Zwillinge
 
Sollen wir die beiden...

Zwei Kinder auf einmal - das ist eine besondere Situation in der sich Eltern aber auch Kinder befinden. Viele Fragen und Unsicherheiten sind damit verbunden: Wann sollen die Kinder jeweils ein eigenes Zimmer bekommen? Sollen sie gemeinsam in eine Kindergartengruppe oder getrennt? Hier finden Sie die häufigsten Fragen von ELTERN Leserinnen zum Thema Zwillinge und unsere Antworten darauf.

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1. Soll ich die Zwillinge in unterschiedlichen Kindergartengruppen anmelden?

Zwillinge: Sollen wir die beiden...
Corbis

Das wird unter Zwillingseltern heiß diskutiert. Hauptargument dafür: Die Kinder werden selbstständiger, können sich nicht so sehr als Doppelpack abschotten, knüpfen im Idealfall neue, eigene Kontakte. Und das Gegenargument: Manche Zwillinge sind schier unzertrennlich. Unterschiedliche Gruppen wären deshalb für beide traumatisch. Finden Sie heraus, was ihnen guttut! Steht ein Zwilling häufig im Schatten des anderen? Das könnte für getrennte Gruppen sprechen. Fühlen sie sich nur zusammen wohl - lassen Sie sie beieinander.

2. Wann sollten Zwillinge ihre eigenes Zimmer bekommen?

Grundsätzlich gilt, wie bei allen Geschwistern: Vor der Einschulung ist ein Kinderzimmer für zwei meist kein Problem. Danach wächst bei vielen Kindern der Wunsch nach Privatsphäre und nach einem eigenen Reich. Also - solange zwei Bettchen in ein Zimmer passen und trotzdem genug Platz zum Toben ist: nur zu!

3. Wie kann ich beiden gerecht werden?

Indem Sie sich selbst und den Kindern Möglichkeiten schaffen, die einzelnen Personen statt der "Zwillingshälften" zu sehen. Drei Tricks:

  • Konsequent mit Namen ansprechen. Also nicht "Könnt ihr beide den Tisch decken?", sondern: "Melanie, deck du bitte die Teller, und du, Chiara, das Besteck!"
  • Klar: Man kann immer nur einen Zwilling anziehen oder kämmen, der andere muss warten. Auch klar: Ihnen ist egal, wer zuerst drankommt. Aber Ihren Kindern nicht. Während Sie denken, "Ein Zwilling nach dem anderen", denkt Maxi: "Warum durfte Philipp heute schon dreimal zuerst?" Deshalb: Immer abwechselnd gehört jedem Kind ein Tag, an dem es bei allem zuerst drankommt. Also ganz bewusst: erst Philipp. Dann Maxi. Oder andersrum.
  • Jedes Kind in seinen Interessen fördern. Aber wie sind die gelagert? Dass ihre beiden am liebsten zusammen Lego spielen, wissen Sie zwar. Aber dass Clara sich so für das Xylofon im Kindergarten begeistert, erfahren Sie erst, wenn Sie mal mit ihr allein spazieren gehen. Während Papa mit Tommi einkauft - und nebenbei erfährt, dass der einen neuen Berufswunsch hat: Zirkusdirektor. Also: auch mal was mit den Kindern getrennt unternehmen. Zweiter Schritt: Clara zur musikalischen Früherziehung anmelden, Tommi zum Kinderzirkus bei der Volkshochschule.
  • Eltern, die darauf achten, jedes Kind nach seinen Eigenarten, seinen Stärken und Schwächen als eigenständige Persönlichkeit zu behandeln, fördern die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Zwillinge und verhindern, dass zwischen den Kindern Rivaltiät und Konkurrenzkampf entsteht.

4. Sollen wir - ganz gerecht - alle Spielsachen doppelt kaufen?

Das ist nicht nötig: Auch andere Geschwister müssen Spielzeug teilen. Wichtig: klare Regeln vereinbaren - was ist deins, was meins, was unseres? Zwillinge haben meistens kein Problem damit, Bauklötze, Spielautos und Co. zu teilen - solange sie sich drauf verlassen können: Meine Puppe gehört mir ganz allein und mein Bobbycar auch.

5. Meine Zwillinge können nicht so gut sprechen wie gleichaltrige Kinder - dafür verstehen sie sich perfekt in ihrer "Zwillingssprache". Ist das schlimm?

Nein. Es ist völlig normal, dass Zwillinge ein bisschen langsamer sprechen lernen - durchschnittlich hinken sie Einlingen um etwa ein halbes Jahr hinterher. Warum? Erstens sind Zwillinge häufig auch Frühchen - und die haben eben eine Menge aufzuholen. Und zweitens haben Forschungen gezeigt, dass in Zwillingsfamilien oft so großer Zeitmangel herrscht, dass weniger mit dem einzelnen Kind gesprochen wird. Tipp: Kinderreime, Fingerspiele und Vorlesezeiten in den Tagesablauf einbauen - durch die ständige Wiederholung fällt den Kleinen das Lernen leichter. Bis zum Schulbeginn hat sich der Sprach-Rückstand meist ausgeglichen.
Und das Geheimnis der Zwillingssprache? Ein paar Gesten, einige genuschelte Worte - und die Kinder verstehen sich blind. Der Grund: Zwillinge sind miteinander so vertraut, dass sie blitzschnell die Körpersprache "lesen" und verstehen können - Worte sind da oft überflüssig. Meist verliert sich die Zwillingssprache spätestens im dritten Lebensjahr von selbst. Wenn Sie allerdings den Eindruck haben, Ihre Zwillinge schotten sich durch die Geheimsprache in ihrer Zwillingswelt ab und kommen in der "normalen" Sprachentwicklung nicht weiter: sicherheitshalber den Kinderarzt fragen, ob logopädische Förderung sinnvoll ist.

6. Wie kann ich mit Zwillingen Geld sparen?

  • Bei der Anmeldung zu Kursen auf die besondere Situation hinweisen: Oft kann man einen Geschwisterpreis aushandeln.
  • Richtige Schnäppchen gibt's oft auf sogenannten Zwillings-Basaren. Extra Zwillingsbedarf ist vor allem im Internet gut zu kriegen: Eine große Zwillings- Homepage, die auch Online-Flohmärkte und eine Tauschbörse haben, ist zum Beispiel www.twins.de.
  • Manche Zwillingseltern können sich vor Produktproben kaum retten. Der Grund: Sie haben fleißig Briefe mit ein paar süßen Zwillings-Fotos an die einschlägigen Windelhersteller, Gläschenfabrikanten und Co. geschickt. Dort reagieren die Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit oft großzügig.
  • Manche Spielzeug- und Kinderbekleidungsläden gewähren Zwillingseltern bei jedem Einkauf Rabatt. Bei Baby Walz gibt’s gegen Vorlage der Geburtsurkunden zehn Prozent Rabatt auf alle Einkäufe bis zum zweiten Lebensjahr der Zwillinge, bei Jako-o immerhin fünf Prozent.