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Thema: Brauchen Kinder einen Glauben?

  1. #21
    Maxie Musterfrau ist gerade online 100% Originalnick
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    Standard Re: Brauchen Kinder einen Glauben?

    Zitat Zitat von Corda Beitrag anzeigen
    Ja Religion ist dazu da alle "unnötigen" Fragen zu beantworten damit man sich auf sein leben konzentrieren kann. Man ist dann nicht ständig auf der Suche nach einer Antwort weil man die Antwort ja schon hat.
    Nach deinem Religionsverständnis wälht man sich quasi einen Glauben, der zu einem passt, der alle Fragen beantwortet und setzt sich dann nie mehr damit auseinander, weil ja schon alles geklärt ist? Das ist mir zu einfach und ich denke nicht, dass das wirklich funktioniert.

    Im Grunde ist es egal, es ist aber auch nichts schlimmes daran, wenn man die eigene Religion weitergibt.
    Die Argumentation von OPUS kann ich sehr gut verstehen. Für mich wäre es auch wichtig die Umstände zur Beurteilung heranzuziehen. Ich denke zwar, dass jede Religion an jedem Ort funktionieren kann, es gibt aber auch andere Menschen, die nicht so denken.
    Mir ist in meinem Glauben egal, wie andere den beurteilen oder ob die finden, dass mein Glaube an diesem oder jenem Ort "funktionieren kann".

    D.h. wenn ich jetzt in ein muslimisch geprägtes Land ziehen würde, würde ich zumindest überlegen ob ich meinen Kindern nicht diese Religion näher bringen würde. Sofern ich weiß ich werde auf Dauer dort bleiben.
    Sich damit auseinandersetzen, klar das gehört dazu. Aber sollte jemand aus diesem Grund konvertieren?

  2. #22
    opus ist offline Muddi h.c.
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    Standard Re: Brauchen Kinder einen Glauben?

    Zitat Zitat von Corda Beitrag anzeigen
    Ja Religion ist dazu da alle "unnötigen" Fragen zu beantworten damit man sich auf sein leben konzentrieren kann. Man ist dann nicht ständig auf der Suche nach einer Antwort weil man die Antwort ja schon hat.
    .
    Nun, 'unnötig' würde ich diese Fragen nicht nennen. Es sind Dinge, die für das Über- und Miteinanderleben essentiell sein können. Regeln, die man irgendwann einfach mal als sinnvoll erkannt hat und festlegen wollte. Da diente dann der angenommene Wille einer Gottheit als Universalbegründung. Hätte man dies regelmäßig neu ausdiskutieren oder neu erläutern müssen, wäre das Zeitverschwendung gewesen.

    Zitat Zitat von Corda Beitrag anzeigen
    Im Grunde ist es egal, es ist aber auch nichts schlimmes daran, wenn man die eigene Religion weitergibt.
    Wenn sich deine Weltanschauung (für dich) bewährt hat und du vielleicht auch überzeugt bist auch ohne zu wissen, wie es funktionieren soll, dann kannst du gar nichts anderes vermitteln. Und überhaupt, wenn es funktioniert, dann wird man vielleicht bei ein paar einzelnen Fragen ein paar Entwicklungsmöglichkeiten ausprobieren, aber das bewährte weitergeben. Das macht jeder so.
    Zitat Zitat von Corda Beitrag anzeigen
    Die Argumentation von OPUS kann ich sehr gut verstehen. Für mich wäre es auch wichtig die Umstände zur Beurteilung heranzuziehen. Ich denke zwar, dass jede Religion an jedem Ort funktionieren kann, es gibt aber auch andere Menschen, die nicht so denken.
    ...dann hast du es vielleicht nicht ganz verstanden.
    Ja, man kann erreichen, dass Religionen noch funktionieren, aber macht das noch Sinn?

    Diese elemantaren Überlebensregeln richten sich oft ganz konkret nach den jeweiligen Lebensumständen dort, wo die Religion entstanden ist. Sieh dir die (teilweise sehr unterschiedlichen) Ernährungsregeln an. Sowohl Judentum, Christentum und Islam sind primär für Nomadenvölker der Wüste geschrieben worden. Vor allem die Christen haben sich, nachdem sie Staatsreligion des römischen Reiches wurden, über ganz Mitteleuropa ausgebreitet. Damals im frühen Mittelalter hätten sie aber nach diesen Wüstenregeln auf keinen Fall hier leben können:
    Alkohol zum Beispiel hat man in der Wüste gemieden, zum einen weil es natürlich ein Nervengift ist und langfristig nicht gut tut, vor allem aber, hätte man gar keine Lebensmittel im Überfluss gehabt, um Alkohol herzustellen. Für keimfreie Getränke sorgte die intensive Sonneneinstrahlung. Also wurde es verboten. Man brauchte es auch nicht.

    In den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas gab es zwar Wasser im Überfluss, aber dies verkeimte kurz nachdem es an die Oberfläche getreten ist. Bedenkenlos trinkbar ist Oberflächenwasser nur direkt an der Quelle oder nach aufwändigem Abkochen. Daher kultivierte man hier die Produktion von (leicht) alkoholischen Alltagsgetränken: Bier, Wein, Most, je nachdem, was angebaut wurde oder Hochprozentigem als Konzentrat für Unterwegs. Das war damals überlebenswichtig, die Christen mussten sich anpassen, zumindest solange, bis die zentrale Trinkwasserversorgung mit kontrollierter Qualität eingeführt wurde.

    Genauso war es beim Schweinefleisch. In der Wüste ist das Tier nicht heimisch, es verträgt das Wetter nicht und Nahrung müsste man derartig hochwertig beschaffen, dass man sie eigentlich den Menschen vorenthalten hätte. Daher wurde die Schweinehaltung zuRecht verboten.
    Hierzulande dagegen war das Schwein das ideale Haustier, praktisch wartungsfrei (man hat es, so wie heute noch auf Korsika, Sardinien oder dem Spanisch-Prtugisischem Grenzgebirge praktiziert, frei gehalten. Das heißt, die Tiere haben selbstständig in den Wäldern gelebt und sich selber versorgt und wurden nur zum Verwerten eingesammelt) und fast restlos verwertbar.
    Die Aussage des Korans, Schweinefleisch sei selbst in homöopatischen Dosierungen 'unrein', ist hierzulande sachlich falsch. Man braucht es vielleicht nicht zum Überleben, aber es wäre eine unbegründete Erschwernis des Alltages gewesen auf ein äußerst praktisches Nutztier ohne sachlichen Grund zu verzichten. So üppig war das Nahrungsangebot auch hierzulande damals nicht.

    Heutzutage kann man freilich nach jeder beliebigen Lebensregel leben. Dank der Trinkwasserverorgung aus der Leitung, der industrialisierten Landwirtschaft mit ihrem Überangebot, dem weltweiten Warenaustausch, kann man alle beliebigen Lebensmittel in ausreichender Menge zu jeder Zeit erhalten. Nur, damals im Mittelalter hätte das nicht funktioniert. Auf keinen Fall.

    Was bei keiner der großen Religionen bei der Formulierung bedacht wurde, war die Möglichkeit, dass sich die Gläubigen über fast den ganzen Erdball ausbreiten würden. Und weil man die nötigen Lebensbedingungen dank unserer Technologien jetzt überall schaffen kann, fällt der Irrsinn dahinter nicht mal mehr auf.
    Das heißt, man kann überall dafür sorgen, dass die Religionen noch funktionieren. Nur, sinnvoll ist anders.

    Was ebenfalls in keinem Fall an keinem Ort mehr vorhanden ist, ist die monokulturelle Gesellschaft mit einer einzigen Gottesvorstellung als gemeinsamen Nenner. Auch dies konnten unsere Altvorderen sich nicht vorstellen, dass die Kulturen derartig zusammenrücken, verstärkt durch die Mobilität und den internationalen Nachrichtenaustausch. Auch deshalb fehlt den Religionen die Grundlage für ihre eigentlich ihnen zugedachte Funktion als normgebendes Regelwerk einer ganzen Gesellschaft.

    Zitat Zitat von Corda Beitrag anzeigen
    D.h. wenn ich jetzt in ein muslimisch geprägtes Land ziehen würde, würde ich zumindest überlegen ob ich meinen Kindern nicht diese Religion näher bringen würde. Sofern ich weiß ich werde auf Dauer dort bleiben.
    Ich würde mich vielleicht mit den dort üblichen Regeln befassen und versuchen, heraus zu bekommen, ob sie und inwieweit sie berechtigt sind. Es gibt ja keine Religion mehr, die insgesamt für die Situationen der heutigen Zeit gemacht wäre und eine flächendeckend neu einzuführen, das geht so bei dem allgemeinen Bildungsniveau auch nicht mehr. Das heißt, du hast vielleicht ein paar sinnvolle Regeln und einen riesen Ballast von mittlerweile völlig sinnentleerten Gewohnheiten, die niemand mehr braucht, und natürlich immer darüber die Probleme die Religionen im Umgang untereinander haben.

    Das heißt, um auf die ursprüngliche Frage des Threads zurückzukommen, man braucht heute keine Religion mehr unbedingt, der Mensch sollte kraft seiner Bildung und Informationsmöglichkeit zu einem vernünftigen Lebenswandel anzuleiten sein. Mit unserem humanistischen Staatswesen machen wir es ja vor, dass das geht.
    Das wäre auch mein Weg in einem kulturell anders geprägten Land und mittelfristig der Weg der Menschheit insgesamt. Letztlich sollte es ja darum gehen, eine zukunftsfähige Lösung zu finden.
    Dem Philosoph ist nichts zu doof.

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