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Hustensaft fürs Baby Ab wann dürfen Babys Hustensaft bekommen?

Skeptisches Baby soll Hustensaft von tätowierter Mutter bekommen
© gpointstudio / Adobe Stock
Er steht als rezeptfreier Nothelfer in so gut wie jeder Familien-Hausapotheke: Hustensaft. Aber können den auch Babys bekommen? Worauf es bei der Einnahme ankommt und wann ihr doch besser ärztlichen Rat sucht.

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Je kleiner Babys noch sind, desto quälender ist ein Husten für sie. Eltern können das oft nur schwer aushalten und machen sich schnell Sorgen. Mit Erkältungssymptomen kommen die Kleinen tagsüber häufig noch einigermaßen zurecht. Aber die Nächte sind schlimm. Atemnot wegen der verstopften Nase und vor allem dieser Dauerhusten! Also muss Hustensaft her, damit alle ein bisschen schlafen und sich erholen können. 

Sind Babys krank, gilt nun aber besondere Vorsicht, denn sie dürfen viele bewährte (Haus-)Mittel noch nicht bekommen. Und es könnte ja auch etwas anderes als ein harmloser Infekt dahinterstecken, zum Beispiel ein verschluckter Fremdkörper. Daher empfiehlt der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ), Kindern unter zwei Jahren Erkältungs- und Hustenmittel immer nur in Absprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu geben.

Ab wann darf ein Baby Hustensaft bekommen?

Das hängt von der Zulassung des jeweiligen Medikamentes ab. Manche sind ohne Mindestalter freigegeben, andere dagegen erst ab sechs Monaten. Ganz wichtig also: Bevor du deinem Kind zum ersten Mal Hustensaft gibst, vorher kurz um Rat fragen, welche der in Apotheken und Drogerien frei verkäuflichen Präparate sich als Vorrat für eure Hausapotheke eignen. Und dann auf jeden Fall die Altersempfehlung beachten und den Beipackzettel genau lesen! 

Soll der Hustensaft Schleim lösen oder den Hustenreiz lindern?

An erster Stelle steht immer die Frage, für welche Art Husten das Mittel gebraucht wird. Denn es gibt eine wichtige Unterscheidung:

  • Soll es Schleim lösen, also den produktiven Husten fördern? Husten dient an sich als praktischer Schutzreflex des Körpers, um Fremdkörper oder Sekret ganz schnell aus dem Körper zu befördern. Hustenlöser helfen dabei, indem sie den Schleim verflüssigen. Auf pflanzlicher Basis wirken am besten Auszüge aus Efeu oder Thymian.
  • Oder soll es trockenen Reizhusten lindern? Bei dieser Art Husten fehlt die Reinigungsfunktion. Das harte, bellende Husten strengt an und schmerzt, belastet die gereizten Schleimhäute und kann so nur noch mehr Hustenreiz, Halskratzen oder Räusperzwang auslösen. Hustenblocker, sogenannte Antitussiva, wirken zentral im Hustenzentrum und unterdrücken den Hustenreiz, so dass sich die Schleimhäute regenerieren können. Bei Kindern im Rahmen einer einfachen Erkältung aber besser pflanzliche Wirkstoffe wie Eibischwurzel oder Isländisch-Moos einsetzen, die den Hustenreiz nur lokal dämpfen.

Welche Hustenhelfer sind für Babys tabu?

  • Honig, aber auch Ahornsirup, kann Bakterien enthalten, die im Darm von Säuglingen Gifte bilden und den gefährlichen Säuglingsbotulismus auslösen.
  • Hustensäfte oder -tropfen, die Alkohol enthalten.
  • Säuglinge und Kleinkinder dürfen außerdem nichts bekommen, das Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Menthol oder Kampfer enthält – weder äußerlich noch innerlich. Ätherische Öle können bei Kindern unter drei Jahren zu starken Atembeschwerden und sogar Erstickungsanfällen führen. Menthol zum Beispiel kann die kindlichen Atemwege reizen, was die Schleimbildung noch erhöht. Das belastet die entzündeten, verengten Atemwege nur noch mehr. Dadurch kann sich die Verengung und Verschleimung ihrer Atemwege, die ja aufgrund der Erkältung ohnehin schon entzündet und verengt sind, noch verschlimmern. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt: "Diese Erkältungsmittel bewirken bei Kindern keine Linderung der Beschwerden, sondern eine Verschlimmerung, die unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein kann."

Welche Hausmittel kommen infrage?

Wer mag, kann Hustensaft auch leicht selbst herstellen. Denkt aber daran, für Hausmittel keine Zutaten zu verwenden, die für Kinder unter einem Jahr noch nicht geeignet sind (siehe oben). Und ob ihr es nicht erst einmal mit einem Wäscheständer im Kinderzimmer versuchen wollt. Unsere 5 besten Tipps:

  1. Viel trinken lassen, am besten warmes Wasser oder Tee für Babys. Das löst den Schleim und erleichtert das Abhusten.
  2. Luftfeuchtigkeit erhöhen: Es genügt, feuchte Tücher auf die Heizung zu legen und regelmäßig zu erneuern. Oder stellt hängt die frisch gewaschene Wäsche in dem Zimmer auf, in dem das Baby liegt.
  3. Rettichsaft (ab sechs Monate): 1 kleinen schwarzen Rettich (Winterrettich) reiben und mit der gleichen Menge Kandiszucker mischen. Für etwa 10–12 Stunden ruhen lassen, danach durch ein sauberes Geschirrtuch auspressen. Lichtgeschützt und kühl aufbewahren, zweimal am Tag 1 TL geben.
  4. Zwiebelsirup (ab sechs Monate): 1–2 Zwiebeln schälen, würfeln. Mit 2–3 EL Zucker mischen und in einem verschlossenen Glas mindestens zwei Stunden ziehen lassen. Zwiebeln abseihen, fertig. Lichtgeschützt und kühl aufbewahren, mehrmals am Tag 1–2 EL geben.
  5. Heiße Milch (im zweiten Lebensjahr auch mit Honig) bringt bei trockenem Reizhusten Linderung.

Zwiebelgeschmack und schwarzer Rettich – nicht gerade Geschmacksrichtungen, die Kleinkinder lieben. Nur der hohe Zuckergehalt versüßt diese Medizin, was Ärzt:innen durchaus kritisch sehen. 

Wann geht ihr besser zur Ärztin oder zum Arzt?

Babys fangen sich gerade im zweiten Lebenshalbjahr leicht eine Erkältung ein, weil etwa ab dem sechsten Lebensmonat der Nestschutz aufgebraucht ist und ihr Immunsystem noch nicht so schlagkräftig ist. Bei folgenden Anzeichen solltet ihr immer die Kinderarztpraxis aufsuchen:

  • Bei akuter Atemnot: sofort den Notarzt rufen.
  • Bei Husten, der länger als zwei Wochen anhält, ohne dass hustenfreie Tage darunter sind.
  • Bei Fieberüber 38,5 Grad (bei Säuglingen unter einem haben Jahr ist auch schon niedrigeres Fieber immer ein Grund für den Arztbesuch!).
  • Wenn das Kind apathisch und richtig krank wirkt.
  • Wenn die Windel über längere Zeit trocken bleibt.
  • Wenn dein Baby nur schlecht saugen und schlucken kann.
  • Wenn beim Ein- oder Ausatmen ein pfeifendes Geräusch entsteht.

Gut zu wissen: Bei Kindern sind bis zum Schulalter bis zu acht Erkältungsepisoden pro Jahr nicht ungewöhnlich und an sich kein Grund zur Besorgnis.

Quellen:

ELTERN

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