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Antworten auf gängige Fragen Wie ihr bei Fieber einen kühlen Kopf bewahrt

Junge hat Fieber und liegt auf der couch
© Tomsickova Tatyana / Shutterstock
Heißer Kopf? Cool bleiben! Erst mal jedenfalls. Kinder fiebern leicht – und die Temperatur kann sehr schnell sehr hoch steigen. Die gute Nachricht: Fieber ist auch ein perfektes Heilmittel. Denn damit mobilisiert der Körper seine Abwehrkräfte

Kaninchen bekommen Fieber, Mäuse auch. Werden Eidechsen krank, versuchen sie, an einen wärmeren Ort zu kommen. Warum genau der Körper bei einem Infekt seine Temperatur hochfährt, ist immer noch nicht bis ins Detail geklärt. Es scheint aber einen Nutzen zu haben. Das ist beruhigend zu wissen, wenn das eigene Kind mal wieder zum Glühwürmchen wird.

Wie kommt es eigentlich zu Fieber?

Die Körpertemperatur wird über das Gehirn gesteuert, genauer: über den Hypothalamus. Er funktioniert als Schaltzentrale für die optimale Körpertemperatur, die zwischen 36,5 und 37,5 Grad Celsius (°C) liegt. Dieser Wert schwankt über den Tagesverlauf und liegt morgens meist etwa 0,5 °C niedriger als abends. Entdeckt das Immunsystem einen Krankheitserreger, wird das Gehirn beauftragt, die Temperatur hochzufahren. Der Körper reagiert, indem er den Stoffwechsel erhöht, sich warm zittert – das ist Schüttelfrost – und die Blutgefäße zusammenzieht, was die Wärmeabgabe verringert. Außerdem kommt es zu einer Zentralisierung: Hände und Füße werden schlechter durchblutet, damit die Temperatur im Körperinneren steigt. Deshalb haben fiebernde Kinder oft kalte Hände und Füße. 

Ist eine gewisse Temperatur erreicht, versucht der Körper auszugleichen: Er fängt an zu schwitzen, und die Blutgefäße weiten sich, um die Wärme wieder abzugeben. Das heißt: Solange man friert, steigt das Fieber. Ist einem warm, bleibt das Fieber konstant oder sinkt.

Warum tut der Körper das?

Fieber hilft dem Körper, Infekte zu bekämpfen – das gilt für Menschen und Tiere gleichermaßen, wie zahlreiche Studien zeigen. Man weiß, dass sich Viren und Bakterien bei höheren Körpertemperaturen schlechter im Körper vermehren können. Weil die Durchblutung steigt, gelangen Immunzellen zudem schneller zu den befallenen Organen, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Warum das passiert, ist noch nicht bis ins Detail geklärt. Wir müssen uns nur merken: Fieber ist keine Krankheit, sondern eine mächtige Waffe unseres Körpers.

Heißt das, ich darf mein Kind ruhig fiebern lassen? 

Im Prinzip ja. Früher wurde ab 38,5 °C oder 39 °C Temperatur generell zum Fiebersenken geraten. Davon ist man weg. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) rät, Fieber über 40 °C zu senken. „Ich persönlich würde keine Zahl nennen“, sagt Prof. Tim Niehues, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Krefeld und Vorstandsmitglied der DGKJ. Denn manche Kinder fiebern schnell hoch, obwohl sie nicht ernsthaft krank sind. Andere haben einen schweren Infekt, fiebern aber kaum. Diese Reaktion scheint erblich bedingt zu sein. Fieber allein ist also kein verlässlicher Ratgeber. Man muss sich immer den Gesamtzustand des Kindes anschauen. „Wenn das Kind wegen eines gefährlichen Infektes hoch fiebert, und Sie senken das Fieber, ist der Infekt dadurch nicht weg. Er bleibt gefährlich“, erklärt Till Reckert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. 

Aber: Bei chronisch kranken Kindern sollten Eltern eher früher mit dem Fiebersenken beginnen, weil ihr Körper durch die Erkrankung häufig mehr Energie verbraucht und das Fieber zusätzlich schlaucht. Ob diese Regel für das eigene Kind gilt und ab wann genau das Fieber gesenkt werden soll, muss die Kinderärztin beurteilen.

Wie messe ich richtig Fieber?

Meistens sieht man dem Kind schon an, dass es Fieber hat: Glasige Augen und ein rotes Gesicht sind typische Zeichen. Bei Säuglingen und Kleinkindern misst man am besten im Po, weil die Ergebnisse hier am genauesten sind. Das Thermometer vorher dünn mit fetthaltiger Creme bestreichen, dann gleitet es besser. Es reicht, wenn die Spitze eingeführt wird. 

Ohrthermometer liefern ebenfalls genaue Ergebnisse, wenn sie richtig angewendet werden. Der Messfühler muss in Richtung des Trommelfells zeigen. Das klappt, wenn man das Ohr gleichzeitig leicht nach hinten und nach oben zieht, braucht aber etwas Übung. Deshalb am Anfang sicherheitshalber doppelt messen – im Po und im Ohr – und die Werte vergleichen. Die Temperatur im Ohr liegt im Schnitt 0,3 °C unter der eigentlichen Körpertemperatur. 

Ältere Kinder können im Mund Fieber messen: Dafür das Thermometer gründlich reinigen und hinten unter die Zunge legen. Das Kind darf vorher nichts Heißes oder Kaltes trinken und muss den Mund geschlossen halten. Fieber messen unter der Achsel ist einfach und bequem, aber ungenauer: Die Werte sind im Schnitt 0,5 °C zu niedrig.

Muss ich mit einem fiebernden Kind immer zum Kinderarzt?

Antworten auf gängige Fragen: Wie ihr bei Fieber einen kühlen Kopf bewahrt
© Mama Belle and the kids / Shutterstock

Vorneweg: Bis 38 °C (Babys) beziehungsweise 38,5 °C (Kinder) sprechen Ärzte von erhöhter Temperatur, erst danach von Fieber. Fiebert ein Säugling, sollte er grundsätzlich zum Arzt und gründlich untersucht werden. „Fieber ist bei Säuglingen ein Aufnahmegrund für die Klinik. Damit ist nicht zu spaßen“, sagt Niehues. Weil der Körper noch so klein ist, können Keime viel schneller als bei Erwachsenen die inneren Organe befallen und eine gefährliche Blutvergiftung auslösen. Und da Babys noch nicht sprechen können, ist es auch für erfahrene Ärzte mitunter schwierig einzuschätzen, wie krank sie sind. Deshalb sind die Untersuchungen so wichtig. Bekommt ein Baby auffallend blasse Haut, atmet es angestrengt oder trinkt schlecht, muss es ebenfalls dem Arzt vorgestellt werden – das sind deutliche Warnzeichen für eine ernsthaftere Erkrankung, egal ob es fiebert oder nicht. 

Und die Älteren?

Bei ihnen können Eltern erst mal entspannter bleiben. Wenn das Fieber aber über 39 °C steigt, länger als drei Tage anhält, in Schüben auftritt oder das Kind immer wieder fiebert, sollte ein Arzt draufgucken. Aber auch hier gilt: Nicht die Höhe des Fiebers ist entscheidend, sondern wie sich das Kind verhält. Mag es nichts trinken, ist es teilnahmslos oder verwirrt, hat es Hautausschläge oder einen steifen Nacken, muss es genauer untersucht werden. „Schauen Sie nicht so sehr auf die Temperatur, sondern hören Sie auf Ihr Bauchgefühl“, rät Kinderarzt Reckert. „Eltern haben ein sehr gutes Gespür dafür, wie es ihrem Kind geht. Wenn sie sich ernsthaft Sorgen machen, liegen sie meistens richtig.“ 

Ist Fiebersenken denn schlecht?

„Nein, es schadet nicht“, sagt Niehues. Antipyretika – so heißen fiebersenkende Wirkstoffe in der Fachsprache – wirken auch als Schmerzmittel und können dem Kind daher echte Linderung bringen, wenn es Glieder- oder Kopfschmerzen hat oder nachts nicht zur Ruhe kommt. In der Regel werden die Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol eingesetzt. Beide sind gut verträglich, wenn sie korrekt dosiert und die Mindestabstände von sechs bis acht Stunden zwischen der Einnahme eingehalten werden. 

Aber noch mal: Wenn das Kind keine Schmerzen hat und schlafen kann, braucht es keinen Fiebersaft. Nach der Einnahme fühlen sich die Kinder oft deutlich besser. Genau darin liegt ein Problem. „Das Verhalten entspricht nicht mehr dem Krankheitszustand“, erklärt Reckert. Das Fieber ist zwar gesunken, aber der Infekt bleibt und muss auskuriert werden.“ Dem Kind morgens Fiebersaft zu geben, damit es in die Kita oder Schule kann, ist deshalb ein No-Go.

Helfen Wadenwickel auch? 

Viele Eltern schwören auf dieses alte Hausmittel. Wichtig: Die Wickel mit lauwarmem Wasser zubereiten und anwenden, wenn das Kind warme Arme und Beine hat. Nur in dieser Phase können die Wickel die Wärme ableiten. Walter Dorsch, Kinderarzt und Naturheilmediziner aus München, schwört auf Waschungen: Mehrere Frotteehandtücher in warmes Wasser legen, gut auswringen und dem Kind auf den nackten Oberkörper legen. Nach ein paar Minuten die Handtücher entfernen und die Flüssigkeit verdunsten lassen. Die dabei entstehende Kälte kühlt den Körper ab und senkt das Fieber leicht. Mehrmals im Abstand von zehn bis 15 Minuten wiederholen. 

Kann ich durch Fiebersenken ­Fieberkrämpfen vorbeugen?

Das dachte man lange Zeit, aber die Hoffnung hat sich nicht bestätigt. Etwa zwei bis vier von 100 Kindern haben bis zu ihrem fünften Lebensjahr mindestens einen Fieberkrampf. Warum genau, ist bislang nicht bekannt, aber es scheint eine genetische Veranlagung zu geben. Die meisten Fieberkrämpfe sind harmlos und hören nach wenigen Minuten auf. Trotzdem ist es furchtbar, das eigene Kind krampfen zu sehen. Viel tun können Eltern nicht außer: selbst ruhig bleiben, das Kind liegen lassen und bei Bedarf die Umgebung mit Kissen polstern. Beim ersten Fieberkrampf sollte der Notarzt gerufen werden und das Kind direkt untersuchen, um andere Ursachen auszuschließen. Wiederholt sich der Fieberkrampf nach ein paar Monaten, reicht es, anschließend zum Arzt zu gehen. 

Was braucht ein fieberndes Kind?

Ruhe und viel zu trinken. Da der Körper auf Hochtouren läuft, benötigt er mehr Flüssigkeit, zum Beispiel Früchte- und Kräutertees, Wasser mit wenig Kohlensäure und Saftschorlen. Um die Kinder zum Trinken zu animieren, kann man ihnen ein besonderes Glas hinstellen, sich immer wieder zuprosten oder ein Codewort vereinbaren, bei dem alle einen Schluck trinken müssen. Und sonst? Viel vorlesen, kuscheln, erzählen. Eltern, die sich kümmern und pflegen, sind das beste Heilmittel.

ELTERN

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