Mein Wunsch-Kindergarten

Für das eigene Kind ist der beste Kindergarten gerade gut genug. Aber was macht einen Kindergarten besonders gut? EF-Autorin Henriette Werner hat sich schlaugemacht.

Mein Wunsch-Kindergarten

Meine Erzieherin hieß Tante Klara, und ihre Passion war das Basteln: Osterkörbchen, Sonnenblumen aus Kartoffeldruck, Kastanienmännchen, Klorollen-Bäume, Strohsterne - einfach alles. Wenn wir gerade mal nicht bastelten, buddelten wir im Sandkasten oder spielten Pferdchen, während Tante Klara auf der Holzbank eine Zigarette rauchte. Und als Severin mir einmal die Schippe so auf den Kopf schlug, dass ich genäht werden musste, bekam ich zum Trost einen Kuss und viele Gummibärchen.

Ich ging gerne in den Kindergarten. Und doch hätte mein alter Kindergarten bei mir als Mutter heute keine Chance. Nicht wegen der Platzwunde - dafür konnte Tante Klara nichts. Das Rauchen hingegen ist ein klarer Minuspunkt. Vor allem aber: Von einem guten Kindergarten für meine dreijährige Tochter erwarte ich mehr als betreutes Basteln und Buddeln.

1. Die Ausstattung

Ganz klar: Ein großzügiges Außengelände mit Baumschaukeln, Tunnel und vielen Klettermöglichkeiten ist toll. Und wer hätte nicht gerne einen Kindergarten mit Atelier, Bewegungsbaustelle und Forschungslabor?

Aber längst nicht alle Einrichtungen verfügen über so ein großzügiges Raumangebot und die nötigen finanziellen Mittel. Achten Sie deshalb besser darauf, wie kreativ die Erzieherinnen die vorhandenen Möglichkeiten nutzen: Regen sie die Kinder zu unterschiedlichsten Bewegungsspielen an? Können die Kinder immer raus und auch matschen? Sind Spielsachen frei zugänglich?

2. Bildungsangebot

Kinder wollen lernen, schon im Kindergarten. Dazu brauchen sie Angebote von den Erzieherinnen. Zum Beispiel die erwähnte Forscher-Ecke, in der sie regelmäßig kleine Experimente machen. Ein gut ausgestatteter Mal- und Werkbereich der für alle offen steht, fördert die Kreativität.

Und wie ist es mit Musizieren und Singen? Erkundigen Sie sich auch, ob das Verständnis für Zahlen und Buchstaben spielerisch gefördert wird. Und: Was für ein Angebot an Büchern gibt es? Auch Sachbücher oder Kunstbände? Ist zumindest ein Teil der Bücher für die Kinder frei zugänglich?

Ganz wichtig: Fragen Sie nach, wie oft die Gruppen den Kindergarten verlassen. Ausflüge sollten alle ein bis zwei Wochen stattfinden: ins Museum, in die Leihbücherei, zur Feuerwache, zur Polizei, in den nahe gelegenen Park oder zum Spielplatz um die Ecke. Regelmäßige gruppenübergreifende Projekte sind selbstverständlich.