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  1. #1

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    Standard Tiefe Trauer, unbändige Angst, Schuldgefühle

    Ich muss jetzt einfach mal schreiben, was mich bedrückt. Wird bestimmt ein langer Text werden, schon mal Danke im Voraus für's Lesen.

    Am Montag (28.04.2014) habe ich mit meiner kleinen Tochter Lucy (21 Monate) den Tag bei meiner Freundin verbracht. Zum Mittagsschlaf habe ich Lucy dann ins Bettchen ihres 2-jährigen Sohnes gelegt, der seit 01.04.2014 zu einer Tagesmutter geht. Da die Freundin gerade erst umgezogen ist, war sie vormittags noch Restarbeiten in der alten Wohnung erledigen, da am folgenden Tag die Übergabe stattfinden sollte.

    Steffi (die Freundin) kam dann mittags nach Hause. Sie wollte Ben (ihren Sohn) 14 Uhr von der Tagesmutter abholen. Ich sagte ihr, sie solle doch erst in Ruhe einen Kaffee trinken, wenn sie ihn 08:15 Uhr bei der Tagesmutter abgegeben hat, reicht es doch, wenn sie Ben 14:15 Uhr holt. Oh man, ich werde mir es nie verzeihen, dass ich diesen dämlichen Satz gesagt habe!!!

    Steffi fuhr also los um Ben abzuholen. Kurz darauf klingelt mein Handy, Steffi war dran. Völlig panisch sagt sie, sie könne nicht kommen, Ben ist ganz blau.

    Ich schnappte mir meine Tochter, fuhr zur Tagesmutter. Die Rettungskräfte konnten nichts mehr für Ben tun... Ben war vom Mittagsschlaf nicht mehr aufgewacht!

    Der Schock saß tief. Steffi und ich unterhielten uns ein Weilchen, weinten... irgendwann fuhr ich nach Hause.

    Meine zweite Tochter Lexia war mittlerweile aus dem Hort nach Hause gekommen. Ich wollte Lexia mit dieser schrecklichen Nachricht nicht überrumpeln und den Tag so gestalten, wie immer. Also schnappte ich meine zwei Mäuse und fuhr mit ihnen zum Spielplatz. Als es Zeit war, nach Hause zu fahren, rannte Lucy zu einer Sitzbank ohne Lehne und rutschte auf dem Bauch darüber. Sie sah auf dem Boden ein Kuscheltier liegen, wollte danach greifen und viel von der Bank. Ich hob sie vom Boden auf, sie wimmerte einmal ganz kurz und leise und sackte dann bewusstlos in meinen Armen zusammen.

    Ich war voller Panik, ein paar Stunden zuvor war ihr kleiner Freund gestorben. Ich schrie sie an und haute sie leicht auf die Wangen. Einige Sekunden später war Lucy wieder bei mir.

    Ich sammelte mich kurz, fuhr direkt ins Krankenhaus. Abhören, abtasten, Fieber messen. Ich erzählte von Ben, fragte, ob ein Zusammenhang sein kann. Ein Infekt, ein Virus... Die Ärztin ging darauf nicht wirklich ein. Lucy war inzwischen wieder putzmunter, wir fuhren nach Hause.

    Seit Montag habe ich keine Nacht wirklich geschlafen, ich gehe mindestens 5 Mal in der Nacht nach meinen Kindern gucken. Ich habe unheimliche Angst, es könnte etwas ähnliches passieren. Dann immer dieser Gedanke, ob Ben noch leben könnte, wäre sie 14 Uhr da gewesen und nicht erst 14:15Uhr?

    Dazu kommt: ich müsste für Steffi jetzt eine Stütze sein, nach diesem schrecklichen Verlust. Aber mich nimmt das alles so mit, ich bin, wie mir scheint, labiler als sie selbst. Wie kann ich da eine Stütze für sie sein? sie braucht doch jetzt eine "starke" Freundin, die ihr beisteht.

    Bin einfach in jeglicher Art und Weise ratlos und verzweifelt

  2. #2

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    Standard Re: Tiefe Trauer, unbändige Angst, Schuldgefühle

    :(( Das ist wirklich unglaublich traurig und schrecklich, es tut mir so wahnsinnig leid. Wenn ein Kind stirbt...das ist das schlimmste. Aber in aller erster Linie: DU hast keine Schuld!!! Und das weiß deine Freundin auch. Ben war nicht alleine, er war bei der Tagesmutter - die wird sich erhebliche Vorwürfe machen, denn sie war in der Zeit bevor die Mutter kommt verantwortlich für ihn. Das du nun Angst um deine Kinder hast, ist auch verständlich, aber das wird mit der Zeit wieder normal. Du musst deine Kinder beschützen, das ist klar, aber ständig Panik zu haben es könnte etwas passieren, ist auch nicht gut für deine Kinder. Wenn du damit gar nicht klar kommst, rede mal mit einem Therapeut. Ich nehme an, wenn du das schlechte Gewissen ruhen lässt, dass sich die Angst auch wieder legen wird. Nochmal: mein Beileid :(

  3. #3
    Dornfee ist offline Member

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    Standard Re: Tiefe Trauer, unbändige Angst, Schuldgefühle

    Hallo,
    ich weiß gar nicht ob du hier noch liest.
    Geht es dir mit deinen Schuldgefühlen und der Trauer inzwischen etwas besser?
    Mein erstes Gefühl war, ich kann dich total gut verstehen und vielleicht braucht man professionelle Hilfe, um dies zu verarbeiten. Ich beschäftige mich etwas mit dem plötzlichen Kindstod, weil mein Sohn als Frühchen in die Risikogruppe gehört, wir aber zum Glück einen Monitor haben. Trotzdem meine Frage: War Ben nicht eigentlich schon zu alt für einen plötzlichen Kindstod? Oder gab es eine andere Ursache? Interessieren tut es mich, weil sich bei uns die Frage stellt, wie lange wir den Monitor nutzen sollen. Je agiler und beweglicher unser Sohn wird, umso schwieriger ist es, ihn im Schlaf an Kabeln zu haben.
    Ich wünsche dir und vor allem deiner Freundin noch viel Kraft, mit dieser Situation weiter zu leben.