Gesundheit
 
Geburtsvorbereitende Akupunktur: Was ist dran?

Akupunktur hat sich inzwischen auch in Deutschland als alternative Therapieform etabliert. Aber was steckt hinter der geburtsvorbereitenden Akupunktur? Kann sie wirklich den Geburtsverlauf beschleunigen? Wir haben die Antworten.

Akupunkturnadeln liegen bereit
iStock, Santje09
Auf einen Blick
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  • Studien belegen, dass die geburtsvorbereitende Akupunktur den Geburtsverlauf um etwa zwei Stunden verkürzen kann.
  • Die geburtsvorbereitende Akupunktur hat keinen Einfluss auf den Geburtstermin und löst keine vorzeitigen Wehen aus.
  • Eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen findet normalerweise nicht statt.

Die Akupunktur kommt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und zielt darauf ab, deinen ins Ungleichgewicht geratenen Körper wieder auszubalancieren. Hierfür werden dünne Nadeln an bestimmten Akupunkturpunkten in der Haut platziert. Sie sollen Verspannungen und Blockaden lösen und den natürlichen Fluss der Körperenergien ermöglichen. Akupunktur hat sich vor allem bei der Behandlung von Rücken- und Kniegelenkbeschwerden durchgesetzt, wird aber auch regelmäßig bei der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft eingesetzt.

Was passiert bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur?

Eine Studie der Mannheimer Frauenklinik (siehe Quellen) belegt, dass die geburtsvorbereitende Akupunktur den Geburtsverlauf um etwa zwei Stunden verkürzen kann. Bei den Teilnehmerinnen der Studie hatte sich der Muttermund schneller geöffnet. Das ist allerdings die einzige Phase, in der Akupunktur eine Wirkung gezeigt hat. Sie kann weder die aktive Geburt beeinflussen (außer unter Umständen schmerzlindernd wirken) noch die Geburt einleiten. Akupunktur hat also keinen Einfluss auf den Entbindungstermin und löst auch keine vorzeitigen Wehen aus.
 
Durchgeführt wird die geburtsvorbereitende Akupunktur von deiner behandelnden Frauenärztin oder deiner Hebamme. Allerdings müssen sie für eine solche Behandlung entsprechend fortgebildet und somit qualifiziert sein. Normalerweise kannst du ab der 36. Schwangerschaftswoche mit einer geburtsvorbereitenden Akupunkturbehandlung beginnen. Die Termine sind ab dann wöchentlich und dauern in etwa 20 bis 30 Minuten. Im Durchschnitt haben die meisten Schwangeren drei Akupunktursitzungen bis zur Geburt. Falls du deinen Geburtstermin überschritten haben solltest, können aber situationsabhängig auch weitere Termine angeboten werden.
 
Bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur werden zumeist folgende Akupunkturpunkte behandelt:

  • ST 36 (Zusanli): unter dem Knie
  • GB 34 (Yanglingquan): oberhalb des Wadenbeins
  • KI 8 (Jiaoxin): am Knöchel auf der Innenseite
  • BL 62 (Shenmai): an der Außenseite des Fußes unterhalb des Knöchels

Diese vier Akupunkturpunkte haben vor allem die Aufgabe, die Schwangeren zu entspannen, ihr Qi (Grundlage der TCM und steht im weitesten Sinne für die Energie oder den Atem) ins Gleichgewicht zu bringen und die Zirkulation des Blutes zur Zervix (Gebärmutterhals) zu verbessern.

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Wird Akupunktur in der Schwangerschaft von der Krankenkasse bezahlt?

Das kommt drauf an. Die geburtsvorbereitende Akupunktur ist jedenfalls keine Regelleistung. Eine Behandlung kann um die 60 Euro kosten. Am besten klärst du die Kostenfrage vor deinem ersten Termin ab.
 
Die Verbraucherzentrale hat bezüglich der Kostenübernahme noch einen guten Tipp parat: „Viele Krankenkassen bezahlen oder bezuschussen Akupunktur auch bei anderen Erkrankungen oder bei der Geburtsvorbereitung. Dies geschieht für die Versicherten der jeweiligen Kasse dann als sogenannte freiwillige Satzungsleistung oder im Rahmen von Bonusprogrammen. Akupunktur ist also keineswegs immer eine kostenpflichtige IGeL-Leistung. Eine Nachfrage bei der eigenen Kasse vor Behandlungsbeginn lohnt sich.“

Spricht etwas gegen die geburtsvorbereitende Akupunktur?

Solange du keine panische Angst vor Nadeln hast und deine Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, dann nein. Denn mit einem Risiko verbunden, ist diese Therapieform grundsätzlich nicht. Im schlimmsten Fall hast du am Ende einer Behandlung leicht gerötete oder blaue Stellen auf der Haut, an denen die Akupunkturnadeln gesetzt wurden. Aber keine Sorge, – sie sind harmlos und verschwinden nach kurzer Zeit wieder.
 
Ist deine Schwangerschaft allerdings als eine Risikoschwangerschaft eingestuft, dann sprich vor einer möglichen Behandlung auf jeden Fall mit deinem Arzt. Abhängig von deiner persönlichen Situation wird er dir unter Umständen von einer Akupunktur abraten.
 
Wie bei fast allem in der Geburtsvorbereitung gilt auch hier: Mach das, was sich gut anfühlt und dir hilft.