach nicht ergab. Meinen Kindern begegnen sehr selten Behinderte, Inklusion gibt's hier nicht.
    - Und dann kam mir noch der Gedanke (denn ich musste heute Morgen sofort an den Thread von neulich denken): Kindern fallen anscheinend geistig Behinderte gar nicht als "andere Gruppe" auf, wenn man sie nicht als solche klassifiziert.

    IQ weniger als 70 ist eine Definition

  7. #7
    Avatar von valentin2003
    valentin2003 ist offline Pooh-Bah

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Ich hatte vor ca. 1 Jahr ein persönliches Schlüsselerlebnis. Ich bin auch Lehrerin an einer Schule mit Inklusion (1 Drittel der Klasse hat irgendein Handicap: geistig, körperlich, Down...) Die restlichen Kinder sind ebenfalls bunt gewürfelt (ADHS, hochbegabt...) altersgemischt. Insgesamt ein bunt gewürfelter, total liebenswerter ,,Haufen''. Mein Sohn ist jetzt 10. Er wollte unbedingt die Klasse kennenlernen. Ich habe ihm im Vorfeld kurz einige Fragen beantwortet, aber wirklich nur kurz.
    Er kam in meine Klasse und es war natürlich anfangs ungewohnt. Heute ist er sobald es geht (nachmittags oder am Wochenende/Ferien) dabei. Den einen mag er (körperlich behindert, verständigt sich über einen Sprachcomputer), weil der so wahnsinnig witzig ist. Das andere Mädel mit Down, weil sie so lustig lacht. Er schiebt die Rollstühle, fährt Slalom in der Turnhalle (wir haben Rollstühle für die Fußgänger), hilft beim Essen...
    Im Winter waren wir mit allen Kindern zum Wintersport, regelmäßig geht's zum Schwimmen.
    Natürlich haben wir auch kindgerecht Fragen nach den Ursachen der Behinderung (wir versuchen Defizit zu benutzen) besprochen. Aber dieser wirklich unbedarfte Umgang hat mich kurzzeitig sprachlos gemacht (mein Sohn meinte letztens: jeder kann was besonders gut, egal was er hat).
    Ich finde es genial, wenn in den Regelschulen Kinder inkludiert werden. Aber leider ist es meist aus organisatorischen Gründen nicht möglich.
    Den normalen Umgang lernen Kinder eigentlich nur, wenn sie Kontakt zu solchen Menschen haben. Die Fragen kommen automatisch und sollten auch beantwortet werden.

  8. #8
    falaffel ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Noe Agnes, ich fuehle mich bei dem Thema gar nicht unwohl. Ich weiss aber, dass viele Betroffene sehr sensibel auf das Thema reagieren. Eben deshalb frage ich nach und wuesste gern, wie die es am besten finden.
    "Geistig behindert" war fuer mich bisher "political correct" und eine Umschreibung dessen, was sich im Detail nicht immer genau beschreiben laesst. - Das ist es ja gerade, was mir auffiel: Man kann das nicht so einfach erklaeren! Bloss: Die Kinder fragen. Bei dem erwaehnten jungen Mann oben ist schwierig zu sagen, was mit ihm los ist. Haeltst du es fuer sinnvoller zu sagen "er hat irgendein Problem mit dem Kopf/ sein Gehirn funktioniert nicht richtig" als "Er ist geistig behindert"? Ich weiss doch gar nicht, was mit ihm los ist. - Wieso gehst du so hart mit mir ins Gericht? Ich hab doch nicht gesagt, dass es zwei Kategorien gibt und basta!
    Die Kinder haben die Alzheimer-Erkrankung ihres Opas erlebt, die Folgen des Schlaganfalls ihrer Oma. Die wissen also, dass alle moeglichen "Bereiche des Koerpers" Probleme machen koennen.
    -Vielleicht ist das die passende Erklaerung: Dass die "Schaltzentrale" im Gehirn manchmal nicht richtig funktioniert (aus welchem Grund auch immer) und dass das Folgen fuer verschiedene Bereiche des Koerpers haben kann.

    Autismus mussten hatten wir neulich auch schon. Da trat ein Jongleur bei einer Talentshow auf. - Da war gerade die Tante (Psychologin) zur Hand und musste erklaeren.
    - Werd die nacher auch mal fragen, wie die das Ganze erklaeren wuerde, ist genau ihr Gebiet.

    Valentin: Find ich schoen, was du bechreibst. Ich sag ja: Kindern faellt das "Defizit" nicht unbedingt auf.
    Geändert von falaffel (21.11.2013 um 12:08 Uhr)

  9. #9
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Noe Agnes, ich fuehle mich bei dem Thema gar nicht unwohl. Ich weiss aber, dass viele Betroffene sehr sensibel auf das Thema reagieren. Eben deshalb frage ich nach und wuesste gern, wie die es am besten finden.
    "Geistig behindert" war fuer mich bisher "political correct" und eine Umschreibung dessen, was sich im Detail nicht immer genau beschreiben laesst. - Das ist es ja gerade, was mir auffiel: Man kann das nicht so einfach erklaeren! Bloss: Die Kinder fragen. Bei dem erwaehnten jungen Mann oben ist schwierig zu sagen, was mit ihm los ist. Haeltst du es fuer sinnvoller zu sagen "er hat irgendein Problem mit dem Kopf/ sein Gehirn funktioniert nicht richtig" als "Er ist geistig behindert"? Ich weiss doch gar nicht, was mit ihm los ist. - Wieso gehst du so hart mit mir ins Gericht? Ich hab doch nicht gesagt, dass es zwei Kategorien gibt und basta!
    Die Kinder haben die Alzheimer-Erkrankung ihres Opas erlebt, die Folgen des Schlaganfalls ihrer Oma. Die wissen also, dass alle moeglichen "Bereiche des Koerpers" Probleme machen koennen.
    -Vielleicht ist das die passende Erklaerung: Dass die "Schaltzentrale" im Gehirn manchmal nicht richtig funktioniert (aus welchem Grund auch immer) und dass das Folgen fuer verschiedene Bereiche des Koerpers haben kann.

    Autismus mussten hatten wir neulich auch schon. Da trat ein Jongleur bei einer Talentshow auf. - Da war gerade die Tante (Psychologin) zur Hand und musste erklaeren.
    - Werd die nacher auch mal fragen, wie die das Ganze erklaeren wuerde, ist genau ihr Gebiet.

    Valentin: Find ich schoen, was du bechreibst. Ich sag ja: Kindern faellt das "Defizit" nicht unbedingt auf.
    Oh, klang das so hart? Dann entschuldige! Manche Leute fühlen sich unwohl, und dieses "oh Gott, was sag ich jetzt" ist anstrengend.
    Nicht du, tut mir leid!

  10. #10
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: Definition "geistig behindert"

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Letzteres stimmt natuerlich. Obwohl meinen KIndern ja nie aufgefallen war, dass J. behindert ist...

    Dass auch Kindern Schlimmes passieren kann, muessen sie lernen. Ich halte es fuer falsch, alles Erschreckende von ihnen fernzuhalten, denn es wird ihnen irgendwann begegnen. Vor kurzem ist ein Junge aus der Kindergartengruppe meiner Zwillis an Krebs gestorben. Das ist fuerchterlich, aber sie muessen lernen, damit umzugehen. - Der Bruder des Jungen muss es auch ertragen!
    Ja, wenn es nicht auffällt, dann würde ich mal davon ausgehen, dass die Kinder den J. einfach so akzeptieren, wie er ist. Vielleicht so ähnlich wie Menschen früher als man oft gar nicht wusste, was dahinter steckt.

    Übrigens ist das nicht so ungewöhnlich, wenn man den Menschen länger kennt. Ich hatte eine Freundin (inzwischen gestorben), die wohl auch ADHS hatte - wie ich. Aber ich hab das bei ihr gar nicht gesehen, obwohl es eigentlich super-deutlich war. Sie kam immer zu spät, man konnte kein Gespräch in Ruhe führen, weil sie zwischendurch weglief - ihren Kindern unnötigerweise hinterher. Und obwohl ich mich doch auf dem Gebiet gut auskannte, hab ich das bei ihr nie einordnen können. Sie war einfach Lena, und war immer so gewesen, seit ich sie kannte. Sie hatte dann selbst mal gesagt, dass sie bestimt auch eine ADHS-Diagnose bekommen würde, aber sie will keine. Und da fiel mir das erst auf, wie gut das passte!

    Das mit den schlimmen Dingen, die Kindern passieren können - sicher, wenn es sein muss, müssen sie es ertragen. Aber ich finde es schon besser, wenn nichts schlimmes passiert bei kleineren Kindern. Das können sie auch noch lernen, wenn sie etwas älter sind.

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