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Thema: Soziale Isolation

  1. #21
    zicke00091012 ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Ich bin bekennendes Landei. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf mit zwei Kilometer Fußweg bzw Radweg bis zur nächsten Bushaltestelle. Da fuhr aber höchstens stündlich ein Bus und abends und am Wochenende gar nicht.
    Weiterführende Schule im Nachbarort.
    Während des Studiums habe ich einige Jahre in einem Mehrfamilienhaus-Hochhaus gewohnt, aber in dem Dorf gab es auch nur zwei davon. Dann nochmal ein Jahr in einer normalen Mietwohnung.
    Für mich wäre es absolute Höchststrafe in einer Stadt leben zu müssen. Bei Großstadt würde ich mir die Kugel geben, bei Kleinstadt-City hätte ich zumindest sehr schlechte Laune. Mir reicht total mal ein Tag, wenn ich schulisch mal wieder in die Stadt muss. Nur für Angebote wie Kino oder Oper fahre ich freiwillig in die Stadt bzw. Fährt mein Mann. Ich habe auf dem platten Land meinen Führerschein gemacht und fahre nicht gern in der Stadt.
    Wir haben halt zwei Autos, wir haben unsere Fachärzte in der Stadt bzw Kleinstadt. Einkaufen geht im Nachbarort. Shoppen gehe ich nicht mehr, mit 7 Kindern eh nicht witzig.
    Jedes Kaff hier hat noch einen Kindergarten und einen Sportverein. Dann gibt es Schützenfeste, Feuerwehrfest und immer irgendein Jubiläum. Also, wenn man möchte, kann man sich schon ins Dorfgeschehen einbringen.
    Dafür kennen alle Mitarbeiter des örtlichen Bäckers unsere Kinder mit Namen und sind über die genaue Kinderanzahl sowie Zu- und Abgänge informiert und geben dementsprechend die passende Lolli bzw. Kekszahl beim täglichen Besuch heraus.
    Aber ich denke, man muss Dorf mögen. Dreiseitenhof in Alleinlage wäre unser Nonplusultra gewesen. Aber gab es gerade nicht.
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  2. #22
    falaffel ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Zicke, verrätst du mir endlich, wo du wohnst? Ich überlege die ganze Zeit, ob ich dich aus dem Referendariat kenne.

    Und ja: Stadt oder Land ist wohl Typsache. Ich hab's auch lieber ländlich, aber gern mit guter Infrastruktur und Stadt in der Nähe. Ich finde auch Riesenstädte toll, aber nur zum Besuchen und bitte ohne Kinder. Paris zur Hochsaison, mit 5 Kids, zwei davon im Zwillingsbuggy, war eine echte Herausforderung, lol.

    - Darum sollte es hier ja aber gar nicht gehen, sondern um "Isolation".

  3. #23
    Avatar von Morningsun2010
    Morningsun2010 ist offline Poweruser
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Ich finde es immer wieder spannend zu lesen, wie unterschiedlich Menschen so mit ihren Vorlieben sind.

    Wir sind tatsächlich auch überzeugte Städter und schätzen die mögliche Nähe, aber auch die Anonymität der Stadt. Wenn man möchte, dann kennt man sich, tauscht sich aus und hilft sich und wenn nicht, dann gibt es so viele andere Menschen in der Nähe, dass man sich ignorieren und aus dem Weg gehen kann.
    Plus die Angebote in der Stadt sind für alle Familienmitglieder vielfältiger und mit mehr Eigenständigkeit zu erreichen.
    Wir hatten auch mal eine Weile in einem Vorort/Dorf unserer (Klein-)Stadt (50 -60.000 Einwohner) gewohnt. Das hat für uns nicht gepasst. Viel zu "eng" innerlich und äußerlich, alles musste "perfekt" sein und "normal". Das war für uns nicht das Richtige.

    Hier genießen es die Kinder zu ihren Hobbies selbstständig zu laufen, auch in die Schulen zu Fuß oder mit dem ÖPNV, Parks und Freiflächen, plus Fluss sind in 1-2 Minuten so viele erreichbar, dass man gar nicht weiß wo man hin soll, bzw. freie Wahl hat. Alle Freunde wohnen fußläufig und man kann sich ganz einfach ohne viel Aufwand verabreden. Die Kinder spielen in der Straße, fahren Fahrrad, Roller, Inliner, spielen Ball oder Federball, baden im Brunnen des Parks bei unserem Haus. Und wenn es im Sommer länger hell ist, dann wird schon mal bis 21 Uhr die Straße mit Kreide voll gemalt.
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  4. #24
    Avatar von lilofee75
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Ich kenne dieses Gefühl - mir ging es in der Schweiz so, ich empfand es als extrem schwierig, dort Anschluß zu finden. Damals hatte ich erst 2 Kinder und ich habe mich wirklich sehr um Anschluß bemüht (Sportgruppen, Vereine, Krabbelgruppen, usw...). Ich dachte erst, mit Kinder wäre das viel einfacher, es war so aber nicht.
    Besser wurde es, als ich wieder gearbeitet habe (an der Uni in einem sehr internationalen Bereich, da hat man es nie so schwer, finde ich).

    Wir sind dann vor knapp 5 Jahren wieder nach Deutschland zurückgezogen. Wir müssen beide aus beruflichen Gründen flexibel bleiben und ich habe daher schon mehrere größere Umzüge hinter mir. Ich kann nur sagen, es dauert einfach immer, bis man irgendwo ankommt. Wir wohnen im Moment nicht auf dem Dorf, aber an einem sehr dörflichen Stadtrand. Jetzt das 5. Jahr. Ich habe jetzt so langsam das Gefühl, anzukommen und dazuzugehören. Ich engagiere mich aber auch sehr. Elternbeirat, usw.

    In der Nachbarschaft läuft es eigentlich auch. Es gibt halt immer solche und solche, zur einen Seite wohnt hier auch ein älteres Ehepaar, welches uns nicht mag. Sie finden die Kinder zu laut. Ich höre oft, wie sie im Garten vor sich hinmeckern, ob es noch lauter ginge. Sie grüßen auch nicht.
    Das nehme ich ehrlich gesagt nicht schwer, es gibt immer Menschen, die einen nicht mögen. Ich achte sehr darauf, die Ruhzeiten zu wahren, mache nie Sonntags Lärm und sehe zu, dass die Kinder direkt in der Mittagsstunde nicht im Garten toben (da sind sie ja eh meistens nicht da.). Mehr kann ich nicht tun und wenn sie trotzdem was gegen uns haben, dann ist das halt so.

    Ich glaube auch, dass man schnell mal was überinterpertiert. Nur weil einem nicht jeder um den Hals fällt, heißt das nicht, dass man völlig abgelehnt wird.

    Meiner persönlichen Erfahrung nach dauert es aber im Schnitt wirklich einfach 4-5 Jahre, bis man wo wirklich angekomen ist.
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  5. #25
    Avatar von lilofee75
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Zitat Zitat von Maxie Musterfrau Beitrag anzeigen
    Sowas kenn ich aus München gar nicht bzw. nur von einer Freundin. Aber die lebt in einem Stadtteil bzw. einer Straße, wo jetzt die Altbewohner nach und nach aus ihren Häusern gestorben sind und lauter junge Familien einziehen. Die Gegend ist auch mehr dörflich als städtisch (inkl. entsprechender Entfernung zur U-Bahn).
    Das ist auch wirklich ein himmelweiter Unterschied. Ich habe in München und in Köln gelebt und für mich sind das defintiv 2 Welten.
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  6. #26
    falaffel ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Tja, als AusländerIn ist das nochmal komplett anders. Hab ich ja jeden Tag. Ich war so irre, in ein kleines israelisches Dorf zu ziehen, in dem fast alle irgendwie miteinander verwandt sind. - Was natürlich einiges erleichtert, wenn man erstmal einen Stein im Brett hat... Darum habe ich mich anfangs bemüht, ich bin auf alle zugegangen, hatte gute Vermittler und habe v. a. Kaffee kochen gelernt, lach. Das braucht man unbedingt!
    - Und dann kommen immer mal wieder die Momente, in denen man denkt, dass man nie richtig dazugehören wird, dass man einem geschlossenen "Club" gegenüber steht. Das ist aber sehr selten und Tagesform abhängig und vermutlich bin ich in manchem hypersensibel oder interpretiere falsch. - Und vermutlich kann einen dieses Gefühl in diversen Umgebungen oder Situationen beschleichen.....
    Unsere alten (im wahrsten Sinne des Wortes, fast alle um oder über 80)Nachbarn freuen sich immer, wenn wir in DE meine Eltern besuchen: "Endlich mal wieder Kindergeschrei im Garten!"
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  7. #27
    Avatar von lilofee75
    lilofee75 ist offline von Beruf Nachteule
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Tja, als AusländerIn ist das nochmal komplett anders. Hab ich ja jeden Tag. Ich war so irre, in ein kleines israelisches Dorf zu ziehen, in dem fast alle irgendwie miteinander verwandt sind. - Was natürlich einiges erleichtert, wenn man erstmal einen Stein im Brett hat... Darum habe ich mich anfangs bemüht, ich bin auf alle zugegangen, hatte gute Vermittler und habe v. a. Kaffee kochen gelernt, lach. Das braucht man unbedingt!
    - Und dann kommen immer mal wieder die Momente, in denen man denkt, dass man nie richtig dazugehören wird, dass man einem geschlossenen "Club" gegenüber steht. Das ist aber sehr selten und Tagesform abhängig und vermutlich bin ich in manchem hypersensibel oder interpretiere falsch. - Und vermutlich kann einen dieses Gefühl in diversen Umgebungen oder Situationen beschleichen.....
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    Ja, genau so. Und das macht dann - zumindest situativ - sehr einsam.

    Ich dachte ja damals, Schweiz ist kein Ausland. Das stimmt aber so einfach nicht, es sind doch sehr viele Dinge anders. Und nicht alle Schweizer heißen Deutsche willkommen (was ich sogar gut verstehe, wenn man sich die Zuzugsstatistik anschaut, da bekommen einfach manche Angst, "überrannt" zu werden. Die Wegzugsstatistik gleicht allerdings einigermaßen aus, das wird dann gern mal übersehen ). Wie dem auch sei, ich hatte dort sehr stark das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen, Angst, etwas falsch zu machen, einfach Angst, ungewollt zu sein.
    Irgendwie war das für uns aber sogar in diesem Sinne eine gute Erfahrung, ich glaube, wir haben sehr, sehr viel mehr echtes Verständnis für Ausländer erlangt.

    Wenn man dann noch in ein Land geht und die dortige Sprache nicht spricht oder es zumindest nicht die Muttersprache ist, ist es sicher nochmal um einiges härter (wobei ich, obwohl ich aus Süddeutschland komme, in der Schweiz anfangs auch kein Wort verstanden habe. ).
    Freunde von uns sind zeitgleich in die Schweiz gezogen und dort geblieben, sie sind jetzt das 11. Jahr dort und sagen, dass sie JETZT richtig angekommen sind.

    Aber das geht ja schon ziemlich über das Thema der TE hinaus.

    Wenn man innerhalb des eigenen Landes umzieht, ist es letztlich glaube ich wirklich egal, ob man mehr ländlich oder mehr städtisch wohnt und wahrscheinlich auch egal, wieviele Kinder man hat. Aus der sozialen Isolation kommt man nur raus, wenn man sich Zeit gibt und aktiv wird.

    Ich fand es eigentlich nur in der Studentenzeit extrem leicht, schnell viele Kontakte zu knüpfen (die dann ja auch meist sehr oberflächlich sind). Danach fand ich es immer schwer. Oder was heißt schwer. Es dauert eben.
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    lilo
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  8. #28
    Avatar von Morningsun2010
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Zitat Zitat von falaffel Beitrag anzeigen
    Tja, als AusländerIn ist das nochmal komplett anders. Hab ich ja jeden Tag. Ich war so irre, in ein kleines israelisches Dorf zu ziehen, in dem fast alle irgendwie miteinander verwandt sind. - Was natürlich einiges erleichtert, wenn man erstmal einen Stein im Brett hat... Darum habe ich mich anfangs bemüht, ich bin auf alle zugegangen, hatte gute Vermittler und habe v. a. Kaffee kochen gelernt, lach. Das braucht man unbedingt!
    - Und dann kommen immer mal wieder die Momente, in denen man denkt, dass man nie richtig dazugehören wird, dass man einem geschlossenen "Club" gegenüber steht. Das ist aber sehr selten und Tagesform abhängig und vermutlich bin ich in manchem hypersensibel oder interpretiere falsch. - Und vermutlich kann einen dieses Gefühl in diversen Umgebungen oder Situationen beschleichen.....
    Unsere alten (im wahrsten Sinne des Wortes, fast alle um oder über 80)Nachbarn freuen sich immer, wenn wir in DE meine Eltern besuchen: "Endlich mal wieder Kindergeschrei im Garten!"
    Das hört sich (trotz situativer Einsamkeit) insgesamt toll an!
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  9. #29
    falaffel ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Soziale Isolation

    Genauso, liliofee.
    Studenten sind dann wieder ein Völkchen für sich.
    Egal wo man ist, hängt vieles von der eigenen Person ab. Es gibt ja auch Leute, die eher für sich leben. Ich brauch auch nicht zig feste Kontakte außerhalb der Familie. Mir reicht ein netter Smalltalk beim Einkaufen oder sonstwo.
    - Um auf die TE zurückzukommen: In ihrer Situation hätte ich die Nachbarn zum Tee oder Kaffee eingeladen.
    Ich frag mich, ob es nicht eher der Frust als Hausfrau auf dem Dorf ist, der ihr zusetzt. Wenn man schlecht drauf ist, interpretiert man viel zu viel in das Verhalten anderer.
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