Neurodermitis
 
Neurodermitis - Behandlung bei Kindern

"Mama es juckt so!" - Kinder mit Neurodermitis brauchen eine konsequente, tägliche Hautpflege. Hier finden Sie dafür Vorschläge. Außerdem viele Tipps, wie Sie Ihrem Kind die Krankheit erleichtern können sowie Informationen zu lindernden Medikamenten.

Wie wird die Haut des Kindes bei Neurodermitis richtig gepflegt?

Neurodermitis: Neurodermitis - Behandlung bei Kindern

Die Basispflege sollte den Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut erhöhen und keine Allergene oder hautreizende Inhaltsstoffe enthalten. Ganz wichtig ist, dass das Eincremen dem Kind angenehm ist. Denn Kinder mit Neurodermitis sollten sich zweimal täglich eincremen und das klappt leichter, wenn der kleine Patient die Konsistenz und den Geruch der Creme gern mag.

  • Die richtige Creme finden. Die meisten Kinder mögen Cremes in Form von Öl-in-Wasser oder Wasser-in-Öl-Emulsion. Am besten lassen Sie sich von einem Kinderdermatologen beraten.
  • Spielerisch eincremen. Sie können beim Eincremen kleine Figuren, Zeichen oder Buchstaben auf die Haut malen, die Ihr Kind dann errät. Auch einfache Rollenspiele können helfen, zum Beispiel wenn Ihr Kind zuerst seine Puppe und dann sich selbst eincremt.
  • Mit Harnstoff vorsichtig sein. Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von fünf Jahren vertragen Produkte mit Harnstoff meist nicht. Der Stoff bindet zwar Feuchtigkeit, lindert den Juckreiz und tötet Bakterien ab. Bei den kleinen Patienten brennt er jedoch oft auf der Haut.
  • Flexibel sein. Je nach Zustand der Haut braucht Ihr Kind wahrscheinlich verschiedene Cremes. Bei einem akuten Schub werden oft weniger fettende Öl-in-Wasser-Emulsionen verwendet. Ist die Haut chronisch entzündet und sehr trocken, muss der Fettanteil meist höher sein. Tagsüber sind weniger fettende Cremes meist angenehmer, weil sie sich besser verteilen lassen und gut in die Haut einziehen.
  • Die Jahreszeit berücksichtigen. Wenn im Herbst und im Winter die Luft draußen kalt und in den Zimmern trocken ist, braucht die Haut stärker fettende Substanzen als im Frühling und Sommer.


Was sollte beim Baden von Neurodermitis-Kindern beachtet werden?

Wasser strapaziert zwar die Haut, aber auch Kinder mit Neurodermitis können unter bestimmten Voraussetzungen zwei bis dreimal pro Woche baden, wenn sie es gern mögen und unbedingt wollen:

  • Seifen und Shampoos meiden. Hautschonendender als Seife sind medizinische Ölbäder. Denn Wasser und Waschsubstanzen lösen natürliche Fette aus der Haut, welche die Aufgabe eines Schutzschildes wahrnehmen. Bei Neurodermitikern ist dieser Schutzschild angegriffen und durchlässig, weil ihre Haut Feuchtigkeit und Fette schlecht bindet. Die Folge: die Haut wird trocken und reizbar, entzündet sich, wird rissig und juckt. Allergene, Bakterien und Pilze können sich so leichter ansiedeln. Damit die Haut nicht zusätzlich austrocknet, sollte das Wasser immer mit einem medizinischen Badeöl angereichert und das Kind nach dem Bad eingecremt werden.
  • Ölbäder benutzen. Am besten geeignet ist ein spreitendes Ölbad, weil es einen geschlossenen Fettfilm auf der Haut hinterlässt. Eine weniger wirksame, aber auch gute, Alternative ist das Emulsionsölbad. Nach dem Bad ist es ideal, wenn Ihr Kind sich innerhalb von drei Minuten nach dem Abtrocknen eincremt, denn dann nimmt die Haut die Pflegecreme besonders gut auf.
  • Katzenwäsche machen. Ist die Haut bereits sehr trocken, können einige Wochen Katzenwäsche mit dem Waschlappen oder gelegentliches kurzes Abduschen ihre Regeneration unterstützen. Nach dem Waschen tupfen Sie die Haut am besten trocken - besonders in den Hautfalten und Gelenkbeugen. Zum Waschen eignen sich unparfümierte, alkalifreie Seifen.


  • Zurück zur Artikel-Übersicht.

Was kann man gegen das Kratzen eines Kindes mit Neurodermitis tun?

Dass ein Kind mit Neurodermitis sich niemals kratzt, ist unrealistisch. Aber Eltern können ihrem Kind dennoch verschiedene Wege anbieten, um den Juckteufel zu bändigen.

  • Nicht gleich eingreifen. Wenn Sie das Kratzen nur drei Sekunden aushalten und nichts dazu sagen, verringern Sie schon das Risiko, dass Ihr Kind sich das Kratzen nur angewöhnt, um Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es ist schwer mit anzusehen, wenn ein Kind sich unermüdlich die Haut aufkratzt. Schnell sagen Eltern ermahnende Sätze wie "Hör doch endlich auf damit" oder "Wieso kannst du das nicht endlich lassen." Das Problem an solchen Bemerkungen ist, dass das Kind Aufmerksamkeit für sein unerwünschtes Verhalten, aber keine Handlungsalternativen bekommt.
  • Das Nicht-Kratzen belohnen. Sie können Ihrem Kind immer, wenn es seine juckende Haut nicht kratzt oder eine entlastende Alternative ausprobiert, eine Belohnung in Form eines "Token" geben. Das kann zum Beispiel ein Strich auf einer Liste sein oder ein kleiner Aufkleber.
  • Kälte einsetzen. Sie können im Kühlschrank ein kleines Kühlkissen lagern. Wenn Ihr Kind es auf die juckende Stelle legt, lenkt das nicht nur vom Kratzbedürfnis ab, die Kühle beruhigt auch den Juckreiz. Auch ein nasser Waschlappen oder ein feuchter Verband kühlen und beruhigen gereizte, juckende Haut. Bewährt haben sich auch Umschläge mit schwarzem Tee sowie fettfeuchte Umschläge (Fettcreme dick auftragen, eventuell mit Kortisonzusatz, darüber einen feuchten Verband wickeln). Das Fett entspannt die Haut, das Wasser verdunstet und kühlt sie dadurch.
  • Das Kratzen umlenken. Zupfen und Streicheln, Reiben und Kneifen der Haut um die juckenden Stellen herum können helfen, nicht zu kratzen. Manchen Kindern hilft auch ein "Kratzklötzchen." Das Kind kratzt bei einem Juckanfall an diesem mit Waschleder bezogenen Holzstück herum, bis die akute Attacke vorbei ist und es sich entspannt hat.
  • Ablenkung anbieten. Wenn z.B. der rechte Arm juckt, kann das Kind den linken Arm unter kühles Wasser halten. Das kann den Juckreiz im rechten Arm tatsächlich stoppen, weil der Temperaturunterschied die Impulse zwischen "Jucknerven" und Hirn unterbricht. Wichtig: Danach sollte Ihr Kind seine Haut eincremen, damit das Wasser die Haut nicht austrocknet. Bewegung fördern. Wer sich bewegt, hat nicht so sehr das Gefühl, vor Juckreiz gleich aus der Haut fahren zu müssen.
  • Juckgespenster gestalten. Manche Kleinkinder malen gern "Juckgespenster" auf. Anschließend können sie diese ausschneiden und "verjagen", indem sie sie zum Beispiel vor die Haustür legen.
  • Entspannungsverfahren lernen. Stress kann Neurodermitis verschlechtern. Deshalb hilft der Haut alles, was dem Kind Ruhe und Sicherheit vermittelt. Etwa ab drei Jahren können Kinder z.B. autogenes Training lernen, ab vier Jahren Yoga. Hilfreich sind auch ein geregelter Tagesablauf und abendliche Rituale.
  • Zauberspruch ausprobieren. Wenn Kleinkinder sich nicht kratzen dürfen, brüllen sie meistens. Ein beruhigender Zauberspruch dringt da nicht unbedingt zu ihnen durch. Einen Versuch ist es aber trotzdem wert, einer Juck-Attacke mit einer Zauberformel zu begegnen: "Ich bin ganz ruhig. Mein Arm ist schwer. Meine Haut, sie juckt nicht mehr! Ich bin ganz ruhig, ich bin ganz froh wie Kater Fips im Haferstroh. Der Fips, der hat ganz müde Tatzen, ist viel zu müde, sich zu kratzen. Die Äuglein fallen zu ganz schwer. Sie sehen selbst kein Mäuschen mehr." Aus dem Buch "Ich weiß was Tolles, wenns mich juckt." Für 11,70 Euro in der Apotheke bestellbar unter der Nummer PZN 14 13 187.
  • Nachts Schutzkleidung anziehen. Um nächtliche Juck-Krisen zu mildern, können Sie Ihrem Kind für die Nacht dünne Baumwollfäustlinge anziehen. Es gibt auch spezielle Schlafanzüge (z. B. "Curaderm", "Lotties") mit Fäustlingen und Füßlingen. Das Kind behält darin seine Bewegungsfreiheit, seine Finger- und Fußnägel sind jedoch gut geschützt. So kann das Kind sich scheuern und damit den Juckreiz mildern, kann sich aber nicht blutig kratzen. Ein spezieller Neurodermitis-Anzug (z.B. "Delimed") aus Mikrofaser-Gewebe verhindert zudem, dass sich die Körperwärme staut. Die glatte Oberfläche ist luft- und wasserdampfdurchlässig. Bezug durch Apotheken, Sanitätshäuser oder bei der Delius GmbH, Weierhofstraße 20, 47803 Krefeld. Auch silberüberzogene Spezialtextilien ("Tex-A-Med", "Padycare") sind empfehlenswert. Bei ärztlicher Verordnung beteiligen sich viele Krankenkassen an den Kosten. Die Silberionen töten Keime vermutlich ab, indem sie die Zellmembran der Bakterien zerstören und Proteine deaktivieren. Der genaue Wirkmechanismus ist aber noch nicht entschlüsselt. Silber wird jedoch seit Jahrhunderten als Mittel gegen Bakterien eingesetzt. So legte man früher eine Silbermünze in die Milch, um sie haltbar zu machen. Moderne Kühlschränke sind innen mit einer silberhaltigen Beschichtung versehen, um Bakterien und Schimmelpilze das Gedeihen schwer zu machen.
  • Babys einen Schutzverband für den Tag basteln. Für den Tag sind Schutzanzüge mit Fäustlingen ungeeignet, weil die Kinder damit nicht gut greifen und tasten können. Alternative: Über die Arme einen Schlauchverband ziehen, vorne ein Loch für den Daumen schneiden, so dass die Finger heraus schauen. Dadurch sind immerhin diejenigen Stellen an der Hand geschützt, die besonders häufig von Neurodermitis betroffen sind.
  • Juckreizlinderne Medikamente einsetzen. Antihistaminika haben sich in der Therapie der Neurodermitis bewährt. Weil sie meist müde machen, sollte Ihr Kind sie abends einnehmen. Wichtig: Bei 10 bis 15 Prozent der Kinder wirkt das Medikament allerdings paradox: Sie werden davon hellwach und hyperaktiv. Die neue Generation von Antihistaminika, die nicht mehr müde macht, wirkt leider nur bei wenigen Kindern.
  • Sich selbst Gutes tun. Eltern fühlen sich an der Neurodermitis ihres Kindes oft mitschuldig, was ihre Hilflosigkeit und Sorge verstärken kann. Kinder spüren diese Anspannung. Deshalb sollten Mutter und Vater sich möglichst oft Ruhe-Inseln suchen und sich entlasten lassen.


  • Zurück zur Artikel-Übersicht.

Wie kann man akute Neurodermitis-Schübe lindern?

Bekommt Ihr Kind trotz intensiver Hautpflege und Meidung von Allergenen einen Neurodermitisschub, helfen ihm am besten und schnellsten antientzündliche Medikamente. Grundsätzlich gibt es neben Antihistaminika noch Kortisonpräparate, die Kortisonalternative Tacrolimus und Pimecrolimus sowie Gerbstoffe. Gut tun auch feuchte Umschläge mit physiologischer Kochsalzlösung. Bei stark entzündeter Haut kommt man um den Einsatz einer kortisonhaltigen Creme meist nicht herum.

Wichtig: Leider bieten die nässenden oder durch Kratzen lädierten Hautstellen eine ideale Angriffsfläche für Bakterien, Viren oder Pilze. Schon wenn das Kind sein Schnupfensekret auf der wunden Haut verteilt, können sich so eitrige Pusteln ausbreiten. Bei einer solchen "Superinfektion" reicht eine Behandlung der Haut von außen meist nicht aus: Das Kind benötigt je nach Erreger Antibiotika oder Medikamente gegen Viren oder Pilze.

Wie hilft Kortison Ihrem Kind?

Bislang ist Kortison das am besten erforschte Medikament gegen Juckreiz und Entzündungen. Es gilt als Standardmedikament bei Neurodermitis. Früher gab es berechtigte Gründe für die Angst vor Kortison: Die damals verfügbaren Präparate hatten zum Teil massive Nebenwirkungen (z. B. papierdünne Haut, Dehnungsstreifen), besonders bei längerer Anwendung.

Heute gibt es sehr gut verträgliche Kortisonpräparate, die kaum Nebenwirkungen haben. Sie werden nach Wirkstärke und Nebenwirkungen in vier Klassen eingeteilt. Weil die Haut von Babys und kleinen Kindern noch sehr durchlässig ist, sollten in diesem Alter nur Präparate der Klasse I und II verwendet werden. Die Behandlung beginnt mit einem stärkeren Präparat. Nach drei bis fünf Tagen wird die Dosis reduziert und so bald wie möglich auf kortisonfreie Salben gewechselt. Das Behandlungsschema richtet sich nach dem Zustand der Haut.

Zurück zur Artikel-Übersicht.

Gibt es eine Alternative zu Kortison?

Seit einigen Jahren bieten Cremes und Salben mit den Wirkstoffen Tacrolimus oder Picrolimus eine Alternative zum Kortison. Sie dämpfen ebenso die Immunreaktion der Haut und lindern so die Entzündung auf ähnliche Weise wie das Kortison. Calcineurin-Inhibitoren sind so wirksam wie schwache bis mittelstarke Kortikosteroide und eignen sich nicht für eine Dauertherapie.

  • Pimecrolimus wird aus dem Pilz Ascomycin gewonnen und wird optimalerweise schon bei den ersten Anzeichen eines Schubes auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. In den ersten drei bis vier Tagen kann dabei ein leichtes Brennen oder Wärmegefühl auftreten, das normalerweise nach einer halben Stunde verschwindet.


  • Tacrolimus wird wegen seiner hemmenden Wirkung auf das Immunsystem in der Transplantationsmedizin genutzt. Damit ein Organ nicht abgestoßen wird, sind allerdings hohe Dosen in Tablettenform notwendig.
    Weil bei der Neurodermitis der Wirkstoff seine Kraft direkt auf der Haut entwickelt, braucht es bei der Therapie dieser Krankheit eine geringere Dosis. Auch bei diesem Wirkstoff spüren die kleinen Patienten anfänglich ein Brennen bzw. ein Wärmegefühl auf der Haut. Nach vier bis fünf Tagen gibt sich das aber.

Erhöhen Calcineurinhemmer das Krebsrisiko?

Die Neurodermitis-Therapie mit den Wirkstoffen Tacrolimus und Pimecrolimus stehen seit einigen Jahren im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. (Die Präparate heißen Elidel, Protopic und Douglan). Basis dieser Befürchtung war eine Stellungnahme der amerikanischen Arzneimittel-Zulassungsbehörde (FDA) aus dem Jahr 2005.

Im Moment wird das Nutzen-Schaden-Verhältnis der Medikamente geprüft. Bis zum Abschluss dieses Verfahrens empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die vorgegebenen Anwendungsbeschränkungen streng zu beachten und dabei folgendes zu berücksichtigen:

  • Protopic 0,1% ist nur für Erwachsene zugelassen; Protopic 0,03%, Elidel und Douglan auch für Kinder ab 2 Jahren.

  • Protopic soll nur nach Versagen anderer Therapieverfahren (inkl. Therapie mit äußerlich anzuwendenden Kortisonsalben) eingesetzt werden.

  • Die Arzneimittel sollen nicht zur Langzeitbehandlung angewendet werden. Hat sich das Hautbild gebessert, sollte die Therapie abgesetzt werden.

  • Eine gleichzeitige UV-Bestrahlung (Sonne, Solarien) und eine Anwendung unter abschließenden Verbänden sollen vermieden werden.

Weitere antientzündliche Therapien

Gerbstoffe. Synthetisch hergestellte oder z.B. aus der Hamamelis virginiana gewonnene Gerbstoffe lindern Entzündungen und mildern den Juckreiz. Bei schwerer Neurodermitis hat sich ihre Wirksamkeit in Studien jedoch als recht gering herausgestellt. Weil Gerbstoffe aber gut verträglich sind, können sie bei leichter Neurodermitis oder begleitend in Form von feuchten Umschlägen dennoch helfen, vor allem wenn ein akutes Ekzem nässt.

Bufexamac. Dieser Wirkstoff kann Entzündungen lindern, wirkt aber schwächer als Gerbstoffe und das mildeste Hydrokortisonpräparat. Dermatologen schätzen diesen Wirkstoff zudem kritisch ein: Bufexamac kann heftige Kontaktallergien hervorrufen. Weil der Wirkstoff zwei bis drei Wochen in der Haut verweilt, kann er noch lange Zeit nach Absetzen der Therapie Beschwerden machen.

Pflanzliche Präparate. Hamamelis virginiana, Kamille, Dulcamarae stipites, Nachtkerzensamenöl und Echinacea wirken leider nur in sehr geringem Maße antientzündlich und juckreizlindernd. Einen Versuch kann die Behandlung dennoch Wert sein.

Zurück zur Artikel-Übersicht.

Welche Auslöser für Neurodermitis gibt es?

Die Haut von Kindern mit Neurodermitis reagiert sehr unterschiedlich auf äußere und innere Einflüsse. Manche Kinder bekommen bei schwülwarmem Sommerwetter einen Schub, andere in der trockenen Winterluft.
Manchmal können auch Erkältungen oder andere Infektionen das Hautbild verschlechtern. Sogar Zahnen kann die Haut irritieren. Allerdings nicht nachhaltig: Ist der Zahn da oder die Krankheit überwunden, beruhigt sich die Haut. Oft kommen auch Nahrungsmittel und ihre Zusatzstoffe als Auslöser eines Ekzems in Frage, ebenso wie Tierhaare, Hausstaubmilben, Blütenpollen oder bestimmte Chemikalien, zum Beispiel in Arzneimitteln.
Auch psychische Herausforderungen etwa Dauerstreit der Eltern, Leistungsdruck oder die positive Anspannung vor dem Geburtstag können das Hautbild verschlechtern.

Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel

Neurodermitis kann mit unterschiedlichen Allergien einhergehen. So können Tierhaare, Hausstaubmilben, Blütenpollen, sowie Chemikalien, Naturstoffe oder Pflanzenextrakte in Cremes oder Arzneimitteln den Zustand der Haut verschlimmern oder einen Schub auslösen. Das entsprechende Allergen sollten Kinder mit Neurodermitis möglichst meiden. Um aber zu wissen, welche Reizstoffe überhaupt gemieden werden sollten, muss der Arzt sie zunächst durch einen Hauttest und einen Bluttest identifizieren. Säuglinge und Kleinkinder reagieren am häufigsten allergisch auf Hühnerei, Kuhmilch, Weizen, Soja, Haselnüsse und Fisch.

Im späteren Kindesalter und bei Erwachsenen spielen bei der Neurodermitis oft Kreuzallergien eine Rolle. Das heißt, die Betroffenen reagieren dann sowohl auf bestimmte Pollen, wie auch auf die bestimmte Nahrungsmittel allergisch. Wer zum Beispiel gegen Birke, Hasel und Erle allergisch ist, dessen Immunsystem bekämpft oft auch Inhaltsstoffe von Steinobst, Kernobst, verschiedenen Nüsse, Tomaten und Sellerie und manchen Gewürzen wie Koriander und Fenchel als Feinde.

Allergene aus Nahrungsmitteln spielen bei etwa 20 Prozent der Kinder mit Neurodermitis eine Rolle. Zudem gibt es einige Nahrungsmittel, die häufiger nicht gut vertragen werden, auch wenn sie nicht gleich eine Allergie auslösen. Dazu gehören vor allem Zitrusfrüchte und Obst mit hohem Säure- und Vitamin-C-Gehalt, etwa Tomaten, Rhabarber, Spinat, Sauerampfer, Obstsäfte und Ketchup. Auch Nüsse, Mandeln, Marzipan, Nougat, Schoko-Nusscreme, Schokolade und Kakaogetränke können den Juckreiz verstärken.

Zutatenlisten von Nahrungsmitteln misstrauen

Je früher ein Kind eine Nahrungsmittelallergie bekommt, umso wahrscheinlicher verliert es sie auch wieder. So vertragen 85 Prozent aller Säuglinge mit nachgewiesener Kuhmilchallergie im dritten Lebensjahr Kuhmilch wieder.

Die Allergie gegen Fisch oder Nüsse verliert sich dagegen nicht so häufig. Milcheiweiß zu meiden, ist gar nicht so einfach. Denn nicht allen Nahrungsmitteln ist durch die Zutatenliste anzusehen, dass sie Milcheiweiß enthalten. Schokolade darf zum Beispiel Kuhmilch undeklariert enthalten, wenn weniger als fünf Prozent enthalten sind. Auch zusammengesetzte Fertigprodukte müssen nicht vollständig deklariert sein, wenn die zusammengesetzte Zutat weniger als 15 Prozent des Endproduktes beträgt. Dadurch wird in der Zutatenliste eines Eintopfes eventuell nicht erwähnt, dass die darin verarbeiteten Würstchen Milcheiweiß enthalten.

Tipp: Umfassende Informationen zur Diagnose und Therapie der Neurodermitis sowie eine detaillierte Liste mit Alternativen zur kuhmilchfreien Ernährung findet sich in dem Buch "Was hilft meinem Kind bei Neurodermitis?", verfasst von den Kinderdermatologen Dietrich Abeck und Regina Fölster-Holst. Thieme Verlag, Stuttgart 2003, 9,95 Euro.

Zurück zur Artikel-Übersicht.