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  1. #1
    samtweich ist offline Stranger

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    Standard Einsamkeit der Schwiegermutter

    Hallo,
    also ich habe jetzt kein Schwiegermonster, trotzdem macht mir der Umgang mit ihr grosse Angst. Meine Schwiegermutter wird dieses Jahr 70. Sie hat ihre zwei Söhne nach der Trennung vom Vater allein grossgezogen und auch als sie erwachsen waren nie einen Partner gehabt. Ihr gesamtes Bemühen galt und gilt bis heute der Familie, wo sie sich absolut reinsteigert. Bis zu seinem Tod vor 3 Jahren lebte ihr grosser Sohn mit ihr in einem Haus. Klar erledigte er viele Dinge für sie und unterstütze sie. Ich kann nachvollziehen, dass der Verlust eines Kindes ( auch wenn er keins mehr war) total schwer ist und auch nie richtig verarbeitet werden kann, doch seither lässt sie sich total gehen. Wir telefonieren fast täglich und inzwischen kann ich ihre Niedergeschlagenheit kaum noch ertragen. Aus beruflichen Gründen wohnen wir weiter weg und können sie auch nicht jederzeit besuchen. Sobald es uns möglich ist machen wir es, so das Urlaub und Co. für uns da völlig auf der Strecke bleiben. Meine Schwiegermutter verreist nicht, knapp das sie es schafft uns zu Weihnachten für 4 Wochen zu besuchen. Ansonsten braucht sie immer ihren Kirchturm, wie man so schön sagt. Fast immer geht's ihr nicht gut und sie hat körperliche Beschwerden. Wir würden sie gern zu uns holen aber das lehnt sie ab. Sie ist in ihrem Dorf geboren, aufgewachsen und lebt noch immer da. Am liebsten sollen wir wieder dahin ziehen, aber das kommt für uns nicht in Frage. Wegen der Arbeit, den Kindern und weil wir in dem Ort absolut kein Perspektive haben. Jetzt müssen wir uns jedes Mal anhören, was für grosse Angst sie hat, wenn sie mal richtig krank wird und dann keine Hilfe hat. Alle im Ort haben Angehörige, ausser sie. Sie verlässt kaum das Haus, kann sich zu nichts aufraffen, passiert aber auch nicht viel in ihrem Ort. Wir möchten Ihr gern helfen, wissen aber nicht wie, weil sie sich sicher ist, dass nur ein Umzug von uns zu ihr die Sache gut macht.
    Ich weiss echt nicht wie ich damit umgehen soll. Auf der einen Seite kann ich mich in sie reinversetzen auf der anderen Seite bin ich aber auch der Meinung, dass man von beiden Seiten Kompromisse machen muss und wir wollen ihr ja helfen aber halt nach unseren Möglichkeiten. Ich muss dazu sagen, sie ist nicht wirklich krank. Sie bewertet Dinge über und jeder Schnupfen ist soooo schlimm und jedes Kopfweh ganz schrecklich.
    Wie seht ihr das? Bin ich vielleicht zu hart zu ihr ? Danke für Eure Antworten.

  2. #2
    Kara^^ ist offline Poweruser

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Hatte der verstorbene Sohn, dein Schwager, denn keine eigene Familie? Gibt es eine Nachbarin, die (ggfs. gegen Entgelt) nach ihr schauen kann?
    Wenn sie mal wieder fragt was passiert wenn sie krank wird, würde ich einfach zurückfragen welche Vorschläge sie sonst hat außer dass ihr zu ihr zieht.
    Außerdem: Was sagt denn dein Mann dazu? Es ist immerhin seine Mutter.
    "Some faeries are good, some are bad, like anyone," said Kit. "But that might be too complicated for the Clave."
    "It's too complicated for most people," Ty said.
    - Cassandra Claire, Lord of Shadows

  3. #3
    samtweich ist offline Stranger

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Nein er hatte keine eigene Familie. Er hatte eine Freundin mit der er zusammenlebte, aber beide sind bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.
    Also die Nachbarn und Bekannten im Ort kümmern sich wirklich sehr um sie, erledigen für sie handwerkliche Dinge oder bringen ihr auch schon mal was aus einem weitentfernten Supermarkt mit, damit sie nicht immer nur den teuren Dorfsupermarkt besuchen muss, fahren sie zum Friedhof, dass ist wirklich super. Jeder will ihr ja helfen, aber sie nimmt diese Hilfe so ungern an. Das sind fremde Leute und nicht die Verwandtschaft. Für sie gibt es keine anderen ´Vorschläge. Wir wohnen in Hamburg. Die Stadt ist ihr zu gross zu fremd. Sie hat Angst sich hier nicht einleben zu können. Wir wohnen schon seit 8 Jahren hier und seither besucht sie uns auch. Aber wenn sie hier ist dann geht sie auch kaum aus dem Haus. Wir müssen sie jedes Mal schnappen und förmlich zwingen mit uns was zu unternehmen. Und natürlich haben wir auch nicht immer dann die volle Zeit Urlaub. Sie kann sich hier freibewegen aber ich hab den Eindruck ob hier oder zuhause, sie wird immer unselbständiger. Und das macht mir Angst.
    Mein Mann macht das Verhalten seiner Mutter natürlich auch Angst. Denn er kennt sie nur als starke, resolute Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Er leidet unter der Situation sicher noch mehr als ich auch wenn er nicht so drüber reden kann. Fühlt sich für sie verantwortlich und kann ihr Vorstellungen trotzdem nicht erfüllen. Und klar leidet er auch noch unter dem Verlust seines Bruders. Die beiden standen sich echt nah.

  4. #4
    Avatar von Zwutschgal
    Zwutschgal ist offline Hubsiversteher

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Sieh es so, das ganze Leben hatte sie etwas worum sie sich kümmern mußte. Und plötzlich sind die Kinder alle weg, haben eigene Familien und man ist alleine. Das ist schon schwer für einen Menschen. Und Nachbarn sind einfach nicht die Familie, ich verstehe schon, daß es ihr vielleicht peinlich ist, immer Hilfe von ihnen anzunehmen.

    Wenn es ihr darum geht, dass es "einseitige" Leistungen sind, und sie gern eine Gegenleistung bringen möchte:
    - die fleißigen Handwerker freuen sich sicher über einen Kuchen.
    - die Mitfahrgelegenheit zum Friedhof braucht auch immer mal neue Blumen fürs Grab, vielleicht mag sie die zuhause aussäen und dann weitergeben. Im Urlaub wird vielleicht jemand gebraucht, der das Grab pflegt.
    - die Nachbarn brauchen im Urlaub auch mal wen, der die Blumen gießt oder die Katze füttert.

    Es hört sich aber eher danach an, dass sie einfach keine Aufgabe mehr hat. Bei einer Bekannten gab es dieses Problem ebenfalls, und die haben ihrer Schwiegermutter ein kleines Hundchen aus dem Tierheim geholt. Da gab es dann das Hundi zu betüddeln, dem konnte man was kaufen.. und beim Gassigehen konnte man neue Kontakte knüpfen. Ich weiß nicht, ob das etwas wäre, aber in diesem Fall hatte das funktioniert. Im Zweifelsfall muß aber auch der Hund irgendwohin, das wärt dann wohl ihr, wenn ihr die Idee weiterverfolgt - ihr kennt sie am besten und wißt, ob das was bringen würde.

    Findet doch etwas, was ihr Spaß machen würde, um ihre Tage zu füllen:
    Vielleicht hat sie auch einen grünen Daumen und gärtnert gerne? Auch als Rentner kann man einen 400-Euro Job machen und zB in Hotels oder Gaststätten die Blumen pflegen. Vielleicht gibt es eine Gärtnerei, die noch Hilfe brauchen könnte.
    Vielleicht strickt sie gern? Oder sie kann gut backen? Vielleicht "schleppt" ihr sie das nächstemal auch zum Seniorentanz oder irgend etwas dergleichen, wo Leute in ihrem Alter sich treffen. Sie ist da sicher nicht die einzige.

  5. #5
    Ela2011 ist offline wunschlos glücklich

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Alte Leute haben meist große Probleme sich neuen Dingen zu öffnen.Wenn sie nicht zu euch ziehen möchte,ihr aber nicht zu ihr ziehen könnt,würde ich versuchen, ihr Seniorentreffs oder ähnliches schmackhaft zu machen aber letzendlich liegt die Entscheidung bei ihr.Wenn sie später zum Pflegefall werden sollt,müsstet ihr sie bei einem Pflegedienst vorstellen oder sie "zwingen" zu euch zu ziehen.Wenn ihr das auch wirklich so wollt.Die Sorge deines Mannes kann ich gut verstehen aber so ist das nun mal im Alter.Aus der starken,resoluten Mutter wird früher oder später ein hilfloses Wesen.



  6. #6
    Eli_sabeth ist offline Stranger

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Für mich klingt das sehr nach Depression. Evtl. wäre ein Aufenthalt in einer psychsomatischen Klinik ratsam.

    Alles Gute!

  7. #7
    samtweich ist offline Stranger

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Also ich denke selbst auch, dass sie mit einer Drepression zu kämpfen hat. Der Verlust eines Kindes auch wenn es altersmässig keins mehr ist, ist natürlich auch das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Da kann ich mich gut reinversetzen.
    Wir haben schon so viele Dinge versucht ihr schmackhaft zu machen und nicht nur wir auch ihre Bekannten und Nachbarn. Sie wird regelmässig zu Geburtstagsfeiern oder einfach nur so zum Kaffee eingeladen lehnt aber immer ab. Sie mag nicht und kann da ja dann auch nicht fröhlich sein und will den anderen nicht die Stimmung verderben. Rafft sie sich wirklich mal auf dann ist sie hinterher sogar eingeschnappt, dass ihr Sohn nicht ständiges Thema da war, als hätten die anderen ihn längst vergessen. Sie ist eifersüchtig, wenn andere Blumen zum Grab bringen, aber auch eingeschnappt, wenn es mal nicht passiert. Wie ich schon geschrieben habe wohnte ihr Sohn im selben Haus wie sie. Ein Mehrfamilienhaus mit 6 Mietparteien, jedoch nicht in einer gemeinsamen Wohnung. Jetzt sind neue Leute eingezogen. Was für ein Weinkrampf, weil sie die Wände neu streichen wollen.
    Seniorentreff kein Thema für sie. Und wie gesagt dazu kommt noch der wirklich absolut dörfliche Charakter des Ortes mit einer katastrophalen Verkehrsanbindung.
    Selbst uns unterstellt sie wir trauern nicht genug, nur weil wir meinen Schwager lieber in seinen schönen Momenten in Erinnerung behalten wollen.

  8. #8
    Lioba25 Gast

    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Zitat Zitat von samtweich Beitrag anzeigen
    Wie seht ihr das? Bin ich vielleicht zu hart zu ihr ? Danke für Eure Antworten.
    Aus meiner Sicht bist Du keinesfalls zu hart.

    Ja, es muß entsetzlich sein, ein Kind zu verlieren. Auch wenn es erwachsen ist.
    Und ja, Trennung vom Mann und AE ist auch nicht leicht.
    Ja, ich glaube auch, daß es sinnvoll sien kann, unter dem Aspekt Depressionen zu schauen.

    Aber:
    das Angebot, daß sie bei Euch leben kann, finde ich jedenfalls sehr, sehr großzügig.
    Sie ist eine erwachsene Frau. Und bis zu einem gewissen Grad ist jeder für sich selbst verantwortlich. Ihr könnt sie nicht retten, wenn sie sich nicht retten lasen will.
    Ein Umzug ist Euch aus meiner Sicht nicht zumutbar.

  9. #9
    hubsi55 ist offline newbie

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Zitat Zitat von Ela2011 Beitrag anzeigen
    Alte Leute haben meist große Probleme sich neuen Dingen zu öffnen.Wenn sie nicht zu euch ziehen möchte,ihr aber nicht zu ihr ziehen könnt,würde ich versuchen, ihr Seniorentreffs oder ähnliches schmackhaft zu machen aber letzendlich liegt die Entscheidung bei ihr.Wenn sie später zum Pflegefall werden sollt,müsstet ihr sie bei einem Pflegedienst vorstellen oder sie "zwingen" zu euch zu ziehen.Wenn ihr das auch wirklich so wollt.Die Sorge deines Mannes kann ich gut verstehen aber so ist das nun mal im Alter.Aus der starken,resoluten Mutter wird früher oder später ein hilfloses Wesen.
    Die ganze Sache kenn ich nur zu gut. Bis zu ihrer Krankheit war die Mutter von meinem Gesponse alles andere als eine Schwiegermutter nach dem gängigen Klischee. Mit viel Geduld und Engelszugne haben wir sie nun unter Gleichaltirgen mit gleichen Problemen untergebracht und es scheint sowas wie Dankbarkeit durch.

  10. #10
    Enja44 ist offline old hand

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    Standard Re: Einsamkeit der Schwiegermutter

    Zitat Zitat von hubsi55 Beitrag anzeigen
    Die ganze Sache kenn ich nur zu gut. Bis zu ihrer Krankheit war die Mutter von meinem Gesponse alles andere als eine Schwiegermutter nach dem gängigen Klischee. Mit viel Geduld und Engelszugne haben wir sie nun unter Gleichaltirgen mit gleichen Problemen untergebracht und es scheint sowas wie Dankbarkeit durch.
    Das heißt übersetzt: Früher war sie ziemlich nützlich. Aber als sie krank wurde, haben wir sie in ein Heim geschafft.

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