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Heuschnupfen bei Kindern Das hilft den Kleinen bei einer Pollenallergie

Heuschnupfen bei Kindern: Kind putzt sich die Nase vor blühendem Baum
© zaikina / Adobe Stock
Heuschnupfen ist auch für Kinder äußerst unangenehm – klar, dass wir als Eltern die Symptome jetzt schnellstmöglich lindern wollen. Hier erfahrt ihr, was den Kleinen wirklich hilft und warum ihr eine Allergie besser nicht auf die leichte Schulter nehmt.

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Juckende Augen, eine laufende Nase und dauerhaftes Niesen: Heuschnupfen geht auch bei Kindern und Kleinkindern mit den typischen Symptomen einher und kann das Wohlbefinden der Kleinen massiv beeinträchtigen. Etwa 9 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind von einer Pollenallergie betroffen – also gar nicht so wenige. Was also tun, um Abhilfe zu schaffen und die Heuschnupfensymptome zu lindern? Und wie sieht es mit einer Hyposensibilisierung bei Kindern aus? Wir haben alle Informationen zur allergischen Rhinitis bei Kindern für euch zusammengetragen.

Definition: Was ist Heuschnupfen und wodurch wird er verursacht?

Der Begriff Heuschnupfen ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine saisonale allergische Rhinitis. Diese wird in der Regel durch eine Inhalationsallergie gegen Pflanzenpollen ausgelöst: Blütenstaub von Gräsern, Bäumen, Sträuchern oder Kräutern – die sogenannten Pollen – lösen im menschlichen Immunsystem eine Abwehrreaktion aus. Obwohl von den Getreidepollen, Kräuterpollen oder Baumpollen eigentlich keine Gefahr ausgeht, bildet das Immunsystem als Reaktion auf die Allergene Antikörper. Und diese wiederum setzen den Botenstoff Histamin frei, der die unangenehmen allergischen Heuschnupfensymptome auslöst. Eine Pollenallergie kann bei Kindern und Erwachsenen nur leichte Beschwerden, aber auch schweres allergisches Asthma verursachen.

Je nachdem, gegen welche Pollenart euer Kind allergisch ist, treten die Beschwerden phasenweise auf: Immer dann, wenn betreffende Pflanzen blühen und ihren Blütenstaub über die Luft verbreiten. Besonders intensiv erleben Allergiker:innen oft den Mai und den Juni, wenn die Gräserpollen im Umlauf sind. Wenn euer Kind gegen viele verschiedene Pollenarten allergisch ist, hat es möglicherweise von Frühjahr bis Herbst mit der allergischen Rhinitis zu kämpfen. Wann welche Pollen fliegen, könnt ihr in unserem Pollenflugkalender nachschauen.

Und wie entsteht eine Allergie? Auf jeden Fall nicht von heute auf morgen – denn das Immunsystem muss einen wiederholten Kontakt mit den potenziellen Allergenen gehabt haben. Erst dann erzeugen die Antikörper allergische Reaktionen. Doch was genau eine Allergie auslöst, ist unter Allergologen und Allergologinnen bis heute nicht abschließend geklärt. Haben jedoch Eltern und Geschwister bereits eine oder mehrere Allergien, ist das Risiko, selbst eine zu entwickeln, deutlich höher. Aber auch ein genetisches Allergierisiko muss nicht zwingend zu einer Allergie führen.

Symptome: Woran erkenne ich, ob mein Kind Heuschnupfen hat?

Oft dauert es nicht lang, bis Eltern und Ärzte oder Ärztinnen erkennen, was den kleinen Patient:innen fehlt: Hat das Kind Heuschnupfen, läuft die Nase und jucken die Augen. Und im Gegensatz zu einer Erkältung bleibt das Nasensekret wochenlang glasig-wässrig. Dem Kind geht es nachts schlechter als tagsüber; starke Niesattacken und gerötete Augen treten vor allem morgens auf. Bei schlechtem Wetter und Regen klingen die allergischen Symptome etwas ab. Da die Schleimhäute jucken, ist für Heuschnupfen geplagte Kinder der "allergische Gruß" typisch: Das Kind reibt sich als Reaktion auf den Juckreiz immer wieder mit dem Handballen die Nase. Leiden Eltern oder Geschwister ebenfalls unter Allergien, liegt der Befund „Heuschnupfen“ nahe.

Das sind die typischen Symptome einer Pollenallergie:

  • häufige Niesattacken
  • juckende, verstopfte Nase
  • laufende Nase mit klarem Sekret
  • tränende, juckende und gerötete Augen
  • ein Gefühl von Müdigkeit und Schlappheit
  • mitunter: Kurzatmigkeit, Hustenreiz oder pfeifende Atmung
  • mitunter: juckende Haut

Mögliche Auswirkungen: Asthma, Kreuzallergien und Neurodermitis

Kinder gewöhnen sich mit der Zeit an ihre Triefnase, Erwachsene sehen ihren Heuschnupfen als lästige Bagatellerkrankung – und gehen deshalb nicht zum Arzt. Aber Niesen, Nase putzen und Juckreiz sind nicht nur nervig: Heuschnupfen sollte frühzeitig ärztlich behandelt werden, um Schlimmeres zu vermeiden. Denn ohne Therapie entwickelt jeder vierte Heuschnupfenallergiker früher oder später allergisches Asthma. Allergologen und Allergologinnen sprechen hierbei von einem „Etagenwechsel“: Die Symptome verlagern sich vom Nasen-Rachenraum eine Etage weiter nach unten – in die Lunge. Viele unterschätzen den Heuschnupfen – mit dem Resultat, dass die Zahl der Asthmapatienten und -patientinnen in Deutschland steigt.

Doch eine unbehandelte Pollenallergie kann noch weitere Auswirkungen haben: chronische Nasennebenhöhlen-Entzündungen (Sinusitis), häufige Entzündungen des Mittelohrs (Otitis media) oder das Auftreten von Kreuzallergien. Hierbei reagiert das Immunsystem auch bei anderen Stoffen, deren biochemische Strukturen den Pollen ähnlich sind. Außerdem kann eine Pollenallergie ein Triggerfaktor für eine Neurodermitis sein: Durch den Kontakt mit den Gräserpollen kann sich die juckende Hauterkrankung schubartig verschlechtern.

Therapie: Hyposensibilisierung von Kindern und Medikamente zur Symptombekämpfung

Da eine unbehandelte Pollenallergie bei Kindern und Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Asthma einhergeht, ist die Hyposensibilisierung das langfristige Ziel. Bei dieser Immuntherapie wird die allergieauslösende Substanz (das Allergen; in diesem Falle Pollen) in ansteigenden Dosen bis zu einer Maximaldosis verabreicht. Dadurch gewöhnt das Immunsystem sich langsam an die Pollen und die Allergiker:innen reagieren schrittweise weniger empfindlich auf die Allergene. Die Hyposensibilisierung – auch spezifische systemische Immuntherapie (SIT) genannt – ist die einzige Behandlung, die direkt die Ursachen des Heuschnupfens bekämpft.

Wenn euer Kind unter Heuschnupfen leidet und die Pollenallergie durch eine Blutuntersuchung festgestellt sowie der Allergieauslöser durch einen Hauttest (Pricktest) nachgewiesen wurde, ist es also ratsam, die Hyposensibilisierung so bald wie möglich ins Auge zu fassen. Denn bei Kindern ist die Aussicht auf Erfolg besonders hoch. Ihr könnt ab einem Alter von fünf Jahren mit der Immuntherapie beginnen. Und dann heißt es durchhalten, denn empfohlen wird eine Behandlungsdauer von mindestens drei Jahren. Aber es lohnt sich: 80 Prozent der Kinder mit Pollenallergie geht es danach deutlich besser. Und nach der Behandlung ist das Risiko für einen „Etagenwechsel“ – also das Risiko, an Asthma zu erkranken – deutlich reduziert.

Besprecht euch bei einem Verdacht auf Heuschnupfen bei eurem Kind mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt – sie können einen Allergietest in die Wege leiten und euch gegebenenfalls an einen Allergologen oder eine Allergologin überweisen. Und auch wenn euer Kind noch ein Kleinkind ist – die Behandlung also erst in ein paar Jahren beginnen kann – ergibt eine frühe Diagnostik mittels Allergietest Sinn.

Welche Medikamente helfen Kindern bei Heuschnupfen?

Da eine Hyposensibilisierung einige Zeit in Anspruch nimmt und die Beschwerden nicht von heute auf morgen verschwinden, stellt sich die Frage: Und wie können wir unserem Kind akut helfen? Da bieten sich eine Reihe von Heuschnupfenmitteln an, die bei Bedarf von eurem Arzt oder eurer Ärztin verschrieben werden können:

  • bei leichten Beschwerden: Augentropfen oder Nasensprays mit antiallergischen Wirkstoffen (Antihistaminika).
  • bei stärkeren Beschwerden: Antihistaminika zum Einnehmen (etwa Cetirizin oder Loratadin) oder kortisonhaltige Nasensprays mit Wirkstoffen wie Mometason oder Fluticason.

Manchmal kann für euer Kind auch eine Kombination aus Antihistaminika und Kortison sinnvoll sein – dies besprecht ihr vor der Anwendung aber besser immer mit eurem behandelnden Allergologen oder eurer Allergologin. Auch wenn Heuschnupfenmittel meisten freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich sind, bleiben es Medikamente deren Einsatz ihr bestenfalls mit Expert:innen besprecht.

Und Vorsicht bei abschwellenden Nasensprays und Nasentropfen: Diese gebt ihr eurem Kind besser nicht länger als 3 bis 5 Tage am Stück, um eine Schädigung der Nasenschleimhaut zu vermeiden. Nasensprays und -tropfen mit den abschwellenden Wirkstoffen Xylometazolin oder Oxymetazolin sind bei einer Pollenallergie also eher nicht das Heuschnupfenmittel der Wahl.

Unser Tipp: Regelmäßige Nasenspülungen mit einer Nasendusche und Kochsalzlösung können die Beschwerden lindern und sind eine gute Begleittherapie.

Vorbeugen: So schützt du dein Kind vor den Pflanzenpollen

Neben einer Langzeittherapie und der Einnahme von Heuschnupfenmitteln gibt es auch einige Maßnahmen, die ihr sofort ergreifen könnt, um eurem heuschnupfengeplagten Kind das Leben etwas zu erleichtern. Oberste Regel ist dabei: Den Kontakt mit den Allergieauslösern so gut es geht vermeiden und die Pollenkonzentration in der Umgebung eures Kindes reduzieren.

Und das könnt ihr tun, um die Pollen auf Distanz zu halten:

  • Lüften? Ja, aber bitte richtig!
    Öffnet nur dann die Fenster, wenn wenig Pollen fliegen und die Pollenkonzentration niedrig ist: In der Stadt ist das vormittags der Fall, auf dem Land abends. Ihr könnt zudem auch extra Pollenschutzgitter vor euren Fenstern installieren – das schützt zusätzlich. Und nachts die Fenster am besten ganz geschlossen halten.
  • Waschen, waschen, waschen
    Damit sind sowohl die Kleidung als auch die Haare eures Kindes gemeint. Am besten jeden Abend einmal schnell shampoonieren und die ausgezogene Kleidung direkt in die Wäsche legen. In jedem Fall aber nicht im Kinderzimmer lagern. Außerdem wichtig: Frisch gewaschene Wäsche nicht im Freien trocknen – da sammeln sich sonst direkt wieder die Pollen drin.
  • Pollenflug beobachten
    Der Deutsche Wetterdienst bietet eine Pollenflug-Vorhersage und einen kostenlosen Pollen-Newsletter für Allergiker:innen an. Richtet Aufenthalte im Freien, wenn möglich, nach dem Pollenflug und bevorzugt windstille Tage mit wenig Pollenbelastung für Ausflüge in die Natur.
  • Sommerurlaub am Meer oder im Gebirge
    Fahrt in den Ferien ans Meer oder ins Gebirge, dort ist die Pollenbelastung geringer. Oder nach Helgoland: Die Insel gilt als nahezu pollenfrei!
  • Kinderzimmer häufig reinigen
    Wischt Flächen häufig feucht ab, saugt die Teppiche und wechselt häufig das Bettzeug – hier können sich wunderbar Pollen ansammeln.
  • Kein Zigarettenrauch in der Nähe
    Dieser Punkt sollte auch unabhängig von einer Pollenallergie klar sein. Doch für kleine Allergiker:innen ist der Qualm besonders belastend: Dieser kann die Beschwerden verschlimmern und gefährdet die Gesundheit eures Kindes.
  • Pollenfrei im Auto
    Wenn ihr im Auto unterwegs seid, lasst die Fenster geschlossen und die Lüftung aus. Oder lasst einen Pollenfilter einbauen.

Lesetipp: Du bist schwanger und Allergikerin? Dann erfährst du hier alles Wissenswerte zu Heuschnupfen in der Schwangerschaft.

Quellen:

ELTERN

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