Neurodermitis
 
Neurodermitis - Behandlung bei Kindern

Was kann man gegen das Kratzen eines Kindes mit Neurodermitis tun?

Dass ein Kind mit Neurodermitis sich niemals kratzt, ist unrealistisch. Aber Eltern können ihrem Kind dennoch verschiedene Wege anbieten, um den Juckteufel zu bändigen.

  • Nicht gleich eingreifen. Wenn Sie das Kratzen nur drei Sekunden aushalten und nichts dazu sagen, verringern Sie schon das Risiko, dass Ihr Kind sich das Kratzen nur angewöhnt, um Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es ist schwer mit anzusehen, wenn ein Kind sich unermüdlich die Haut aufkratzt. Schnell sagen Eltern ermahnende Sätze wie "Hör doch endlich auf damit" oder "Wieso kannst du das nicht endlich lassen." Das Problem an solchen Bemerkungen ist, dass das Kind Aufmerksamkeit für sein unerwünschtes Verhalten, aber keine Handlungsalternativen bekommt.
  • Das Nicht-Kratzen belohnen. Sie können Ihrem Kind immer, wenn es seine juckende Haut nicht kratzt oder eine entlastende Alternative ausprobiert, eine Belohnung in Form eines "Token" geben. Das kann zum Beispiel ein Strich auf einer Liste sein oder ein kleiner Aufkleber.
  • Kälte einsetzen. Sie können im Kühlschrank ein kleines Kühlkissen lagern. Wenn Ihr Kind es auf die juckende Stelle legt, lenkt das nicht nur vom Kratzbedürfnis ab, die Kühle beruhigt auch den Juckreiz. Auch ein nasser Waschlappen oder ein feuchter Verband kühlen und beruhigen gereizte, juckende Haut. Bewährt haben sich auch Umschläge mit schwarzem Tee sowie fettfeuchte Umschläge (Fettcreme dick auftragen, eventuell mit Kortisonzusatz, darüber einen feuchten Verband wickeln). Das Fett entspannt die Haut, das Wasser verdunstet und kühlt sie dadurch.
  • Das Kratzen umlenken. Zupfen und Streicheln, Reiben und Kneifen der Haut um die juckenden Stellen herum können helfen, nicht zu kratzen. Manchen Kindern hilft auch ein "Kratzklötzchen." Das Kind kratzt bei einem Juckanfall an diesem mit Waschleder bezogenen Holzstück herum, bis die akute Attacke vorbei ist und es sich entspannt hat.
  • Ablenkung anbieten. Wenn z.B. der rechte Arm juckt, kann das Kind den linken Arm unter kühles Wasser halten. Das kann den Juckreiz im rechten Arm tatsächlich stoppen, weil der Temperaturunterschied die Impulse zwischen "Jucknerven" und Hirn unterbricht. Wichtig: Danach sollte Ihr Kind seine Haut eincremen, damit das Wasser die Haut nicht austrocknet. Bewegung fördern. Wer sich bewegt, hat nicht so sehr das Gefühl, vor Juckreiz gleich aus der Haut fahren zu müssen.
  • Juckgespenster gestalten. Manche Kleinkinder malen gern "Juckgespenster" auf. Anschließend können sie diese ausschneiden und "verjagen", indem sie sie zum Beispiel vor die Haustür legen.
  • Entspannungsverfahren lernen. Stress kann Neurodermitis verschlechtern. Deshalb hilft der Haut alles, was dem Kind Ruhe und Sicherheit vermittelt. Etwa ab drei Jahren können Kinder z.B. autogenes Training lernen, ab vier Jahren Yoga. Hilfreich sind auch ein geregelter Tagesablauf und abendliche Rituale.
  • Zauberspruch ausprobieren. Wenn Kleinkinder sich nicht kratzen dürfen, brüllen sie meistens. Ein beruhigender Zauberspruch dringt da nicht unbedingt zu ihnen durch. Einen Versuch ist es aber trotzdem wert, einer Juck-Attacke mit einer Zauberformel zu begegnen: "Ich bin ganz ruhig. Mein Arm ist schwer. Meine Haut, sie juckt nicht mehr! Ich bin ganz ruhig, ich bin ganz froh wie Kater Fips im Haferstroh. Der Fips, der hat ganz müde Tatzen, ist viel zu müde, sich zu kratzen. Die Äuglein fallen zu ganz schwer. Sie sehen selbst kein Mäuschen mehr." Aus dem Buch "Ich weiß was Tolles, wenns mich juckt." Für 11,70 Euro in der Apotheke bestellbar unter der Nummer PZN 14 13 187.
  • Nachts Schutzkleidung anziehen. Um nächtliche Juck-Krisen zu mildern, können Sie Ihrem Kind für die Nacht dünne Baumwollfäustlinge anziehen. Es gibt auch spezielle Schlafanzüge (z. B. "Curaderm", "Lotties") mit Fäustlingen und Füßlingen. Das Kind behält darin seine Bewegungsfreiheit, seine Finger- und Fußnägel sind jedoch gut geschützt. So kann das Kind sich scheuern und damit den Juckreiz mildern, kann sich aber nicht blutig kratzen. Ein spezieller Neurodermitis-Anzug (z.B. "Delimed") aus Mikrofaser-Gewebe verhindert zudem, dass sich die Körperwärme staut. Die glatte Oberfläche ist luft- und wasserdampfdurchlässig. Bezug durch Apotheken, Sanitätshäuser oder bei der Delius GmbH, Weierhofstraße 20, 47803 Krefeld. Auch silberüberzogene Spezialtextilien ("Tex-A-Med", "Padycare") sind empfehlenswert. Bei ärztlicher Verordnung beteiligen sich viele Krankenkassen an den Kosten. Die Silberionen töten Keime vermutlich ab, indem sie die Zellmembran der Bakterien zerstören und Proteine deaktivieren. Der genaue Wirkmechanismus ist aber noch nicht entschlüsselt. Silber wird jedoch seit Jahrhunderten als Mittel gegen Bakterien eingesetzt. So legte man früher eine Silbermünze in die Milch, um sie haltbar zu machen. Moderne Kühlschränke sind innen mit einer silberhaltigen Beschichtung versehen, um Bakterien und Schimmelpilze das Gedeihen schwer zu machen.
  • Babys einen Schutzverband für den Tag basteln. Für den Tag sind Schutzanzüge mit Fäustlingen ungeeignet, weil die Kinder damit nicht gut greifen und tasten können. Alternative: Über die Arme einen Schlauchverband ziehen, vorne ein Loch für den Daumen schneiden, so dass die Finger heraus schauen. Dadurch sind immerhin diejenigen Stellen an der Hand geschützt, die besonders häufig von Neurodermitis betroffen sind.
  • Juckreizlinderne Medikamente einsetzen. Antihistaminika haben sich in der Therapie der Neurodermitis bewährt. Weil sie meist müde machen, sollte Ihr Kind sie abends einnehmen. Wichtig: Bei 10 bis 15 Prozent der Kinder wirkt das Medikament allerdings paradox: Sie werden davon hellwach und hyperaktiv. Die neue Generation von Antihistaminika, die nicht mehr müde macht, wirkt leider nur bei wenigen Kindern.
  • Sich selbst Gutes tun. Eltern fühlen sich an der Neurodermitis ihres Kindes oft mitschuldig, was ihre Hilflosigkeit und Sorge verstärken kann. Kinder spüren diese Anspannung. Deshalb sollten Mutter und Vater sich möglichst oft Ruhe-Inseln suchen und sich entlasten lassen.


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