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Vorsicht bei diesen Inhaltsstoffen Akne und Unreinheiten während der Schwangerschaft

Unreinheiten in der Schwangerschaft behandeln: Schöne Frau mit Akne
© Jacob Lund / Shutterstock
Durch die Veränderungen des Hormonhaushalts kämpfen viele Schwangere mit Unreinheiten und Akne. Wie wir diese behandeln können und welche Inhaltsstoffe Tabu sind, verrät uns Dermatologin Dr. med. Britta Leykam. 

Während unserer Schwangerschaft wollen wir vor allem eins: uns wohlfühlen! Manchmal macht uns unsere Haut jedoch einen Strich durch die Rechnung. Um Unreinheiten und Akne zu behandeln, gibt es verschiedene Wirkstoffe, die in Seren und Cremes enthalten sind. Nicht alle sind auch für Schwangere geeignet. Dermatologin Dr. med. Britta Leykam klärt uns über mögliche Risiken auf.

Dr. med. Britta Leykam Dermatologin
© Dermatologikum Bremen

Dr. med. Britta Leykam ist Fachärztin für Dermatologie und Venerologie mit Zusatzbezeichnung Phlebologie. Ihr Behandlungsspektrum im Dermatologikum Bremen beinhaltet natürlich auch Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Rosazea und Akne. Mit ELTERN spricht sie über eine wirksame Hautpflege-Routine und die Risiken mancher Inhaltsstoffe für Schwangere. 

Akne und Unreinheiten in der Schwangerschaft: Darauf könnt ihr achten

Schlafmangel und Stress wirkt sich auf unser Hautbild aus. Die ausgeschütteten Stresshormone beeinträchtigen Regenerationsprozesse im Körper, wodurch die Entstehung von Unreinheiten begünstigt wird. Frau Dr. med. Leykam bestätigt, dass neben dem allgemeinen Wohlbefinden auch die Ernährung eine große Rolle spielt: "Viele Milchprodukte und Zucker können Entzündungsprozesse der Haut begünstigen, aber auch Eisen- oder Zinkmangel, Nikotin oder Stress." 

Ab wann sollten wir eine:n Dermatolog:in aufsuchen? Frau Dr. med. Leykam rät dazu, wenn "die Unreinheiten stetig zunehmen oder ausgeprägte Pickelmale und Narben entstehen". Denn dadurch könnten häufig schwere Verläufe verhindert werden und die richtige Diagnose gestellt werden: "Pickel können auch zum Beispiel im Rahmen einer Rosazea oder einer perioralen Dermatitis auftreten. Diese würden wir anders behandeln als eine klassische Akne."

Welche Kosmetik darf man als Schwangere verwenden?

Auf bestimmte Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten sollte man während der Schwangerschaft verzichten. Frau Dr. med. Leykam klärt über die verschiedenen Wirkstoffe auf. 

Diese Wirkstoffe dürfen in der Schwangerschaft verwendet werden

  • BPO: Benzoylperoxid kann zur Behandlung akuten Entzündungen verwendet werden. Es wirkt antibakteriell und löst Mitesser auf. Es ist als Gel zum punktuellen Auftrag oder als Waschgel erhältlich. "BPO kann während der ersten beiden Trimester bedenkenlos angewendet werden, da es vom Körper rasch verstoffwechselt und über die Nieren ausgeschieden wird." 
  • Niacinamide (Vitamin B3): Dieser Wirkstoff reguliert die Talgproduktion und hilft bei der Bekämpfung freier Radikale, die der Hautbarriere schaden. "In lokaler Anwendung ist Niacinamide unbedenklich in der Schwangerschaft."
  • Vitamin C: Dieses Antioxidant unterstützt erneut bei der Bekämpfung freier Radikale. "In Hinblick auf das ungeborene Kind ist Vitamin C unbedenklich in der Schwangerschaft. Es gilt jedoch Vorsicht bei unreiner Haut: Lokale Anwendungen mit hochdosiertem Vitamin C können aktivierend wirken und eine Akne oder Rosazea verschlimmern."
  • Azelainsäure: Dieser Wirkstoff ist ein naturidentisches Antioxidans, das Entzündungen reduzieren kann. Auch Pickelmale können dadurch verbessert werden. "Azelainsäure wird ähnlich wie BPO sehr schnell verstoffwechselt und ist bei Akne in der Schwangerschaft das Mittel der Wahl." 
  • Hyaluronsäure: Dieser beliebte Feuchtigkeitsspender kann große Mengen an Wasser auf der Haut binden. Eine durchfeuchtete Hautbarriere trägt zur normalen Funktion der Haut bei, die dadurch weniger anfällig für Unreinheiten ist. "Hyaluronsäure ist in lokaler Anwendung absolut unbedenklich und ein guter Feuchtigkeitsgeber. Bei unreiner Haut als Serum zu empfehlen. Unterspritzungen mit Hyaluron sollten besser nach der Schwangerschaft durchgeführt werden."
  • Duftstoffe und ätherische Öle: "Solange keine Kontaktallergien oder Unverträglichkeiten bestehen, ist die Anwendung in der Regel unbedenklich."
  • Konservierungsmittel: "Die meisten Konservierungsmittel sind in geringen Dosen in Cremes enthalten und daher in Hinblick auf die Schwangerschaft als unbedenklich einzustufen." 
  • Mineralöl: Mineralöl steht häufig in der Kritik, weil es als unnatürlich gilt und die Umwelt belasten kann. In der Naturkosmetik wird auf Mineralöl deshalb verzichtet. "Spuren von Mineralöl lassen sich in vielen Cremes und Ölen nachweisen, im Übrigen auch in Lebensmitteln. Da es meistens sehr geringe Mengen sind, ist das Risiko für Schwangere eher gering einzuschätzen. Im Zweifel lieber auf mineralölfreie Produkte umsteigen." Hier könnt ihr mehr über Mineralöl in der Naturkosmetik lesen. 

Bei diesen Inhaltsstoffen müsst ihr vorsichtig sein

  • Retinol/Retinoide (Vitamin A): Dieser Wirkstoff wird gerne bei der Behandlung bei Akne eingesetzt, weil er die Zellerneuerung fördert. "Vitamin A Säurederivate werden in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht empfohlen, wobei das Risiko der Produktaufnahme über die Haut bei niedrigdosierten Retinol-Cremes als sehr gering einzustufen ist. Alternativ kann Azelainsäure verwendet werden."
  • BHA/AHA/PHA (Salicylsäure, Glycolsäure, Milchsäure): Chemische Peelings können die Poren befreien, die Talgproduktion regulieren und die Zellerneuerung ankurbeln. "Chemische Peelings sollten während der Schwangerschaft nicht angewandt werden. Auch wenn das Risiko für das ungeborene Kind eher als gering einzustufen ist, besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für Hyperpigmentierungen und die Entstehung eines sogenannten Melasmas."
  • Parabene: Sie haben eine hormonähnliche Wirkung und werden oftmals mit Allergien oder Schwankungen im Hormonhaushalt in Verbindung gebracht. "Parabene sollte man meiden."
  • Formaldehyde: Dieser Stoff ist ein Abspalter von Parabenen und wurde in Studien häufig als Auslöser allergischer Reaktionen identifiziert. "Formaldehyde sollten wenn möglich gemieden werden."
  • Mechanische Peelings: Scrubs und Mechanische Peelings enthalten Körner oder kleine Partikel, die abgestorbene Hautschuppen mechanisch von der Haut ablösen. "Tägliche mechanische Peelings schaden der Haut." 

Außerdem rät Frau Dr. Leykam auch dringend vom Sonnenbaden ab: "Austrocknen der Pickel durch Sonne ist absolut kontraproduktiv. Es führt zu Hyperpigmentierung und vermehrter Talgproduktion." Auch auf Naturkosmetik sollte man besser verzichten: "Naturkosmetika sind zum Beispiel durch den Ersatz von Silikonen durch Bienenwachs eher reichhaltig und bei Akne-Haut leider häufig nicht zu empfehlen. Eine individuelle medizinische Kosmetikbehandlung mit Pflegeberatung kann hilfreich sein." 

Zu dieser Pflegeroutine rät Frau Dr. Leykam

"Weniger ist mehr", lautet Frau. Dr. Leykams Ratschlag beim Thema Hautpflege in der Schwangerschaft. "Wichtig ist die tägliche gründliche Reinigung mit einem nicht rückfettenden Waschgel. Danach eine leichte ölfreie Feuchtigkeitspflege auftragen. Diese kann gegebenenfalls auch mit einem hautberuhigenden, zinkhaltigem Serum kombiniert werden. Abschließend immer eine ölfreie Sonnencreme mit LSF 50 benutzen. Heilerdemasken können stark gereizte Haut beruhigen." Hier findet ihr ein Rezept für selbstgemachte Heilerdemasken, sowie andere DIY Masken für jeden Hauttyp.

Falls ihr auch mit unreiner Haut zu kämpfen habt, dann versucht euch nicht verrückt zu machen. Frau Dr. Leykam bestätigt, dass die Haut in der Regel nach der Geburt zu ihrem normalen Zustand zurückfindet. Das kann auch ein paar Monate dauern. Unreine Haut ist ganz natürlich und niemand sollte sich deshalb unwohl fühlen. Wir sehen online jeden Tag perfekt glatte Haut aufgrund retuschierter Fotos. Vergleicht euch nicht mit anderen und manifestiert eure eigene Schönheit – mit oder ohne Unreinheiten.

ELTERN

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