Die Umrechnung der Stimmen in Mandate

Die endgültige Zuteilung der Sitze läuft folgendermaßen ab:
Zunächst wird das Gesamtergebnis der Parteien ermittelt, indem alle Zweitstimmen, die die Parteien erhalten haben, addiert werden. Den Parteien, die die Sperrklausel überwunden haben, wird ihr Anteil an den Sitzen im Bundestag zugeteilt. Diese Umrechnung von Stimmen in Sitze erfolgt nach einer speziellen mathematischen Formel, die nach ihren Begründern „Hare/Niemeyer-Verfahren“ genannt wird.
Nachdem feststeht, wie viele Sitze eine Partei insgesamt errungen hat, wird mit Hilfe des selben Verfahrens berechnet, wie viele Mandate jeder Partei in den einzelnen Bundesländern zustehen.
Dann erfolgt in einem dritten Schritt die endgültige Zuteilung der Mandate an die Kandidaten der Partei. Wenn einer Partei zum Beispiel in einem Bundesland 50 Mandate zustehen und sie 20 Direktmandate erringen konnte, so stehen zuerst diese 20 Kandidaten als Bundestagsabgeordnete fest. Die restlichen 30 Sitze werden gemäß der Reihenfolge der Landesliste verteilt, wobei natürlich die Kandidaten, die bereits ein Direktmandat erhalten haben, übersprungen werden.

In diesem System von Erst- und Zweitstimme ist es möglich, dass eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate gewinnt, als ihr auf Grund der Listenwahl in diesem Land insgesamt Bundestagssitze zustehen.
In diesem Fall erhält die Partei trotzdem alle Direktmandate; die Anzahl der Abgeordneten im Bundestag erhöht sich um diese Überhangmandate. Die betroffene Partei erhält dann über die Landeliste kein einziges weiteres Mandat.