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  1. #1
    halbstern ist offline stranger

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    Standard der überlebende Zwilling

    Mein Mann und ich haben uns vorgenommen, dieses Wochenende mit unserer Kleinen zu sprechen. In wenigen Tagen kommt sie in den Kindergarten und wir haben Angst, dass sie sonst möglicherweise von anderen erfährt, dass sie eine Zwillingsschwester hatte, die drei Wochen nach der Frühgeburt in der 25. Woche gestorben ist. Wir wissen, dass es besser ist, es ihr rechtzeitig selbst zu sagen und doch habe ich Angst vor der Reaktion. Unsere Kleine stellt sich immer alles so genau vor und natürlich kommt jetzt auch bei uns die Trauer verstärkt wieder hoch, die wir vier Jahre lang irgendwie im Herzen eingeschlossen hatten.

    Hat jemand von euch Erfahrungen damit, dem Geschwister vom toten Geschwisterchen zu erzählen und kann berichten, wie das Kind es verkraftet hat?

  2. #2
    Avatar von Sunday
    Sunday ist offline Poweruser

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    Standard Re: der überlebende Zwilling

    Mein Sohn ist vor 3 Monaten geboren, am nächsten Tag gestorben.
    Meine "Große" (jetzt einzige) wird demnächst 3.
    Sie hat ihr Brüderchen täglich im Bauch begrüßt, sich mit ihm unterhalten und sich unheimlich auf "das Baby" gefreut.
    Dann bin ich plötzlich Anfang Mai (statt im Juli) im Krankenhaus gelandet, hatte einige Tage später einen Not-Kaiserschnitt, das ersehnte Brüderchen lag im Brutkasten und sie konnte ihn nur einmal kurz begrüssen.
    Schon da haben wir ihr gesagt, daß Rasmus nicht nach Hause kommen würde, sondern zum lieben Gott gehen würde, weil wir Menschen ihn nicht gesund machen können, er dort aber gesund sein würde.
    Seither ist er fast täglich Thema, sie erzählt von ihren "Babies im Bauch", die sich bewegen, die auch geboren werden und dann im Krankenhaus sind ("die Ärzte müssen sie noch abhören, aber sie haben nichts am Gehirn, nur an der Lunge - Rasmus hatte eine schwere Hirnblutung, an der er gestorben ist, ich habe gleichzeitig die Diagnose Asthma bei mir bekommen - offensichtlich kann man an der Lunge krank sein und trotzdem nach Hause kommen, am Gehirn geht das nicht) - all das ist hart für uns als Eltern, aber sie bearbeitet so das Erlebte.
    Ich bin froh, daß wir sie von Anfang an einbezogen haben in die Verarbeitung, obwohl sie noch so klein ist - die Neonatologin hatte eher abgeraten; ich habe meine kleinste Schwester verloren, als ich vier war und sie nie gesehen, was mir noch als Erwachsener schwer verständlich war, das wollte ich meiner Tochter ersparen.

    Wenn Du Photos hast von Deiner verstorbenen Tochter, dann würde ich sie bereithalten, wenn Du von ihr erzählst. Der Bericht wird sicher ein Einschnitt im Leben Deiner Tochter sein - aber lieber jetzt als in einigen Jahren, vorausgesetzt niemand sonst wird darauf zu sprechen kommen. So wird sie viel selbstverständlicher damit leben, daß sie der "glücklichere" Zwilling ist.
    Ich muß aus der Erfahrung jetzt sagen, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß ein Kind "zu jung" ist, um damit konfrontiert zu werden - meine Tochter nimmt den Tod ihres Bruders selbstverständlicher als eine Gegebenheit hin als wir Eltern das können.
    Und sie kann unsere Trauer besser verstehen.

    Sunday

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  3. #3
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)

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    Standard Re: der überlebende Zwilling

    Unsere Große war 15 Monate alt, als ihr Bruder tot geboren wurde. Sie war bei der Beerdigung dabei, wir haben sie oft mit ans Grab genommen und immer dazu gesagt, wer dort begraben liegt. Sie nimmt das als Selbstverständlichkeit hin und sagt dazu "meine Bruder gestorben". Ich habe ihr einmal das Foto gezeigt und werde das in regelmäßigen Abständen wieder tun, damit sie diese Selbstverständlichkeit im Umgang nicht verliert.
    Vielleicht fällt euch ein guter Anlass (Tag nach dem Geburtstag, Grabbesuch oder so, KH-Besuch "dort wurdest du geboren und was noch geschah") ein, um ihr ihre Geschichte so natürlich wie möglich zu berichten.
    Alles Gute!
    Agnes
    mit Mädelshaushalt (03, 05, 07, 10, 13)
    .. und einem, der fehlt (05)

  4. #4
    SonnenBlume06 ist offline Kuschelkätzchen

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    Standard Re: der überlebende Zwilling

    war auch mit zwillis schwanger , leider habe ich Lilly still geboren und leonie war GsD putz munter .
    Beide ( gross + klein ) kinder kommen mit ans Grab bald ist Geburtstag der beiden und wir werden vormittags ans grab fahren .. luftbaloons steigen lassen mit briefchen dran .. das grab schmücken . usw . .. .. So wie leonie und Atlanta gehört Lilly auch zu meinen Kindern und ich beziehe sie auch oft in den altag ein .. wenn wir basteln .. basteln wir auch was für sie ... zb.
    Wenn wir an das Grab fahren fahren wir zusammen . Die kinder können , dürfen , sollen wissen das es Lilly gibt .
    LG tanja

  5. #5
    Avatar von stefan
    stefan ist offline enthusiast

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    Standard Re: der überlebende Zwilling

    Hallo,

    für Leo, dessen grosser Bruder mit sechs Monaten gestorben ist (vgl. www.karl-kirchberger.de), ist es von Anfang an normal gewesen, mit ans Grab zu kommen. Wir haben ihm erklärt, dass Karl tot ist (was es ihm etwas plastischer gemacht hat, ist das Buch 'Und was kommt dann? Das Kinderbuch vom Tod' von Pernilla Stalfelt, allerdings unbedingt vorher lesen, denn es scheint, sieht man z.B. die Reaktionen bei amazon an, nicht jedem zu gefallen), klar ist ihm, dass Karl da war und es nicht mehr ist, von sich aus ist ihm eingefallen, dass sein Bruder im Himmel wohnt (sein Kindergarten ist evangelisch). Kinder gehen mit dem Thema sehr unverkrampft um, meistens besser als wir es denken.
    In irgendeinem Trauerforum habe ich mal als Bezeichnung eines Unterforums 'Leben mit einem toten Kind in der Familie' gesehen, das trifft es ja recht gut.

    Alles Gute,
    Stefan+Leo_(*31.1.2002)+Otto_(*27.11.2003)

  6. #6
    Birgit84 ist offline stranger

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    Standard Re: der überlebende Zwilling

    Hallo..

    Ich bin selbst ein überlebender Zwilling, mittlerweile bin ich 22 Jahre alt.
    Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit, dass nur mal vorne weg.
    Ich habe erst sehr spät erfahren das ich eine eineiige Zwillingsschwester hatte, ich war 17.

    Auch auf die Gefahr hin, dass es manche nicht verstehen und es vielleicht für albern halten, sage ich es trotzdem.

    Ich hatte mein ganzes Leben lang das Gefühl das mir etwas fehlt und ich wusste natürlich nicht was.

    Ich kann nur im nachhinein sagen, dass ich es vielleicht ein bisschen leichter gehabt hätte wenn ich von anfang an mit einbezogen worden wäre. Ich hätte gewusst woher dieses Gefühl kommt.

    Als ich das mit 17 erfahren habe, hat mich das ziemlich durcheinander gebracht und ich brauchte eine Weile um alles zu verstehen.

    Meine Schwester ist anscheinend schon tod zur Welt gekommen, nach mir, sie war kleiner als ich und hat sich anscheinend irgendwann nicht mehr weiterentwickelt.
    Wahrscheinlich hat sie ein paar Wochen vor der Geburt aufgehört zu leben.

    Es gibt leider auch kein Bild von ihr.

    Ich kann nur sagen, dass ich das zwar schnell verarbeitet habe und es "eigentlich" kein Problem für mich war, aber es wäre sicher besser für mich gewesen wenn ich von anfang an einbezogen worden wäre.

    Vielleicht findet ihr einen Weg es eurer Tochter zu sagen.

    Allerdings kann ich auch verstehen dass das schwer fällt, weil die Erinnerungen und der Schmerz wieder hoch kommen.

    Ich für meinen Teil hätte mich gefreut, wenn mir meine Eltern es auf eine einfühlsame Art und Weise erzählt hätten. Kindgerecht, eben in Worten die ein kleines Kind versteht mit ruhiger Stimme.

    Das hilft euch wahrscheinlich nicht viel weiter, aber ich hoffe ich konnte euch durch meine Sicht als überlebender Zwilling bestärken es eurer Tochter zu sagen.

    Es tut mir leid das es eure zweite Tochter nicht geschafft hat!

    LG Birgit

  7. #7
    Mary ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: der überlebende Zwilling

    Mein großer Sohn war damals 4 als sein Bruder totgeboren wurde. Er hat die Schwangerschaft miterlebt und auch unsere Trauer. Wir haben ihn in alles mit eingebunden und das war für ihn gut und auch für uns, weil er sehr unbefangen war. Er sagt auch heute noch jedem der es wissen will oder auch nicht, das er zwei Brüder hat, einen hier und einen im Himmel. Ich finde es toll wie er damit umgeht und ich bin froh das wir so offen zu ihm waren. Mein Kleiner wird damit aufwachsen und ich hoffe das es für ihn auch mal ganz normal sein wird. Klar wird irgendwann der tag kommen an dem er mich direkt fragen wird ob er denn geboren wäre, wenn Jacy nicht gestorben wäre. Aber darauf bin ich dann vorbereitet, hoffe ich jedenfalls.

    Ich selbst habe vor etwa 10 Jahren (ganz nebenbei) erfahren das ich einen kleinen Bruder habe, der leider nie geboren wurde. Das war für mich ein Schock, sicher auch weil man es mir nicht grad feinfühlig erzählt hat, aber ich war auch geschockt das meine Mom so ein "Geheimnis" vor mir hat. Vielleicht gehen wir auch deswegen so offen damit um, weil ich denke meine Kinder haben ein Recht darauf zu wissen das es Jacy gab und in unserer FAmilie immer geben wird.