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  1. #1
    Annika20 ist offline Stranger
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    Standard Partner will kein Kind

    Hallo liebe Community,

    ich bin gerade ziemlich verzweifelt und erhoffe mir am meisten andere Erfahrungsberichte. Vielleicht war oder ist jemand in einer ähnlichen Situation und kann mir auch sagen, wie es dann letztlich ausgegangen ist.

    Kurz zur Vorgeschichte: Mein Partner und ich sind seit 9 Jahren ein Paar. Er ist 33, ich 31 Jahre alt. Seit ich ihn kenne, ist bei mir Kinderwunsch ein Thema, erst natürlich noch ferner, mit der Zeit aber zunehmend konkreter. Meiner Meinung nach, habe ich dies auch stets deutlich gemacht. Wir haben öfter über Kinder gesprochen, manchmal eher allgemein (wie wir wohl manches angehen würden), aber immer wieder auch sehr konkret, wenn es darum ging bestimmte Entscheidungen zu treffen (2- oder 3-Raum-Wohnung, welches Auto etc.). Ich habe eine lange und intensive Ausbildung gerade hinter mir und hatte deutlich gemacht, dass ich dann gern ein Kind mit ihm hätte. Er hat nie Zweifel geäußert. Als es letztes Jahr ernster wurde (habe die Pille in Absprache mit ihm abgesetzt) schob er es erst immer wieder auf. Weil er auch in anderen Lebensfragen schwer zu größeren Entscheidungen kommt und Verantwortung eher meidet, bat ich ihn (drängte vielleicht ehrlicherweise eher) eine Psychotherapie zu beginnen, was er dann auch tat. Dann begann er grundsätzlich an unserer Beziehung zu zweifeln, da er im Moment kein Kind wolle und nicht wisse, ob er überhaupt Vater werden wolle. Ich dachte mir, dass ich ihm Zeit gebe. Die Therapie hat ja eigentlich erst richtig begonnen.

    Nun ist es passiert. Seit zwei Wochen wissen wir, dass ich schwanger bin. Wir haben beide nicht aufgepasst. Ich hatte mich bei der Temperaturmethode erstmals vertan und er hat sich auf mich verlassen.
    Plötzlich wusste er ganz genau, dass er niemals Vater werden wollte und will. Sein Leben sei vorbei. Er wolle es nicht sehen, sich nicht, niemals kümmern, nichts davon wissen, wäre überfordert. Ich dachte ernsthaft über Abtreibung unter diesen Umständen nach (Ablehnung und absolut kein Interesse des Vaters und vielleicht eine emotional belastete oder sogar depressive Mutter für mein Kind). Ich hatte auch schon einen Termin zum Abbruch, den ich aber inzwischen wieder abgesagt habe. Nach dem ersten Schock freue ich mich eben auch sehr über die Schwangerschaft. Von den äußeren Umständen bei uns beiden passt es auch und ich bin einfach neugierig, was für ein einzigartiger Mensch da aus Teilen von uns beiden entsteht. Und wer bin ich zu sagen, ob dieses Kind leben wöllte oder nicht.
    Ich kann mir auch vorstellen, das Kleine von Beginn an allein großzuziehen, auch wenn es natürlich nicht das ist, was ich mir für mein Kind und auch mich selbst gewünscht hätte. Ich liebe meinen Partner auch nach wie vor sehr, obwohl mich seine Reaktion sehr schockt und enttäuscht. Im Großen und Ganzen ist er sehr liebevoll, ich bin gerne mit ihm zusammen, teile meinen Alltag, meine Sorgen und Freude mit ihm und würde ihn wahnsinnig vermissen. Er drängte mich auch nicht zu einer Abtreibung. Letztlich sieht er in beiden Fällen schwer eine Zukunft für uns. Zwischenzeitlich hatte er sich aber auch mal anders geäußert, über seine Ängste gesprochen, kein guter Vater zu sein und dass ich keine Geduld mit ihm haben könnte. Diese Befürchtungen habe ich versucht ihm zu nehmen. Wenn er nur wöllte, könnte er ein guter Vater sein und ich erwarte nicht, dass er sofort alles kann und weiß und würde ihm sehr klar sagen, welche Unterstützung ich brauche. Trotzdem, seit ich gestern die Abtreibung abgesagt habe, hängt er nur noch apathisch rum, wehrt jede Annäherung von mir ab und spricht im Grunde gar nicht mit mir. Teilweise äußert er Selbstmordgedanken.

    Wie beschrieben, meine Entscheidung, das Kind zu bekommen steht fest. Ich hoffe natürlich darauf, dass wir es als Familie miteinander versuchen. Wenn ich allein wäre, würde ich allerdings umziehen, damit ich näher an meiner Arbeit wäre, die ich unbedingt nach der Elternzeit wieder aufnehmen möchte. Außerdem bin ich dort etwas besser sozial vernetzt. Ich werde viel Unterstützung brauchen, wenn ich das Kind allein großziehe. Das muss natürlich vorbereitet und organisiert sein.
    Nun frage ich mich halt, ob und wie lange ich warten sollte, dass mein Partner doch noch Vatergefühle entwickelt oder zumindest das notwendige Verantwortungsgefühl und den Willen sein Bestes beizutragen.

    Ich hoffe, ihr hattet Geduld meine Geschichte zu lesen und habt Gedanken dazu, die ihr mitteilen wollt. Am liebsten natürlich Erfahrungsberichte, wie es bei ähnlichen Gefühlslagen von werdenden Vätern noch weitergegangen ist.

  2. #2
    josefine5 ist offline enthusiast
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    Standard Re: Partner will kein Kind

    Liebe Annika,

    erstmal möchte ich dir ganz herzlich zu deiner Schwangerschaft gratulieren! Ja, es ist schön, auf so einen kleinen Menschen gespannt zu sein!
    Und dann auch meine ganze Anerkennung, dass du so mutig warst, den Termin abzusagen. Natürlich wäre eine Abtreibung für dich - wo du dir schon immer ein Kind gewünscht hast - widersinnig gewesen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass du konkret darüber nachgedacht hast wegen deines Partners. Da bist du durch ganz besondere Tage gegangen! Wer oder was hat dich letztlich gestärkt?

    Ich denke, du stehst viel fester und klarer im Leben als er. In dieser Frage jetzt und auch sonst. Das gibt es oft bei Paaren. Das beklagen auch viele Frauen. Wie es kommt und wie ein Mann stärker werden kann ... hm. Das ist eben nicht so leicht zu sagen.

    Jedenfalls gehst du deinen Weg und er kann mitgehen. Mitgehen ist nicht schwach. Das wäre sehr stark von ihm. Ein Kind ist vielleicht eine "natürliche Therapie" für Unentschlossenheit und mangelnde Verantwortungsübernahme. Wenn er mit der Therapie weitermacht - vielleicht wäre es möglich, dass es gemeinsame Termine gibt. Nicht selten passiert es nämlich, das aufgrund einer Therapie derjenige Teil des Paares besonders in seinen Anliegen gestärkt wird und immer weniger den anderen sieht. Dabei hat er sicher auch ein gemeinsames Anliegen mit dir. Das nur mal so als Tipp.

    Ja, warum ich dich stark finde:
    Du hast dich immer, all die Jahre auf ihn einlassen können und dann, als es drauf ankam, deine Grenze gezogen: wer bin ich zu sagen, ob dieses Kind leben wöllte oder nicht. Was für gute Worte!

    Das ist für mich sehr gesund. Für ein Zusammenleben kannst du deine Anliegen zurückstellen, aber nicht so weit, dass es einem anderen Menschen das Leben verwehrt - zumal das Kind ja dein Herzenswunsch ist.
    Dass ein Mann dazu fähig ist .. ich denke mir manchmal, dass Männer so weit weg sind von den "natürlichen Funktionen" und so an Verhütung gewöhnt, dass sie schier "das Leben verhüten". Also insgesamt keine Entscheidungen treffen wollen und vor allem Angst haben. Also nicht "groß" werden.
    Ein Vater kann selbst kein Kind mehr sein, sondern muss dann "groß" sein.
    Das lernt dein Liebster vielleicht wirklich am ehesten im ganz konkreten Alltag.

    Du lebst jedenfalls so, dass er sich an dir orientieren kann. Das ist in dem Fall richtig gut! Auch wenn es bisschen ein Ungleichgewicht zwischen euch bedeutet.
    Du gehst einfach voran, aber machst ihn deswegen nicht klein. Das ist sehr fair von dir. Aber du kannst dich nicht noch "kleiner" und unentschlossener machen als er ist, und dich nach ihm richten. Das ist erwachsen von deiner Seite. Auch das Ausloten deiner verschiedenen Möglichkeiten: Wenn du zu zweit mit dem Kind lebst, richtest du dir deine Lebenssituation entsprechend ein. Du übernimmst deine Verantwortung.

    Das beeindruckt mich. Ich glaube, du machst das gut!
    Er hat auch alle Möglichkeiten dazu. Ganz stark, dass du ihm das offen lässt und ihn nicht zurückweist. Es klingt nach keinen verletzenden Auseinandersetzungen bei euch. Du hattest einfach viel Geduld und bist deinen Weg gegangen, deinem inneren Kompass gefolgt. Jetzt "muss" er sich entscheiden. Vielleicht lernt er es jetzt "by doing". Es kann wirklich gut werden!
    Bei vielen Männern erwacht der Vater mit der Geburt! Und dann sind sie nicht mehr wiederzuerkennen. Das ist vielleicht physiologisch so. Du bist jetzt schon Mama. Für ihn ist alles unsicheres Terrain. Er steht "daneben".
    Jetzt ist er noch bisschen "dein Baby" - vielleicht haltet ihr so miteinander gut durch bis zur Geburt und dann auch weiter zusammen.

    Aber lass dich selbst auch "bemuttern". Evtl. von einer Freundin oder deiner Mum, dann auch von der Hebamme. Das kann man gut brauchen in dieser Zeit.
    Denn das wird auch klar: Der Partner kann einem nicht alles geben. Es ist ein viel umfangreicheres Geben und Nehmen zwischen Menschen. Und je mehr du inspiriert von andern bist, desto lebendiger kannst du wieder ihm gegenüber sein und das setzt ihn dann in Bewegung ...

    Ach, schreib´ einfach, wie es ist und wie es wird - von Zeit zu Zeit!
    Alles alles Liebe für euch und v. a. für dich Kraft für die Schwangerschaft und für das Kleine bestes Wachsen!
    Liebe Grüße von Josefine

  3. #3
    Annika20 ist offline Stranger
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    Standard Re: Partner will kein Kind

    Hallo Josefine,

    vielen Dank, dass du dir die Zeit zum Lesen und Antworten genommen hast und vor allem für die aufmunternden und bestärkenden Worte. Es stimmt wohl, dass es ein Ungleichgewicht in unserer Beziehung gibt. Das ist gar nicht so leicht aufzuheben. Ich fürchte, dass es sich durch ein Kind noch verstärken könnte, wie das so oft bei Partnerschaftsproblemen der Fall ist, dass sie dann noch mehr zum Tragen kommen. Aber ich hoffe sehr, dass es sich eher zum Guten wendet, v.a. wenn er weiter an sich arbeitet und wir gemeinsam an unserer Beziehung. Von ganz allein wird es sicher nicht.

    Ich habe immer noch recht viele Ängste und Bedenken, aber es ist wohl auch wichtig, dass ich mir Gedanken um die Zukunft mache. Die Situation mit meinem Partner hat sich zum Glück etwas entspannt. Seine Haltung hat sich etwas aufgeweicht. Er zweifelt noch stark, dass er sich auf eine liebevolle Beziehung zu seinem Kind einlassen kann, scheint aber doch irgendwie offener und es sich mehr zu wünschen. Das macht mir Hoffnung. Ich kann auch immer wieder bei ihm Kraft tanken. Ansonsten gibt es aber noch tolle Freundinnen und Arbeitskollegen. Dabei habe ich mich bisher erst einigen anvertraut.

    Ich werde wohl die nächsten Monate noch etwas diese Unsicherheit aushalten müssen. Ich habe für mich entschieden (es meinem Partner aber auch mitgeteilt), dass ich spätestens zum November ausziehen werde, wenn es mir dann immer noch zu unsicher erscheint oder er gar ablehnend bleibt. Dann habe ich noch genug Zeit, alles vorzubereiten. Er war foh, dass er auch noch etwas Zeit hat, sich zu ordnen.

    Also danke für dein Interesse und die aufmunternden Worte
    Liebe Grüße,
    Annika

  4. #4
    josefine5 ist offline enthusiast
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    Standard Re: Partner will kein Kind

    Liebe Annika,

    das klingt schon viel besser! Ich glaube, ihr pflegt doch einen ruhigen und gepflegten Ton und geht besonnen Schritt für Schritt.
    Und es sind gute Zeichen von seiner Seite gekommen.
    Kann es sein, dass Du Dich selbst durch das Schreiben auch sortieren konntest und Mut und Vertrauen gefasst hast?
    Dass dir dadurch bewusst geworden ist, was du brauchst und wie und woher du das bekommst?
    Es ist gut, nicht alles auf den Partner aufzubauen und von ihm zu erwarten,
    dann kann ein Ungleichgewicht gut ausgeglichen werden.
    Es gibt so viele unterschiedliche Zeiten, wenn man ein Paar ist. Phasen, wo man sich näher ist und dann wieder nicht so.
    Bisschen wie beim Tanzen (ich weiß nicht, ob ihr das miteinander macht).

    Es ist gut, dass du dich von diesem Ungleichgewicht nicht so sehr beeindrucken lässt.
    Mit dem Kind kommt ein neuer Schwerpunkt in dein Leben.
    Und das Kind ist auch wieder nicht alles, aber jetzt doch sehr viel.
    Und für dich durchaus mehr und näher und vorstellbarer als für ihn.

    Ich wünsche dir alles alles Gute!
    Und auch für eure Partnerschaft ein Wachsen - und, ja doch, dass ihr zusammenbleiben könnt,
    mal näher, mal nicht so nah, aber doch zusammen.

    Liebe Grüße von Josefine

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