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Kindersicherheit EU plant strengere Verordnung für Bilderbücher

Sind abgerissene Pappteile von Bilderbüchern gefährlich für Kinder? Ja, sagt die EU-Kommission und fordert Konsequenzen. Nein, sagen die Kinderbuchverlage. Und auch Verbraucherschützer und Kinderärzte bezweifeln, dass eine Gefahr für Kinder besteht.

Nach massiven Mängeln wird Richtlinie strenger

Für Kinderspielzeug müssen dringend strengere Kontrollen her, das steht spätestens seit den massiven Rückrufen von vor allem in China produzierten Waren fest. Giftige Farbstoffe, abbrechende Teile, spitze Kanten - davor müssen Kinder geschützt werden. Deswegen hat die EU ihre Spielzeugrichtlinie überarbeitet. Und nimmt nun auch ein Produkt ins Visier, das bei den Rückrufaktionen überhaupt nicht auftauchte: Bilderbücher aus Pappe für Kleinkinder.

Kinderbücher sicherer machen?

Die Sorge der EU: Kleinkinder nuckeln an der Pappe oder beißen Stücke davon ab – und können im schlimmsten Fall an den abgetrennten Teilen ersticken. Deswegen sollen die Pappbücher widerstandsfähiger werden, indem die Seiten dicker und fester hergestellt werden. Dass die deutschen Buchverlage dagegen Sturm laufen, ist nicht weiter verwunderlich. Denn für sie wäre das mit zusätzlichen Kosten verbunden. Und, so lautet ein weiterer Einwand, die Bücher würden dann für die Kleinkinder auch viel zu schwer und zu unhandlich. "Wenn Sie die Bücher so dick machen, dass sie nicht mehr reißen können, haben Sie einen Prügel von Buch, mit dem Sie einen erschlagen können", sagte der Geschäftsführer des Boje-Verlags aus Köln, Ulrich Störiko-Blume, gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk.

Der Vorwurf: praxisfremde Tests

Konkret beklagt sich der Dachverband der Branche, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, darüber, dass die Bilderbücher von der EU als Spielzeug klassifiziert werden - und deswegen an ihnen "praxisfremde technische Tests" durchgeführt werden. Damit ist die so genannte Drehmomentsprüfung gemeint, bei der die Ecken des Buches um 180 Grad gedreht werden - und natürlich abbrechen.

Neue Verordnung "peinlich"?

Auch die grüne EU-Abgeordnete und Verbraucherschutzexpertin Heide Rühle bezeichnet die strengeren Richtlinien für Pappkinderbücher als peinlich. Denn: Die Pappe wird bereits streng in Hinsicht auf verwendete Farbe und Material getestet. Und Ärzte und Verbrauchschützer sehen die Verschluckgefahr offenbar als sehr gering an.

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