Gesundheit
 
Corona-Krise: Väter doch rein in die Kreißsäle?

Die Geburt des eigenen Kindes verpassen? Für die meisten PartnerInnen von Schwangeren undenkbar – in Zeiten von Corona für viele auf einmal bittere Realität. Doch ist ein radikaler Ausschluss aus den Kreißsälen tatsächlich notwendig? Hier die aktuelle Lage.

Vater, Mutter und Baby kurz nach der Geburt im Krankenhaus
iStock, molka
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Die seit einigen Wochen geltenden Besuchseinschränkungen in deutschen Krankenhäusern wirken sich inzwischen auch auf Geburten aus. Konkret bedeutet dies, dass immer mehr Krankenhäuser den Zugang von Vätern in die Kreißsäle einschränken oder ganz verbieten. Und dass, obwohl es bisher kein bundesweit geltendes Verbot gibt. Vielmehr können Krankenhausleitungen größtenteils eigenständig Maßnahmen beschließen, die sie zur Eindämmung des COVID-19 Virus als notwendig erachten.

Die wichtige Funktion des Partners bei der Geburt wird anerkannt

Die Aussicht, die Geburt des eigenen Kindes zu verpassen, sorgt bei Schwangeren und ihren PartnerInnen gleichermaßen für Verunsicherung. Zur Angst vor dem Virus kommt nun die Sorge hinzu, die Geburt ohne emotionale Unterstützung überstehen zu müssen. Aber muss das wirklich sein?
 
Nein, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Und an deren Empfehlungen orientiert sich nun auch die deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). In deren Pressemitteilung vom 26. März 2020 heißt es: „Die PartnerInnen im Kreißsaal erfüllen wichtige Funktionen unter der Geburt.“ Die DGGG erkennt somit die unglaublich wichtige Rolle des Partners während der Geburt an.
 
In ihren direkten Empfehlungen an die Krankenhäuser heißt es weiter: „Die DGGG empfiehlt den Kliniken, dafür Sorge zu tragen, dass die Gebärenden im Kreißsaal durch ihre PartnerInnen während der Geburt unterstützt werden können und entsprechende Regelungen zu schaffen, die gleichzeitig den Schutz aller im Kreißsaal Tätigen unter diesen Bedingungen gewährleisten.“ Aber was könnte das konkret bedeuten?

Konkrete Empfehlungen der DGGG für den Ablauf im Krankenhaus

Vater, Mutter und Baby im Krankenhaus kurz nach der Entbindung
iStock, gorodenkoff
  • Jede Person, die den Kreißsaal betritt, muss sich ausweisen, konkrete Fragen beantworten, ihre Telefonnummer hinterlassen und schließlich alles mit einer Unterschrift bestätigen. Die Fragen decken unter anderem ab, wo sich eine Person in den letzten zwei Wochen aufgehalten hat, ob sie Kontakt zu einem COVID-19 Erkrankten hatte und ob sie selbst Krankheitssymptome aufweist.
  • Es kann grundsätzlich nur eine Begleitperson bei der Geburt anwesend sein.
  • Ist ein Partner an COVID-19 erkrankt, kann er oder sie nicht bei der Geburt dabei sein.
  • Schwangere, die an COVID-19 erkrankt sind oder bei denen eine Infektion vermutet wird, müssen Atemschutzmasken tragen.

Entscheidung liegt bei den Kliniken

Letztendlich liegt die Entscheidung, ob PartnerInnen bei der Geburt dabei sein können oder nicht, bei den Kliniken selbst.
 
Einige schließen dies derzeit kategorisch aus, wie zum Beispiel das Katholische Klinikum Koblenz Montabaur. Es schreibt dazu auf seiner Webseite (Stand 2. April 2020): „Bitte beachten Sie: Aufgrund der aktuellen Corona-Lage dürfen werdende Väter bis auf Weiteres nicht mehr bei der Entbindung im Kreißsaal mit dabei sein. Bitte haben Sie Verständnis für diese Entscheidung, die uns nicht leichtgefallen ist. Die Sicherheit unserer Patienten und Mitarbeitenden hat oberste Priorität.“

In anderen Fällen wurden Einschränkungen wieder gelockert, wie zum Beispiel beim Universitätsklinikum Bonn. Dies meldete am 23. März 2020 auf seiner Webseite: „Die Bonner Kliniken, die Geburtshilfe leisten, haben beschlossen, werdende Väter unter besonderen Auflagen in der aktiven Phase der Geburt ihrer Kinder teilhaben zu lassen.“
 
Falls du dir unsicher bist, wie die Lage in deinem Krankenhaus ist, informiere dich rechtzeitig vor deinem Geburtstermin, damit du dich entsprechend vorbereiten kannst.
 
Falls du oder dein Partner COVID-19 Symptome aufweist, verheimlicht diese auf keinen Fall. Sonst bringt ihr nicht nur das medizinische Personal in Gefahr, sondern auch andere Familien. Denn nur wenn sich alle verantwortungsbewusst verhalten, können PartnerInnen auch weiterhin darauf hoffen, bei den Geburten ihrer Kinder dabei zu sein.

Mehr Antworten auf aktuelle Fragen rund um das Thema COVID-19 und Geburten, findest du hier.

Wissensstand dieses Artikels: 2. April 2020

Gesundheit: Corona-Krise: Väter doch rein in die Kreißsäle?

Dieser Beitrag ist Teil der Initiative GEMEINSAM GEGEN CORONA der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch der Verlag Gruner + Jahr gehört, in dem ELTERN erscheint. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus.

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