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Haarausfall nach Schwangerschaft Baby da, Haare weg? Warum jungen Müttern die Haare ausgehen

Baby zieht am Haar der Mutter
© petunyia / Adobe Stock
Ein paar Monate nach der Geburt geht es los: Beunruhigend viele Haare bleiben in der Bürste hängen, landen auf dem Kopfkissen, dem Pulli oder im Waschbecken. Dieser Haarausfall nach der Schwangerschaft hat allerdings natürliche Gründe – meistens jedenfalls. Alles über das sogenannte postpartale Effluvium und wie du damit umgehen kannst.

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Zugegeben, objektiv betrachtet, gibt es Wichtigeres als eine gut sitzende Frisur, wenn du gerade Mutter geworden bist. Du bist froh, wenn du regelmäßig unter die Dusche kommst und sich die Anzahl der Flecke auf der Kleidung in Grenzen hält. Ja, du weißt, es braucht etwas Geduld, bis der Körper wieder annähernd so aussieht wie vor der Schwangerschaft. Aber wenn die Haare plötzlich büschelweise ausgehen, wenn der Scheitel breiter, der Zopf dünner wird, darf man ja wohl mal nervös werden! Da geht es nicht mehr allein um die Optik. Du fragst dich: Woher kommt das – und hört das wieder auf?

Haarausfall nach Schwangerschaft: Ist das normal?

Ja, völlig normal. Wie bei so vielen Veränderungen im weiblichen Körper spielen auch beim Haarausfall nach der Schwangerschaft die Sexualhormone eine Hauptrolle. In der Zeit zwischen Befruchtung und Geburt steigt der Östrogenspiegel stark an. Die meisten Frauen bekommen dadurch unter anderem einen besonders klaren, schönen Teint, feste Nägel und glänzendes, volles Haar. Das liegt daran, dass Östrogen den natürlichen Prozess des Haarwachstums und -ausfalls verlangsamt, den Haarzyklus. Genauer gesagt, bleiben die Haare länger in der Wachstumsphase.

Der Haarzyklus

  1. Wachstum (anagene Phase): In dieser Phase bilden sich am unteren Ende der Haarwurzel laufend neue Zellen, die verhornen. Diese nachrückenden Hornzellen lassen das Haar in die Länge wachsen. Wie lange die Wachstumsphase anhält, hängt davon ab, wo am Körper sich das Haar befindet. Wimpern und Augenbrauen wachsen nur bis zu 150 Tage, sie können daher nicht so lang werden wie Kopfhaare, bei denen die Wachstumsphase mehrere Jahre dauern kann.
  2. Übergangsphase – In dieser Zeit wächst das Haar nicht mehr, sondern löst sich von der Blutversorgung. Das dauert etwa zwei bis vier Wochen.
  3. Ruhephase (telogene Phase) – Langsam wird das Haar aus der Haut geschoben bis es irgendwann, ein paar Monate später, ausfällt. Und um mal eine Zahl zu nennen: das sind am Tag zwischen 50 und 100 Haare.
  4. Im Haarfollikel startet eine neue Wachstumsphase mit frischen Haarzellen und der Haarzyklus beginnt von vorne.

Mit der Geburt fällt der Östrogenspiegel dann schlagartig ab. Die vielen Haare, die noch in der Wachstumsphase gehalten wurden, werden jetzt in die Ruhephase geschickt. Ist die vorüber, kommt es eine Weile nach der Niederkunft zu einem vermehrten Haarausfall, zum Teil regelrecht büschelweise. Doch das sind im Prinzip nur die Haare, die normalerweise schon gar nicht mehr da wären und die du einfach nur ein bisschen länger behalten durftest. Dazu kommen allerdings noch die 100 Haare am Tag, die ohnehin dran waren mit Ausfallen.

Wann setzt der Haarausfall nach der Schwangerschaft genau ein?

Für die meisten Frauen beginnt dieser hormonbedingte Haarausfall, in der Fachsprache postpartales Effluvium, schon kurz nach der Entbindung. Es kann aber auch ein paar Monate dauern, bis der Haarausfall einsetzt. Oder aber er passiert zwar, es fällt dir aber kaum auf.

Wie lange hält der Haarausfall an?

Wenn sich der Hormonhaushalt nach Ende der Schwangerschaft mit der Zeit wieder auf Normalniveau einpendelt, läuft auch der Haarzyklus wieder in gewohnten Bahnen ab. Hier ist etwas Geduld gefragt, denn bis es so weit ist, kann es durchaus bis zu einem Jahr dauern. Aber meist hört der übermäßige Haarausfall nach sechs bis neun Monaten von ganz allein wieder auf.

Übrigens: Fachleute aus der Dermatologie sprechen in diesem Fall bewusst nicht von Haarverlust, sondern von Haarausfall. Die Haare gehen ja nicht verloren, sie wachsen an gleicher Stelle wieder nach.

Beeinflusst das Stillen den Haarausfall?

Verantwortlich ist der Abfall des Östrogenspiegels nach der Geburt. Doch der läuft bei Müttern, die stillen, mitunter langsamer ab. Deshalb setzt bei ihnen der Haarausfall meist später oder auch erst nach dem Abstillen ein. Einen direkten Einfluss hat das Stillen jedoch nicht.

Lässt sich Haarausfall nach der Schwangerschaft vorbeugen?

Du weißt natürlich, dass Haare nicht schneller wachsen, wenn du an ihnen ziehst. Genauso wenig kannst du diesen hormonbedingten Prozess verhindern oder aufhalten. Was du allerdings tun kannst, ist, Haare und Kopfhaut jetzt nicht noch zusätzlich zu strapazieren – und dich mit reichlich Nährstoffen zu versorgen:

  • Vermeide Frisuren, die sehr straff gebunden sind und an der Kopfhaut ziehen. Sie können nämlich den Haarausfall noch verstärken beziehungsweise eine Entzündung der Haarfollikel verursachen, die wiederum zu Haarausfall führen kann.
  • Verzichte auf übermäßiges Styling: Denn ein heißer Föhn, ein Glätteisen oder ein Lockenstab strapazieren dein Haar zusätzlich. Am besten lässt du die Haare an der Luft trocknen.
  • Verwende gute Kämme und Bürsten, die die Hornschicht nicht aufrauen.
  • Gönne dir regelmäßig eine Kopfmassage. Die regt die Durchblutung der Kopfhaut an und entspannt.
  • Achte auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung voller Vitamine und Mineralstoffe. Nimm weiterhin die Vitamine ein, die du schon in der Schwangerschaft eingenommen hast. Als Lebensmittel, die gesundes Haar begünstigen, gelten: grünes Gemüse, das Eisen und Vitamin C enthält, Eier (für Vitamin D), Süßkartoffel (für Beta-Carotin) und nicht zuletzt Fisch (Omega-3 und Magnesium). Auch Vollkornprodukte und gesunde Fette gehören dazu.

Außerdem kannst du den lichter werdenden Haarschopf mit einfachen Tricks geschickt kaschieren:

  • Verwende ein Volumen-Shampoo das Protein enthält, das sich um das Haar legen kann und es so voller wirken lässt.
  • Nutze Pflegeprodukte für feines Haar und trage den Conditioner nur in den Längen auf.
  • Vermeide 2-in-1-Produkte (Conditioning Shampoo). Sie beschweren sie das Haar, lassen es schlapp herunterhängen.
  • Auch deine Frisur kann dein Haar voller erscheinen lassen. Kurzhaarfrisuren wirken oft voluminöser und können ganz nebenbei für die erste Zeit als Mama ganz praktisch sein.

Welche Ursachen können den Haarausfall noch verstärken?

Neben den genannten hormonellen Gründen können weitere Aspekte eine Rolle spielen und den Haarausfall nach der Schwangerschaft noch zusätzlich begünstigen.

  • Stress: Chronischer Stress beendet die Wachstumsphase eines Haares frühzeitig. Auch dann fällt es nach der anschließenden Ruhephase aus. Frischgebackene Eltern brauchen eine Weile, um sich an die neuen Aufgaben und Herausforderungen zu gewöhnen, die ein Neugeborenes mit sich bringt. Daher ist gerade jetzt Regeneration wichtig. Nutze jede Gelegenheit zur Entspannung. Weil der Schlaf nachts meist zu kurz kommt, lege dich immer hin, wenn dein Baby schläft, auch tagsüber.
  • Nährstoffmangel: In der Schwangerschaft und Stillzeit besteht ein erhöhter Bedarf an Eisen und Biotin. Beide Stoffe tragen auch zur Haargesundheit bei und können bei Mangelzuständen Haare ausgehen lassen (mehr über Haarausfall in der Schwangerschaft erfährst du hier).  Mit speziellen Eisenpräparaten, die du auf Rezept bekommst, kannst du gegensteuern. Auch Biotin lässt sich über Nahrungsergänzungsmittel zuführen.

Wann wird es Zeit für einen Arztbesuch?

Hält der Haarausfall noch nach dem ersten Geburtstag deines Babys an oder gehen dir deutlich mehr als 100 Haare pro Tag aus, ist es ratsam, eine Hautärztin oder einen Hautarzt aufzusuchen und deine Blutwerte überprüfen zu lassen. Ist in der Hinsicht alles in Ordnung, kann auch eine genetische Veranlagung (androgenetische Alopezie, d.h. anlagebedingter Haarausfall) oder eine Autoimmunerkrankung vorliegen.

Auch wenn du weiß, es steckt nichts Gefährliches dahinter, kann dich der Schwund auf dem Kopf sehr belasten. Das musst du aber nicht mit dir allein ausmachen. Um dich mit anderen Betroffenen auszutauschen, kannst du dich über die Webseite der Haarausfall-Selbsthilfe vernetzen.

Quellen:

ELTERN

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