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U7 Untersuchung: Was erwartet mich & mein Kind?

Hören, Sprechen, Verstehen, Spielen – das steht bei der U7 Untersuchung im Vordergrund. Worauf der Kinderarzt sonst noch achtet, erfährst du hier.

U Untersuchung: Kleinkind beim Arzt
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Wann ist die U7 Untersuchung?

Kurz vor dem zweiten Geburtstag deines Kindes, also zwischen dem 21. und 24. Lebensmonat, steht die U7 Untersuchung beim Kinderarzt an.

Was passiert bei der U7 Untersuchung?

Fast zwei Jahre ist dein Schatz nun schon auf der Welt und stapft mittlerweile fröhlich durch die Weltgeschichte. Treppenlaufen geht im Kinderschritt meist problemlos und vor allem „Nein“ gehört bei vielen Kleinkindern zu den Lieblingswörtern. Kein Wunder! Kinder in diesem Alter probieren gerne aus, was sie mit ihrem Verhalten bewirken können und haben auch sehr genaue eigene Vorstellungen. 
 
Vielleicht kannst du dein Kleinkind für eine Viertelstunde alleine im Zimmer spielen lassen, solange du in der Nähe bleibst. Auch Füttern mit dem Löffel ist keine Pflicht mehr, denn dein Schatz befördert sein Essen selbst in den Mund, wenn auch manchmal sicher noch ordentlich etwas danebengeht. Dafür klappt Bonbons auswickeln meistens ruckzuck. Und fragst du deinen süßen Fratz, wo sein Mund ist, weißt er das meistens auch schon. 
 
Diese Entwicklungsschritte stehen bei der U7 im Vordergrund: Dein Kinderarzt prüft, ob dein Kind einfache Wörter und Sätze versteht und fragt dich, wie es sich in einer Gruppe von anderen Kindern, in der Familie und beim Spielen verhält. Außerdem interessieren ihn der Kontakt und die Kommunikation zwischen dir und deinem Kind und die altersgemäße kindliche Entwicklung. Zudem schaut der Arzt auch, ob dein (Fast-) Zweijähriges körperlich fit ist.
Hast du auch nur den leisesten Zweifel an der altersgerechten Entfaltung deines Kindes, sprich mit deinem Arzt. Du bist schließlich der Experte für dein Kind und weißt am besten Bescheid.

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U7 Untersuchung: Worüber werde ich aufgeklärt?

Wie fördere ich mein Kind in der Sprachentwicklung?
Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo sprechen, das wird dir auch dein Kinderarzt bestätigen. Es ist völlig normal, wenn dein Kind zum Beispiel noch nicht so viele Wörter kennt und sein Redefluss häufiger stoppt als der seiner besten Freundin – umkehrt natürlich genauso. Auch Stottern, das Wiederholen von Lauten, Silben und Wörtern sowie Zögern und Innehalten beim Sprechen ist bei Kindern total normal. 80 Prozent der Kleinen zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr sind von Zeit zu Zeit davon betroffen. Hält das Stottern länger als drei Monate an und unterbricht den Redefluss sehr stark, dann sprich am besten mal mit deiner Kinderärztin. Genauso, wenn du auch sonst Sorge hast, dass die Sprachentwicklung deines Kleinkindes nicht altersgemäß ist.
 
Generell sagen Experten, dass Kinder Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung zeigen, wenn sie:

  •      zwischen 18 bis 24 Monate noch keine Ein- bis Zweiwortsprache beherrschen
  •      zwischen 18 bis 24 Monate keine oder nur wenige Wörter sprechen und die Silben nicht richtig betonen
  •      im Alter von zwei Jahren weniger als 20 bis 30 Wörter sprechen
  •      im Alter von zwei bis drei Jahren wenig Interesse an Kinderliedern, Erklärungen und am Vorlesen zeigen
  •      im Alter von zwei bis drei Jahren sehr langsam und sehr fehlerhaft sprechen und der Wortschatz und die grammatikalischen Fähigkeiten sich nur sehr gering verbessern. 

Verzögerungen oder Probleme mit der Sprachentwicklung können auch durch ein beeinträchtigtes Hörvermögen entstehen. Hier kann ein Hörtest Klarheit schaffen. Regulär steht der erst bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung, der U7a, an, aber dein Arzt zieht ihn sicher gerne vor, wenn du dir Sorgen um das Hörvermögen deines Kindes machst. 
 
Wann steht die nächste Impfung an? 
Im besten Fall hat dein Kind schon die zweite Impfdosis gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken vor der U7 bekommen. Falls das noch nicht geschehen ist, sollte spätestens jetzt die zweite MMRV-Dosis gegeben werden, damit dein Kind einen vollständigen Impfschutz hat, der auch für den Kitabesuch erforderlich ist.
 
Die Ständige Impfkomission (STIKO) empfiehlt im zweiten Lebensjahr auch allen Kindern eine einmalige Immunisierung gegen Meningokokken C. Vereinbare am besten jetzt einen Termin mit deinem Kinderarzt dafür. 

Übrigens: Die Kosten für empfohlene Impfungen übernimmt die Krankenkasse. Empfohlen werden sie von der Ständigen Impfkommission (abgekürzt STIKO), einem unabhängigen Expertengremium. 
 
Du möchtest wissen, welche Impfungen für dein Kind überhaupt infrage kommen? In unserem Artikel über Impfungen für Kinder findest du viele Antworten.

Kind nascht Obst
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Ernährung und Bewegung im Kleinkindalter: Was ist jetzt wichtig?
Während der U7 stehen auch die Themen Ernährung und Bewegung auf dem Plan. Denn schon im Kleinkindalter sollten die Eltern auf eine ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung für ihr Kind achten. Ein gesunder Lebensstil gilt als Schlüssel zur Vorbeugung von Übergewicht und ernährungsabhängigen Erkrankungen.
 
Das heißt, du solltest unbedingt die Hunger- und Sättigungssignale deines Kindes respektieren und es nicht dazu überreden oder sogar zwingen, weiterzuedsdddddddessen, wenn es satt ist. Schön ist es, wenn ihr als Familie mindestens eine Mahlzeit am Tag gemeinsam einnehmt und währenddessen auch nicht abgelenkt werdet, etwa durch Smartphones. So könnt ihr euch auf das Essen und die gemeinsame Zeit konzentrieren. Biete deinem Kind gerne immer wieder neue Lebensmittel an und lasse es das probieren, was es möchte. Allerdings empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung, auf einige Lebensmittel bei der Ernährung von Kindern bis drei Jahren zu verzichten:

  •      Nüsse, Mandeln und andere Lebensmittel in Erdnussgröße – sie bergen eine hohe Erstickungsgefahr
  •      rohe, tierische Lebensmittel wie Rohwurst, roher Fisch, rohe Eier, Rohmilch und Co.

Ansonsten achtet am besten auf reichlich Gemüse, Obst, Getreide und Kartoffeln, biete deinem Kind in Maßen tierische Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Eier an und sei sehr sparsam bei der Verteilung von Zucker, Süßigkeiten, Salz und Fetten sowie Snacks. Und ganz wichtig: immer wieder ausreichend Wasser zum Trinken anbieten.
Achte auch darauf, dass sich dein Kind über den Tag hinweg genügend bewegt und nicht zu lange Zeit im Sitzen verbringt. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, und solange keine ernsthaften Gefahren drohen, ist es sinnvoll, diesen nicht zu unterbrechen. Lass dein Kind gerne draußen rumtoben – natürlich nur unter Aufsicht. Oder du gehst mit deinem Schatz zum Eltern-Kind-Turnen oder zu anderen Bewegungsangeboten wie Tanzen. Generell fördert rhythmische Bewegung genauso wie Klettern und Ballspielen die motorische Entwicklung von Kindern. 

Baby bekommt Sonnencreme aufs Gesicht
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Wie schütze ich mein Kind vor UV-Strahlung?
Vor allem in den heißen Sommermonaten ist es wichtig, dein Kleinkind richtig vor der Sonne zu schützen – und den besten Schutz findet es immer noch im Schatten. Musst du Sonnencreme benutzen, kaufe unbedingt eine kindgerechte Sonnencreme mit mineralischen Filtern. Bei UV-Kleidung achte vor allem auf die UV-801 Standard-Kennzeichnung, diese bietet den besten Schutz vor UV-Strahlen. Setz deinem Schatz im Sommer unbedingt immer einen Sonnenhut auf, am besten mit Nackenschutz. Und vor allem lasse dein Liebling niemals alleine im Auto. Auch nicht für eine kurze Zeit. 

Warum ist Fluorid so wichtig für mein Kleinkind?
Experten sind sich einig: Für gesunde Zähne und eine spätere Zahnhärtung ist Fluorid sehr wichtig und soll Kindern ab dem Zeitpunkt der Geburt gegeben werden. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e. V. empfiehlt eine Tagesdosis von 0,25 mg Fluorid in den ersten zwei Lebensjahren. Ab dem zweiten bis fünften Lebensjahr erhöht sich die Dosis auf 0,5 mg, solange dein Kind keine anderen Fluoridquellen, wie fluoridhaltige Zahnpasta oder angereichertes Salz, bekommt. Wende dich am besten an deinen (Kinder-)Zahnarzt, in welcher Dosis und welcher Art er Fluoridzusatz empfiehlt.

Kind mit Stapelspiel
iStock, romrodinka

Wie schon in den letzten U-Untersuchungen berät dich eure Kinderärztin auch bei der U7 zu wichtigen Themen rund ums Leben mit Kind. 

Was muss ich über die Betreuungssituation wissen?
Viele Eltern kehren zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr des Kindes wieder in den Beruf zurück. Deswegen spricht der Arzt auch die Betreuungssituation in deiner Familie während der U7 Untersuchung an. Viele Eltern schicken ihr Kind in die Kinderkrippe oder zu einer Tagesmutter. Auch die Betreuung durch die Großeltern oder die Entscheidung für ein Au-Pair ist für viele Familien sinnvoll, wenn Mama oder Papa wieder arbeiten gehen wollen. Andere Familien betreuen ihre Kinder bis sie drei Jahre alt sind zu Hause, manche sogar bis zum Schuleintritt.
Seit dem 1. August 2013 besteht zudem ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder in Deutschland ab dem ersten Lebensjahr. Welches Betreuungskonzept für euch am besten passt, ist selbstverständlich eine sehr individuelle Entscheidung. In unserem Artikel Die beste Betreuung für jedes Kind zeigen wir dir die Plus- und Minuspunkte für die jeweiligen Betreuungssituationen auf und erklären, welches Konzept zu welcher Familie gut passt.

Sucht in der Familie: Was muss ich wissen? 
Rund 2,6 Millionen Kinder unter 18 Jahren leben im Haushalt mit alkoholkranken Müttern und / oder Vätern. Das meint der Kölner Suchtforscher Michael Klein von der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen. Bei weiteren rund 40 000 Kindern konsumiert mindestens ein Elternteil illegale Drogen. Für die Entwicklung von Kindern sind suchtabhängige Eltern allerdings eine echte Gefahr. Denn Kinder von abhängigen Eltern weisen ein sechsfach erhöhtes Risiko auf, ebenfalls suchtkrank zu werden. Sie erben den Hang zur Sucht, da sie von ihren Müttern und Vätern lernen, dass die Droge Stress abbaut. Außerdem weisen sie ein extrem hohes Risiko für spätere Suchtstörungen und zahlreiche weitere psychische und soziale Probleme auf – und das bis ins Erwachsenenalter hinein. Während der U6 Untersuchung will die Kinderärztin über diese wichtige Problematik aufklären und gegebenenfalls gemeinsam mit den Eltern Lösungen finden. 

Wo bekomme ich Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten?
Bei der U7 klärt dich die Ärztin erneut über Eltern-Kind-Angebote in deiner Umgebung auf und sagt dir, wo du Unterstützung finden kannst. 

U7 Untersuchung: Zusammenfassung

Das untersucht und überprüft der Arzt während der U7:

  • Grob- und Feinmotorik
  • Sprachentwicklung
  • Kommunikation mit den Eltern
  • Körperlich und geistig altersgerechte Entwicklung
  • Hörvermögen
  • Betreuungssituation
  • besondere Belastungen in der Familie
  • soziale und emotionale Kompetenz 
  • schwerwiegende Erkrankungen oder Operationen seit der U6
  • altersgemäßes Essverhalten
  • Farbe des Stuhlgangs
  • Haut
  • Brustkorb
  • Lunge und Atemwege
  • Herz und Kreislauf
  • Abdomen
  • Genitalien inklusive Analregion
  • Kopf inklusive Mundhöhle, Kiefer, Nase und Augen

 
Außerdem berät die Ärztin die Eltern während der U7 zu folgenden Themen:

  • Sprachentwicklung
  • Impfung
  • Ernährung und Bewegung
  • Fluoridgabe
  • UV-Schutz
  • Betreuungssituation
  • Sucht in der Familie
  • regionale Unterstützungsangeboten

U-Untersuchungen im Überblick:
U1: Gleich nach der Entbindung
U2: 3.-10. Lebenstag
U3: 4.- 5. Lebenswoche
U4: 3.- 4. Monat
U5: 6.- 7. Monat
U6: 1 Jahr (10.-12. Lebensmonat)
U7: 2 Jahre (21.-24 Monate)
U7a: 3 Jahre (34.-36. Monat)
U8:  4 Jahre (46.-48. Monat)
U9: 5 Jahre (60-64. Lebensmonat)

Was kosten die U-Untersuchungen?

Die Vorsorgeuntersuchungen sind in Deutschland nicht verpflichtend, aber dringend empfohlen. Sie sind eine Pflichtleistung der Krankenkassen. Das heißt, du brauchst für die Untersuchungen nichts zu bezahlen. Ausnahme: Bringst du dein Kind zu spät, also nach dem empfohlenen Zeitraum, zur Untersuchung, gilt es als eine individuelle Gesundheitsleistung und du musst sie doch selber zahlen. Also vereinbare am besten schon frühzeitig Termine für die anstehenden Vorsorgeuntersuchungen.