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U4 Untersuchung: Wann ist sie & was wird gemacht?

Wie bewegt sich dein Kind? Wie reagiert es auf seine Umwelt? Was weißt du über Unfallverhütung? Was dich bei der U4 Untersuchung beim Kinderarzt erwartet und was genau er bei deinem Kind untersucht, erfährst du hier.

Baby streckt Zunge raus
iStock, nicolesy
Auf einen Blick
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  • Die U4 ist die vierte von zehn kostenlosen Früherkennungs-Untersuchungen und findet im 3. bis 4. Lebensmonat statt.
  • Bei jeder U-Untersuchung geht es um die Frage, ob sich dein Kind altersgemäß entwickelt. Während der U4 werden besonders Beweglichkeit, Reflexe, Motorik und die Fontanellen untersucht.
  • Außerdem informiert der Kinderarzt umfassend über die jetzt empfohlenen Schutzimpfungen.
  • Am dem 5. Lebensmonat kann dein Baby mit der Beikost beginnen. Deshalb wird die Kinderärztin dich schon jetzt darüber infomieren, wie ihr am besten damit startet.
  • Wichtige Unterlagen für jeden Termin: das gelbe Kinderuntersuchungsheft, die Krankenversicherungskarte und der Impfausweis.
  • Jede der Untersuchungen soll in einer bestimmten Altersspanne stattfinden. Wird sie davor oder danach durchgeführt, müssen die Eltern die Kosten selbst tragen.

Wann ist die U4 Untersuchung?

Zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat deines Babys steht die U4 Untersuchung an.

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U4 Untersuchung: Was wird untersucht?

Dein kleiner Schatz ist schon ganz schön groß geworden und viel aktiver. Darauf liegt bei der U4 Untersuchung auch der Fokus: auf Beweglichkeit, Reflexen und Motorik. Der Kinderarzt schaut, ob die körperlichen und geistigen Fähigkeiten deines Kindes altersgerecht entwickelt sind, wie sich dein Baby bewegt und ob es gut hören und sehen kann. Dreht dein Kind beispielsweise den Kopf, um die Quelle eines Geräusches zu sehen? Kann es die Arme und Beine kräftig strecken und den Kopf in Sitzhaltung mindestens 30 Sekunden halten? Bringt es die Hände spontan zur Körpermitte, also vor dem Körper zusammen? Der Kinderarzt schaut während der U4 auch, ob dein Schatz sich auf die Unterarme abstützt und den Kopf zwischen 40 und 90 Grad hebt. Außerdem überprüft er, ob dein Kind ein Gesicht fixiert und ihm folgt. Reagiert dein Kind auf Zuwendung und Blickkontakt von dir mit Lächeln, spontanem Körperkontakt und einer positiven Grundstimmung? Wichtig ist, dass es generell mit Blick, Mimik, Gesten und Lauten mit dir Kontakt sucht.
Neben einer gründlichen körperlichen Untersuchung (die bei allen U-Untersuchungen stattfindet) überprüft der Kinderarzt auch die Fontanellen (Knochenlücken) am Köpfchen deines Babys. Sie ermöglichen einerseits, dass das Köpfchen des Babys unter der Geburt besser durch den engen Geburtskanal passt. Denn die Schädelplatten können sich mithilfe dieser Lücken ein wenig gegen- und manchmal auch übereinander schieben. Nach der Geburt müssen  sie ausreichend groß sein, damit der Schädel problemlos weiterwachsen kann. Insgesamt sechs der rautenförmigen Öffnungen befinden sich an den Köpfen von Babys. Die größte Fontanelle befindet sich oberhalb der Stirn. Sie lässt sich besonders gut ertasten. Dann gibt es noch eine kleine am Hinterkopf, zwei winzige seitlich auf der Höhe der Schläfe und zwei winzige an der Unterseite des Hinterkopfes.

U4 Untersuchung: Worüber werde ich aufgeklärt?

Baby bekommt Brei
iStock, hiphotos35

Was muss ich zur Ernährung von Babys wissen?
In den ersten vier Monaten stillst du dein Baby am besten voll oder fütterst es ausschließlich mit Zusatzmilch. Die Beikost startet frühestens mit dem fünften Monat, spätestens mit dem siebten. Bei der U4 wird euch der Kinderarzt Informationen über den Beikoststart geben. Am besten beginnst du damit, die Mittagsmahlzeit deines Babys mit Beikost zu ersetzen. Setze bei dem Brei ruhig auf eine Vielfalt an Gemüse. Das senkt das Allergierisiko. Mische dem Gemüse stets ein wenig Öl bei. Nach ein paar Wochen kannst du dem Gemüse Kartoffeln beifügen und schließlich auch Fleisch. Nach der Mittagsmahlzeit kannst du die Abendmahlzeit mit einem Milch-Getreide-Brei ersetzen. Danach folgt die Getreide-Obst-Mahlzeit am Nachmittag. Idealerweise isst dein Kind zum Ende seines ersten Lebensjahrs mit euch am Tisch. Wenn ihr noch eine oder zwei Stillmahlzeiten beibehalten wollt, bieten sich dafür der Morgen und der Abend an. Mehr Infos findest Du in unsererm Artikel zum Thema Beikostplan.

Wie fördere ich mein Kind in der Sprachentwicklung?
Von Anfang an geben Babys Laute von sich. Mit rund drei Monaten fangen sie an zu lallen. Damit testen sie den Klang ihrer Stimme und probieren hohe und tiefe sowie laute und leise Töne aus. Viele Eltern antworten ganz spontan, indem sie die Laute nachmachen. Besonders spannend ist es für die Kinder außerdem, wenn Mama und Papa einfach kommentieren, was gerade passiert – zum Beispiel: „Wir ziehen jetzt die Schuhe an“ oder „Max badet jetzt“. Auch rhythmische Lieder kommen sehr gut bei den Kleinen an. Für Babys ist es auch wichtig, immer wieder ihren Namen zu hören. Er dient als eine Art Anker oder Stoppsignal in dem Redefluss der Erwachsenen und hilft den Kleinen, sich zu orientieren. Das Gleiche gilt für häufige Wörter wie „und“, „mit“ oder Artikel. 

Übrigens: Der Fernseher ist kein guter Sprachlehrer – im Gegenteil: Das Gebrabbel aus dem TV empfinden Babys als störendes Hintergrundrauschen. Denn: Die Stimmen aus dem Fernseher reagieren nicht auf die Signale wie echte Menschen. Aber genau diesen Dialog braucht es, um Sprache zu lernen. Und: Es fällt Babys in dem Wirrwarr sehr schwer, die Stimmen der Eltern herauszufiltern. 
Hast du weitere Fragen, steht dir euer Kindarzt bei der Förderung der Sprachentwicklung beratend zur Seite. Sprich ihn während der U4 einfach dazu an.

Was muss ich über Unfallverhütung wissen?
Jetzt, wo dein Schatz mobiler wird, ist Unfallverhütung ein großes Thema. Das können potenzielle Gefahren sein:

  • Spätestens ab dem dritten Monat solltest du damit rechnen, dass dein Kind sich ganz plötzlich umdreht oder spontan zur Seite rollt, selbst wenn es das davor noch nie getan hat. Deshalb: Halte immer eine Hand am Kind, wenn es erhöht liegt – zum Beispiel auf dem Wickeltisch oder dem Sofa. 
  • Ab dem vierten Monat beginnt es, gezielt nach Dingen zu greifen und steckt sie ganz schnell in den Mund, um sie zu erforschen. Achte darauf, dass nichts in Reichweite deines Babys ist, was es nicht auch in den Mund stecken darf.
  • Auch auf heiße Getränke solltest du verzichten, wenn du deinen Schatz zum Beispiel auf dem Schoß hast. Er könnte plötzlich nach der Tasse greifen und sich am Kaffee oder Tee verbrühen. Was viele Menschen nicht wissen: Babyhaut ist so zart, dass sie auch schon bei niedrigeren Wassertemperaturen verbrüht als die Haut von Erwachsenen.
  • Mit der zunehmenden Beweglichkeit deines Schatzes solltest du jetzt besonders auf Erstickungsgefahren achten: Keine Decken, Kissen und Co. in der Nähe des Kindes, in dem es sich verheddern könnte oder die es über sein Gesicht legen könnte. Auch Kleinteile wie Erdnüsse, Knopfbatterien, Münzen, Bonbons o.ä. bedeuten eine potenzielle Erstickungsgefahr. 
  • Stelle keine Pflegemittel in Greifweite von Babys. Beim Einatmen des Puders aus Puderdosen zum Beispiel besteht Erstickungsgefahr. 
  • Halte deinen Schatz in der Badewanne immer fest und prüfe stets die Temperatur, die etwa der Körpertemperatur entsprechen sollte.
  • Verzichte auf Spielketten über dem Bettchen genauso wie auf Kettchen um den Hals. Die Schnullerkette sollte immer nur an der Kleidung befestigt werden und maximal 10 Zentimeter lang sein.

Impfungen: Was ist wichtig zu wissen?

Während der U4 Untersuchung bespricht die Kinderärztin mit dir das wichtige Thema Impfungen und checkt den Impfstatus von deinem Kind entsprechend der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Spätestens jetzt steht auch die erste Schutzimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Haemophilus Influenzae (Hib), Hepatitis B, Kinderlähmung und Keuchhusten (Kombinationsimpfstoff) sowie gegen Pneumokokken an. Wurde dein Kind während oder nach der U3 Untersuchung noch nicht gegen Rotaviren geimpft, bietet dir die Ärztin zusätzlich einen Impftermin an.
 
Übrigens: Die Kosten für empfohlene Impfungen übernimmt die Krankenkasse. Empfohlen werden Impfungen von der Ständigen Impfkommission (abgekürzt STIKO), einem unabhängigen Expertengremium. 
Hast du Fragen dazu? In unserem Artikel zum Thema Impfungen für Kinder findest du viele Antworten. 

Stillen auf dem Bett im Sonnenlicht
iStock, miodrag ignjatovic

Wie schon bei der U3 Untersuchung klärt dich eure Kinderärztin auch bei der U4 über Stillen und Ernährung sowie die Wichtigkeit von Vitamin D und Fluorid für deinen Säugling auf. Auch die Vorsorgemaßnahmen gegen den Plötzlichen Kindstod werden noch einmal angesprochen. 

Wer hilft mir bei Problemen mit dem Stillen?
Bei der Vorsorgeuntersuchung Nummer vier fragt dich euer Kinderarzt erneut, ob du Fragen zum Thema Stillen hast und klärt dich dementsprechend auf. Er hilft dir auch, wenn du Stillprobleme hast oder gibt dir Rat, wenn du zufüttern möchtest. Jede Kinderarztpraxis hat eine Kartei mit Stillgruppen und ausgebildeten Stillberaterinnen.
 
Wie gehe ich mit einem Schreibaby um?
Experten schätzen, dass etwa jedes fünfte Kind in Deutschland ein sogenanntes Schreibaby ist. Während der Vorsorgeuntersuchung spricht der Arzt mit dir über dieses Thema und bietet dir Hilfe an, wenn dein Baby auch ein Schreibaby ist. Mütter und Väter von Schreibabys fühlen sich häufig machtlos. Doch dieses überwältigende Gefühl kann im Extremfall in Aggressionen umschlagen – gegen den Partner, aber auch gegen das eigene Kind. Misshandlungen sind nicht selten die Folge: Der Impuls ist zu stark, das kleine schreiende Bündel zu nehmen und zu schütteln. Doch das ist für Säuglinge lebensgefährlich! Gerade in solchen extremen Situationen ist es dann wichtig, sich Hilfe zu suchen. In vielen Städten gibt es mittlerweile Schrei-Ambulanzen, an die sich alle mit einem Schreibaby wenden können. Lass dich dazu von deinem Kinderarzt beraten.
 
Sucht in der Familie: Was muss ich wissen? 
Rund 2,6 Millionen Kinder unter 18 Jahren leben im Haushalt mit alkoholkranken Müttern und / oder Vätern. Das meint der Kölner Suchtforscher Michael Klein von der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen. Bei weiteren rund 40 000Kindernkonsumiert mindestens ein Elternteil illegale Drogen. Für die Entwicklung von Kindern sind suchtabhängige Eltern allerdings eine echte Gefahr. Denn Kinder von abhängigen Eltern weisen ein sechsfach erhöhtes Risiko auf, ebenfalls suchtkrank zu werden. Sie erben den Hang zur Sucht, da sie von ihren Müttern und Vätern lernen, dass die Droge Stress abbaut. Außerdem weisen sie ein extrem hohes Risiko für spätere Suchtstörungen und zahlreiche weitere psychische und soziale Probleme auf – und das bis ins Erwachsenenalter hinein. Während der U4 Untersuchung will die Kinderärztin über diese wichtige Problematik aufklären und gegebenenfalls gemeinsam mit den Eltern Lösungen finden. 

Warum ist Vitamin D so wichtig? 
Kinder haben ab der Geburt bis zum zwölften Lebensmonat einen erhöhten Bedarf an Vitamin D. Es unterstützt einen gesunden Knochenaufbau und schützt vor Rachitis (Knochenverformungen). Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (DGKJ) empfiehlt sowohl gestillten als auch nicht gestillten Kindern täglich eine Vitamin D-Tablette von 10-12,5 µg (400-500 IE) zu geben – bis zum Ende des ersten Jahres. Im zweiten Lebensjahr deines Schatzes kannst du die Prophylaxe in den Wintermonaten fortführen. Die Tablette kannst du beispielsweise auf einem Teelöffel mit Wasser auflösen und deinem Baby in den Mund träufeln. Manche legen die kleinen Tabletten auch innen in die Wange des Babys. Dort lösen sie sich mit dem Speichel auf. 
 
Warum ist Fluorid wichtig? 
Fluorid ist für die spätere Zahnhärtung bei Kindern sehr wichtig. Doch bis dein Kind ausreichend Fluorid über die Nahrung und die Zahnpasta aufnimmt, empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e. V. in den ersten zwölf bis 18 Monaten deinem Kind Fluorid-Tabletten zu verabreichen. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 0,25 mg Fluorid und kann auch in Kombination mit den Vitamin-D-Tabletten gegeben werden. 
 
Wo bekomme ich Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten?
Bei der U4 klärt dich der Arzt erneut über Eltern-Kind-Angebote in deiner Umgebung auf und sagt dir, wo du Unterstützung finden kannst. 

U4 Untersuchung: Zusammenfassung

Das untersucht und überprüft der Kinderarzt während der U4: 

  • Grob- und Feinmotorik
  • Sprache, Kommunikation und Kontaktaufnahme
  • Körperlich und geistig altersgerechte Entwicklung
  • Hör- und Sehvermögen
  • positive Grundstimmung
  • Betreuungssituation
  • besondere Belastungen in der Familie
  • soziale und emotionale Kompetenz 
  • schwerwiegende Erkrankungen oder Operationen seit der U3
  • Farbe des Stuhlgangs
  • Schwierigkeiten beim Trinken
  • Schluckstörungen
  • Farbe des Stuhlgangs
  • auffälliges Schreien
  • Haut
  • Brustkorb
  • Lunge und Atemwege
  • Herz und Kreislauf
  • Abdomen
  • Genitalien inklusive Analregion
  • Reflexe und Beweglichkeit des Babys
  • Kopf inklusive Mundhöhle, Kiefer, Nase und Augen

Außerdem berät die Ärztin die Eltern während der U4 zu folgenden Themen:

  • Ernährung 
  • Sprachentwicklung 
  • Unfallverhütung
  • Impfen
  • Umgang mit einem Schreibaby
  • Sucht in der Familie
  • Rachitis-Prophylaxe
  • Kariesprophylaxe 
  • Stillen und zur Ernährung
  • Plötzlichen Kindstod
  • regionale Unterstützungsangeboten

 
U-Untersuchungen im Überblick:
U1: Gleich nach der Entbindung
U2: 3.-10. Lebenstag
U3: 4.- 5. Lebenswoche
U4: 3.- 4. Monat
U5: 6.- 7. Monat
U6: 1 Jahr (10.-12. Monat)
U7: 2 Jahre (21.-24 Monate)
U7a: 3 Jahre (34.-36. Monat)
U8:  4 Jahre (46.-48. Monat)
U9: 5 Jahre (60-64. Monat)

Wichtig zu wissen: Die Vorsorgeuntersuchungen sind in Deutschland nicht verpflichtend, aber dringend empfohlen. Sie sind eine Pflichtleistung der Krankenkassen. Das heißt, du brauchst für die Untersuchungen nichts zu zahlen. Ausnahme: Bringst du dein Kind zu spät, also nach dem empfohlenen Zeitraum, zur Untersuchung, gilt es als eine individuelle Gesundheitsleistung und du musst sie doch selber zahlen. Also vereinbare am besten schon frühzeitig Termine für die anstehenden Vorsorgeuntersuchungen.