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Victoria Beckham isst jeden Tag das Gleiche Was passiert, wenn wir Kindern kein gesundes Essverhalten vorleben?

Essstörungen bei Kindern: Familie sitzt zusammen am Tisch und isst
Wie können Eltern Essstörungen bei Kindern vermeiden? 
© Thomas Barwick / Getty Images
Victoria Beckham soll seit Jahren jeden Tag das gleiche Gericht essen. Was ein solches Essverhalten bei Kindern auslöst, welche Auswirkungen es hat und wie Eltern Essstörungen beim Nachwuchs vermeiden können, wollten wir von einer Kinderärztin wissen. 

Laut David Beckham, 46, soll auf dem Teller seiner Frau Victoria, 47, ausschließlich jeden Tag das gleiche Essen landen – und das seit 25 Jahren! Die Modedesignerin soll demnach jeden Tag gedünstetes Gemüse mit gegrilltem Fisch essen. In einem Podcast sprach der ehemalige Fußballprofi über die speziellen Essgewohnheiten seiner Gattin und verriet, dass nur die Schwangerschaft mit Tochter Harper, 10, die vierfache Mutter dazu brachte, von ihrer strengen Diät abzuweichen. Mittlerweile sind die Beckham-Sprösslinge (Brooklyn, 22, Romeo, 19, Cruz, 16 und Harper, 10) groß geworden und trotzdem stellt sich die Frage: Kann sich ein solches Essverhalten negativ auf die Kinder auswirken?

Dazu haben wir mit der Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Tanja Brunnert aus Göttingen gesprochen. 

ELTERN: Frau Dr. Brunnert, inwiefern können sich Kinder eine Essstörung bei ihren Eltern abschauen? Ist das möglich und wenn ja, wie?

Dr. Tanja Brunnert: Natürlich fungieren Eltern nicht nur in ihrem Essverhalten als Vorbild für ihre Kinder. Ernährungsgewohnheiten betreffen oft die ganze Familie: Wenn wir als Eltern ausschließlich gesüßte Getränke konsumieren, wird das Kind nicht zum Wasser greifen. Deshalb sind ungesunde Ernährungsweisen bei Kindern ja oft so schwer zu beeinflussen, da letztlich die Lebensstilfaktoren in der Familie geändert werden müssen. Manifeste Essstörungen, die ja sehr häufig auch mit einem gestörten Körperbild einhergehen, können sich so auch auf das Essverhalten der Kinder auswirken.

Die Modedesignerin Victoria Beckham soll seit 25 Jahren jeden Tag das Gleiche essen. Was sagen Sie zu dieser eingeschränkten Ernährungsweise der Modedesignerin? 

Die Gewohnheiten von Familie Beckham kann ich natürlich nicht genau beurteilen. Aber hier kommt es sicherlich darauf an, ob zum Beispiel der Tisch für die Familienmahlzeit reichhaltig gedeckt ist und Kinder von Anfang an eine Auswahl an sinnvollen Lebensmitteln erhalten – und nur Mama dann immer zu denselben Nahrungsmitteln greift – oder ob alle Familienmitglieder nur sehr einseitig ernährt werden.

Wie könnte sich so eine eingeschränkte Ernährungsweise auf die eigenen Kinder auswirken? 

Selbst spezielle Vorlieben zu haben und von den Kindern dann aber zu erwarten, dass sie sich gesund und ausgewogen ernähren, gestaltet sich mit zunehmendem Alter der Kinder oft schwierig.

Welche typischen Verhaltensmuster beim Essen beobachten Sie häufig bei Eltern, die sich negativ auf Kinder auswirken können? 

Verzicht auf das Frühstück, gesüßte Getränke, Fast Food, Bevorzugung von Nahrungsmitteln mit hoher Energiedichte, wie zum Beispiel Süßigkeiten, Knabbergebäck und Chips, aber eben auch Käse, Butter und Wurst. Das Motto "Fleisch ist mein Gemüse" ist beispielsweise nicht besonders vorbildlich.

Sind es oft Väter, Mütter oder sogar Großeltern, die den Kindern ein ungesundes Essverhalten oder schlechte Verhaltensmuster vorleben? 

Die Weichen für gesunde Ernährung werden innerhalb der Familie gestellt. Gerade bei übergewichtigen Kindern ist es manchmal schwierig, alle Familienmitglieder davon zu überzeugen, dass es halt nicht putzig ist, wenn der Vierjährige die dritte Bratwurst isst. Hier müssen alle an einem Strang ziehen. Aber auch wiederholte und anhaltende Diäten können ein "schlechtes Vorbild" für Kinder sein.

Und wie ist man als Elternteil ein gutes Vorbild für Kinder, wenn es um die Ernährung geht?

Von allem etwas ist die Devise. Eine gesunde Mischkost zu sich nehmen und sich ausreichend sportlich betätigen ist wichtig, um Kindern ein gutes Vorbild zu sein.

Wie können Mütter oder Väter, die in der Vergangenheit selbst an einer Essstörung erkrankten, ihren Kindern ein gutes Vorbild sein und sich selbst und ihre Kinder stärken? 

Diese Frage ist sehr schwer, allgemeingültig zu beantworten. Hier ist es sicherlich entscheidend, in welcher Phase der eigenen Erkrankung sich die Mütter oder Väter befinden. Wichtig ist es aber – und das ist vielleicht für noch nicht ausbehandelte Elternteile sehr schwierig –, dass den Kindern genügend Selbstbewusstsein im Hinblick auf den eigenen Körper mitgegeben wird. Vielleicht ist das Kind an der ein oder anderen Stelle "besonders" und das ist aber auch alles gut und richtig. Ein solches Selbstwertgefühl schützt unter Umständen am besten vor einer Essstörung. Was zusätzlich hilfreich ist: Früh und immer wieder mit den Kindern besprechen, dass nicht jeder "Gruppenzwang" mitgemacht werden sollte. Leitsätze wie: "Deine Freunde sind deine Freunde, weil sie dich so mögen, wie du bist", können Kinder stärken.

Sollten Eltern offen mit ihren Kindern über eigene Erkrankungen oder Süchte sprechen? 

Inwieweit man seinen Kindern von der eigenen Erkrankung erzählt und von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, ist sicherlich eine Einzelfallentscheidung und sehr vom Alter und Entwicklungsstand der Kinder abhängig. Eine Überforderung muss auf alle Fälle vermieden werden.

ELTERN

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