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Papa ist weg


Mama und Papa haben sich nicht mehr lieb! Es gibt nur wenige Sätze, die Kinder so aus dem Gleichgewicht bringen, wie dieser. Hier erfahren Sie, wie Sie die Situation meistern können: vom Beginn der Krise bis zum Einzug eines neuen Partners.

Kinder erspüren jede Krise

Papa ist weg

Alle Eltern wissen, dass nicht nur die Trennung für die Kinder schwer ist - auch die Zeit davor, mit ihren vielen Auseinandersetzungen, belastet Kinder. Sollten Eltern deswegen nicht versuchen, ernste Konflikte vor den Kinder zu verheimlichen? "Grundsätzlich ist das gar nicht möglich, und es wäre auch nicht richtig", sagt die Berliner Diplom-Pädagogin Gabriele Lennarz, Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. "Krisen und Konflikte gehören zum Leben, und deshalb kann man schon mit Kindern ab vier, fünf Jahren darüber sprechen. Wichtig ist, dass sich Eltern dabei vor dem Kind nicht gegenseitig die Schuld geben. Hier geht es nicht um schuldig und nicht schuldig, um gut oder böse." Welche Ängste plagen Kinder in dieser Krisenzeit, und wie geht man als Eltern damit um? "Kinder leiden vor allem unter der Angst, verlassen zu werden. Deswegen ist es wichtig, dass Eltern dem Kind glaubhaft versichern, dass beide ihr Kind lieb haben und sich in jedem Fall weiter darum kümmern werden - unabhängig davon, ob die Eltern ihre Krise lösen können."

Tipps für die Bewältigung der Paarkrise:

  • Möglichst nicht ausrasten. Streiten ist erlaubt, aber den Partner vor den Kindern abzukanzeln, sollte tabu sein.
  • Kinder nicht zu Verbündeten machen. Kein Elternteil sollte versuchen, die Kinder auf seine Seite zu ziehen.
  • Professionelle Hilfe suchen. Wenn die Krise eskaliert, können zum Beispiel Mediatoren helfen, einen Weg aus der Sackgasse zu finden.


Tipps für den Umgang mit den Kindern:

  • Offenheit. Sagen Sie Ihrem Kind in einfachen Worten, dass Sie und Ihr Partner im Moment Schwierigkeiten haben.
  • Zuwendung. Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie und Ihr Partner es beide lieb haben und sich auch weiterhin um sein Wohlergehen kümmern werden.
  • Zeit. Verbringen Sie Zeit mit Ihrem Kind, in der nicht gestritten wird und in der es Nähe und Geborgenheit spürt.


Zum Weiterlesen

"Partnerschaftsprobleme. Möglichkeiten zur Bewältigung. Ein Handbuch für Paare", Ludwig Schindler u. a., Springer, 16,95 Euro

"Streit gehört dazu. Wie wir Konflikte in der Familie verstehen und lösen", Gabriela Martens, Kösel, 14,95 Euro

"Zur Partnerschaft gehören zwei. Die Beziehungskrise als Chance nutzen", Christina Lämmer, Herder, 7,90 Euro

Die Trennung ist endgültig

Versöhnungsversuche, Beratungsgespräche - und am Ende doch die Trennung. Spätestens jetzt müssen es auch die Kinder erfahren. EF sprach mit Renate Niesel, Diplompsychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Frühpädagogik und Familienforschung in München. Sie gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kann eine Trennung der Eltern für Kinder überhaupt überraschend komen?
Das hängt vom Alter der Kinder ab. Ältere Kinder haben die Krise ihrer Eltern zwar bewusst erlebt, trotzdem können sie sich oft nur schwer vorstellen, dass ausgerechnet ihre Eltern sich trennen. Jüngeren Kindern fehlt dagegen der Erfahrungshorizont. In ihrem kleinen Weltbild kommt Trennung nicht vor, sie wissen gar nicht, was das bedeutet.

Wie erklären Eltern ihren Kindern dann die Trennung?
Am besten ist es, die Eltern sprechen gemeinsam mit den Kindern, allerdings nur, wenn dabei der Paarkonflikt nicht wieder aufflammt. Es geht auch nicht darum, den Kindern alle Zusammenhänge zu erläutern. Sie brauchen nicht jedes Detail zu kennen. Manche Kinder werden erst einmal ganz still. Andere Kinder dagegen stellen sehr konkrete Fragen, die Eltern ehrlich und möglichst sachlich beantworten sollten.

Wie erleichtert man den Abschied von dem Elternteil, der auszieht?
Man sollte den Kindern möglichst konkret erzählen, wie und wo der Papa oder die Mama wohnen, schlafen und essen wird. Kinder fühlen sich verantwortlich für die Eltern und machen sich Sorgen. Wenn sie zum Beispiel gesehen haben, dass es dem Papa in der neuen Wohnung gut geht, ist das eine große Entlastung. Gleichzeitig ist es gut, den Kindern zu vermitteln, dass Mama und Papa ihnen trotzdem erhalten bleiben und beide das Kind auch weiterhin lieb haben. Die Eltern sollten erläutern, was sich am Alltag der Kinder ändern wird, etwa ob ein Umzug oder Schulwechsel ansteht. Aber sie sollten auch erwähnen, was unverändert bleibt: der wöchentliche Besuch bei der Oma, die Musikstunde oder der Sport.

Wie können Eltern den Kindern die Situation allgemein erleichtern?
Eltern sollten immer wieder ihre Gesprächsbereitschaft zeigen und behutsam signalisieren, dass die Trennung kein Tabuthema ist - auch wenn das Kind zunächst gar nicht gesprächsbereit wirkt. Kinder haben eine lebhafte Fantasie, und was sie sich zum Beispiel vorm Einschlafen zusammenfantasieren, ist meist schlimmer als die Wirklichkeit. Mit ihrem Gesprächsangebot zeigen Eltern auch: "Ich bin für dich da, du bist mir wichtig." Damit wirken Eltern dem Gefühl vieler Scheidungskinder entgegen, allen Entwicklungen hilflos ausgeliefert zu sein und nicht ernst genommen zu werden. Allerdings darf der Dialog nicht dazu verführen, den Kindern das eigene Herz auszuschütten. Damit machen Eltern ihr Kind zum Tröster oder Verbündeten, und es wird seinen eigenen Kummer unterdrücken. Und auch das ist wichtig: Eltern sollten sich nie scheuen, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sie nicht mehr weiterwissen

Der neue Anfang

Wenn ein Elternteil nach der Trennung die gemeinsame Wohnung verlässt, muss der Alltag neu strukturiert werden. Das ist nicht einfach. EF sprach mit Annette Geißler, Diplompsychologin in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle "FABETH" des Vereins Beratung und Lebenshilfe e. V. in Berlin:

Wie reagieren Kinder darauf, dass von einem Tag auf den anderen Gewohnheiten und Alltagsrituale wegfallen?
Viele schlafen schlechter, sind unruhiger oder aggressiver, haben Wutausbrüche oder ziehen sich zurück. Manche Kinder essen zu viel oder zu wenig, lassen in der Schule nach, bekommen körperliche Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen. Andere verweigern den Kontakt zu einem Elternteil, werden infektanfälliger oder verlieren Fähigkeiten, die sie schon hatten, nässen beispielsweise wieder ein. Durch diese Reaktionen geben sie der Umwelt Signale, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist und dass sie Aufmerksamkeit und Hilfe brauchen.

Wie kann diese Hilfe aussehen?
Zunächst ist es wichtig, zu verstehen, worin genau die Schwierigkeiten liegen. Die können nämlich sehr unterschiedlich sein: Manche Kinder sorgen sich um einen Elternteil, der zu wenig Geld hat oder immer traurig ist. Oder sie haben zu wenig Kontakt zum abwesenden Elternteil. Vielleicht ist ein Kind zu oft allein, oder es identifiziert sich mit dem Elternteil, der ausgegrenzt wird.

Was können Eltern konkret tun? Im Grunde liegt es auf der Hand: Es ist wichtig, die anstehenden Veränderungen mit dem Kind zu besprechen. Darüber hinaus braucht es die Erlaubnis, mit dem jeweils anderen Elternteil in Kontakt zu bleiben und ihn zu lieben, auch wenn die Eltern noch in einen Kampf miteinander verwickelt sind. Wohltuend für das Kind ist es auch, weiter die guten Qualitäten des anderen Elternteils zu erwähnen und jegliche Abwertung zu vermeiden. Diese Achtung stärkt das Selbstwertgefühl, schließlich trägt jedes Kind einen Teil von Mama bzw. Papa in sich. Außerdem sollten manche Rituale und Gewohnheiten aus dem "alten" Leben ihren Platz behalten, weil sie Sicherheit und Vertrauen geben. Manche Kinder tragen zum Beispiel gern einen Gegenstand oder ein Bild vom abwesenden Elternteil bei sich.

Das alles fällt sicher auch Eltern nicht immer leicht?
Wie könnte es das! Oft sind sie ja selbst sehr beansprucht – durch Umzug, Arbeit, Alleinerziehen, Geldmangel. Und natürlich leiden sie auch unter der Trennung. Durch den Stress können Eltern dann rein zeitlich, aber auch emotional für die Kinder nicht so präsent sein, wie sie es gern wären. Manche werden sogar krank. Für die Kinder bedeutet das: Eltern, die gewöhnlich Veränderungsprozesse abpolstern und liebevoll begleiten, schaffen das nicht mehr. Und statt wie bisher mit beiden Eltern Zeit zu verbringen, beginnt ein ständiger Wechsel von Personen, Orten und Haushalten. Alles ziemlich kompliziert!

Stille Nacht, traurige Nacht ...?

Kein anderes Fest ist so mit der Sehnsucht nach heiler Familie verbunden wie Weihnachten. Doch statt Harmonie gibt es nach einer Trennung gerade jetzt oft Auseinandersetzungen - kein Elternteil will auf die Kinder verzichten. Eine Ratschläge mit denen Sie besser durchs Fest kommen.

Was Sie für eine schöne Weihnachtszeit tun können:

  • Gemeinsame Rituale. Halten Sie mit Ihren Kindern an lieb gewonnenen Traditionen fest (Plätzchen backen, Baum schmücken, Geschenke basteln).
  • Netzwerk. Wer selbst wenig Zeit hat, kann Großeltern, Verwandte und Freunde einbinden, die mit den Kindern Adventsrituale pflegen (Weihnachtsmarkt besuchen, Baumschmuck basteln).
  • Elternvereinbarung. Klären Sie rechtzeitig mit dem Expartner, wie die Besuchszeit der Kinder während der Feiertage geregelt wird.
  • Zeit haben. Das Wichtigste, was Sie Ihren Kindern zu Weihnachten schenken können, ist Zeit und Aufmerksamkeit.


Was die Situation verschlimmert

  • Machtkampf. Mit einer Verweigerung des Besuchsrechts über die Feiertage straft man nicht nur den Expartner, sondern vor allem die Kinder.
  • Geschenkeschlacht. Der Konkurrenzkampf um die teuersten Geschenke für die Kinder tut niemandem gut. Liebe lässt sich nicht in der Größe von Geschenken ausdrücken.
  • Schuldgefühle. Sie brauchen sich nicht mit einem schlechten Gewissen zu plagen. Kinder können auch in einer Eineltern- oder Patchworkfamilie schöne Weihnachtstage erleben.
  • Rückzug. Wer rechtzeitig mit Verwandten, Freunden oder Bekannten plant, muss auch ohne Kinder an Weihnachten nicht einsam zu Hause sitzen.

"Wäre ich bloß lieb gewesen"

Wenn sich Eltern trennen, geben sich oft die Kinder die Schuld daran. EF sprach darüber mit der Hamburger Diplom-Psychologin Antonia Arboleda-Hahnemann, Kommunikations-, Paar- und Elterntrainerin.

Woran merken Eltern, dass ihr Kind Schuldgefühle hat?
Bei aufkommenden Konflikten versuchen manche Kinder zu harmonisieren, es allen recht zu machen - möglichst also nicht zusätzliches Konfliktpotenzial in die Situation zu bringen, sondern die Spannung niedrig zu halten. Andere Kinder reagieren mit unterschiedlichsten Verhaltensauffälligkeiten - von großer Verschlossenheit über extrem angepasstes bis hin zu unangemessenem oder aggressivem Verhalten. Und Kinder tendieren dazu, die Verantwortung für einen Elternteil zu übernehmen, indem sie ihn trösten und umsorgen wollen.

Wie verhalten sich Eltern dann richtig?
Wenn Eltern nur genau hinhören und ihren eigenen Gefühlen vertrauen, wissen Sie, was ihr Kind braucht. Wichtig ist es, sich selbst in den schwierigen Zeiten nach der Trennung aufmerksam und achtsam den Gefühlen des Kindes zu widmen. Dazu gehört auch, die negativen Gefühle wie Trauer und Wut über die Trennung auszuhalten. Aber auch die "positiven" und wahrscheinlich unrealistischen Wünsche - etwa dass Mama und Papa wieder zusammenkommen - zu begleiten. Hier können sich Eltern Hilfe und Unterstützung suchen, sei es in Form von Beratung, Mediation oder Paar- bzw. Familientherapie.

Und was sollten Eltern jetzt besser vermeiden?
Wichtig ist auf jeden Fall Transparenz und Ehrlichkeit dem Kind gegenüber. Es sollte in vieles miteinbezogen werden, natürlich in kindgerechter Form. Damit meine ich, dass man Kinder nicht mit der "ganzen Wahrheit" der Trennung konfrontieren darf, sie müssen nur das erfahren, was sie verstehen und verkraften können -und das hängt sehr vom Alter ab.

Verlieren Eltern nach einer konfliktreichen Trennung ihre Vorbildfunktion?
Ganz im Gegenteil. Durch respektvolles und achtsames Miteinander können Eltern dem Kind gerade jetzt ein Vorbild sein: Sie können Vorbild sein im Probleme-Lösen, indem sie einen Weg finden, miteinander auszukommen, indem sie sich Hilfe suchen und dem Kind auf diese Weise zeigen, dass auch sie als Erwachsene Hilfe brauchen. Sie können vor allem Vorbild sein, indem sie ihre eigenen und die Gefühle des Kindes benennen und annehmen.

Am Sonntag kommen die Kinder

Nach einer Trennung sehen viele Väter ihre Kinder nur noch am Wochenende. Das ist nicht viel, aber eine gute Basis. Tipps, wie Sie die Situation verbessern können:

Das sollten Wochenend-Eltern tun:

  • Verantwortung teilen. Übernehmen Sie in Absprache mit dem anderen Elternteil regelmäßig Aufgaben, etwa Sporttermine oder Elternabende, damit Sie den Alltag Ihres Kindes kennen.
  • Zuhause schaffen. Kinder sollten auch bei Wochenend-Papa bzw. -Mama ein eigenes Bett, ein Zimmer oder einen eigenen Bereich haben, in dem sie sich nach Wunsch einrichten, wohlfühlen und zurückziehen können.
  • Entwicklung fördern. Bringen Sie Ihrem Kind etwas bei, zum Beispiel Schwimmen oder Schnürsenkel-Binden, Radfahren. So erleben und prägen Sie wichtige Entwicklungsschritte auch ohne tägliches Beisammensein.


Das sollten Wochenend-Eltern lassen

  • Animation: Überhäufen Sie Ihr Kind am Besuchswochenende nicht mit Geschenken und Aktivitäten. Schenken Sie ihm lieber Ihre volle Aufmerksamkeit, hören Sie ihm zu, spielen Sie mit ihm.
  • Unzuverlässigkeit: Eltern sollten feste Termine für die Besuchswochenenden vereinbaren und einhalten. Kinder brauchen Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit.
  • Überlastung: Konfrontieren Sie Kinder nicht mit Ihren eigenen Gefühlen wie Trauer oder Wut. Kinder brauchen einen unbefangenen Kontakt möglichst zu beiden Elternteilen.


Zum Weiterlesen
Für Eltern: "Praktische Anleitung für Wochenendväter. Trotz Trennung Vater bleiben", Gerald Drews, Verlagsgesellschaft 2001, 10,50 Euro.
Für Kinder: "Von Papa lass ich mich nicht scheiden! Eine Vorlesegeschichte über Getrenntsein und Zusammengehören", Bettina Gotzen-Beek & Ursel Scheffler, Ravensburg 2002, 10,95 Euro.

Wo soll unser Kind leben?

Tipps von Familientherapeutin Anke-Cornelia Hess von der Evangelisch- Freikirchlichen Beratungsstelle Hamburg, wie Eltern diese schwierige Frage am besten entscheiden.

Wie finden Eltern die beste Lösung?
Indem sie zunächst für sich klären und überlegen, wie das Leben nach der Trennung weitergehen soll. Dazu gehören ganz pragmatische Dinge wie die Wohnungssituation, der Berufsalltag, die Besuchsregelungen. Darüber müssen Eltern dann selbstverständlich auch mit ihren Kindern sprechen.

Sollten ältere Kinder entscheiden dürfen, bei wem sie wohnen wollen?
Nein. Kinder können solche schwerwiegenden Entscheidungen vor allem in der ersten Veränderungsphase kaum allein treffen. Es sind doch ihre Eltern, und sie sollen sich für bzw. gegen einen von ihnen entscheiden! Nur durch Aufzeigen aller Möglichkeiten, der eintretenden Veränderungenund Beeinträchtigungen (zum Beispiel Orts- und Schulwechsel) können Kinder gemeinsam mit den Erwachsenen eine Wahl treffen.

Der sorgende Elternteil muss im Alltag mehr Regeln aufstellen als der Wochenendpapa bzw. die Wochenendmama. Klar, dass Kinder da manchmal ins Grübeln kommen ...
Deshalb ist es wichtig, dass sich Eltern über die geltenden Regeln nach der Trennung abstimmen. Den Kindern muss deutlich werden, dass Mama und Papa in der Erziehung grundsätzlich an einem Strang ziehen. Nur so kann etwas von der Ausnahme- und Verwöhnsituation der Sonntagseltern genommen werden.

Und wenn Kinder drohen: "Wenn ich dies und das nicht darf, dann ziehe ich eben zu Papa"?
Sie sind vertraut mit zwei unterschiedlichen Lebensweisen und haben für sich erkannt, was sie positiv beziehungsweise negativ bei Mutter oder Vater finden. Und sie wissen auch, womit sie ihre Eltern verletzen oder unter Druck setzen können. Ihre Forderungen sind oft situationsbedingt und sollten in Ruhe besprochen werden.

Muss man sie ernst nehmen?
Auf jeden Fall muss man genau hinhören. Durch die Art und Weise, wie ein Kind den Wunsch vorbringt, zum anderen Elternteil ziehen zu wollen, spüren Eltern, ob es sich um einen Erpressungsversuch oder um einen ernsthaften Wunsch handelt. Auf keinen Fall sollten Eltern ihrem Kind alles recht machen, nur damit es nicht zum Expartner zieht.

Und wenn ein Kind vielleicht wirklich umziehen will?
Es klingt lapidar - aber reden und in Kontakt bleiben ist dann das Wichtigste. Eltern müssen ihr Kind mit seinen Gefühlen, Überlegungen und Wünschen ernst nehmen. Und wenn sie mit ihm zusammen keine befriedigende Lösung finden, helfen Beratungsstellen weiter. Eltern sollten dieses Angebot nutzen, denn kaum etwas fällt einer Mutter bzw. einem Vater so schwer, wie das eigene Kind ziehen zu lassen.

Wenn Väter Fremde werden

Auch nach der Trennung gibt es zwischen vielen Eltern Streit. Wer jedoch deshalb den Kontakt zu seinem Kind abbricht, trifft eine schlechte Entscheidung. Einige Tipps für Eltern in dieser Situation:

Das entschärft Konflikte:

  • Umgangsregelungen frühzeitig erarbeiten. Notfalls helfen Mediatoren, die Fronten aufzubrechen.
  • Den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Damit vermeiden Trennungseltern, dass ihre Kinder in Loyalitätskonflikte geraten.
  • Paar- und Elternrolle trennen. Auch wenn man als Paar gescheitert ist, hilft es allen, sich als Vater und Mutter zu respektieren.


Das möglichst vermeiden

  • Negativ über den Ex-Partner sprechen. Damit erschweren Eltern ihrem Kind die Begegnung mit dem anderen Elternteil.
  • Besuchsregelungen nicht einhalten. Damit verletzt man nicht nur sein Kind, sondern schädigt auch die Aussicht auf eine konstruktive Elternzusammenarbeit.
  • Den Kontakt abbrechen, statt zu kooperieren. Persönliche Kränkungen sollten hinter der Verantwortung als Eltern zurücktreten.

Eine neue Liebe - und jetzt?

Wenn sich Eltern nach der Trennung wieder verlieben, ist das für viele Kinder zunächst ein Schock. Eifersucht, Unsicherheit und Angst verstärken die ablehnende Haltung. EF sprach darüber mit Claudia Guhl, therapeutische Gestaltberaterin und Mitarbeiterin der Evangelisch-Freikirchlichen Beratungsstelle in Hamburg:

Wie bereiten Eltern ihr Kind am besten auf einen neuen Partner vor?
Zunächst sollte der neue Partner beziehungsweise die neue Partnerin die Familie besuchen, so wie andere Freunde und Bekannte auch. Dann können sich die Kinder dem unbekannten Gast aus einer gewissen Distanz heraus in ihrem eigenen Tempo nähern. Von dieser Basis aus kann die Beziehung Schritt für Schritt vertieft werden. Gemeinsame Aktivitäten, etwa gemeinsames Kochen oder Ausflüge, helfen dabei, Brücken zu bauen, und erleichtern das Kennenlernen.

Ist es besser, unverbindliche Liebeleien oder eine frische Beziehung vor den Kindern geheim zu halten?
Affären sollten Eltern besser für sich behalten, um die Kinder nicht zu überfordern. Wenn die neue Beziehung aber an Bedeutung gewinnt, bleibt das den Kindern nicht lange verborgen. Sie spüren meist sehr früh, wenn Mama oder Papa "Geheimnisse" haben. Daher ist es in diesem Fall besser, die Kinder frühzeitig einzubeziehen.

Welche Gedanken und Ängste bewegen Kinder, wenn Mama ihren neuen Freund mitbringt?
Das kommt auf das Alter der Kinder an. Generell brauchen Kinder zunächst Zeit, um die Trennung der Eltern zu verarbeiten, bevor sie sich auf einen neuen Partner beziehungsweise Partnerin einstellen können. Jüngere Kinder kämpfen meist mit Loyalitätskonflikten: Das Einlassen auf einen "Neuen" bedeutet für sie gleichzeitig Verrat am leiblichen Elternteil. Teenager streben auf der einen Seite nach Eigenständigkeit, sollen aber gleichzeitig eine neue Familie akzeptieren. Das kann die entwicklungsbedingten Konflikte mit den Erwachsenen verstärken.

Wie sollten Eltern mit den Ängsten ihrer Kinder umgehen?
Sie sollten ihnen auf jeden Fall Beachtung schenken, auch wenn sie nach Auffassung der Erwachsenen unbegründet sind. Und sie sollten den Kindern einfühlsam zuhören und sie in dieser unsicheren Phase nicht allein lassen. Wenn Eltern behutsam die positiven Aspekte der neuen Situation ansprechen und auf Stärken des neuen Partners eingehen, können Kinder begreifen, dass diese Veränderung auch Chancen birgt.

Wie reagieren Eltern, wenn Kinder den neuen Partner ablehnen?
Heftige Reaktionen sind ein Hinweis auf tiefer liegende Gefühle wie Ängste, Unsicherheit und Trauer und sollten nicht unbedingt persönlich genommen werden. Das ist manchmal schwer. Aber wenn der Geduldsfaden bei den Eltern reißt und geschimpft, gedroht und bestraft wird, verstärkt das nur die Abwehrhaltung. Bevor die Probleme überhand nehmen, ist es gut, eine Beratungsstelle aufzusuchen – sonst hat die neue Beziehung vielleicht nie wirklich eine Chance!

Soll ein neuer Partner den Kindern gegenüber Erziehungsfunktionen übernehmen?
Im rechtlichen Sinne bleiben die leiblichen Eltern erziehungsberechtigt. Aber der normale Alltag wird es mit sich bringen, dass auch ein neuer Partner eine erzieherische Wirkung auf die Kinder hat. Zum Beispiel müssen Regeln für das Zusammenleben gefunden und durchgesetzt werden. Allerdings kann der neue Partner erst dann Betreuungs- oder Erziehungsfunktionen wahrnehmen, wenn ihm die Kinder wirklich vertrauen.

Hier beraten Profis

Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. (BKE), Herrnstr. 53, 90763 Fürth, Tel. 09 11/9 77 14-0. Auf den BKE-Internetseiten ist ein Adressenverzeichnis der Erziehungs- und Familienberatungsstellen: www.bke.de

Evangelische Konferenz für Familienund Lebensberatung e. V. (EKFuL), Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Ziegelstr. 30, 10117 Berlin, Tel. 0 30/28 30 39-28

Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Telefonseelsorge und Offene Tür e. V. (KBKEFL), Bonner Talweg 177, 53129 Bonn, Tel. 02 28/1 03-3 09

Pro Familia, Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V., Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt, Tel. 0 69/63 90 02

Informationen aus dem Netz

www.trennungskind.de Infos und Hilfsangebote für Eltern und Kinder. Die Seiten wurden vom „Arbeitskreis Kinder im Trennungs- und Scheidungskonflikt“ erstellt
www.bmfsfj.de (Inhalt/Publikationen/ Familie): umfangreiche kostenlose Broschüre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung“ zum Herunterladen (Herausgeber u. a. Deutscher Kinderschutzbund e. V.).


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