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Baby led weaning Selbstbestimmter Beikost-Start mit Fingerfood statt Babybrei

Baby led weaning
© Natalia Deriabina / Shutterstock
Selbstbestimmt essen lernen können Babys mit Baby led weaning (kurz BLW), also der vom Baby selbst herbeigeführten Entwöhnung von der Muttermilch. Wie es funktioniert und was es zu beachten gibt, erfährst du hier. Plus Tipps von Hebamme Burgl Müller-Cyran.

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Nach der Stillphase beginnen Eltern normalerweise langsam mit der Beikost in Form von Babybrei, um das Baby Stück für Stück an feste Nahrung heranzuführen. Diese Ernährungsweise war lange Zeit die Go-To-Methode der meisten Eltern. Doch seit ein paar Jahren gibt es einen regelrechten Trend weg vom Füttern mit Babybrei, hin zum selbstbestimmten Essen der Säuglinge – das sogenannte Baby led weaning (BLW). So soll dein Kind sich selbst von der Muttermilch entwöhnen und an feste Nahrung herantasten. Wie Baby led weaning funktioniert, ab wann du es mit deinem Kind ausprobieren kannst, welche Lebensmittel sich eignen und was es zu beachten gibt, erfährst du hier. Außerdem: Hilfreiche Tipps und Tricks von Hebamme Burgl Müller-Cyran.

Was ist Baby led weaning?

Baby led weaning ist ein alternatives Ernährungskonzept zur klassischen Beikost mit Babybrei. Beim Baby led weaning, was übersetzt in etwa "vom Baby gesteuerte Entwöhnung" bedeutet, können Babys selbständig aus verschiedenem Fingerfood wählen und sich so eigenständig vom Stillen entwöhnen. Dein Baby kann selbstständig entscheiden, was es essen möchte, wann und vor allem wie viel. Anstelle von Brei bekommt dein Baby von Anfang an feste Nahrung.

Wie funktioniert Baby led weaning?

Eigentlich ist es ganz einfach: Sobald dein Baby nach festen Lebensmitteln verlangt, danach greifen kann und deutliches Interesse zeigt, kannst du mit dem von der Hebamme G. Rapley entwickelten Ernährungskonzept Baby led weaning beginnen. Dazu müssen die Nahrungsmittel in handliche Größe geschnitten und ggf. vorher gekocht werden. Dann kann das selbstbestimmte Essen schon losgehen.

Biete deinem Baby Teile deines eigenen Essens in babygerechter Größe, ohne Gewürze, Salz und Zucker an und lasse es probieren, worauf es Lust hat (eine Liste mit geeigneten und ungeeigneten Lebensmitteln findest du weiter unten). 

Beachte: Baby led weaning ist nur eine Form der Beikosteinführung! Bis zum neunten Monat deines Kindes wird beim Baby led weaning die gegessene Menge also nicht zum Sattwerden ausreichen. Es wird sich erstmal herantasten und ausprobieren und es wird vermutlich viel auf dem Boden, statt im Mund landen. Deswegen ist es sehr wichtig, bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres den Hauptanteil der Ernährung weiterhin mit Muttermilch oder Säuglingsmilch abzudecken.

Eine gute Basis für den Anfang bieten zum Beispiel Obst und gegartes Gemüse als Fingerfood. Beliebt sind zum Beispiel ein Stück blanchierter Brokkoli oder Kohlrabi und gegarte, kleingeschnittene Kartoffeln sowie Avocado und Banane. Genauso wie weich gekochte Nudeln, Apfelspalten oder blanchierte Möhrchen. Biete deinem Kind eine Auswahl an – auch gern mehrfach, wenn es diese beim ersten Mal ablehnt – und lass es die Lebensmittel ertasten, schmecken und riechen.

Im Gegensatz zur Beikost mit Brei gibt es beim BLW keinen konkreten Beikostplan. Dein Kind soll individuell entscheiden, was es essen möchte.

Empfehlung: Da dabei auch gern mal etwas daneben geht und das eigenständige Essen zu viel zermatschtem Essen führt, empfehlen wir ein abwischbares Lätzchen sowie eine abwischbare Unterlage für den Hochstuhl. Gold wert ist auch eine bruchsichere Babyschüssel, die bestenfalls einen Saugnapf aus Silikon hat. 

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Warum Baby led weaning?

In erster Linie soll den Babys durch die breifreie Beikosteinführung eine selbstbestimmte Ernährung ermöglicht werden. Beim Baby led weaning können Babys selbst bestimmen, wann sie etwas probieren wollen und wie viel sie essen möchten. Dies soll laut Beführworter:innen dieser Ernährungsweise ein gesundes Essverhalten und die Gewichtszunahme fördern.

Zudem lieben es Babys, wenn sie Dinge selbst entdecken, anfassen, riechen und schmecken können. Sie wollen schon früh am Familienleben teilhaben und das essen, was die "Großen" essen. Baby led weaning kann für dein Baby also eine tolle Möglichkeit sein, zu lernen, wie sich verschiedene Lebensmittel im Mund und in den Händen anfühlen und auch um gesunde Nahrungsmittel kennenzulernen. Trotzdem solltest du immer individuell nach den Bedürfnissen deines Kindes, eurer Lebensumstände und der Praktikabilität im Alltag entscheiden, ob BLW oder ein Beikoststart mit Brei das Richtige für euch ist.

Vorteile von Baby led weaning auf einen Blick

  • Es kann das natürliche Sättigungsgefühl fördern.
  • Dein Baby kann gemeinsam mit euch am Esstisch essen.
  • Es spart Zeit, da kein Brei gekocht werden muss.
  • Essen wird mit etwas Spannendem und Positivem assoziiert.
  • Es fördert die Selbständigkeit, die Hand-Mund-Koordination und die Sprachentwicklung.
  • Dein Baby lernt Lebensmittel in ihrer natürlichen Form kennen.
  • Es fördert den Instinkt deines Babys.
  • Es besteht keine Gefahr der "Überfütterung“.
  • Das Kauen von fester Nahrung kann Kieferfehlstellungen vorbeugen, durch das Trainieren der Kiefermuskulatur und Zungenfertigkeit.

Bedenken bei Baby led weaning

In einigen Studien wird auf ein potenzielles Risiko für einen Eisen- und/oder Energiemangel hingewiesen sowie auf ein eventuell erhöhtes Erstickungsrisiko. Allerdings gibt es zum Baby led weaning zum jetzigen Zeitpunktkeine aussagekräftigen Studienergebnisse diesbezüglich. Es wird allerdings dazu geraten, dass bei dieser Beikostform besonders genau auf die Nahrungszusammensetzung und ein ausgewogenes Nahrungsmittelangebot geachtet werden sollte. Da die Babys selbst die Lebensmittel auswählen, könnte sonst ein Nährstoffmangel auftreten.

Vor allem der Eisenhaushalt ist bei Säuglingen besonders fragil und der Eisenspeicher nach dem Abstillen meist nahezu leer. Wer also bemerkt, dass sein Kind entweder motorische Schwierigkeiten mit dem Fingerfood-Konzept hat oder generell wenig Appetit zeigt, sollte nach der Abstillphase unbedingt mit Brei zufüttern

Nachteile von Baby led weaning auf einen Blick

  • Es besteht ein potentielles Risiko einer Nährstoffunterversorgung bei unzureichender Nahrungszufuhr.
  • Es besteht ein eventuell erhöhtes Erstickungsrisiko durch schlechtes oder fehlendes Kauen.
  • Es ist meist eine ganz schöne Sauerei, weil das Baby viele Lebensmittel herumwerfen oder auf den Boden werfen wird.

Ab wann mit Baby led weaning anfangen?

Meist sind Babys ab sechs Monaten reif genug für BLW. So empfiehlt auch die WHO (world health organisation) bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen oder die Flasche zu geben, ehe man mit BLW anfängt. Außerdem solltest du auf die sogenannten Beikostreifezeichen deines Babys achten: "Ganz wichtig: Eltern sollten individuell beobachten, wann ihr Kind sich eindeutig und aktiv für das interessiert, was sie essen – das ist nicht zu übersehen. Zusätzlich sollte es mit Unterstützung aufrecht sitzen können und der Zungenstoßreflex sich abgeschwächt haben. In der Regel sind Babys mit ca. sechs Monaten soweit", erklärt Hebamme Burgl Müller-Cyran. Der Zungenstoßreflex sollte also komplett verschwunden oder zumindest stark abgeschwächt sein, da sonst die Verschluckungsgefahr sehr hoch ist. Den Zungenstoßreflex erkennst du daran, dass dein Baby die Nahrung immer wieder nach draußen befördert.

Wichtig ist, dass du deinem Kind Zeit lässt. Es wird dir zeigen, wann es bereit für feste Nahrung ist. Denn Ziel von BLW ist es keinesfalls, dein Baby schnellstmöglich vom Stillen abzugewöhnen, sondern spielerisch Stück für Stück an feste Nahrung heranzuführen. Dabei hat jedes Baby sein eigenes Tempo.

Wenn du mehr über Beikostreifezeichen wissen möchtest, kannst du hier nachlesen.

Baby led weaning: 5 Tipps

  1. Lasse dein Baby mit am Esstisch essen und esse selber etwas, damit es animiert wird und Interesse am Essen bekommt. Aber dränge es nicht zum Essen, sondern pass dich dem Tempo deines Babys an. 
  2. Biete deinem Baby kein Essen an, wenn es gerade erst gestillt wurde oder super hungrig ist. Nach dem Stillen wird das Interesse an Nahrung gering sein und wenn es dringend Hunger hat, wird das Fingerfood dein Baby nur frustrieren.
  3. Alles im Tempo deines Babys. Es sollte selbst bestimmen, in welchem Tempo ihr die Milchmahlzeiten reduziert. 
  4. Biete am besten immer nur eine kleine Auswahl an Fingerfood an. Dein Baby sollte dann selbst entscheiden und dabei wäre eine zu große Auswahl hinderlich.
  5. Der Spruch "Mit Essen spielt man nicht" zählt bei BLW nicht. Bis dein Baby versteht, dass Essen zum Sattwerden da ist, wird noch viel Essen auf dem Boden landen und zermatscht werden.

Welche Lebensmittel bei Baby led weaning?

Dein Baby kann zwar am Esstisch mitessen und auch vieles probieren, was die Großen essen, doch längst nicht alles ist für die Kleinen geeignet. In erster Linie sollte es für das Baby mit Zunge und Gaumen selbst zu zerdrücken sein. Weiche oder weich gekochte Lebensmittel eignen sich also am besten. Zudem ist auch wichtig, dass die erste Nahrung des Nachwuchses die kleinen Geschmacksnerven anspricht, aber sie sollte auch reich an Nährstoffen sein, um Wachstum und Entwicklung zu unterstützen. Avocado und Banane bieten sich zum Beispiel hervorragend an. Sie haben eine hohe Nährstoffdichte und lassen sich schnell zubereiten.

Hebamme Müller-Cyran rät: "Erlaubt ist so ziemlich alles, was die Kleinen essen wollen und können. Am besten ist, Eltern schauen sich Ihr Kind genau an und beobachten dabei, was es essen mag und wie." Darüber hinaus empfiehlt die erfahrene Hebamme, gerade zu Beginn Babies nicht zu viele Zutaten gleichzeitig probieren zu lassen, da die ungeübten Kindergaumen auch schnell überfordert werden können. Außerdem ist ihr wichtig, dass Eltern gezielt die Bedürfnisse ihrer Kinder beobachten und sich dementsprechend für eine Ernährungsweise entscheiden. Baby led weaning kann für das eine Kind funktionieren und für das andere ist Brei zu füttern die viel bessere Wahl. 

Damit du dir die Entscheidung bei der Lebensmittelwahl etwas leichter machen kannst, verraten wir dir, was du deinem Baby getrost in die Finger geben kannst.

Diese Lebensmittel sind ein Go:

  • vorgegartes weiches Gemüse (z.B. Karotte, Zucchini, Pastinake, Kürbis)
  • Kartoffel (gekocht und in Stücken)
  • Babymais (angedrückt)
  • Zuckererbsen (angedrückt)
  • Blumenkohl- und Brokkoliröschen (blanchiert)
  • Salatgurke (am Anfang besser nur das weiche Innere)
  • Avocado (in Stäbchen geschnitten oder leicht angedrückt)
  • weich gekochte Nudeln
  • salzarme Brotscheiben (in Stücken)
  • Reiswaffeln
  • gekochtes Fleisch in Stücken oder als Frikadellen (Rind, Schwein, Lamm, Geflügel)
  • reife Apfel- oder Birnenstücke
  • Bananenstücke
  • Melonenstücke
  • spezielle Snacks für Babys

Nicht geeignet für den BLW-Start:

Einige Lebensmittel sollten ganz klar nicht zum Essen und Ausprobieren gegeben werden, da sie zu Reizungen führen, für Verschlucken sorgen, schwer verdaulich oder ungesund sind.

Diese Lebensmittel sind ein No-Go:

  • Nüsse (erst ab dem vierten Lebensjahr!)
  • gesalzene Speisen
  • stark gewürzte Gerichte
  • scharfe Gerichte
  • rohen Fisch, rohe Eier oder Rohmilchprodukte
  • Fertiggerichte
  • aromatisierte und gewürzte Snacks
  • Räucherfleisch und Fisch
  • Wurst 
  • Käse
  • gezuckerte Lebensmittel
  • Honig (erst ab dem 2. Lebensjahr)

Wenn du auf der Suche nach BLW-Rezepten bist, wirst du in unserem Artikel sicher fündig.

Wie viele Mahlzeiten bei Baby led weaning?

Die Häufigkeit der Mahlzeiten kommt ganz auf das Alter und das Verhalten deines Babys sowie eure Stillhäufigkeit an. Denn wenn es noch viel gestillt wird und davon schon satt ist, möchte es wahrscheinlich wenig feste Nahrung essen. Achte auf die Bedürfnisse deines Kindes, je öfter dein Baby Interesse an festen Lebensmitteln zeigt, desto öfter kannst du es ihm anbieten. Bedenke, dass der Babymagen so klein ist, dass eh nur geringe Mengen hineinpassen, dafür kommt der Hunger aber schnell wieder.

Besteht Verschluckungsgefahr?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt vor eventuellen Risiken für Babys durch Verschluckungsgefahr. Allerdings zeigen bis jetzt keinerlei Studien, dass diese Gefahr beim Baby led weaning höher sei als bei Babybrei. Es hängt viel mehr vom Kind ab, ob und wie oft es sich verschluckt.

Eine Studie aus Neuseeland zeigte, dass BLW-Kinder sich nicht häufiger verschlucken als Breikinder. Die Ergebnisse zeigten vielmehr, dass sich BLW-Babys mit sechs Monaten häufiger verschlucken, mit acht Monaten jedoch seltener als Breikinder. Das deutet darauf hin, dass Babys, die selbstbestimmt Fingerfood essen, nach einer kurzen Lernphase schneller das richtige Schlucken lernen und sich dementsprechend auch nicht so schnell verschlucken.

Verschluckt sich dein Kind jedoch häufig, solltest du mit der BLW-Ernährungsmethode besser noch warten. Generell gilt: Lass dein Kind beim Essen nie allein. Sollte es sich verschlucken, kannst du sofort reagieren.

Notfall: Was tun, wenn sich dein Baby stark verschluckt? Lege dein Baby sofort bäuchlings quer über den Schoß, und zwar so, dass Oberkörper und Kopf nach unten zeigen. Dann klopfe deinem Kind mehrmals zwischen die Schulterblätter, bis es den Fremdkörper ausspuckt. Bitte kräftig klopfen! Dein Kind wird dabei nicht verletzt, denn der Babybrustkorb (aus Knorpel) hält viel aus. Mehr über erste Hilfe bei Kindern erfährst du hier.

Unsere Expertin: Hebamme Burgl Müller-Cyran

Burgl Müller-Cyran ist seit 1986 Hebamme im Raum München mit einer Ausbildung unter anderem in Allopathie, Homöopathie und Phytotherapie. Mit mehr als dreißig Jahren Erfahrung unterstützt sie werdende und frischgebackene Mütter und begleitet sie bei Themen wie Stillen und die optimale Beikost für Babys. Was viele dieser Mütter nicht wissen, ist, dass sie Anspruch darauf haben, bis zum Ende des neunten Lebensmontes des Babies von einer Hebamme betreut zu werden. Bei Stillkindern verlängert sich dieser Anspruch bis zum Abstillen.

Quellen:

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