Kindergesundheit
 
Meningitis: Was Eltern über die Infektion wissen müssen

Die gute Nachricht: Meningitis ist selten. Die schlechte: Babys und Kleinkinder trifft es am meisten, und eine Infektion ist lebensgefährlich. Wir stellen zwei dramatische Fälle vor und sagen, wie Eltern ihr Kind vor Meningokokken schützen können.

Mutter spielt mit Baby
GSK
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Im Jahr 2018 erkrankten laut Robert-Koch-Institut 295 Menschen in Deutschland an einer Meningokokken-Infektion.
  • Meist sind Babys und Kleinkinder betroffen, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.
  • Bei zwei Dritteln der Erkrankungen kommt es zu einer Hirnhautentzündung, in einem Drittel zu einer Blutvergiftung.
  • Erste Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Lichtscheu. Schnell verschlimmert sich das Krankheitsgefühl, das Kind wird schläfrig und benommen.
  • Da eine Meningitis innerhalb von Stunden lebensgefährlich werden kann, ist es wichtig, die ersten Anzeichen zu kennen.
  • Die von der STIKO empfohlene Meningokokken-Impfung schützt vor einer Infektion mit dem Erreger Typ C.
  • Weitere Meningokokken-Impfungen schützen auch vor den Erregern Typ A, C, W, Y und/oder B.

Auch nach 15 Jahre kommen noch Birgit Augé die Tränen, wenn sie an die Tage zurückdenkt, als die Ärzte um das Leben ihrer Tochter Leonie kämpften. Die Kleine war vier Monate alt. Zuerst sah es nach einem ganz normalen Infekt aus, und Birgit hatte ihre Tochter am Abend ins Bett gebracht. Mitten in der Nacht aber wachte sie auf und schaute zur Sicherheit noch mal nach ihrer Tochter, wie sie heute sagt. Leonie war unruhig, zog die Beine an, krampfte und spuckte.

Eine erfahrene Kinderärztin rettete Leonie das Leben

Sofort fuhr sie mit Leonie ins Krankenhaus. Das Blutbild war unauffällig. Aber eine erfahrene Ärztin ließ sich davon nicht täuschen. Leonie war in einem schlechten Zustand, ihre Lippen waren gräulich und ihre Haut wirkte marmoriert. Den entscheidenden Hinweis brachten dann die roten Flecken, die Birgit für Hitzepickelchen gehalten hatte. In Wahrheit waren es Einblutungen in der Haut – Zeichen für eine Meningokokken-Sepsis. Leonie bekam sofort Antibiotika, aber trotzdem schritt die Infektion erst einmal weiter fort und sie erlitt einen septischen Schock mit Herz-Kreislauf-Versagen. Es grenzt fast an ein Wunder, dass Leonie, heute 15, diese Infektion ohne bleibende Schäden überlebt hat.

So glimpflich ging es bei Isabella nicht ab

Zweijährige Isabella mit Narben an den Beinen
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Auch Isabella (Name geändert) war noch ein Baby, als ihre Mutter mit ihr ins Krankenhaus fuhr: Sie war krank, das Fieber  ging nicht  herunter,  sie hatte leichten Durchfall und war lethargisch. Erst hieß es, sie habe nur einen grippalen Infekt, aber bald darauf lief Isabella  blau an, wurde schlaff und krampfte. Als sich zwölf Stunden nach den ersten Symptomen Hauteinblutungen am ganzen Körper ausbreiteten, war die Diagnose klar: Blutvergiftung  durch Meningokokken.

Mutter hebt kleines Mädchen hoch - Isabella
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Wie häufig bei solch einer Blutvergiftung, erlitt Isabell Zerstörungen an Haut und Gewebe und in der Folge schwere Vernarbungen. Zum Glück war keine Amputation nötig, aber ihre Beine sind stark betroffen und vernarbt. Allein ihr rechtes Bein wurde bereits mehr als 50 Mal operiert, ein Hauttransplantat bedeckt nun die  Vorderseite. Regelmäßige Physiotherapie und ergotherapeutische Begleitung unterstützen die Behandlung der heute Zweijährigen. Isabellas Immunsystem ist so geschwächt, dass sie derzeit noch nicht wieder in den  Kindergarten  gehen  kann.

Meningokokken-Meningitis: Sehr selten, aber auch sehr gefährlich

Doch letztlich hat sogar Isabella Glück im Unglück gehabt. Denn Infektionen mit Meningokokken enden nicht selten tödlich, vor allem, wenn sie zu spät erkannt werden.
Die harten Fakten:

  • Im Jahr 2018 erkrankten laut Robert-Koch-Institut 295 Menschen in Deutschland an einer Meningokokken-Infektion.
  • 34 davon starben. (Das ist fast ein Drittel mehr als im Vorjahr, da gab es 23 Todesfälle.)
  • Meist sind Babys und Kleinkinder betroffen, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.
  • Bei zwei Dritteln der Erkrankungen kommt es zu einer Hirnhautentzündung, in einem Drittel zu einer Blutvergiftung.
  • In 10 bis 20 Prozent der Fälle erleiden die Betroffenen bleibende Schäden. Manchmal müssen Gliedmaßen amputiert werden, um das Leben des Patienten zu retten. Krampfanfälle, Taubheit, Lernschwäche und kognitive Probleme kommen als Spätfolgen vor.

Wie können Eltern eine Infektion mit Meningokokken erkennen?

Krankes Kleinkind
iStock, AGrigorjeva

Die allerersten Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Lichtscheu und allgemeines Krankheitsgefühl, ähnlich wie bei grippalen Infekten. Aber schnell verschlimmert sich das Krankheitsgefühl, die Erkrankten werden schläfrig und benommen. Ein typisches Zeichen ist die schmerzhafte Nackensteifigkeit, oft kombiniert mit morgendlichem Erbrechen. In schweren Fällen zeigen sich durch Störungen der Blutgerinnung punktförmige oder flächige Einblutungen auf der Haut und den Schleimhäuten.
Aber: Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Beschwerden einer Meningokokken-Erkrankung weniger deutlich sein. Die typische Nackensteifigkeit fehlt eventuell. Dafür haben erkrankte Babys neben den üblichen Symptomen wie Fieber, Erbrechen, Krämpfen, Reizbarkeit oder Schläfrigkeit eventuell eine vorgewölbte oder harte Fontanelle – das ist die Spalte zwischen den Schädelplatten.

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Wie können Eltern ihr Kind vor solch einer Infektion schützen?

Zum einen durch das Wissen, woran man eine Meningitis erkennt und dass es bei einer solchen Infektion innerhalb von Stunden um Leben und Tod gehen kann.
Der wirksamere Schutz aber setzt viel früher an: Zum Glück kann man gegen Meningokokken impfen. Dazu muss man wissen: Es gibt verschiedene Meningokokken-Typen. In Deutschland sind Meningokokken der Typen B und C am häufigsten.
 Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung für alle Kinder im Alter von 12 bis 23 Monaten gegen den Typ C. Es stehen auch Impfungen gegen weitere Typen (A, C, W, Y und/oder B) zur Verfügung. Allerdings werden sie von der STIKO bisher nur bestimmten Risikogruppen empfohlen:

  •     Menschen mit Störungen des Abwehrsystems
  •     Laborpersonal
  •     Reisenden in Länder mit vielen Meningokokken-Erkrankungen
  •     Vor Pilgerreisen nach Mekka
  •     Schülern und Studenten vor Auslandsaufenthalten in Länder mit einer Impfempfehlung
  •     Bei regionalen Häufungen von Meningokokken-Erkrankungen
  •     Bei bisher ungeimpften Kontaktpersonen von Erkrankten

Aber: Eine ganze Reihe von Krankenkassen übernehmen inzwischen auch die Kosten für die Meningokokken B-Impfung. Die "Kinderärzte im Netz" führen eine Liste dieser Krankenkassen.
Am besten sprichst du mit dem Kinderarzt darüber, welche Impfungen für dein Kind sinnvoll sind und es am besten schützen. Da auch Jugendliche ein erhöhtes Risiko haben, sich mit Meningokokken zu infizieren und zu erkranken, empfiehlt die Ständige Impfkommission, eine fehlende Impfung bis zum 18. Geburtstag nachzuholen.

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Noch einmal zurück zu Birgit und Leonie: Birgit war sich bis zur Erkrankung ihrer Tochter nicht bewusst, dass es Meningokokken gibt und dass diese insbesondere für Babys und Kleinkinder gefährlich werden können. Ihre Tochter erkrankte im Jahr 2004. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur eine Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C, die aber noch nicht standardmäßig für alle Kinder empfohlen wurde. Sie wurde erst zwei Jahre später in die offiziellen Impf-Empfehlungen aufgenommen. Da Leonie aber an einer anderen Meningokokken-Gruppe erkrankte, hätte diese Impfung nicht schützen können.

Diese Websites informieren umfassend über Meningitis