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Thema: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

  1. #1
    Gruenwald ist offline newbie

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    Unglücklich >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Hallo liebes Forum,

    auf behutsames Anraten unserer Frauenärztin haben meine Frau (37 Jahre, 13+2 SSW) und ich das Erst-Trimester-Screening (nach FMF London) durchgeführt und leider ein sehr besorgniserregendes Ergebnis erhalten. Zwar konnten Trisomie 18 (1:834) und Trisomie 13 (1:3024) nahezu ausgeschlossen werden, dafür schnellte das Risiko auf Trisomie 21 auf >1:4 hoch (wenn ich das Schaubild richtig interpretiere, liegt es bei ca. 33%), was für uns ein Schock war, da nach dem Ultraschall ein Risiko von ca. 1:200 vorlag. Die Ärztin hat DEGUM Stufe 2 und schien zuerst sehr zufrieden (vor allem mit dem Herzen, sie meinte sogar, dass solch eine gute Darstellung nicht selbstverständlich sei), bis sie dann das Nasenbein nicht finden konnte ("allenfalls im Ansatz" waren ihre Worte) und noch dazu die Nackenfalte im Grenzbereich lag. Trotzdem waren wir nach dem Ultraschall zuversichtlich gestimmt, bis dann die vernichtenden Blutwerte wenige Stunden später verkündet wurden.

    Hier unsere Daten:

    Nackentransparenz: 2,50 mm (laut Ärztin gerade noch an der oberen Grenze)
    SSL: 72,0 mm
    FHR: 149 SpM
    Biparietaler Durchmesser: 25,0 mm
    Abdomenumfang: 69,0 mm
    Femurlänge: 9,0 mm
    Intrakranielle Transparenz: darstellbar
    Ductus venosus: 1,30
    Plazenta: Hinterwand
    Fruchtwasser: unauffällig
    Nabelschnur: 3 Gefäße, Nabelschnurinsertion zentral
    Nasenbein: auffällig (abwesend/hypoplastisch)
    Trikuspidalklappendoppler: normal

    Blutwerte:

    freies ß-hCG: 74,59 IU/I (2,308 MoM)
    PAPP-A: 3,970 IU/I (0,918 MoM)

    Da uns die Blutwerte dermaßen ungünstig bewertet haben (nach Ultraschall waren wir ja bei 1:200 Risiko eingestuft), würde mich interessieren, was genau diesen Verdacht verursacht, zumal das PAPP-A laut einem Online-Lexikon für die 13. SSW offenbar im Normbereich liegt (Median 3,874). Fußt dies allein auf dem ß-hCG-Wert? Ist dieser tatsächlich dermaßen aussagekräftig? Die Ärztin sagte etwas davon, dass diese Werte miteinander verglichen werden?

    Über einen Rat würden wir uns sehr freuen, da wir - der mangelhaften Beratung und Aufklärung von ärztlicher Seite sei Dank - doch enorm verunsichert sind momentan.

    Es grüßt herzlich
    euer Gruenwald

  2. #2
    leu
    leu ist offline Legende

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    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Hallo Gruenwald,

    nein, an der Biochemie allein kann dieser Wahrscheinlichkeitsanstieg eigentlich nicht liegen. Ich würde eher vermuten, dass die Wahrscheinlichkeit, die euch nach Ultraschall mitgeteilt wurde, die Information über das Nasenbein nicht enthielt, denn damit hättet ihr eigentlich nicht auf 1:200 kommen können. Wieso euch das anders mitgeteilt wurde, kann ich allerdings auch nicht erklären.
    Du hast jedenfalls völlig recht, dass das PAPP-A überhaupt nicht auffällig ist. Der einzige Grund, warum ich das trotzdem nicht als deutlich entspannend interpretieren würde, liegt darin, dass es in der 14. SSW leider auch nicht mehr sehr aussagekräftig ist, in der 11. SSW sähe das ganz anders aus.

    Insgesamt gibt es bei euch zwar keine Daten, die man nicht auch anders als mit einer T21 erklären könnte, eben eben leider auch keinen, der sehr stark gegen das Vorliegen einer T21 spricht.

    Wenn es euch sehr wichtig ist, dies abzuklären, würde ich euch einen der neuen genetischen Bluttests empfehlen, weil die fast genauso sicher wie die Fruchtwasseruntersuchun, aber ohne Fehlgeburtenrisiko eine T21 erkennen oder ausschließen können.

    LG, bitte berichtet weiter,
    Barbara

  3. #3
    Gruenwald ist offline newbie

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    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Zitat Zitat von leu Beitrag anzeigen
    Der einzige Grund, warum ich das trotzdem nicht als deutlich entspannend interpretieren würde, liegt darin, dass es in der 14. SSW leider auch nicht mehr sehr aussagekräftig ist, in der 11. SSW sähe das ganz anders aus.
    Hallo liebe Barbara,

    vielen Dank für die Informationen, das hilft uns schon wieder ein Stückchen weiter!
    Das mit der Schwangerschaftswochenberechnung verstehen wir nicht so recht, auf dem Auswertungsbogen des Tests ist 13+2 (habe eben nochmal genau nachgeschaut, auf dem Bogen steht nach SSL, nach BPD, nach AU, nach FL) angegeben und als letzter Tag der Regel 15.07.14 (was korrekt ist), aber laut unserer Berechnung müsste das dann zum Untersuchungszeitpunkt (15.10.14) 'erst' bei 13+1 sein. Nimmt man den ersten möglichen fruchtbaren Tag (also bei uns den 24.07.14) als Startwert, dann sind wir zum Tag der Untersuchung (15.10.) bei 11+6 gewesen. Welcher Wert ist denn eigentlich relevant im Bezug auf die Blutwerte?

    Der Ultraschall verlief - wie schon angedeutet - sehr sonderbar. Zuerst war alles toll und sie lobte die gute Darstellbarkeit des Herzens und des Gehirns etc., dann am Ende plötzlich der Hammer mit dem schlecht bis gar nicht darstellbaren Nasenbein. Das kam so unvermittelt und ernst (ohne jegliches Einfühlungsvermögen) auf uns nieder, dass uns sofort Angst und Bange wurde. Am Tresen - also vor anderen wartenden Patienten - hat die Ärztin meine Frau von hinten kommend angesprochen, ob sie sich schon über eine mögliche Abtreibung Gedanken gemacht hätte. Das war dann die Krönung. Aber genug davon.

    Ich bin mir sicher, dass der Wert nach der Feststellung des nicht darstellbaren Nasenbeins von 1:174 auf 1:200 sogar leicht gestiegen ist, ich habe deshalb extra nachgefragt, dass das ja eigentlich ein gutes Zeichen sei. Die Ärztin wollte davon nichts hören und meinte nur, dass man die Blutwerte abwarten müsse und dass sich ja im Grunde am Risiko nichts geändert habe, es könne weiter sinken aber auch evtl. drastisch steigen auf z.B. 1:2 oder 1:4, das sagte sie so.

    Nach qualvollen Stunden des Wartens kam dann per Telefon die Mitteilung, dass wir bei über 1:4 T21 Wahrscheinlicheit lägen: Peng!

    Deshalb - das vergaß ich zu erwähnen - haben wir gleich am Folgetag kurzerhand den Express-Prena-Test machen lassen. Ich hoffe nur, dass sie die Werte nicht verbummeln oder irgendwas vertauschen, ein wirkliches Vertrauen habe ich momentan nämlich nicht unbedingt zu dem Laden. Nächsten Donnerstag liegen dann die Ergebnisse hoffentlich vor, bis dahin müssen wir (vor allem meine Frau) irgendwie überleben. Am Montag haben wir ein Beratungsgespräch.

    Herzliche Grüße
    Gruenwald

  4. #4
    leu
    leu ist offline Legende

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    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Hallo Gruenwald,

    bei gynäkologischer Angabe einer SSW werden immer 2 Wochen zum eigentlichen Zeugungstermin hinzugezählt (weil üblicherweise zwei Wochen zwischen dem 1. Tag der letzten Regel und der Zeugung vergehen). Von Zeugung an gerechnet 11+6 ist deshalb nach gynäkologischer Zählung 13+6.
    Das Programm rechnet immer mit der SSL am Tag der Nackentransparenzmessung und setzt in eurem Fall 72 mm mit SSW 13+2 gleich. Das scheint in eurem Fall ja auch recht gut hinzukommen, ein Tag Unterschied (13+1 statt 13+2) macht nicht viel aus.
    Ich habe also keinen Anhalt dafür, dass bei euch bei der Annahme der SSW ein relevanter Fehler passiert ist.

    Ich drücke euch die Daumen für nächste Woche! Bei wem habt ihr denn das Beratungsgespräch am Montag? Habt ihr euch denn schon mal Gedanken darüber gemacht, wie ihr damit würdet umgehen wollen, wenn euer Kind tatsächlich Trisomie 21 hätte, aber zumindest - wie es momentan aussieht - keine beeinträchtigenden Organfehlbildungen?

    LG, Barbara

  5. #5
    Gruenwald ist offline newbie

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    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Hallo Barbara,

    Zitat Zitat von leu Beitrag anzeigen
    Von Zeugung an gerechnet 11+6 ist deshalb nach gynäkologischer Zählung 13+6.
    Ich danke dir für Aufklärung, auch wenn ich den Sinn dahinter weiterhin nicht so recht verstehe, weshalb zwei Wochen zum Zeitpunkt X addiert werden, wenn doch die Zeugung (Samenzelle trifft auf Eizelle) frühestens zum Zeitpunkt X (erster fruchtbarer Tag nach der letzten Periode) stattgefunden haben kann. Aber das ist ja auch in unserer Situation nicht weiter wichtig.

    Zitat Zitat von leu Beitrag anzeigen
    Ich drücke euch die Daumen für nächste Woche! Bei wem habt ihr denn das Beratungsgespräch am Montag?
    Das Gespräch findet bei einer Frau statt, die sich auf solche 'Fälle' (also Eltern, die ggf. ein Kind mit Trisomie erwarten) spezialisiert hat. Genaueres kann ich erst hinterher sagen, ich bin selbst gespannt.

    Zitat Zitat von leu Beitrag anzeigen
    Habt ihr euch denn schon mal Gedanken darüber gemacht, wie ihr damit würdet umgehen wollen, wenn euer Kind tatsächlich Trisomie 21 hätte, aber zumindest - wie es momentan aussieht - keine beeinträchtigenden Organfehlbildungen?
    Das ist eine schwere Frage für mich. Meine Frau sieht das jedoch klarer, sie könnte sich derzeit nicht vorstellen, ein mehr oder weniger stark behindertes Kind auf die Welt zu bringen. Allerdings weiß ich ebenso, dass sie enorme Probleme bekommen würde, käme es tatsächlich zu einem medizinisch begründeten bewussten Schwangerschaftsabbruch. Wir stünden im Falle einer solchen Entscheidung regelrecht bis zum Hals im Morast. Da hilft mir übrigens auch meine reichliche Auseinandersetzung mit (theoretischer) Ethik (ich habe das Fach u.a. studiert) keinen Deut weiter.

    Wir stehen am Anfang in dieser Frage, bisher sind wir der Meinung, dass das Recht des ungeborenen Lebens nicht nur ein Recht auf Leben ist, sondern auch ein Recht auf ein nach Möglichkeit behinderungsfreies Leben. Das ist jetzt sehr theoretisch gesprochen, aber haben wir als künftige Eltern nicht sogar eine gewisse Verantwortung dafür, dass wir dem sich selbst bewusst seienden Menschen, der gerade im Bauch meiner Frau heranreift, jedoch noch nicht als bewusstes Sein vorhanden ist (höchstens in unserer Vorstellung), ein chancenreiches Leben und ein intellektuell gleichberechtigtes Dasein sicherstellen, sofern wir die Möglichkeit (also im Rahmen der Pränataldiagnostik) hierzu haben? Wäre es vielleicht nicht sogar selbstsüchtig, einen Menschen in ein bewusstes Leben zu entlassen, der Zeit seines Daseins mit mehr oder weniger (das können wir vorher wohl nicht wissen) starken Behinderungen wird auskommen müssen?

    Theoretische Abwägungen hin oder her, müsste ich mich gegen unser Kind entscheiden, wäre ich nicht mehr derselbe Mensch wie vorher, das fühle ich und weiß ich. Meiner Frau ginge es nicht anders, da bin ich mir sicher.

    Es grüßt dich dein
    Gruenwald

  6. #6
    Zickzackkind Gast

    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Zitat Zitat von Gruenwald Beitrag anzeigen
    Hallo Barbara,



    Ich danke dir für Aufklärung, auch wenn ich den Sinn dahinter weiterhin nicht so recht verstehe, weshalb zwei Wochen zum Zeitpunkt X addiert werden, wenn doch die Zeugung (Samenzelle trifft auf Eizelle) frühestens zum Zeitpunkt X (erster fruchtbarer Tag nach der letzten Periode) stattgefunden haben kann. Aber das ist ja auch in unserer Situation nicht weiter wichtig.



    Das Gespräch findet bei einer Frau statt, die sich auf solche 'Fälle' (also Eltern, die ggf. ein Kind mit Trisomie erwarten) spezialisiert hat. Genaueres kann ich erst hinterher sagen, ich bin selbst gespannt.



    Das ist eine schwere Frage für mich. Meine Frau sieht das jedoch klarer, sie könnte sich derzeit nicht vorstellen, ein mehr oder weniger stark behindertes Kind auf die Welt zu bringen. Allerdings weiß ich ebenso, dass sie enorme Probleme bekommen würde, käme es tatsächlich zu einem medizinisch begründeten bewussten Schwangerschaftsabbruch. Wir stünden im Falle einer solchen Entscheidung regelrecht bis zum Hals im Morast. Da hilft mir übrigens auch meine reichliche Auseinandersetzung mit (theoretischer) Ethik (ich habe das Fach u.a. studiert) keinen Deut weiter.

    Wir stehen am Anfang in dieser Frage, bisher sind wir der Meinung, dass das Recht des ungeborenen Lebens nicht nur ein Recht auf Leben ist, sondern auch ein Recht auf ein nach Möglichkeit behinderungsfreies Leben. Das ist jetzt sehr theoretisch gesprochen, aber haben wir als künftige Eltern nicht sogar eine gewisse Verantwortung dafür, dass wir dem sich selbst bewusst seienden Menschen, der gerade im Bauch meiner Frau heranreift, jedoch noch nicht als bewusstes Sein vorhanden ist (höchstens in unserer Vorstellung), ein chancenreiches Leben und ein intellektuell gleichberechtigtes Dasein sicherstellen, sofern wir die Möglichkeit (also im Rahmen der Pränataldiagnostik) hierzu haben? Wäre es vielleicht nicht sogar selbstsüchtig, einen Menschen in ein bewusstes Leben zu entlassen, der Zeit seines Daseins mit mehr oder weniger (das können wir vorher wohl nicht wissen) starken Behinderungen wird auskommen müssen?

    Theoretische Abwägungen hin oder her, müsste ich mich gegen unser Kind entscheiden, wäre ich nicht mehr derselbe Mensch wie vorher, das fühle ich und weiß ich. Meiner Frau ginge es nicht anders, da bin ich mir sicher.

    Es grüßt dich dein
    Gruenwald
    Hallo,
    ich lese still bei Euch mit und drücke Euch erst einmal die Daumen das alles gut geht. Zu Deinem philosophischen Absatz (ich kann auf dem Pad leider keine Sätze zitieren), die meisten Menschen mit Trisomie 21 sind in ihrem Leben sehr glücklich und zufrieden, haben sie nicht darum ein Recht auf Leben, auch wenn sie keine Intellektuellen Höchstleistungen bringen können?
    Bitte nicht falsch verstehen, ich kann nachvollziehen, das man Angst hat ein behindertes Kind zu bekommen und es gibt viele Gründe, warum man abtreibt und ich habe tiefsten Respekt vor der Entscheidung. Einzig allein die Argumentation ein Leben mit T21 sei nicht lebenswert, stimmt für mich nicht. Ich habe jahrelang im Behindertenbereich gearbeitet und gerade bei T21 noch nie einen Menschen getroffen, dessen Leben weniger lebenswert war, als das eines " normalen " Menschen. Manche haben auf Grund ihres Herzfehlers schwere Zeiten gehabt und strahlen trotzdem eine Grundzufriedenheit aus, von der ich mir gerne eine Scheibe abschneiden würde. Nur so, als kleiner Gedankenanstoß. Ich wünsche Dir und Deiner Frau und Eurem Baby, dass alles gut wird, wie auch immer es weitergeht. Viel Kraft und ganz liebe Grüße

  7. #7
    Gruenwald ist offline newbie

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    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Hallo Zickzackkind,

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Hallo,
    ich lese still bei Euch mit und drücke Euch erst einmal die Daumen das alles gut geht.
    Danke!

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    die meisten Menschen mit Trisomie 21 sind in ihrem Leben sehr glücklich und zufrieden, haben sie nicht darum ein Recht auf Leben, auch wenn sie keine Intellektuellen Höchstleistungen bringen können?
    Ich habe auch den Eindruck, dass Menschen mit Trisomie 21 (ich kenne sie allerdings nur aus dem TV und vom bloßen Sehen) gerne leben. Etwas Gegenteiliges würde ich auch nicht behaupten wollen. Und jene Menschen, die derzeit betroffen sind, denen würde ich auch niemals ihr Lebensrecht absprechen, nur weil sie mehr oder weniger starke geistige und/oder körperliche Behinderungen haben. Das ist gar kein Thema für mich, denn es geht um ungeborenes Leben, unser Kind ist ja eben noch nicht auf dieser Welt angekommen.

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Bitte nicht falsch verstehen, ich kann nachvollziehen, das man Angst hat ein behindertes Kind zu bekommen
    Die Angst ist natürlich vorhanden. Aber ich wüsste nicht, welche Angst nun größer ist: Diejenige, unser Kind, das ich schon mehrmals im Ultraschall gesehen habe und das schon sehr menschlich aussieht (sich auch schon unwillkürlich bewegt), auf Grund einer bewussten Abtreibung leblos vor mir liegen zu sehen oder jene Angst, ein mehr oder weniger stark beeinträchtigtes Kind in ein Leben zu entlassen, das es vielleicht nie vollends selbständig wird meistern können? Natürlich wird sich mein Kind hinterher sicherlich nicht bei uns darüber beschweren, dass wir es gezeugt haben. Aber das entbindet uns meiner Ansicht nach nicht von der Verantwortung, das würde sie nur auf das noch ungeborene Kind abschieben.

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Einzig allein die Argumentation ein Leben mit T21 sei nicht lebenswert, stimmt für mich nicht.
    Ich weiß, dass es das Argument gibt und ich lehne das - wie oben gesagt - als human denkender Mensch natürlich ebenfalls ab.
    Niemand hat das Recht, über das Leben anderer Menschen (bzw. über dessen Wert) zu entscheiden, egal ob eine Entwicklungsstörung vorliegt oder nicht. Das würde ich übrigens konsequenterweise gerne auf alle Lebewesen ausweiten.

    Das ist aber Theorie. In der Lebenspraxis müssen wir schon aus ethischer Notwendigkeit heraus immer wieder über den Lebenswert anderer Lebewesen urteilen. Erst vor einigen Wochen mussten wir unseren (bwz. meinen) 18-jährigen Kater einschläfern lassen; er war blind, hatte starke Schmerzen durch Arthrose und konnte nur noch fressen und schlafen - an schlechten Tagen. An guten lag er auch mal in der Sonne und schnurrte genüsslich, wenn man ihn streichelte. Aber das kam leider immer seltener vor. Weil wir ihn liebten, haben wir ihn schweren Herzens gehen lassen. Ob das letztlich wirklich die richtige Entscheidung war, kann ich nicht sagen. Gibt es bei solchen Konflikten überhaupt richtig und falsch, lebenswert und lebensunwert?

    Es war mehr ein Gefühl für Verantwortung, das dabei eine Rolle spielte und obwohl man eine Katze nicht mit einem Menschen vergleichen kann (warum eigentlich nicht?), fühle ich das jetzt ganz ähnlich. Ich kann es momentan nicht anders darstellen und hoffe, dass meine Sichtweise/Herangehensweise dennoch einigermaßen verständlich wurde.

    Viele Grüße
    Gruenwald

  8. #8

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    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Zitat Zitat von Gruenwald Beitrag anzeigen



    Ich danke dir für Aufklärung, auch wenn ich den Sinn dahinter weiterhin nicht so recht verstehe, weshalb zwei Wochen zum Zeitpunkt X addiert werden, wenn doch die Zeugung (Samenzelle trifft auf Eizelle) frühestens zum Zeitpunkt X (erster fruchtbarer Tag nach der letzten Periode) stattgefunden haben kann. Aber das ist ja auch in unserer Situation nicht weiter wichtig.



    Das Gespräch findet bei einer Frau statt, die sich auf solche 'Fälle' (also Eltern, die ggf. ein Kind mit Trisomie erwarten) spezialisiert hat. Genaueres kann ich erst hinterher sagen, ich bin selbst gespannt.



    Das ist eine schwere Frage für mich. Meine Frau sieht das jedoch klarer, sie könnte sich derzeit nicht vorstellen, ein mehr oder weniger stark behindertes Kind auf die Welt zu bringen. Allerdings weiß ich ebenso, dass sie enorme Probleme bekommen würde, käme es tatsächlich zu einem medizinisch begründeten bewussten Schwangerschaftsabbruch. Wir stünden im Falle einer solchen Entscheidung regelrecht bis zum Hals im Morast. Da hilft mir übrigens auch meine reichliche Auseinandersetzung mit (theoretischer) Ethik (ich habe das Fach u.a. studiert) keinen Deut weiter.

    Wir stehen am Anfang in dieser Frage, bisher sind wir der Meinung, dass das Recht des ungeborenen Lebens nicht nur ein Recht auf Leben ist, sondern auch ein Recht auf ein nach Möglichkeit behinderungsfreies Leben. Das ist jetzt sehr theoretisch gesprochen, aber haben wir als künftige Eltern nicht sogar eine gewisse Verantwortung dafür, dass wir dem sich selbst bewusst seienden Menschen, der gerade im Bauch meiner Frau heranreift, jedoch noch nicht als bewusstes Sein vorhanden ist (höchstens in unserer Vorstellung), ein chancenreiches Leben und ein intellektuell gleichberechtigtes Dasein sicherstellen, sofern wir die Möglichkeit (also im Rahmen der Pränataldiagnostik) hierzu haben? Wäre es vielleicht nicht sogar selbstsüchtig, einen Menschen in ein bewusstes Leben zu entlassen, der Zeit seines Daseins mit mehr oder weniger (das können wir vorher wohl nicht wissen) starken Behinderungen wird auskommen müssen?

    Theoretische Abwägungen hin oder her, müsste ich mich gegen unser Kind entscheiden, wäre ich nicht mehr derselbe Mensch wie vorher, das fühle ich und weiß ich. Meiner Frau ginge es nicht anders, da bin ich mir sicher.

    Es grüßt dich dein
    Gruenwald
    Ich habe vollstes Verständnis, wenn jemand ein behindertes Kind nicht austragen kann oder will, und es steht mir vor allem nicht zu, das zu bewerten und ich würde das auch nicht wollen. Deswegen antworte ich rein theoretisch.

    Sollte das Kind im Bauch eine Trisomie haben, KANN man ihm kein behinderungsfreies Leben sicherstellen, weil man nur die Wahl zwischen einen behinderten und gar keinem Leben hat.

    Ich behaupte, jede Entscheidung ist in dem Fall egoistisch, weil man glaubt, entweder mit einem behinderten Kind oder mit einem Abbruch nicht gut zurechtzukommen. Ein Abbruch aus rein altruistischen Motiven scheint mir etwas weit hergeholt. In meinen Augen schiebt genau diese Haltung die Verantwortung ab. Statt, "ich kann/will mit einem behinderten Kind nicht leben" "ich würde ja wollen, aber ich fühle mich verpflichtet, einem solchen Kind das Leben zu ersparen"

    Ich wünsche euch natürlich, dass ihr überhaupt keine Entscheidung treffen müsst und euer Kind ganz gesund ist. Solltet ihr eine treffen müssen, dann natürlich die, die sich für euch richtig anfühlt.
    Philina2000 gefällt dies
    LG
    Schlüsselsucherin



  9. #9
    Gruenwald ist offline newbie

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    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Hallo Schlüsselsucher,

    Zitat Zitat von Schlüsselsucher Beitrag anzeigen
    Sollte das Kind im Bauch eine Trisomie haben, KANN man ihm kein behinderungsfreies Leben sicherstellen, weil man nur die Wahl zwischen einen behinderten und gar keinem Leben hat.
    Das ist richtig. Eine grausame Wahl.

    Zitat Zitat von Schlüsselsucher Beitrag anzeigen
    Ich behaupte, jede Entscheidung ist in dem Fall egoistisch, weil man glaubt, entweder mit einem behinderten Kind oder mit einem Abbruch nicht gut zurechtzukommen.
    Vom Gefühl her würde ich es so sagen, dass ich mir durchaus mit gemischten Gefühlen vorstellen kann, mit einem Kind, das von Trisomie 21 betroffen ist, umgehen zu können. Ich kann mir momentan aber nicht ohne sofortiges Herzklopfen und Angstgefühle vorstellen, unser ungeborenes Kind zu töten. Vor dieser Entscheidung möchte ich im Moment einfach nur fliehen.

    Zitat Zitat von Schlüsselsucher Beitrag anzeigen
    Ein Abbruch aus rein altruistischen Motiven scheint mir etwas weit hergeholt. In meinen Augen schiebt genau diese Haltung die Verantwortung ab. Statt, "ich kann/will mit einem behinderten Kind nicht leben" "ich würde ja wollen, aber ich fühle mich verpflichtet, einem solchen Kind das Leben zu ersparen"
    Um von der Theorie mal etwas weg zu kommen.
    Natürlich suche ich gerade fieberhaft nach Auswegen/Entschuldigungen/Entscheidungen/Möglichkeiten/Begründungen/Gefühlen etc., ich denke jedoch nicht, dass ein Motiv schon fest steht und die anderen lediglich um dieses kreisen; also dass ich z.B. mir ein Leben mit Trisomie 21 nicht vorstellen kann und nun meine schon getroffene Entscheidung nur noch entschuldigen/begründen möchte. Man möge mir dies einfach glauben, denn es entspricht der Wahrheit.

    Zitat Zitat von Schlüsselsucher Beitrag anzeigen
    Ich wünsche euch natürlich, dass ihr überhaupt keine Entscheidung treffen müsst und euer Kind ganz gesund ist. Solltet ihr eine treffen müssen, dann natürlich die, die sich für euch richtig anfühlt.
    Danke. Das wünsche ich uns auch.

    Herzlich grüßt
    Gruenwald

  10. #10
    baobab69 Gast

    Standard Re: >1:4 adjustiertes Risiko (Trisomie 21) nach Erst-Trimester Risikoberechnung!

    Ich würde den Termin mit der spezialisierten Beraterin abwarten.

    Gesetz der Fall, die Schwangerschaft bleibt und T21 bestätigt sich- was wäre dabei Eurer grösstes Problem? Eure eigene Umstellung ein Kind zu haben, was sich nicht nach Durchschnitt entwickelt oder ist es eher die Sorge / Angst vor den Reaktionen der Umwelt?

    Falls Ihr Euch damit anfreunden könntet, ein Kind mit vielleicht T21 zu bekommen und Ihr wollt Euch vorab erkundigen, wie es nach der Geburt weiter gehen könnte, rate ich zur Konktaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen, Frühförderzentren usw. Ich glaube, dass man Euch dort schon vor der Geburt auf Fragen anworten kann und Euch so die Angst/ Sorge nehmen könnt, der Situation nicht gewachsen zu sein. Und die Antworten und Infos von dort könnten Euch stärken in Bezug auf Reaktionen der Umwelt.

    Alles Gute!

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