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Hausmittel für Kinder 6 Krankheiten und was jetzt hilft

Hausmittel für Kinder: Kleiner Junge liegt krank auf Couch
© Tomsickova Tatyana / Shutterstock
Kranke Kinder brauchen vor allem eins: die Zuwendung ihrer Eltern. Es macht fürs Gesundwerden nämlich einen Unterschied, ob wir nur Fiebersaft geben oder auch Zauberkräuter, Höhlendampf und Pommesfahndung im Repertoire haben. Unser Rezept lautet deshalb: Naturheilkunde, ganz spielerisch.

Erkältungen

Sechs bis zehn Erkältungen fangen sich Kinder pro Jahr ein. Schnupfen, Husten, Halsweh sind zwar nichts Schlimmes, aber unangenehm. Das hilft:

Bei allgemeinen Erkältungssymptomen: heißes Fußbad

Ein ansteigend heißes Bad für die Füße kann eine Erkältung ausbremsen. Es sorgt dafür, dass die Schleimhäute der Atemwege stärker durchblutet werden. Viren vermehren sich so langsamer.

So funktioniert es …
… bei Kleinkindern:

- Die Badewanne mit angenehm warmem Wasser füllen, bis die Knöchel des Kindes bedeckt sind. Spielenten oder Wasserbälle darin verteilen.
- Mit dem Kind in die Badewanne steigen. Mama oder Papa stehen auf der Seite des Wasserhahns.
- Nach und nach heißes Wasser einlaufen lassen. - Mit den Füßen die Enten und Bälle herumschubsen, so vermischt sich das Wasser gut.
- Macht einen Wettbewerb: Wer schafft es länger, im Wasser zu bleiben? Aber: Das Kind darf gewinnen.
- Füße abtrocknen, dicke Socken überziehen.

… bei älteren Kindern:
- Eine große Schüssel mit warmem Wasser füllen. Die Knöchel des Kindes müssen bedeckt sein.
- Nach und nach heißes Wasser zugießen. Vorsicht: Die Füße dürfen nicht direkt mit dem heißen Wasser in Berührung kommen.
- Das Fußbad nach 10 bis 15 Minuten beenden, die Füße abtrocknen und dicke Socken überziehen.

Bei Halsweh: Kamillen-Salbei-Tee zum Gurgeln oder Trinken

Kleinen Kindern fällt es häufig schwer zu gurgeln. Sie können den Tee stattdessen trinken. Auch das bringt Linderung.

Rezept:
20 g Kamillenblüten • 20 g Salbeiblätter • 20 g Thymiankraut
So funktioniert es:
- Den Tee in der Apotheke zusammenstellen lassen.
- 1 Teelöffel (TL) der Mischung mit 75 Milliliter (ml) siedendem Wasser übergießen, bedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen und dann durch ein Teesieb abseihen.
- Das Kind zwei- bis dreimal täglich eine Tasse trinken oder mit dem warmen Tee gurgeln lassen.

Bei Schnupfen: Nasentropfen mit physiologischer Kochsalzlösung

Die Kochsalzlösung trägt dazu bei, dass sich zähes Sekret auflöst. Es kann dann besser abfließen, dem Kind fällt das Atmen leichter.
So funktioniert es:
- 1 gestrichenen TL Salz (4,5 g) in ½ Liter kochendem Wasser auflösen, anschließend abkühlen lassen. So entsteht eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung, die dem Salzgehalt der Körperflüssigkeit entspricht.
- Die Salzlösung mit einer Pipette in die Nasenlöcher träufeln.
Wichtig: Physiologische Kochsalzlösung darf höchstens 24 Stunden verwendet werden. Das gilt für selbst hergestellte Lösung genauso wie für gekaufte Portionspackungen, die angebrochen wurden.

Bei Husten: Tee und Dampfinhalation

Der Reiszhusten ist trocken? Dann ist EibischTee angenehm. Eibischwurzel und -blätter bilden einen Schleim, der die Schleimhäute schützt und so den Hustenreiz hemmt.

Rezept:
40 g Eibischwurzel • 20 g Isländisch Moos • 20 g Malvenblüten • 20 g Fenchelfrüchte (angestoßen)
So funktioniert es:
- Den Tee in der Apotheke zusammenstellen lassen.
- 2 TL der Mischung mit 150 ml kaltem Wasser übergießen. Die Eibisch-Wirkstoffe reagieren empfindlich auf Hitze, deshalb muss der Tee kalt angesetzt werden.
- Die Mischung unter gelegentlichem Umrühren etwa eine Stunde abgedeckt stehen lassen, durch ein Sieb abgießen und erst dann auf Trinktemperatur erwärmen.
- Das Kind mehrmals täglich eine Tasse Tee trinken lassen, eventuell mit Fenchelhonig süßen. Er lindert ebenfalls Husten.

Heißer Dampf löst Schleim. Er lässt sich dann leichter abhusten.
So funktioniert es:
- Den Küchentisch mit Decken verhängen, eine Taschenlampe bereitlegen.
- 9 Gramm Salz in 1 Liter heißem Wasser auflösen.
- Heiße Flüssigkeit in eine große, stabil stehende Plastikschüssel geben und unter den Tisch stellen.
-Mit dem Kind davorsetzen, Taschenlampe anknipsen, Abenteuergeschichten erzählen und den heißen Dampf einatmen. - Kann beliebig oft wiederholt werden.
Achtung! Das Kind darf NIE mit dem heißen Wasser allein bleiben oder daran herumspielen. Es kann sich schwer verbrühen. Nach dem Inhalieren sollte es ein Kopftuch umbinden oder eine Mütze aufsetzen, sonst kühlt es schnell aus.

Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen quälen vor allem kleine Kinder. Oft treten sie zusammen mit einer Erkältung auf. Die Schleimhäute schwellen an, Sekret kann nicht mehr abfließen und drückt aufs Trommelfell, was höllisch wehtut. Das kann helfen:

Zwiebelsäckchen Zwiebeln dürfen nicht erhitzt werden, sonst verlieren sie ihre heilende Wirkung.
So funktioniert es:
- Zwiebel schälen, in Scheiben schneiden.
- Die Scheiben in eine alte Socke füllen, zuknoten und quetschen, damit Zwiebelsaft austritt.
- Das Säckchen mit einem warmen Tuch ans Ohr binden. Wirkt etwa zwei Stunden gegen die Schmerzen.

Bauchschmerzen

Tut Kindern der Bauch weh, kann das viele Ursa - chen haben: Magen-Darm-Infekt, Aufregung, Blähungen. Oft verschwinden die Beschwerden rasch wieder, trotzdem solltet ihr Bauch - schmerzen ernst nehmen, da sich dahinter auch schwerwiegende Krankheiten verbergen können. Nach einer Tastuntersuchung wisst ihr mehr.

So funktioniert es:
- Das Kind legt sich auf den Rücken und stellt die Beine gebeugt auf. So ist die Bauchdecke entspannt und ihr könnt gut untersuchen.
- Tastet den äußeren Rand des Bauches ab. Bei kleinen Kindern könnt ihr ein Spiel draus machen: Wo sind die Schokolade oder Pommes versteckt, die das Bauchweh auslösen?
- Geht am Anfang sanft vor und hört sofort mit der Untersuchung auf, wenn der Druck an einer Stelle Schmerzen verursacht. In diesem Fall solltet ihr zeitnah zum Kinderarzt gehen, um schwerwiegende Ursachen ganz klar auszuschließen.
- Reagiert das Kind nicht, könnt ihr den Druck allmählich verstärken.
- Lässt sich der Schmerz nicht auf eine umschriebene Stelle eingrenzen, ist er meistens harmlos und ihr könnt versuchen, ihn weg zu massieren.
- Dafür Kümmelöl im Verhältnis 1:10 mit Olivenöl verdünnen und im Uhrzeigersinn, dem Verlauf des Dickdarms folgend, sanft in den Bauch massieren, bis die Schmerzen abklingen.
Wichtig: Bleiben die Schmerzen bestehen oder kehren sie immer wieder zurück, sollte der Kinderarzt nach den Ursachen suchen.

Durchfall

Kinder leiden weit häufiger als Erwachsene an Durchfall und Erbrechen, weil sich ihr Körper noch nicht so gut gegen Krankheitskeime wie Adeno-, Rota- oder Noroviren wehren kann. Die Keime greifen die Magen- und Darmschleimhaut an und zerstören die Zellen. Die so geschädigten Schleimhäute geben viel Wasser und Mineralien an den Nahrungsbrei ab, Erbrechen und Durchfall sind die Folge. Am wichtigsten ist, den Verlust von Flüssigkeit, Salz und Zucker auszugleichen.

Geriebener Apfel: lindert den Durchfall
So funktioniert es:

- Apfel schälen, entkernen, am besten in einer Glasreibe fein reiben und eine Weile stehen lassen, bis er sich braun verfärbt. So wird er schmackhafter und ist besser verträglich.

Moro’sche Karottensuppe: schützt die Darmschleimhaut
So funktioniert es:

- 500 g geschälte Karotten klein schneiden, in 1 Liter Wasser 90 Minuten lang kochen, pürieren, 1 gestrichenen TL Salz zugeben. Mit 1 TL Butter und 1 EL Zucker schmeckt es besser. Leicht abkühlen lassen und dem Kind zum Essen geben.

Getrocknete Heidelbeeren: Durchfallbonbons für zwischendurch
So funktioniert es : 

- Getrocknete Heidelbeeren mit heißem Wasser überbrühen, abkühlen lassen und dem Kind zum Kauen geben. Für Kinder unter vier Jahren beträgt die Tagesdosis 20 Gramm, bei älteren Kindern 30 Gramm.

Erbrechen

Übelkeit und plötzliches, schwallartiges Erbrechen sind typisch für Magen-Darm-Infekte.

Ingwer: Entleert den Magen, dadurch lässt das Erbrechen schneller nach
So funktioniert es:

- Ingwer schälen und zerkleinern.
- In einen Topf mit wenig kochendem Wasser geben und aufbrühen.
- Viel Traubenzucker hinzufügen, bis eine fast sirupartige Konsistenz entsteht.
- Abkühlen lassen und dem Kind den Teelöffelweise zu trinken geben.

Schlechter Schlaf

Am nächsten Tag beginnt der Urlaub, eine wichtige Klassenarbeit steht an, und abends ist nicht an Schlaf zu denken. Ein ansteigend heißes Fußbad am Abend fördert einen erholsamen, tiefen Schlaf. Auch das kann helfen:

Funktionelle Muskelentspannung nach Jacobson, abgewandelt für kleine Kinder. Dabei werden statt der üblichen Schritte nur zwei angewendet: Die Igelkugel und der Plattfisch.
So funktioniert es:
- Die Igelkugel: Das Kind rollt sich für 30 bis 60 Sekunden möglichst eng zu einer Kugel zusammen.
- Der Plattfisch: Nach der Anspannung bleibt das Kind für zwei bis drei Minuten weit ausgestreckt flach liegen. Mehrmals wiederholen.

Auch Beruhigungstee ist schlaffördernd – hier mit Melisse und Lavendel.
Rezept:
20 g Melissenblätter • 20 g Lavendelblüten • 20 g Hagebutten • 10 g Pomeranzenblüten • 20 g Fenchelfrüchte (angestoßen)
So funktioniert es:
- Den Tee in der Apotheke zusammenstellen lassen.
- 2 TL der Teemischung mit siedendem Wasser (ca. 150 ml) übergießen, bedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen und dann durch ein Teesieb abseihen.
- Eine Tasse vor dem Einschlafen trinken lassen.

Das allerbeste Hausmittel

für kranke Kinder ist Berührung: Händchen halten, sanfte Massagen, Streicheln über den Kopf – egal wie, Hauptsache, ihr gebt eurem kranken Kind so viel Hautkontakt wie möglich.

Die Selbstbehandlung

ersetzt keinen Arzt. Sie eignet sich als Sofortmaßnahme, begleitend zu einer ärztlichen Therapie oder bei harmlosen Beschwerden. Wenn das Kind anhaltende Schmerzen hat, sich sein Zustand deutlich verschlechtert oder ihr als Eltern ein komisches Gefühl habt und unsicher seid, gilt immer: ab zum Kinderarzt.

Eltern Family 10/2021 ELTERN

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