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Thema: Phillips Weg

  1. #1
    susisum ist offline Stranger

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    Standard Phillips Weg

    Phillips errechneter Geburtstermin war der 09. September 2007. Aber alles begann viel früher...

    Am Freitag den 01. Juni 2007 habe ich meinen Mann aus dem BWK in Hamburg abgeholt. Es war ein ganz normaler, warmer Sommertag. Ich war im 7. Monat mit Phillip schwanger. So langsam begannen die Wehwehchen die man im fortgeschrittenem Stadium einer Schwangerschaft so hat. Allerdings ging es mir den Umständen entsprechend recht gut. Einzig der Druck des Bauches nach unten machte mir Sorgen. Aber mein Arzt sagte, dass es wohl einfach an meinem schwachen Bindegewebe liegen würde.

    Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass wir an diesem Abend ungewöhnlich früh zu Bett gegangen sind. Gegen 21 Uhr. Normalerweise kam ich nie vor 23 Uhr zum Schlafen. Auch bin ich sofort, auf dem Rücken liegend, eingeschlafen. Für mich ziemlich ungewöhnlich. Ich kann eigentlich nur auf der linken Seite schlafen.

    Gegen 23.30 Uhr bin ich wach geworden. Mein Laken war durchnässt und ich dachte ich hätte ins Bett gepinkelt. Als ich aufstand und die Flüssigkeit immer noch lief war mir sofort klar, dass ich einen Blasensprung hatte.

    Die nachfolgende Schilderung beruht auf der Erinnerung meines Mannes, denn ich habe das wohl irgendwie ausgeblendet.

    Ich habe mich an meiner Seite des Bettes auf die Erde gehockt und mit den Armen abgestützt. Weinend habe ich so meinen Mann geweckt. Für ihn ist es ein Bild das sich eingebrannt hat. Er hat mich gesehen und wusste sofort, dass irgend etwas schlimmes passiert war.

    Ich bin in die Küche gegangen und habe meine Freundin angerufen und sie gefragt, ob sie vorbei kommen könne. Denn schließlich schlief unser großer Sohn Sebastian ( zu dem Zeitpunkt 26 Monate alt) ja.

    Ich bin dann mit einen dicken Handtuch zwischen den Beinen ins Auto gestiegen und zum Krankenhaus gefahren. Ich sah keinen Sinn darin einen Krankenwagen zu holen, denn das Krankenhaus war nur 3 Minuten von uns entfernt. Mein Mann wollte nachkommen sobald meine Freundin da war.

    Am Krankenhaus angekommen fuhr ich zu der Seite wo sonst immer die Notaufnahme war. Da ich aber lange nicht mehr dort war, wusste ich auch nicht, dass man nun von der anderen Seite ran fahren musste. Ich stand also vor einem Bauzaun.

    Ich bin aus dem Auto ausgestiegen und habe geschrieen und geheult. Zu meinem Glück hat mich eine Krankenschwester, die in der 2. Etage am Fenster stand bemerkt. Sie öffnete das Fenster und fragte was passiert sei. Ich rief ihr nur zu, dass ich einen Blasensprung bei 26+5 hatte. Sie meinte ich soll mich keinen Zentimeter bewegen, es würde sofort jemand zu mir runter kommen.

    Kurz danach kam ein Sanitäter mit einem Rollstuhl. Am Haupteingang angekommen rannte auch sofort ein Ärztin neben mir her. Ich kann mich nur noch erinnern, dass sie mich beim Laufen noch fragte, in welches Krankenhaus ich möchte. Hamburg oder Bremen. Sie meinte, dass ich in dieser frühen Woche auf keinen Fall da bleiben könne, da unser örtliches Krankenhaus zwar eine gute Entbindungsstation, aber keine Frühchenintensivstation hätte.

    Im Behandlungsraum wuselten mindestens 5 Leute um mich rum. Ich bekam einen Zugang mit Wehenhemmer und Beruhigungsmittel gelegt. Die erste Lungenreifespritze wurde mir verpasst und man machte Ultraschall und jede Menge andere Untersuchungen. Die Ärztin beriet sich mit jemandem, ob ich per Hubschrauber oder per Krankenwagen nach Hamburg ( ich hatte mich für Hamburg entschieden, weil meine Eltern dort wohnen) bringen sollten. Zum Glück blieb es beim Krankenwagen.

    Mittlerweile war auch mein Mann eingetroffen. Er hat dann meine Mutter angerufen und sie gebeten, mich im AKA Altona in Empfang zu nehmen. Leider musste er selber zu Hause bei unserem Sohn bleiben.

    Die 70 km Fahrt bis nach Hamburg verging recht zügig. Dort angekommen erwartete mich meine Mutter schon unten am Eingang des Perinatalzentrums. Ich wurde nochmals untersucht. So langsam setzten die Nebenwirkungen des Wehenhemmers ein. Ich hatte so starkes Herzrasen, dass man beim CTG nur meine Herztöne, aber nicht die von Phillip finden konnte. Allerdings wurde per Ultraschall festgestellt, dass es ihm gut ging. Man sagte mir auch, dass es durchaus möglich wäre, die Schwangerschaft mit strenger Bettruhe, noch 6 bis 8 Wochen zu halten. Es war mittlerweile 4 Uhr morgens. Irgendwann kam ein Kinderarzt der Intensivstation zu mir und erzählte mir, was alles passieren konnte, wenn mein Kind zu diesem frühen Zeitpunkt auf die Welt kommen würde.

    Ich bin dann auf mein Zimmer gebracht worden. Allerdings war an Schlaf nicht zu denken, denn eine weitere Nebenwirkung des Wehenhemmers war furchtbare Übelkeit. Ich musste mich alle halbe Stunde bis auf die Galle übergeben. Und das Medikament gegen die Übelkeit half nicht im geringsten. Zum Frühstück habe ich versucht einen trockenen Toast mit Tee zu essen. Aber nicht mal den konnte ich bei mir behalten.

    Um die Mittagszeit hatte ich Ultraschall bei der Chefärztin. Es hat mir das Herz zerrissen, als ich mein Baby zusammengekauert am unteren Ende der Gebärmutter sitzen sah. Jedoch waren seine Herztöne normal. Allerdings war er eine Beckendlage. Somit war eine normale Entbindung, egal zu welchem Zeitpunkt, ausgeschlossen. Nachdem ich der Ärztin beim Ultraschall zwei mal die Liege vollgespuckt hatte, entschied sie sich dazu, den Wehenhemmer abzusetzen. Ich war mittlerweile so fertig und ausgetrocknet, dass es keine andere Möglichkeit gab.

    Gegen 15 Uhr bekam ich leichte Wehen. Die Schwester meinte jedoch, ich solle im Bett liegen bleiben und meinen Tee trinken.

    Auf diesem Wege: Vielen Dank! Wenn die Schwester mich ernst genommen hätte, wäre ich vielleicht um den Notkaiserschnitt herum gekommen und mein Mann hätte die Zeit gehabt zu mir ins Krankenhaus zu kommen...

    Ich habe dann ein Medikament zum Schlafen bekommen. Gegen 23 bekam ich die zweite Lungenreifespritze. Um 1 Uhr bin ich von den Wehen wach geworden. Das CTG zeigte einen Wehenabstand von 1,5 Minuten. Ich fragte, ob ich noch mal zur Toilette dürfe, bevor es in den Kreissaal ging. Dabei merkte ich, dass Phillips Beinchen schon im Geburtskanal steckten.

    Ich sagte dies der Ärztin im Kreissaal. Sie meinte nur, ich solle mich nicht so aufspielen. Sie würde mal nach gucken.

    Nachdem ich auf den Stuhl geklettert war und die Beine breit gemacht hatte wurde sie jedoch ziemlich blass und es klingelte sofort die Notglocke für den OP.

    Ich wurde im Eiltempo über den Flur gefahren. Ich weiß nicht mal mehr, ob sie mich überhaupt zugedeckt hatten. Ich habe auf dem Weg nur geschrieen, dass sie doch jetzt nicht einfach mein Baby aus mir raus schneiden können. Das wäre doch noch viel zu früh...

    Im OP wuselten wieder jede Menge Leute um mich rum. Einer hat mich rasiert. Einer desinfiziert. Der nächste legte noch eine Zugang. Irgendwer fragte mich, wen sie anrufen sollten. Ich sagte sofort, dass sie meine Mutter benachrichtigen sollten. Hätten sie meinen Mann angerufen, wäre dieser vor Sorge durchgedreht. Und er hätte keine Möglichkeit gehabt zu mir zu kommen. Er hätte zwar meine Freundin anrufen können, aber ich wollte nicht, dass er 70 Km Autobahn fährt und dabei womöglich noch was passiert. Komisch was einem in diesem Moment für Gedanken durch den Kopf gehen...

    Als der Anästhesist die Narkose vorbereitet habe ich zu ihm gesagt, dass ich Angst habe, dass ich nicht wieder wach werde. Seine Antwort: Es wird jetzt kalt und dann schlafen sie ein.

    Nachdem ich im Aufwachraum wieder zu mir kam, wurde mir mitgeteilt, dass ich am 03. Juni 2007 um 1. 54 Uhr einen Jungen mit einem Gewicht von 740 g entbunden hatte.

    Ich wurde dann auf die Wochenstation gebracht. Dort wartete meine Mutter auf mich. Das erste was ich machte, als ich wieder einigermaßen bei Bewusstsein war, war meinen Mann anzurufen. Es war mittlerweile 5 Uhr morgens. Später erzählte er mir, dass er mit einem ganz komischen Gefühl ins Bett gegangen ist. Er hatte kaum geschlafen und aus Instinkt das Telefon mit ans Bett genommen.

    Ab 7 Uhr habe ich dann die Schwester auf der Intensivstation genervt, dass sie mir den Blasenkatheder zieht, denn ich wollte unbedingt zu meinem Sohn.

    Gegen 10 Uhr hat mich dann endlich jemand auf die Intensivstation gebracht. Als sie meinen Rollstuhl zum Inkubator geschoben haben blieb mir die Luft weg. So ein zerbrechliches, hilfloses Baby hatte ich vorher noch nie gesehen.

    Mein Mann und ich hatten uns vorher schon für einen Namen entschieden. Phillip Arnold. Arnold nach meinem Großvater, der zwei Monate zuvor, genau an meinem Geburtstag, verstorben war.

    Ich blieb etwa zwei Stunden bei Phillip. In der Zwischenzeit klärten mich die Ärzte über seinen Zustand auf. Er war zwar recht früh auf die Welt gekommen, aber trotzdem zu einem Zeitpunkt, wo seine Chancen, ein gesundes Kind zu werden, doch recht groß waren. Er hatte als Atemunterstützung einen C-Pap, der ihm zusätzlichen Sauerstoff in die Nase blies. Aber ansonsten war er gesund.

    Am Nachmittag kam mein Mann. Er hatte Sebastian bei meiner Mutter runtergebracht. Meine Oma hatte uns angeboten, dass wir bei ihr wohnen könnten ( auch in Hamburg) so lange Phillip hier im Krankenhaus war.

    Zusammen gingen wir hoch zu unserem Sohn. Ich wollte keinen Rollstuhl mehr, denn der hinderte mich daran zu jedem Zeitpunkt zu meinem Sohn gehen zu können. Zwar fiel mir das Laufen mit der frischen Wunde schwer, aber das war mir egal. Alles was zählte war mein Kind.

    Am dritten Tag durfte ich das erste mal mit Phillip „Känguruhen“. Er wurde mir auf die Brust gelegt und wir durften zwei Stunden lang kuscheln.
    Dank der Hilfsbereitschaft meiner Oma, konnten wir auch nach meiner Entlassung jeden Tag zu Phillip ins Krankenhaus fahren.

    Über die ersten zwei Wochen war er ein Vorzeigefrühchen. Zwar bekam er weiterhin Atemunterstützung, aber sein Sauerstoffbedarf sank von Tag zu Tag. Die Ärzte sagten uns aber immer wieder, dass wir nicht zu optimistisch sein sollten. Jedes Frühchen würde irgendwann eine Infektion bekommen. Das bliebe leider nicht aus.

    Und so war es dann auch. Mit zwei Wochen bekam Phillip seine erste Infektion. Ab dem Zeitpunkt konnten wir auch nicht mehr mit ihm kuscheln. Er war sehr krank. Sein Sauerstoffbedarf stieg wieder auf 100% und er musste intubiert werden. Nach etwa 10 Tagen hätte er sich erholt. Dann wurde uns die Diagnose „pulmonelle Lungendysplasie“ eröffnet. Eine Vernarbung des Lungengewebes. Typisch für extreme Frühchen, die beatmet werden müssen. Für Phillip bedeutete das lange zusätzlichen Sauerstoff. Allerdings würde diese Krankheit sich mit den Jahren verwachsen und später keine Komplikationen bereiten.

    Phillip nahm stetig zu. Ich pumpte ab und er vertrug die Muttermilch sehr gut. Die 1000g Grenze war für uns der erste Meilenstein. Allerdings blieb sein Sauerstoffbedarf immer zwischen 80 und 95 %. Nach ein paar Tagen wurde er aus dem Inkubator in ein Wärmebettchen verlegt, da man sich von einer Unterdruckkammer Besserung bezüglich seiner Atmung erhoffte.

    Leider erbrachte die Therapie auch nicht den gewünschten Erfolg. Aber Phillip hielt seine Körpertemperatur sehr gut, so dass er im Wärmebettchen bleiben konnte. Für uns natürlich toll, denn so war er noch zugänglicher als im Inkubator. Allerdings konnte ich seit der ersten Infektion nicht mehr kuscheln. Entweder war ich erkältet und durfte nur mit Mundschutz zu ihm, oder er bekam mal wieder einen Infekt.

    Mit ungefähr sechs Wochen hatte Phillip ein Gewicht von 1250 g. Ich hatte mit dem Kinderarzt ein Gespräch über seine Verlegung nach Soltau. Man wollte nur abwarten, dass sich seine Atmung noch verbessere. Denn so langsam wurde er auch dort stabiler.

    Wir waren seit nun mehr 6 Wochen jeden Tag auf der Intensivstation. Also beschlossen wir, übers Wochenende mit Sebastian nach Hause in unsere eigenen vier Wände zu fahren.

    Kaum zu Hause angekommen bekamen wir einen Anruf aus dem Krankenhaus. Phillips Bauch wäre auffällig und man hätte einen Leistenbruch diagnostiziert. Allerdings sei das nichts ungewöhnliches, da das Bindegewebe bei Frühchen recht schwach wäre. Sie konnten den Darm aber zurück schieben und wollten mit einer OP warten bis er 2000 g wiegen würde.

    Wir entschieden uns, anstatt zwei Nächten, nur eine Nacht zu Hause zu bleiben und am nächsten Tag wieder ins Krankenhaus zu fahren. Jedoch kam es ganz anders als geplant...

    Nachts um 1 Uhr klingelte das Telefon. In der Leitung war ein Kinderchirurg. Er sagte uns, dass Phillips Bauch immer schlimmer wurde und das er sofort operieren müsse, um zu sehen was da los sei.
    Wir saßen bangend am Telefon und versuchten irgend wie die Zeit tot zu schlagen. Wir haben dann angefangen im Internet „Babystation“ zu gucken. Das wurde im AKA gefilmt und irgendwie tat es gut die vertrauten Gesichter zu sehen.

    Um 5 Uhr kam dann der erlösende Anruf. Phillip hatte die Operation überstanden. Allerdings mit einer niederschmetternden Diagnose. Malrotation des Dünndarms mit daraus resultierendem Darmverschluss, der den kompletten Dünndarm in Mitleidenschaft gezogen hatte.

    Kurz erklärt: Der Dünndarm hat sich bei der Entwicklung falsch gelegt. Durch die normale Darmperistaltik hat eine Darmschlinge einen Verschluss verursacht. Der Chirurg hatte den Darm wieder richtig gelegt. Aber er sagte uns, er müsse in zwei Tagen noch einmal operieren um zu sehen wie viel vom Darm sich erholt hat und wie viel entfernt werden müsse.

    Vor der zweiten OP wurde Phillip sehr instabil. Er bekam Bluttransfusionen und Kreislaufunterstützende Medikamente. Wir hatten ein Gespräch mit dem Professor. Wir baten ihn darum, dass wenn abzusehen war, dass es für Phillip keine Rettung geben würde, dass sie ihn bitte mit Würde einschlafen lassen sollten. Ich muss nicht erwähnen, was für Gedanken einem durch den Kopf gehen, bis man einen solchen Satz ausspricht.

    Wie durch ein Wunder wurde Phillip während der OP stabiler. Allerdings musste man ihm 90 % seines Dünndarmes entfernen. Ich möchte jetzt nicht in die medizinischen Einzelheiten abschweifen. Aber wer sich dafür interessiert sollte mal „Kurzdarmsyndrom“ googeln.

    Kurz gesagt hatte Phillip eine Lebenserwartung von etwa 4 Jahren. In dieser Zeit wäre er sehr krank gewesen und hätte oft operiert werden müssen. Durch die künstliche Ernährung wären zwangsläufig auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen worden. Vor allem die Leber wäre durch die künstliche Ernährung irreparabel geschädigt worden.

    Natürlich haben wir uns sofort informiert und auch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen. Für uns war nur wichtig, dass Phillip lebt. Jetzt, ein halbes Jahr nach seinem Tod, kann ich sagen, dass es für ihn und auf lange Sicht auch für uns das Beste war. In dem Moment zählte allerdings nur unser eigener Egoismus als Eltern. Nämlich das wir unser Kind nicht verlieren wollten.

    Zehn Tage nach der zweiten OP zeigte Phillip noch immer keine Tendenz. Er war stark sediert aber wach. Allerdings bildete sich eine Entzündung im Bauchraum und die Wunde ging wieder auf. Auch hatte sich seine Gallenblase auf das dreifache Volumen vergrößert.

    Wir hatten ein Gespräch mit den Ärzten. Sie sagten uns, dass wenn das letzte Antibiotikum nicht anschlug, es keine Therapiemöglichkeit mehr für Phillip gebe.

    Ich habe immer gesagt, dass ich nicht dabei sein kann, wenn er stirbt. Ich würde das nicht übers Herz bringen. Aber als wir erfuhren, dass es nun entgültig keine Chance mehr für ihn gab habe ich mich entschieden, ihn doch auf diesem Weg zu begleiten. Ich sehe es nicht als Pflicht an, sondern als mein Privileg als Mutter, ihm den Übergang so leicht wie möglich zu machen.

    Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich dazu entschieden habe. Denn ich habe meine Frieden gefunden. Phillip wurde mir in den Arm gelegt und ich konnte ihn ein letztes Mal meine Körperwärme und meinen Herzschlag spüren lassen. Er hat mich mit seinen großen Augen angesehen, so als wollte er sagen, dass es okay ist und das er ja nicht weg ist. Er geht ja nur ein Stück voraus. Mein Mann saß dicht bei uns und hat ihn gestreichelt.

    Nachdem Phillip extubiert wurde, hat er sich noch einmal gerekelt, als wolle er es sich gemütlich machen. Dann hat er seine Augen geschlossen und ist für immer eingeschlafen. Alles ging so schnell und so friedlich von statten, dass ich fest der Überzeugung bin, dass es für ihn eine Erlösung war. Mein Herz blutet und es wird immer furchtbar weh tun. Aber ich weiß, dass ich meinem Kind ein kurzes, qualvolles Leben erspart habe und das es ihm dort wo er jetzt ist, besser geht als es ihm hier auf Erden jemals gegangen wäre.

    Wir haben och mehrere Stunden mit ihm verbringen dürfen. Haben ihn gewaschen, ihn angezogen und mit ihm gekuschelt.

    Ich möchte diese Erzählung mit einem Gedicht beenden:

    Vielleicht bedeutet Liebe auch lernen,
    jemanden gehen zu lassen,
    wissen, wann es Abschied nehmen heißt.
    Nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen,
    was am Ende wahrscheinlich besser ist
    für die, die wir lieben.

    Sergio Bambaren- Der träumende Delphin


    Nachtrag: Ich weiß, dass mein Bericht sehr lang ist und ich danke allen, die ihn gelesen haben. Nun da ich in der 15. Woche schwanger mit unserem Folgebaby bin, ist es für mich an der Zeit nach Vorne zu schauen und mein Leben weiter zu leben, auch wenn Phillip immer eine große Lücke in unserer Familie hinterlassen wird und durch kein anderes Baby der Welt zu ersetzen ist.

    Ich liebe Dich mein kleiner Schatz! Ich hoffe es geht Dir gut auf deinem Stern!

    Deine Mama

  2. #2
    Avatar von Schnuddel3103
    Schnuddel3103 ist offline Zuckerbäcker for life

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    Unglücklich Re: Phillips Weg

    Ich sitze hier und heule wie ein Schloßhund.

    Es tut mir so leid für Euch!!

    Aber ich bin mir sicher, daß Euer Sohn die kurze Zeit mit Euch sehr genossen hat, und auch wirklich in Frieden gegangen ist.

    Kinder scheinen keine Angst vor dem Tod zu haben, wenn es soweit ist, das haben sie den Erwachsenen echt voraus.

    Er wird gewusst haben, daß er Euch wiedersieht.

    Ganz bestimmt!!!

  3. #3
    Kaktusfeige Gast

    Standard Re: Phillips Weg

    Hallo, ich hoffe, es hat dir gut getan, diese Zeilen runterzuschreiben. Bei mir hat es immer geholfen.
    Wir haben unseren Sohn Maximilian 2003 mit durch Long-QT-Syndrom verloren. Er wurde knapp 8 Jahre alt. Bei uns war es ähnlich. Er hatte einen Herzstillstand und wurde vom Notarzt wiederbelebt. Dann bekam er einen zweiten, bei dem er dann gestorben ist. Hätte er den ersten Anfall überlebt, wäre es den Rest seines Leben (wie lange das auch gewesen wäre) schwerstbehindert gewesen. Anfangs dachte ich: Ich würde lieber ein behindertes Kind haben, als gar keines. Aber heute habe ich auch meinen Frieden gefunden und bin auch der Meinung, dass es so für alle (auch für unsere beiden Töchter) das beste war. Ich habe viel Verständnis und Unterstützung in einer Selbsthilfe-Gruppe gefunden und 4 Jahre nach seinem Tod noch eine Tochter bekommen. Sie gibt mir all die Kraft, um weiterzumachen und nicht aufzugeben.
    Ich wünsche Euch in tiefer Verbundenheit von Herzen alles Gute.
    Claudia

  4. #4
    Avatar von mutschvieh
    mutschvieh ist offline Oberspiesserin

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    Standard Re: Phillips Weg

    Es tut mir leid, was euch wiederfahren ist.
    Solange Hoffen und Bangen, dass alles gut geht und dann das Ende. Furchtbar traurig, man kann nicht mit Worten trösten. :( Man fühlt sich einfach nur hilflos. :(
    Liebe Grüße Annett
    Ich bin die Krokette von der Cascabel

  5. #5
    Avatar von BHViper
    BHViper ist offline Pusteblümchen im Bauch

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    Standard Re: Phillips Weg

    Was soll ich sagen, mir rinnen die Tränen übers Gesicht und ich wünschte, ich könnte dich mal persönlich in den Arm nehmen.

    Ihr habt eine schreckliche Zeit hinter euch und ich bin froh zu lesen, dass du trotz allem den Mut nach vorne zu blicken nicht verloren hast.

    Das Gefühl, sein geliebtes Kind im Arm zu halten und bei seinem letzten Atemzug dabei zu sein, war auch mir vergönnt. Eines meiner Mädchen hat die Geburt überlebt und ist in meinen Armen gestorben.

    Wie es allerdings ist, wochenlang zwischen Hoffen und Bangen zu schwanken, dass kann ich nicht nachvollziehen und ich bewundere dich für deine Stärke.

    Für deine jetzige Schwangerschaft wünsche ich dir nur das Beste. Auch ich bin nach einem erneuten Fehlschlag wieder schwanger und mittlerweile in der 29.SSW. Wenn du dich austauschen magst oder Fragen hast, bin ich jederzeit für dich da!

    Ganz liebe Grüße,
    Beate






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    Meine Schmetterlino, und mittlerweile Freundin, ist Anghi_M mit Mira Pauline
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  6. #6
    Ayuna Gast

    Standard Re: Phillips Weg

    das tut mir so wahnsinnig leid was euch passiert ist es ist das schlimmste was Eltern passieren kann.
    Ich wünsche euch viel Kraft weiterhin!

  7. #7
    Sämismami Gast

    Standard Re: Phillips Weg

    Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Ich sitze da mit Tränen in den Augen und fühle mit Dir. Du hast etwas unglaublich Schweres durchgemacht und bist daran gewachsen und stark geworden. Sonst könntest Du nicht so darüber schreiben. Ich bewundere Deine Kraft und wünsche Dir und Deiner Familie ein langes glückliches Leben. Philipp wird sicher immer in Euren Herzen sein.
    Christine

  8. #8
    siriusblack ist offline old hand

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    Standard Re: Phillips Weg

    Auch ich sitze hier und heule!!!!!!!! Es tut mir so leid für euch!!

    Schön, dass ihr von ihm Abschied genommen habt und bei ihm wart, auch wenn das sicherlich der schlimmste Moment eures Lebens war.

    Irgendwann werdet ihr euren kleinen Knopf wiedersehen. Bis dahin wird er von oben zu euch runter sehen und an euch denken!!

  9. #9
    Avatar von Tigerblume
    Tigerblume ist offline Legende

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    Standard Re: Phillips Weg

    Liebe Susi,

    auch mir laufen die Tränen vor Mitgefühl mit Euch und Eurem Schicksal.

    Ich wünsche Dir, dass Du niemals Kraft, Mut und Zuversicht verlierst!

    Alles Gute

    Tigerblume

  10. #10
    anja79 ist offline Poweruser

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    Standard Re: Phillips Weg

    Mein Beileid!

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie unerträglich das Leid sein muss, wenn man sein Kind sterben lassen muss.

    Ich wünsche euch alles Gute und das ihr bald ein gesundes Baby im Arm halten dürft!

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