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Zahnarzt Kind So wird der erste Zahnarztbesuch ganz entspannt

Mädchen spielt in der Zahnarztpraxis Zähneputzen
© Evgeniy Kalinovskiy / Adobe Stock
Zum ersten Mal zum Zahnarzt mit unserem Kind: Was bei manchen Eltern ein mulmiges Gefühl auslöst, ist fürs Kind meist gar kein Problem. Wir sagen, wann der erste Zahnarztbesuch fällig ist, was dabei passiert und wie ihr euer Kind vorbereiten könnt, wenn doch einmal eine Behandlung nötig ist.

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Früher war der erste Zahnarztbesuch fürs Kind eher kein Spaß – denn er bedeutete meist, dass ein Zahn kariös war und behandelt werden musste. Kein guter Start!

Ganz anders heute! Seit dem 1. Juli 2019 unterstützen die gesetzlichen Krankenkassen drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen für Kinder ab dem 6. Lebensmonat bis zum 3. Lebensjahr, am dem 4. bis zum 6. Lebensjahr haben Kinder Anspruch auf drei weitere zahnärztliche Untersuchungen. Der Hintergrund: Zehn bis 15 Prozent aller Unter-drei-Jährigen leiden schon an Karies. Je früher die Zahnfäule behandeln wird, desto besser lassen sich bleibende Schäden verhindern.

Wann ist die beste Zeit für den ersten Besuch in der Zahnarztpraxis?

Idealerweise nehmen die Eltern schon mit ihrem Baby die erste Früherkennungs-Untersuchung in der Zahnarztpraxis wahr und und kommen einmal jährlich wieder. Bei guter Zahnpflege mit fluoridhaltiger Zahnpasta und vernünftiger Ernährung hat Karies kaum eine Chance, so dass das Kind die Zahnarztpraxis spielerisch und entspannt kennenlernen kann. Am besten geht das natürlich in einer Kinderzahnarztpraxis, die ganz auf die Bedürfnisse der kleinsten Patient:innen ausgerichtet ist. Aber auch manche ganz normale Zahnarztpraxen stellen sich oft gut auf Kinder ein, es lohnt sich, vorher einmal telefonisch anzufragen, die der erste Besuch dort typischerweise abläuft.

Wie sieht die Behandlung beim ersten Termin aus?

Der Trick bei der ersten Behandlung ist, dass es gar keine Behandlung gibt. In den meisten Kinderzahnarztpraxen dient der erste Besuch in der Praxis einfach dem Kennenlernen der Personen und der ungewohnten Umgebung. Oft dürfen die neuen Patienten einem Stofftier die Zähne putzen, außerdem lernt das Kind die Behandlungsliege und die wichtigsten Instrumente kennen. Hat es z. B. den Absauger mit seinem lauten Geräusch schon einmal gehört und gesehen, ist er ihnen später schon vertraut und weniger angsteinflößend.
Je nach Kind wird beim ersten Besuch auch schon einmal in den Mund geschaut und die Zähne gezählt.

Wie können Eltern ihr Kind auf den ersten Termin vorbereiten?

Der erste Termin sollte möglichst entspannt sein, so Melanie Elger, Kinderzahnärztin aus Hamburg. „Behandeln Sie den Zahnarztbesuch, als wäre er so alltäglich wie Einkaufen, aber quetschen Sie ihn nicht zwischen andere Termine“, so die Medizinerin. Kinder lesen viel zwischen den Zeilen. Vermittelt man ihnen das Gefühl, dass etwas Besonderes ansteht, steigt die Aufregung. Also, bitte kein Lärm um Nichts.

Horror-Geschichten erst gar nicht zulassen

Der Gedanke an den Zahnarzt treibt dir den Schweiß auf die Stirn und der Geruch nach Zahnarzt lässt deinen Puls rasen? Es ist sicher nicht leicht, aber versuche wenn irgend möglich, eigene negative Erfahrungen nicht auf dein Kind zu übertragen. Das gilt auch für Kita-Freunde und Verwandte. Sobald man von einem anstehenden Zahnarztbesuch erzählt, hat jemand eine Horrorstory zu berichten. „Das Kind sollte möglichst unbelastet zum ersten Zahnarzttermin kommen, so Elger. Jetzt hat das Kind die vielleicht einmalige Chance, mit einer guten Erfahrung seine „Zahnarztkarriere“ zu beginnen. Also behalte den Termin lieber für sich und erzähl deinem Kind erst kurz vorher davon.

Wieso nicht ein bisschen schönere Wörter wählen?

Ein Gespräch über den Zahnarzt birgt viele sprachliche Fallstricke. Spritze, Bohren, Schmerzen, Betäuben sind für Kinder Reizwörter, die ihnen Angst machen können. Bei Kinderzahnärztin Melanie Elger werden aus der Spritze „Traumkugeln“, aus dem Bohrer ein „Kugelputzer“ und das bei einigen Behandlungen eingesetzte Lachgas zur „Zauberluft“.
Kinderzahnärzte sind da sehr kreativ und bitten die Eltern der kleinen Patienten schon im Vorfeld, sie zu vermeiden und sich auf andere Begrifflichkeiten einzulassen.
Auch Sätze wie „ Es wird bestimmt nicht wehtun“ oder „Du brauchst keine Angst zu haben“ sind auf der schwarzen Liste. Denn sie bringen das Kind womöglich erst auf die Idee, das es da eigentlich doch einen Grund geben könnte, Angst zu haben.

Belohnungen nicht an Bedingungen knüpfen

Auch eine in Aussicht gestellte Belohnung für braves Mundaufmachen ist nicht sinnvoll. Der Bundesverband der Kinderzahnärzte ist der Meinung, dass ein zuvor versprochenes Belohnungsgeschenk das Kind bei der Behandlung zu stark unter Druck setzt und den Eindruck vermittelt, dass es etwas Unangenehmes überstehen müsse. In den meisten Kinderzahnarztpraxen erhält der kleine Patient im Anschluss eine Kleinigkeit vom Praxisteam.

Spielerische Ablenkung hilft

Kinderzahnärzte achten verstärkt darauf, dass der Zahnarztbesuch in positiver Erinnerung bleibt. Die Räume der Praxis sind hell und bunt gestaltet. Im Wartezimmer gibt es reichlich Spielzeug und die Praxis-Mitarbeiter:innen sind im Umgang mit Kindern besonders geschult.
Bei einer Behandlung nutzen sie spielerische Ablenkungsstrategien. Sie fragen das Kind nach seinem Kindergarten- oder Schulalltag, was es sich zum nächsten Geburtstag wünscht oder lenken es mit lustigen Handpuppen ab, während der Zahnarzt eine Spritze setzt oder bohrt. In einigen Praxen hängen über den flachen Behandlungsliegen Bildschirme, auf denen Zeichentrickfilme laufen.

Bitte nicht schimpfen!

Trotz aller Ablenkung und guter Vorbereitung gibt es Kinder, die bei einer Behandlung nicht mitmachen wollen. Melanie Elger bittet die Eltern in solchen Fällen, keinesfalls zu schimpfen oder schon im Vorfeld zu drohen. Vielmehr sollte das Kind auch für kleine Fortschritte gelobt werden. Z.B. wenn es sich alleine auf die Liege legt, während es das beim ersten Besuch noch nicht wollte.

Was bei Schmerzen hilft

Um Kindern Schmerzen zu ersparen und eine medizinisch optimale Behandlung zu ermöglichen, bieten Kinderzahnärzte häufig eine Lachgasbehandlung an. Die „Zauberluft“ wird dem Kind über die Nase zugeführt. Lachgas hat eine angstlösende, leicht schmerzlindernde und eine beruhigende Wirkung, so der Bundesverband der Kinderzahnärzte. Das Kind ist weiterhin bei Bewusstsein und ansprechbar. Erwachsene Patienten sprechen oft von einem beruhigenden Geborgenheitsgefühl und einem Verlust des Zeitgefühls. Gleichzeitig mit der Angst nimmt auch die Empfindlichkeit für Schmerzen ab und der Würgereiz wird extrem vermindert. Die Behandlung ersetzt in der Regel nicht die lokale Betäubung, sondern wird als Vorbereitung auf die Spritze und Unterstützung während längerer Behandlungen genutzt.
Lässt das Kind auch diese Behandlung nicht zu, muss unter Umständen über eine Vollnarkose nachgedacht werden.

Körperkontakt: Weniger ist mehr

Bei kleinen Kindern sind die Eltern bei der Behandlung dabei. Melanie Elger weist aber darauf hin, dass dem Kind wenig geholfen ist, wenn sie es streicheln oder beruhigend auf es einreden. Dem Kind werde dadurch wieder signalisiert, dass nun etwas Schlimmes kommt. Auch durch ein unaufgeregtes Handauflegen spürt das Kind, dass sie da sind, so der Tipp der Kinderzahnärztin.

Nach dem Zahnarzt ist vor dem Zahnarzt

Die Behandlung ist zu Ende? Auch jetzt bitte falsche Signale vermeiden. Vielleicht denkst du selbst beim Verlassen der Kinderzahnarztpraxis „Gott sei dank, es ist gutgegangen!“. Aber bitte sprich es nicht laut aus! Das gilt auch für Bemerkungen wie  „War doch gar nicht so schlimm!“ oder „Siehst du, hat doch gar nicht weggetan!“. Kinder denken da schnell und folgerichtig etwas anderes: „Aha, es hätte also doch wehtun können!“

Tipp: Wenn ihr keine Kinderzahnarztpraxis in der Nähe kennt, können ihr beim Bundesverband der Kinderzahnärzte nach einer Praxis in eurer Nähe suchen.

Quellen:

Information Mundgesundheit: "Schon mit sechs Monaten zum Zahnarzt"
Kindergesundheit-info.de: "Gesunde Zähne von Anfang an"
Bundesverband der Kinderzahnärzte: "Ohne Angst zum Kinderzahnarzt!

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