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Thema: Trennung

  1. #1
    Anabel09 ist offline Stranger
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    1

    Standard Trennung

    Hallo,

    ich bin über ein anderes Thema hier in dieses Forum gestolpert: http://www.eltern.de/foren/trennung/...-auf-zeit.html Das klingt so ähnlich wie bei mir - nur dass ich der andere Part bin. Aber es gibt auch einige Unterschiede.

    Ich bin seit über 14 Jahren verheiratet mit einem Mann, der mein erster "richtiger" Freund gewesen ist (ich war damals schon über 20). Wir haben zwei Kinder (7 und 10). Mein Elternhaus war etwas lieblos - und mein Mann ist das ehrlich gesagt auch etwas.

    Ich selbst bin immer sehr gehemmt und eher einsam/eigenbrötlerisch gewesen. Ich hatte auch schon als Jugendliche schnell depressive Verstimmungen. In meiner ersten Schwangerschaft (die mich eh schon belastet hatte, weil alles so neu war für mich und ich total verunsichert) habe ich sehr intensiv mitgekriegt, wie eine Freundin von mir (die selbst gerade erst eine Tochter geboren hatte!) ihren Ehemann innerhalb von wenigen Monaten an Krebs verlor. Und seitdem bin ich psychisch ziemlich angeschlagen, wenn ich ehrlich bin. Dabei konnte ich das nach außen recht gut kaschieren. Gerade auch, weil ich ruhig und introvertiert gewesen bin.

    Mein Problem war allerdings: Mein Mann war mir in dieser Situation nie eine Stütze. Das ist nicht als Vorwurf gemeint: Er konnte das nicht, warum auch immer. Ich war jedenfalls einsam. -- Mein Mann hat immer sehr viel geleistet, er macht auch viel im Haushalt. Und wenn ich gesagt habe, dass das nicht so wichtig ist wie die Familie, kommt ein "aber irgendwer muss das doch tun". Dabei hat er sich durchaus auch um die Kinder gekümmert (Fußball spielen oder so), allerdings meckerte er auch immer sehr schnell, wenn es z.B. nicht aufgeräumt war. Alle Menschen (auch er selbst) müssen irgendwie funktionieren. Alles muss sauber und adrett sein. Er kann auch den Wäschekorb nicht mal für einen Tag stehen lassen. Es geht offenbar nicht.

    Umgekehrt kann er sehr lustig sein. Witzige, schlagfertige Kommentare. Das kann er. Und solange ich weiß, dass etwas lustig gemeint ist, kann ich auch lachen. Wenn ich das nicht weiß, gehört es sich dann nicht, mir zu zeigen, dass es ein Scherz sein soll? Ist es zu viel verlangt, wenn ich dann eine Rückversicherung möchte? Er meint manchmal, das sei zu viel verlangt. Ich müsste das doch wissen. Woher?

    Wir haben darüber und über seine tatsächlich kritisch gemeinten Kommenare (die gab es nämlich auch) viel gestritten. Wir haben auch schon öfter an Trennung gedacht, uns aber immer wieder zusammengerissen (auch wegen der Kinder). Eheleben hatten wir praktisch gar keins. Und über seine ewig nörgelnden, herabwürdigenden Bemerkungen bin ich schon oft ausgeflippt. Manchmal (v.a. anfangs) hatte er dann ein ein schlechtes Gewissen. Manchmal meinte er aber auch nur "ich sollte doch nicht alles so auf die Goldwaage legen". Das war sicherlich nicht immer falsch - und ist im Laufe der Zeit sogar schlimmer geworden, weil ich irgendwann regelrecht "fixiert" war auf Kritik von ihm. Andererseits habe ich ihm dann oft auch erklärt: Wenn mich eine kritische Bemerkung stört, dann ist das doch keine Zumutung, die zurückzunehmen und einfach in Zukunft sein zu lassen. Aber das ging dann auch nicht. Ich müsse ihn nun mal so nehmen, wie er ist. -- Der Fairness halber muss ich noch schreiben: Manchmal hat er das durchaus eingesehen, aber es hat nie lange vorgehalten. Um am Ende war er vermutlich einfach nur noch bockig und hat deshalb auf stur geschaltet, wenn ich mich mal wieder angegriffen gefühlt habe.

    Die Frage war also faktisch: Wer muss mehr nachgeben bzw. Nachsicht üben?

    Jedenfalls habe ich mich irgendwann innerlich noch weiter zurückgezogen und gedacht, okay, dann lebe ich eben so. Ich lasse einfach alles abprallen, es ist egal. Aber das ist kein guter Dauerzustand. Es hat mich erheblich belastet und mir sehr viel Kraft geraubt. Es hat auch meine Geduld gegenüber den Kindern stark in Mitleidenschaft gezogen (Ungeduld gepaart mit Unsicherheit ist doppelt schlecht). -- Gleichzeitig bin ich aber auch aufgeblüht. Offener gegenüber anderen Menschen. Und wie das halt so ist: Ich habe gemerkt, dass ich schon auch attraktiv auf einige Männer wirke. Das hebt das Selbstbewusst sein ganz enorm. (Und hat mir dann auch wieder mehr Gelassenheit im Umgang mit den Kindern gegeben. Da bin ich auf einem guten Wege, würde ich sagen.)

    Vor einigen Monaten hat sich dann ein Mann (sehr attraktiv) ernsthaft in mich verliebt. Aber ich habe ihn abgewiesen (alleine schon, weil er verheiratet ist und 3 Kinder hat). Trotzdem hat es mich wie ein Schlag getroffen, umworben statt abgekanzelt zu werden. Es klingt hart, als wäre mein Mann ein Unmensch, was er nicht ist: Er setzt sich selbst genauso übermässig unter Druck wie seine Familie; er weiß wohl auch manchmal schlicht nicht, wie er mit mir umgehen soll. Und ich bin ja auch nicht immer fair ihm gegenüber gewesen. Es ist einfach Sch*** gelaufen. Ich hätte wohl einen gelasseneren, reiferen Menschen zum Mann gebraucht. Oder ich selbst hätte reifer sein müssen - oder zumindest nicht so emotional/psychisch belastet.

    Jetzt habe ich zum einen eine Psychotherapie angefangen. Und zum anderen meinem Mann gesagt, dass ich mich trennen möchte. Er ist aus allen Wolken gefallen, weil nämlich unser Verhältnis zueinander nicht wirklich optimal, aber doch freundschaftlicher, entspannter geworden ist, seit ich ihm gegenüber gleichgültiger geworden bin. Manchmal denke ich, dass das eigentliche Problem vielleicht nur meine eigene Einstellung ist: Wenn ich mich nicht so quälen würde und nicht so empfindlich wäre gegenüber seiner Kritik, dann wäre doch alles gut.

    Im Grunde bin ich innerlich und gedanklich schon bei der Trennung. Und es fühlt sich gut an. Die Aussicht, sich noch weiter zusammenzureißen, bedrückt mich. Aber ich denke auch: Vielleicht ändert sich das wieder? Ist das nur eine Phase? Mein Mann jedenfalls meint, wir sollten der Kinder wegen zusammenbleiben. Und er zählt "sachliche" Argumente dafür auf. -- Und klar: Für unsere Kinder wäre es schon besser, wenn wir zusammen blieben. Zumindest dann, wenn es nicht nur eine Qual wird.

    Aber jetzt kommt es: Nach all den Jahren, in denen ich ihn darum gebeten, manchmal angefleht hatte, nicht nur das Auto zu waschen, sondern ab und zu das Gespräch mit mir zu suchen, auf mich einzugehen, mich ernst zu nehmen ... nach all den Jahren macht er urplötzlich genau das, was ich mir immer gewünscht hatte! Er ist zu mir und den Kindern freundlich und umgänglich. Und er merkt auch selbst, dass er gelassener und fröhlicher ist, wenn er nicht immer nur schaut, ob die Kinder was dreckig gemacht haben. (Das hat er mir so gesagt. Schon die Tatsache, dass er darüber redet, ist ungewöhnlich.) Seine Fixierung auf Ordnung und Sauberkeit ist in den letzten Jahren nämlich immer schlimmer geworden (und für mich ein Hinweis darauf, dass auch er nicht glücklich gewesen sein kann, so wie war).

    Jetzt will er noch einmal versuchen, unsere Ehe zu retten. Und ich bin fassungslos. -- Ich habe ihm in unseren Gesprächen in den letzten Wochen nie Vorwürfe gemacht, sondern mich sorgsam auf meinen Anteil an dieser Situation konzentriert, aber das Eine musste ich ihm sagen: "Warum geht plötzlich genau das, worum ich dich all die Jahre gebeten habe?" Und er meinte, dass er sich wohl meiner zu sicher war. Das schockt mich, es frustriert mich, es macht mich wütend. Das bedeutet doch, dass er all unsere Krisen nie ernst genug genommen hat. Oder? Ich kann es gar nicht glauben: War ich ihm nicht wichtig genug? Hat er geglaubt, sich bis zu unserem Lebensende so "durchwurschtelt" zu können?

    Das Schlimme ist: Ich denke, dass es eigentlich zu spät ist. Trotzdem ist es sehr verlockend zusammenzubleiben - der Kinder wegen und weil es einfacher ist. Und weil ich mich vielleicht doch irre? Ich sehe, dass er wirklich leidet unter dem Damoklesschwert "Trennung" - und das will ich doch gar nicht. Er ist mir ja nicht gleichgültig. Jetzt noch weniger als in all den Jahren unserer Krise.

    Ich weiß nicht, ob er jetzt dauerhaft etwas ändert oder ob das ein Strohfeuer ist. Und ich weiß auch nicht, ob das überhaupt einen Unterschied macht. Ich weiß nicht, ob ich zu egoistisch bin - oder schlimmer noch: zu launisch. Mein Gefühl, dass es ohne Trennung nicht geht, verflüchtigt sich ein bisschen. Jetzt stellt sich auch die Angst ein davor, alleine zu sein (oder besser: "noch alleiner" zu sein). Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Eigentlich will ich diese Ehe nicht mehr. Die Frage ist: Könnte ich diese Einstellung überwinden ... und zwar ohne das Gefühl, dafür meine eigenen Wünsche und Interessen aufgeben zu müssen? Sollte ich das überhaupt versuchen? Hat das einen Zweck? Tue ich sonst ihm Unrecht? Hat er noch eine letzte Chance verdient, weil er es ja offenbar doch noch begriffen hat - und es wäre unfair, ihm die nicht zu gewähren? Zumal ich selbst ja auch kein immer sehr umgänglicher Mensche bin. Was genau will ich ihm da eigentlich vorwerfen? Aber ich sträube mich innerlich dagegen, es noch einmal zu versuchen. Ich habe ihm gesagt: "Irgendwann muss ich doch mal einen Schlussstrich ziehen."

    Ach, eigentlich weiß ich schon, was ich tun sollte. Ich habe vermutlich nur Angst davor ... Ich möchte keinen Fehler begehen. Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr gewöhne ich mich wieder an die Situation und glaube, mich damit abfinden zu können. *seufz*

  2. #2
    Avatar von HomerWells
    HomerWells ist offline Member
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    Standard Re: Trennung

    Hallo Anabel,
    ich, männlich 48 , bin in einer ähnlichen Situation wie Du.
    Du beschreibst Dich selbst als sehr introvertiert und vom Wesen her eher etwas traurig als unbeschwert. Dein Mann scheint emotional nicht sehr aufgeschlossen zu sein, seine pedantische Art scheint dir auf den Geist zu gehen, aber Letzeres ist -vermute ich mal - nicht das Hauptproblem in eurer Beziehung.
    Ich weiß nicht, nach deinen Schilderungen gewinne ich ein bisschen den Eindruck, Du könntest zu viel von deinem Mann erwarten, der Eindruck kann natürlich täuschen.
    Es klingt ein bisschen so, als wünschtest Du Dir von deinem Mann aus deiner eigenen Trauer gezogen zu werden, aus der Du aus eigener Kraft nicht herauskommst. Der Wunsch wäre natürlich verständlich, und vielleicht vermute ich das auch nur, weil ich selbst eher dazu neige, Rettung vor meiner inneren Leere von Aussen zu erhoffen. Funktioniert aber nicht. Ein Partner kann Dir nur helfen und beistehen, als Erlöser ist er völlig überfordert.
    Die andere Ebene ist die Harmonie der Gefühle in der Beziehung. Diese Gefühle werden natürlich von den außeren Umständen beinflusst, und die Gefühle beinflussen die Umstände, trotzdem sind es nach meiner Erfahrung zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Ich selber musste mir die in letzter Zeit viele quälende Fragen zu meine Gefühlen stellen, und die Antworten sind nicht wirklich so ausgefallen, wie ich es mir gewünscht habe.
    Eine Frage war zum Beispiel scheinbar sehr simpel: wie fühlt sich ein Kuss an?
    Nicht so wie er sich anfühlen sollte, musste ich mir eingestehen, und das war in meiner Beziehung nicht nur die Folge von äußeren Umständen und verletzenden Kämpfen, sonder eher deren Ursache.
    Eine andere Frage war: wie oft fühlte sich unser Zusammensein an, als ob zwei Musiker gemeinsam gegensätzliche aber sich perfekt ergänzende Stimmen des gleichen Stückes spielen?
    Verdammt selten, in unserem Fall.

    Ich bin in unserer Beziehung wenn es um Gefühle geht auch oft der große Schweiger gewesen. Warum ist das so? Keine Ahnung. Scheinbar funktionieren viele Männer - mich eingeschlossen - so, daß sie mit einem Gefühl 'oberflächlicher' Zufriedenheit über lange Zeiträume ganz gut zurecht kommen, solange sie den Eindruck haben, daß ihre Frau damit ebenfalls zufrieden ist.
    Wenn ihre Frau dann ihre Verzweiflung über die Situation äußert und emotional an den Mann appeliert, ist dieser erst mal völlig überrascht und irgendwie ratlos gegenüber dem, was da von ihm gewünscht wird, er wertet es aber auch nicht als Zickerei. Männer sind von Natur aus eigentlich nicht weniger freundliche Wesen als Frauen.
    Oh Mann, ich will meiner Frau helfen, es macht mich fertig, sie so traurig zu sehen!
    Aber Gefühle, denkt er sich? Hab ich die denn? Das letzte Mal als ich darüber nachgedacht habe, war als der BVB drei Heimspiele in Folge verloren hat. Das klingt jetzt ein bisschen übertreiben, ist aber ein bisschen so. Ich kann Dir versichern, dass Männer Gefühle haben, die ziemlich tiefschürfend sein können und nichts mit dem BVB zu tun haben, es fällt ihnen aber sehr schwer über längere Zeit darüber nachzudenken, was ja mal die Voraussetzung wäre darüber zu reden.

    Ich habe mal gelesen, dass in manchen afrikanischen Ländern die Frauen sehr viel Zeit mit anderen Frauen verbringen, und die Männer sehr viel Zeit mit anderen Männern. Vieleicht funktioniert das besser, und die wenige gemeinsame Zeit von Mann und Frau wäre dann viel erfüllter. Das setzt allerdings voraus, das der Mann erst mal ein paar echte Freunde hat, und die Frau echte Freundinnen.

    Die Antwort deines Mannes "weil ich mir deiner zu sicher war" finde ich selten dämlich und auch verletzend. Dämlich, weil es so klingt, als ob er sagen wollte "Ich weiß zwar, dass sie leidet, ist mir aber egal, solange sie nicht weggeht".
    Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass es so gemeint war.



    Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute, und hoffe, daß Du dir die richtigen Fragen stellst, und nicht so lange wie ich dafür brauchst, zu unterscheiden, welche Frage man mit dem Verstand beantworten muss, und welche mit dem Herzen.

    Homer

    PS: Warum zum Teufel bin ich jetzt journey (wo)man? Freitag war ich noch Stranger, was mir viel besser gefallen hat!
    Geändert von HomerWells (23.09.2013 um 15:18 Uhr)

  3. #3
    Miss_Granger ist offline Veteran
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    Standard Re: Trennung

    Anabel, habt ihr eine Krise, die ihr überwinden könnt oder ist eine Trennung unumgänglich? Das musst du dich fragen. Nicht wenige Paare machen das durch, was ihr durchmacht. Sie gehen nach überwundener Krise gestärkt daraus hervor. Und sind sich näher als vorher.


    Dass er nichts geändert hat, weil er sich deiner zu sicher war - ja nun. Das kommt vor. Natürlich heißt das nicht, dass du ihm nicht wichtig warst. Er hat deine Beschwerden als Rumzickerei gewertet, mehr nicht. Vermutlich hat er nicht geschnallt, dass du wirklich gelitten hast. Das ist ihm erst jetzt klar, da du die Trennung vorgeschlagen hast.


    An deiner Stelle würde ich es mit ihm probieren, wenn du dich gut dabei fühlst. Du verlierst ja nichts. Sollte er wieder zum "Alten" werden, kannst du immer noch gehen. Wenn in dir schon alles kaputt ist, hat das sicher keinen Zweck. Aber wenn da zumindest ein tiefes Gefühl der Freundschaft ist, würde ich erstmal bleiben. Denn daraus kann auch wieder mehr werden. An deiner Stelle würde ich auch weiter an mir arbeiten. Denn das, was wir den meisten Menschen vorwerfen, was sie uns antun, tun wir uns in Wirklichkeit nur selbst an. Wir projezieren das nur auf den Partner.

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