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  • 1 Post By refrada

Thema: Frage zum Ablauf nach dem Tod des Erziehungsberechtigten

  1. #1
    plume ist offline Stranger
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    Standard Frage zum Ablauf nach dem Tod des Erziehungsberechtigten

    Hallo

    ich habe da eine prinzipielle Frage. Ich bin gerade dabei ein Testament aufzusetzen, wer meiner Meinugn nach sich um unseren Sohn kümmern soll. Da kam mir so eine prinzipielle Frage: Wie ist der Ablauf für das Kind nach dem Tod? Wir wohnen 600km von unserer Familie entfernt. Jetzt gehen wir mal davon aus, mein Sohn ist im Kindergarten und mein Mann und ich verunglücken. Holt ihn das Jugendamt ab? Ruft man einen Verwandten an, damit der "schnell" vorbei kommt? Wo darf er bleiben bis das Jugendamt entschieden hat wo er endgültig bleiben darf? Beim Vormund den ich mir ausgesucht habe (Mein Bruder) Oder wer zuerst kommt mahlt zuerst (Grossmütter würden ihn auch beide nehmen)
    Vielleicht kennt ja jemand das Prozedere.

    Viele Grüsse
    plume

  2. #2
    Avatar von refrada
    refrada ist offline Endlich zu viert <3
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    Standard Re: Frage zum Ablauf nach dem Tod des Erziehungsberechtigten

    Ein Elternteil stirbt
    Stirbt ein Elternteil, wird dem verbliebenen Partner das Sorgerecht zugesprochen, sofern dies nicht dem Kindeswohl widerspricht – auch bei getrennt lebenden, unverheirateten oder geschiedenen Paaren. Rechtlich gesehen sind Vater und Mutter die nächsten Angehörigen des Kindes, auch dann, wenn nur ein Elternteil das Sorgerecht hatte (Bürgerliches Gesetzbuch § 1680).

    Alleinerziehende
    Falls Alleinerziehende nicht wünschen, dass der verbliebene Elternteil nach ihrem Tod das Sorgerecht erhält, müssen sie das schriftlich in der Sorgerechtsverfügung festlegen. Es ist möglich bestimmte Personen explizit von der Vormundschaft auszuschließen. Das erfolgt unter Angabe von triftigen Gründen (beispielsweise Kind kennt den Partner gar nicht) und einer oder mehreren Personen, die als geeigneter Vormund in Frage kommen.

    Wenn beide Elternteile sterben
    Wird ein Kind plötzlich zur Vollwaise, versucht das Gericht, Verwandte des Kindes mit der Vormundschaft zu beauftragen. Doch dabei gibt es mehrere Probleme: Einerseits „ist es in der Praxis für das Gericht schwierig, langjährige Familienzwistigkeiten oder Abneigungen mit einzubeziehen“, so Anne Kronzucker, Juristin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Andererseits kann – wenn es keine nahen Angehörigen gibt – „ein Amtsvormund, beispielsweise ein Mitarbeiter des Jugendamtes, bestellt werden“.

    Um sicherzugehen, dass der Nachwuchs nach dem eigenen Tod in sichere und vor allem vertraute Hände gerät, sollten Eltern demnach bereits zu Lebzeiten einen geeigneten Vormund bestimmen.

    Der Vormund kümmert sich anstelle der Eltern um die personen- und vermögensrechtlichen Angelegenheiten des Kindes (Bürgerliches Gesetzbuch § 1793). Er kann das Kind bei sich aufnehmen, ist aber nicht dazu verpflichtet. Der Vormund kann stattdessen bestimmen, ob das Kind beispielsweise in einem Heim oder in einer Pflegefamilie untergebracht werden soll.

    Wunschvormund festlegen
    Laut Bürgerlichem Gesetzbuch § 1780 und § 1781 muss der in Frage kommende Vollmund volljährig und geschäftsfähig sein. Davon abgesehen, solltest du einige persönliche Fragen klären, bevor du dich festlegst:

    Bevorzugst du nahe Verwandte oder lieber andere Personen (zum Beispiel aus dem Freundeskreis)?
    Welche Personen aus der Verwandtschaft kommen überhaupt in Frage? Sind die Großeltern beispielsweise noch in der Lage das Kind zu betreuen?
    Gibt es vielleicht ein gleichaltriges, befreundetes Paar mit dem ihr wechselseitig eine Patenschaft für die Kinder übernehmen könnt?
    Fühlt sich das Kind in der Anwesenheit deines Wunschvormundes wohl?
    Vertraust du dieser Person?
    Ist der Wunschvormund auch bereit dein Kind/ deine Kinder aufzunehmen?
    Können Geschwisterkinder zusammen bleiben?
    Wird der Vormund nach deinen Vorstellungen erziehen?
    Soll sich der Vormund nur um die persönlichen oder auch um die finanziellen Belange kümmern?
    Es ist möglich, zwei verschiedene Personen für die Personensorge und Vermögenssorge zu bestimmen.

    Gibt es einen Ersatzvormund, falls die vorgesehene Person abspringt?
    Sprich unbedingt vorher mit deinem Wunschvormund ab, ob er überhaupt bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen! Wenn die von dir festgelegte Person nicht eingeweiht ist, wird sie deinen Wunsch vor Gericht eventuell ablehnen.

    Was ist mit Taufpaten?
    „Früher übernahmen Paten im Falle des Todes der Eltern die Fürsorgepflicht für das Kind. Das ist heute nicht der Fall, ein Taufpate wird niemals automatisch der Vormund für ein verwaistes Kind, auch wenn viele Eltern genau das glauben.

    Muss das Gericht meinem Vorschlag nachkommen?
    In der Regel folgt das Gericht der Sorgerechtsverfügung, es sei denn es hält den Vormund für nicht geeignet (zu alt/ minderjährig/ nicht geschäftsfähig/ fragwürdiger Lebenswandel). Sieht das zuständige Gericht das Kindeswohl gefährdet, kann es von den Vorgaben der Eltern abweichen.

    Deswegen ist es ratsam, die Entscheidung gut zu begründen. Je besser die Argumente für den ausgewählten Vormund sprechen, desto wahrscheinlicher wird das Gericht den Wünschen nachgehen.

    Alleinerziehenden, die den Partner von der Vormundschaft ausschließen wollen, wird eine besonders ausführliche Begründung nahe gelegt: „Erkläre, wieso das deinem Kind schaden könnte. Du musst schwerwiegende Gründe haben, damit sich das Vormundschaftsgericht beziehungsweise das Jugendamt deiner Ansicht anschließt.“

    Muss mein Wunschvormund die Vormundschaft annehmen?
    Ob deinem Wunsch entsprochen wird, ist abhängig davon, ob die von dir bestimmte Person dem Gericht geeignet erscheint. „Die Person jedoch, die von dem Vormundschaftsgericht zum Vormund bestellt wird, ist grundsätzlich verpflichtet, diese Aufgabe wahrzunehmen (§ 1785 BGB).

    Ein Vormund kann seine Vormundschaft laut § 1786 BGB allerdings ablehnen, wenn er zwei oder mehr schulpflichtige Kinder zu betreuen hat, seine Familie die Übernahme des Amtes erschwert, er das 60. Lebensjahr vollendet hat oder krank und gebrechlich ist.

    Auch wenn dein Wunschvormund zusagt: Kinder, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, können sich der Sorgerechtsverfügung widersetzen!

    Wie verfasse ich eine Sorgerechtsverfügung?
    Die Sorgerechtsverfügung ist rechtlich gesehen eine Art von Testament. Um eine rechtskräftige Sorgerechtsverfügung zu erstellen, gibt es zwei Möglichkeiten:

    1. Entweder gehst du zum Notar und lässt ein (kostenpflichtiges) Testament anfertigen.

    2. Oder Du verfasst ein eigenes – von vorn bis hinten handgeschriebenes – Schriftstück.
    Es reicht NICHT ein maschinell erstelltes Dokument zu unterschreiben! Es ist außerdem wichtig, dass die Sorgeberechtigten mit Vor- und Zunamen unterschreiben und die Sorgerechtsverfügung mit Ort und Datum versehen wird.

    “Der Gesetzgeber hat den Bürgern bewusst verschiedene Möglichkeiten eingeräumt, ihren letzten Willen festzuhalten. In ihrer Wirkung stehen sich notarielles und handschriftliches Testament daher in nichts nach”.

    Nur Eheleute können eine gemeinsame Sorgerechtsverfügung aufsetzen. Unverheiratete Eltern brauchen zwei Testamente!

    Formulierungshilfen für eine Sorgerechtsverfügung
    Im Internet findet ihr diverse Vorlagen und Muster für Sorgerechtsverfügungen. Da diese wie bereits erwähnt, handschriftlich abgeschrieben werden müssen, gibt es keine Vordrucke.
    Traumzeit_01 gefällt dies

  3. #3
    Avatar von refrada
    refrada ist offline Endlich zu viert <3
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    Standard Re: Frage zum Ablauf nach dem Tod des Erziehungsberechtigten

    Das hab ich mir mal von einer Homepage kopiert. Den Link hab ich leider nicht mehr.

    Bei den Großeltern wäre ich skeptisch. Meine Eltern wären prinzipiell auch bereit unseren Sohn zu nehmen, allerdings merke ich, dass sie eben immer älter werden. Wir haben uns mit meinem großen Bruder und seiner Frau "geeinigt". Wir werden uns gegenseitig als Vormund einsetzen. Mündlich ist alles geregelt, nur haben wir es immer noch nicht schriftlich. Sollten wir mal machen.

    Mit dem Abholen des Kindes. Ich kenne das so, dass sich so schnell wie möglich das Jugendamt um das Kind kümmert (Eine Freundin arbeitet im J-Amt). Bei einem gemeinsamen Unfall natürlich erst Polizei bzw. Notarzt oder Seelsorger. Je nachdem ob das Jugendamt verfügbare Notfallfamilien hat kommt das Kind erstmal in so eine Familie oder in ein Kinderheim. Bei Verwandten in der Nähe dann dahin. Dann gibt es einen vorläufigen Aufenthaltsbestimmungsort bis das Verfahren alle nötigen Unterlagen und Informationen hat und der Richter endgültig entscheidet. Daher ist es m. E. sinnvoll ein Exemplar der Sorgerechtsverfügung bei dem Wunschvormund zu deponieren. Damit kann er/sie die ersten Schritte beschleunigen.

    Deine Vorsorge ist super und ich wünsche sehr, dass dieser Fall bei keinem von uns eintrifft!

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