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Tschüs, Chaos!

Das Ef-Selbstmanagement-Programm hilft Schülern, die mehr Zeit haben wollen. Deshalb, liebe Eltern: Erst die Eltern-Tipps lesen, dann den zweiten Text an Ihr Kind weitergeben. Das erspart Ihnen eine Menge Stress!

Natürlich gibt es sie. Die Vorzeigekinder, die stets gut organisiert in der Schule erscheinen, ihre Zimmer in Ordnung halten, pünktlich zu Verabredungen kommen, selbständig die Termine beim Kieferorthopäden managen und daran denken, regelmäßig die Oma zu besuchen. Aber sie bilden eine verschwindend kleine Minderheit.
Die meisten Kinder und Jugendlichen wissen nicht, was sie sich selbst zumuten können, wie sie Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden sollen, wie und wo sich Zeit sparen lässt und wann sie richtig gut investiert ist.
Unterstützen Sie Ihr Kind deshalb bei der Bewältigung seines Alltags. Selbstmanagement erleichtert ihm nicht nur das Leben im Hier und Jetzt, sondern sorgt dafür, dass es auch später, wenn es auf sich allein gestellt ist, gut klarkommt.
Das Beste daran: Das Üben lässt sich ganz leicht in den Familienalltag integrieren. Damit können Sie schon im Grundschulalter beginnen:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind bei allen Terminen die Wegzeiten einplant. Wenn die Ballettstunde um 16 Uhr zu Ende ist, kann es nicht zehn Minuten später beim Kieferorthopäden am anderen Ende der Stadt sein, sondern muss eine "Pufferzone" mitrechnen.
  • Bestehen Sie auf Pünktlichkeit.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind so viel Freizeit hat, dass es einen Teil davon mit Nichtstun "verplempern" kann.
  • Schaffen Sie eine gute Lernatmosphäre für die Hausaufgaben. Konkret ausgedrückt: Scheuchen Sie Ihr Kind an den Schreibtisch, und machen Sie ihm genug Dampf, dass es seine Zeit dabei nicht verschläft.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind in Abständen immer wieder, wie es Zimmer, Kleiderschrank und Schreibtisch in Ordnung halten und dadurch Zeit gewinnen kann.
  • Gestalten Sie den Fernsehkonsum passend zum Alter Ihres Kindes. Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren sollten täglich nicht länger als eine Stunde gucken dürfen - und das muss auch nicht jeden Tag sein.
  • Setzen Sie ein fixes Tagesende: die Schlafenszeit. Wer um sechs Uhr morgens aus den Federn muss, um rechtzeitig in der Schule zu sein, knipst allerspätestens um zehn Uhr das Licht aus.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind, verschiedene Hobbys auszuprobieren. Stecken Sie aber unbedingt vorher einen Zeitrahmen ab, nach dem Ihr Kind entscheiden darf, ob es dabeibleibt oder die Sache wieder fallen lässt.
  • Leben Sie Ihrem Kind die Gelassenheit vor, die sich aus einem guten Selbstmanagement ergibt. Machen Sie es sich zum Beispiel zur Gewohnheit, während der gemeinsamen Essenszeiten den Anrufbeantworter einzuschalten.

Halten Sie mit Ihrer Zeit und Ihren Energien bewusst Haus. Vermutlich entdecken Sie dann schon bald mit Ihrem Kind eine neue Gemeinsamkeit: hier und da ein bisschen Raum für wunderbare Langeweile.

Für Ihr Kind: Endlich mehr Zeit!

Dieses Sechs-Schritte-Programm hilft dir, deinen Tag so einzuteilen, dass genug Zeit für die Dinge bleibt, die dir wirklich wichtig sind

Weil es hier um mehr Zeitgewinn geht, hast du erst einmal die Möglichkeit herausfinden, ob sich für dich das Lesen lohnt, oder ob du deine Zeit anders besser verbringen kannst.
Interessiert? Dann beurteile die folgenden Behauptungen danach, inwieweit sie auf dich zutreffen. Nutze dazu die Noten 1 bis 6. Aussagen, die voll und ganz auf dich zutreffen, gibst du eine 1, im umgekehrten Fall erhalten sie eine 6, für alles, was dazwischen liegt, sind die Noten 2 bis 5 vorgesehen. Los geht's:

  • Ich vergesse niemals wichtige Termine und Aufgaben.
  • Ich kann mich sehr gut auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren.
  • Ich versuche niemals, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen.
  • Ich habe klare private Ziele.
  • Ich habe eindeutige schulische Ziele.
  • Ich verschiebe niemals wichtige Aufgaben.
  • Ich bin grundsätzlich pünktlich.
  • Ich gerate nie unter Zeitdruck.
  • Ich habe stets meine Uhr, meinen Kalender und meinen Tagesplan im Blick.
  • Ich nehme mir nie zu viele Dinge auf einmal vor.
  • Ich schätze nie die Zeit falsch ein, die mir zur Verfügung steht.
  • Ich schlafe jede Nacht mindestens acht Stunden.

AUFLÖSUNG

Zähle nun deine Punkte (Noten) zusammen.

12 bis 24 Punkte:
Super! Du kannst die Zeit, die dir zur Verfügung steht, richtig gut einteilen. Wenn du aber das Gefühl hast, dass manches noch besser laufen könnte, findest du hier die richtigen Tipps.

25 bis 48 Punkte:
Wenn du alles dransetzt, schaffst du es, deine Aufgaben gerade noch rechtzeitig zu erledigen und Termine einigermaßen pünktlich einzuhalten. Aber was dabei garantiert auf der Strecke bleibt, ist unverplante Zeit. Wenn du mehr Freizeit für dich gewinnen willst, lohnt sich für dich auf jeden Fall das Weiterlesen.

49 bis 72 Punkte:
Die schlechte Nachricht kennst du schon: Du stehst ganz schön unter Druck! Die gute Nachricht heißt: Das kriegst du in den Griff. Versuche vier Wochen lang, mit den folgenden Tipps deinen Alltag zu organisieren. Nach einem Monat wird dir vieles davon schon so selbstverständlich sein, dass dein Leben echt leichter wird.

STEP 1 - Zeitdiebe entlarven

Wer Zeit gewinnen möchte, sollte sich ein oder zwei Tage beobachten und alle Tätigkeiten aufschreiben, die anfallen. Dabei hilft das Tagesprotokoll. Aufgelistet wird im 15-Minuten-Takt, mit Angabe der Uhrzeit ab dem morgendlichen Aufstehen und dem Gang ins Bad bis zum Schlafengehen abends.
Ein Tagesprotokoll bringt einen großen Vorteil: Man hat sämtliche Tagesaktivitäten schwarz auf weiß vor Augen und kann Zeitdiebe auf einen Blick erkennen. Dazu gehören zum Beispiel die Suche nach dem seit Wochen verschwundenen T-Shirt, das Endlos-Telefonat mit der besten Freundin oder der Surf-Marathon im Internet.
Zeitmanagement heißt nämlich vor allem Selbstmanagement. Denn die Zeit selbst lässt sich nicht "managen", sie bleibt immer gleich. Was man aber sofort verändern kann, ist die Art und Weise, wie man seine Zeit verbringt. Dazu mehr im nächsten Schritt:

STEP 2 - Zeitfresser loswerden

Telefon, Handy und Internet sind dein Tor zur Welt – aber unterbrechen sie nicht auch zu oft die Konzentration auf die Hausaufgaben oder ein interessantes Gespräch?
Natürlich gibt es die Möglichkeit, die Mailbox anzuschalten. Aber das schlechte Gewissen, den anderen zu enttäuschen, der vergeblich anruft, ist größer. Die Frage lautet daher: Wie schaffst du es, zugänglich zu wirken, aber trotzdem nicht immer verfügbar zu sein? Zum Beispiel so:

  • Zensiere Anrufe grundsätzlich nach Dringlichkeit, zum Beispiel durch Rufnummernkontrolle.
  • Beantworte Mails und SMS zuverlässig, aber so kurz wie möglich. Meistens genügt schon ein in die Betreffzeile eingegebenes "O.K. (eof)" oder "Super! (nfm)". Eof steht für end of message, nfm heißt no further message.
  • Gib deine Handynummer nur ausgewählten Freunden und Freundinnen.
  • Organisiere deine Hausaufgabenzeit so, dass du sie ohne Unterbrechung erledigen kannst. Sprich: Anrufe an Mailbox und AB delegieren.
  • Betrachte das TV-Angebot wie einen Supermarkt. So wenig wie du alles kaufen würdest, solltest du auch nicht alles gucken. Praktisch: Am Wochenende eine Liste mit den Sendungen erstellen, die du auf keinen Fall verpassen willst, dann musst du dich nicht jeden Tag neu entscheiden.
  • Erlaube dir nicht mehr als drei Fernsehserien pro Woche.
  • Nutze den Fernseher nie als Nebenbei-Medium.
  • Begrenze auch deine Zeit fürs Surfen im Internet und überlasse die Kontrolle deinem Wecker.
  • Und was die Dinge betrifft, die "jetzt sofort" gesucht werden müssen: Ab damit auf die To-do-Liste (siehe Step 4). Dort geraten sie nicht in Vergessenheit, und du kannst dich in Ruhe den Englisch-Vokabeln widmen.
    Denn: Hand aufs Herz, solche Suchaktionen sind fast immer ein Fall von "Aufschieberitis".

STEP 3 - Biorhythmus akzeptieren

Direkt nach dem Mittagessen knifflige Matheaufgaben knacken oder einen Aufsatz schreiben? Super, wenn's gelingt! Dann bist du sicherlich nicht älter als zwölf Jahre. Denn zwischen acht und zwölf kennt der Körper kein Mittagstief.
Mit dem Beginn der Pubertät ändert sich das. Nicht, weil der Körper es vorgibt, erklärt der Schlafforscher Professor Jürgen Zulley in seinem Buch "Unsere innere Uhr" (Herder spektrum, 9,90 Euro), sondern weil mit dem Älterwerden mehr und mehr das Verhalten von Erwachsenen übernommen wird und man abends zu spät ins Bett geht.
Acht Stunden sind übrigens das absolute Schlafminimum, das du dir unbedingt gönnen solltest.
Wenn du es allein nicht schaffst, rechtzeitig schlafen zu gehen, bitte deine Eltern um Unterstützung.
Falls du dich zwischen 13 und 14 Uhr nicht in Topform fühlst, ist jetzt eine gute Zeit, um Routineaufgaben zu erledigen. Darunter fallen alle Pflichten im Haushalt, die Beantwortung von SMS-Nachrichten, Telefonate führen, E-Mails abrufen, aufräumen usw.
Aber Achtung: Alles lässt sich nicht in dieses Zeitfenster packen. Nimm dir nur vor, was du tatsächlich schaffen kannst. Denn in der Powerzeit ab etwa 14.30 Uhr sollten wirklich die Arbeiten erledigt werden, die vollen Krafteinsatz fordern. Wer sie stattdessen ungenutzt vertrödelt, verschenkt unnötig Energie und benötigt hinterher viel mehr Zeit.

STEP 4 - To-do-Liste führen

Die To-do-Liste ist ein weißes Din A4-Blatt, das jeweils einmal längs und einmal quer in der Mitte gefaltet wird, so dass man beim Wiederauffalten vier Rechtecke erhält. Jedes Feld bietet einen festen Platz für bestimmte Notizen: 1) heute erledigen, 2) morgen erledigen, 3) diese Woche erledigen, 4a) Telefonate, 4b) Post (per Brief oder E-Mail).
Achtung: Die wichtigste Aufgabe unter "Heute" unterstreichen, weil sie als Erstes erledigt werden sollte. Gefaltet ist dieses Blatt so klein, dass es in jede Hosentasche passt. Praktisch: Abends alle Punkte durchstreichen, die erledigt wurden. Damit verschaffst du dir ein unglaublich gutes Gefühl!
Optimal ergänzt wird die To-do-Liste durch einen Kalender mit Monatsblättern, der pro Tag genügend Raum für deine persönlichen Notizen lässt. Dort hinein kommen alle Fix-Termine. Daten, die im Kalender stehen und in die aktuelle Woche fallen, werden in die To-do-Liste übertragen.

STEP 5 - Lernaufwand eingrenzen

Idealerweise stemmst du deinen Schulalltag mit etwa 60 Prozent deiner Kraft. Mehr Energie investierst du nur, wenn es drauf ankommt: vor Klausuren und wichtigen Prüfungen.
Zeitsparen durch das Nicht-Erledigen von Hausaufgaben ist keine gute Idee. Hausaufgabenmachen heißt nämlich nichts anderes, als sich gut auf den Unterricht vorzubereiten.
Punkten und gleichzeitig Zeit sparen kannst du in der Schule, wenn du möglichst oft Aufgaben übernimmst, in denen du relativ mühelos brillierst. Nimm dir etwas Zeit, deine Fähigkeiten und Stärken zu analysieren, um sie clever zu nutzen!
Zwei Beispiele: Recherchieren, schreiben und formulieren fallen dir leicht? Dann liegt für dich das Erarbeiten von Referaten auf der Hand.
Du bist eher der gewissenhafte Typ, der seine Hausaufgaben macht, sich aber im Unterricht nichts zu sagen traut? Dann meldest du dich am besten immer gleich zu Beginn der Stunde, wenn die häuslichen Arbeiten abgefragt werden.

Zum Weiterlesen

Einfache und alltagstaugliche Selbstmanagement-Ideen für Ihren Alltag finden Sie in diesen beiden klugen Ratgebern:

Doris Märtin, "Gut ist besser als perfekt", dtv premium, 12 Euro

Julia Rogge, "Den Alltag in den Griff bekommen - Familien-Management", dtv, 10 Euro

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