Mehrheits- und Verhältniswahlrecht

Im System der Mehrheitswahl werden alle Abgeordneten direkt in Wahlkreisen gewählt: wer in einem Wahlkreis die meisten Stimmen erzielt, zieht ins Parlament ein. Die Stimmen für die Gegenkandidaten im Wahlkreis verfallen und wirken sich nicht auf die Zusammensetzung des Parlaments aus. Dieses Verfahren begünstigt ein Zweiparteiensystem, da neue und kleine Parteien normalerweise keine Chance haben, in einem Wahlkreis die Mehrheit der Stimmen zu gewinnen. So sind politische Minderheiten im Parlament kaum vertreten. Dafür gibt es in Ländern mit Mehrheitswahl normalerweise klare Mehrheiten, die Regierungsbildung ist meist kein Problem.

Das System der Verhältniswahl kennt keine direkt gewählten Wahlkreiskandidaten. Die Stimmen werden hier für die Kandidatenliste einer Partei abgegeben und jede Partei bekommt so viele Abgeordnete, wie es ihrem Anteil an Stimmen entspricht. Ein reines Verhältniswahlsystem führt daher dazu, dass auch sehr kleine Parteien, die nur wenige Stimmen erhalten haben, mit einigen Sitzen im Parlament vertreten sind. Diese Parteienzersplitterung, wie es sie zum Beispiel in der Weimarer Republik gab, verhindert klare Mehrheiten und macht mehrheitliche Entscheidungen und ein effektives Arbeiten von Parlament und Regierung unmöglich.

Das personalisierte Verhältniswahlrecht mit Sperrklausel , das im Bundeswahlgesetz festgelegt ist, will ein Kompromiss sein und die Vorteile beider reinen Formen des Wählens verbinden - bzw. ihre Nachteile abmildern.