Geburt im OP
 
Wie lange dauert ein Kaiserschnitt?

Rund 30 Prozent der Babys kommen in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Die Geburt im OP lässt sich gut planen. Daher wissen die Geburtshelfer auch ziemlich genau, wie lange ein Kaiserschnitt in der Regel dauert. Wir sagen euch, wie schnell ihr euer Baby nach einer Sectio in den Armen halten werdet.

Baby Sekunden nach dem Kaiserschnitt
iStock, mustafagull
Auf einen Blick
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  • Die OP-Vorbereitung dauert etwa 20 bis 30 Minuten.
  • Bei einem geplanten Kaiserschnitt wird in der Regel eine lokale Betäubung (z.B. PDA) gewählt.
  • Nach dem Schnitt ist das Baby schnell auf der Welt. Mit dem Vernähen der Wunde dauert ein Kaiserschnitt rund 30 Minuten.
  • Den kompletten Eingriff habt ihr im Durchschnitt nach einer Stunde hinter euch.
  • Nach 8 bis 10 Tagen ist die Bauchnaht verheilt.

Sofern der Kaiserschnitt geplant ist, kennst du den Geburtstag deines Babys schon, bevor es auf der Welt ist. Auch der zeitliche Ablauf ist planbarer als bei einer vaginalen Geburt. Sofern keine Komplikationen auftreten, gibt es relativ verlässliche Durchschnittswerte für die Vorbereitung, für die Kaiserschnitt-OP selbst und für die Zeit der Heilung und Schonung der Mama, wenn das Neugeborene auf der Welt ist.

Wie lange dauert die Vorbereitung der Kaiserschnitt-OP?

Hast du dich für eine geplanten Kaiserschnitt (primärer Kaiserschnitt) entschieden, wird dein Baby etwa ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin (ET) auf die Welt geholt. Je näher der OP-Termin am natürlichen Geburtstermin liegt, desto besser. Wichtig ist, dass die Wehen noch nicht eingesetzt haben und die Fruchtblase noch nicht geplatzt ist.
Zum vereinbarten Termin wirst du dann in der Klinik für die OP vorbereitet. In den meisten Kliniken wird zunächst das Schamhaar im OP-Bereich rasiert. Dann deckt das Pflegepersonal dich mit sterilen Tüchern ab. Der Operationsbereich bleibt frei und wird sorgfältig desinfiziert.
Bei einem geplanten Kaiserschnitt (Sectio caesarea) wirst du vor der Geburt in der Regel mit einer Periduralanästhesie (PDA) oder einer Spinalanästhesie betäubt, bei der du bei vollem Bewusstsein bleibst. Die PDA setzt der Narkosearzt über einen Katheter im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Spinalanästhesie spritzt er direkt in die Wirbelsäule. Bis die Betäubung einsetzt, können 20 bis 30 Minuten vergehen.
Außerdem wird ein Tropf über eine Armvene gelegt, über den während der Geburt bei Bedarf Medikamente gegeben werden können. Auch ein Blasenkatheter wird gelegt, da es nach einem Kaiserschnitt zu Problemen beim Wasserlassen kommen kann. Die Vorbereitung auf den Kaiserschnitt dauert insgesamt etwa 30 Minuten. Kurz vor der OP wird zwischen deinem Kopf und deinem Bauch ein Schirm gespannt. So kannst und musst du den Eingriff selbst nicht sehen.
Ist der Kaiserschnitt ein Notfall (sekundärer Kaiserschnitt), geht es schneller. In diesem Fall wird eine Vollnarkose eingeleitet und die OP beginnt, sobald diese wirkt. Das kann passieren, wenn es während einer vaginalen Geburt zu Komplikationen kommt. Etwa einem Geburtsstillstand, bei einem Verdacht auf Sauerstoffmangel des Babys oder einem Nabelschnurvorfall.

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Wie lange dauert die Kaiserschnitt-OP?

Bis das Baby per Kaiserschnitt auf der Welt ist, geht es sehr schnell. Der Operateur setzt über der Schambeinfuge einen 8 bis 15 Zentimeter langen, horizontalen Schnitt (Bikini-Schnitt). Dann durchtrennt er die darunterliegenden Haut-, Fett- und Muskelschichten. Zuletzt öffnet er die Gebärmutter und die nun hervortretende Fruchtblase. Das Fruchtwasser wird abgesaugt und das Baby vorsichtig aus dem Bauch der Mutter gehoben. Dann wird die Nabelschnur durchtrennt und die Plazenta entfernt.
Das Pflegepersonal versorgt das Kind und wickelt es in warme Tücher. Das Baby wird möglichst sofort zu seiner Mutter auf der anderen Seite des Schirms gebracht. Aber der operative Eingriff ist dann noch nicht vorbei. Der weitaus längere Teil der Operation besteht im sorgfältigen Zusammennähen der Gewebeschichten. Insgesamt braucht ein erfahrener Chirurg dafür etwa 30 Minuten. Die gesamte Dauer der OP beträgt rund eine Stunde.
Alternativ wird auch häufig die sogenannte Misgav-Ladach-Methode angewandt. Die aus Israel importierte Operationsmethode wird auch etwas irreführend als „sanfte Sectio“ bezeichnet. Bei der Misgav-Ladach-Technik wird das Gewebe nur an wenigen Stellen mit einem Schnitt durchtrennt und stattdessen stumpf gedehnt und gerissen. Das Sanfte daran ist das Ergebnis. Es werden weniger Blutgefäße und Nervenbahnen durchtrennt und weniger Nähte gesetzt als bei der herkömmlichen Operationstechnik. Dadurch heilt die Wunde schneller und die Frau hat weniger Schmerzen. Auch der Eingriff selbst kostet mit rund 20 Minuten weniger Zeit. Da sich die Mutter nach einem sanften Kaiserschnitt meistens schneller erholt und somit auch die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus kürzer ist, wird die Methode immer beliebter.

Wann dauert ein Kaiserschnitt länger?

Gibt es im Bauchraum Verwachsungen, kann die Operation auch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Das ist häufig dann der Fall, wenn die Mutter bereits ein Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht hat.

Wie lange dauert die Nachsorge im Anschluss?

Nach der eigentlichen OP bleibt die Mutter noch für etwa zwei Stunden zur Überwachung im Kreissaal. Bist du wach, kannst du den ersten wichtigen Kontakt zu deinem Neugeborenen herstellen (Bonding) und es schon einmal anlegen, um das Stillen in Gang zu bringen. Bist du noch nicht ganz bei dir, kann der Papa sich das Kind auf die nackte Brust legen und so bereits im Kreissaal die ersten Stunden mit seinem Kind genießen.
Danach wirst du auf die Wochenbettstation verlegt und kannst dich dort von der OP erholen. Wie schnell das geht, ist ganz unterschiedlich. Die einen stehen schon einige Stunden nach dem Kaiserschnitt wieder auf, die anderen brauchen länger, um den Eingriff zu verkraften. Um die Rückbildung der Gebärmutter zu beschleunigen, wird nach der Geburt das Hormon Oxytocin als Dauerinfusion verabreicht. Am ersten Tag nach der OP wirst du alle vier Stunden untersucht. Der Verband auf der Wunde wir meistens am zweiten Tag entfernt. Im Durchschnitt verlassen Frauen nach einer Sectio nach rund einer Woche die Klinik.

Wie lange muss sich die Mutter nach einer Kaiserschnitt-Geburt schonen?

Auch zu Hause solltest du dich nach einer Kaiserschnitt-Geburt weiter schonen. Schweres Heben und die Hausarbeit überlässt du besser deinem Partner. Nach einer Sectio vergeht etwas mehr Zeit, bis der Wochenfluss ganz versiegt ist. Dafür fällt er etwas schwächer aus. Die Bauchnaht wird in 8 bis 12 Tagen schon gut verheilt sein. Völlig ausgeheilt sind Nerven und Gewebe aber erst nach etwa sechs Wochen. Hier erfahrt ihr, wie es mit dem Sex nach Kaiserschnitt steht.
Erst danach ist es sinnvoll, mit der Rückbildungsgymnastik zu beginnen. Über ein zweites Kind solltest du nach einem Kaiserschnitt erst in einem guten Jahr nachdenken.