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Affenpocken Jetzt wurde Deutschlands erster Fall bei einem Kind bekannt

Affenpocken: Jetzt wurde Deutschlands erster Fall bei einem Kind bekannt
© Tobias Arhelger / Adobe Stock
Die Affenpocken breiten sich auch in Deutschland immer weiter aus. Bei einem vierjährigen Mädchen aus Baden-Württemberg ist jetzt erstmals eine Infektion bei einem Kind festgestellt worden.

Aus dem Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) geht hervor, dass das Mädchen in einem Haushalt mit zwei erwachsenen Infizierten lebt. Nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums hat das Mädchen zwar keine Krankheitssymptome, durch einen Rachenabstrich konnten die Affenpocken jedoch nachgewiesen werden. Außerhalb des Haushaltes gibt es offenbar keine weiteren engen Kontaktpersonen.

Ein vier Jahre altes Kind und zwei Jungendliche an Affenpocken erkrankt

Erst in der vergangenen Woche hatte das RKI die ersten Nachweise über Ansteckungen bei Jugendlichen im Alter von 15 und 17 Jahren gemeldet. Bundesweit sind aktuell knapp 3.000 Fälle von Affenpocken an das RKI gemeldet worden. Bei fast allen infizierten Personen handelt es sich um Männer, nur sieben der Betroffenen seien weiblich, so der Lagebericht.

"Nach derzeitigem Wissen ist für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich", teilte das RKI mit. Die Affenpocken übertragen sich unter anderem durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Speichel und Blut. Besonders infektiös ist der für die Affenpocken typische Hautausschlag beziehungsweise dessen Kruste. Für eine Ansteckung über die Luft ist ein längerer enger Kontakt nötig, da die Tröpfchen nicht weit reisen. Anders als beim Coronavirus gilt eine Aerosol-Übertragung als unwahrscheinlich. Jedoch sind bei den Affenpocken Schmierinfektionen möglich. Man kann sich demnach unter anderem durch Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder benutztes Geschirr anstecken.

Die meisten Übertragungen erfolgen durch sexuelle Aktivitäten

Laut RKI erfolgten die meisten Übertragungen in erster Linie im Rahmen von sexuellen Aktivitäten. Die meisten Betroffenen erkranken nicht schwer. Es besteht durchaus die Möglichkeit, "den aktuellen Ausbruch in Deutschland zu begrenzen, wenn Infektionen rechtzeitig erkannt und Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt werden", so das RKI.

Bei der westafrikanischen Variante der Affenpocken – die vermutlich gerade in Europa grassiert – wurde eine Sterblichkeit von einem Prozent beobachtet, was sehr gering ist. Die Sterblichkeit der zentralafrikanischen Variante reicht hingegen bis zu elf Prozent bei Kindern. Aufgrund der besseren Gesundheitsversorgung würde die Sterblichkeit in Deutschland und Europa vermutlich darunter liegen.

Affenpocken: Die Krankheitsverläufe sind mild

Die Verläufe sind bislang sehr mild und die Infektionsrate noch niedrig, daher geht das RKI weiterhin von einer geringen Gefährdungslage für die breite Bevölkerung aus. Die Situation muss aber weiter beobachtet werden, daher hat die Weltgesundheitsorganisation vor rund zwei Wochen die höchste Alarmstufe wegen des Affenpocken-Ausbruchs ausgerufen. Denn: Affenpocken können einen tödlichen Verlauf nehmen – vor allem bei stark immungeschwächten Menschen. Durch die Infektion kann es zu bakteriellen Hautinfektionen, einer Lungen- oder Hirnhautentzündung kommen.

Aktuell sind bis auf wenige Ausnahmen nur erwachsene Menschen von einer Infektion betroffen. Daten aus Afrika zeigen jedoch, dass Kinder unter 16 Jahren ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Vor allem immungeschwächte Kleinkinder seien gefährdet. Es ist allerdings unklar, ob diese Beobachtungen auf die hier grassierende Variante der Affenpocken übertragen werden können.

Verwendete Quellen: zeit.de, tagesschau.de, quarks.de, rki.de

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei brigitte.de.

slr

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