Müdigkeit und Kopfschmerzen
 
Neue Studie zeigt: Kinder haben andere Corona-Symptome als Erwachsene

Die Symptome einer Corona-Infektion von Kindern und Erwachsenen sollen sich unterscheiden. Das besagt eine neue Studie.

Kind hat Fieber
Stock, Dean Mitchell

Stand: 9. September 2020
Das Wichtigste vorweg: Es gibt im Laufe der Corona-Pandemie fast täglich neue Erkenntnisse, neue Studien und neue Empfehlungen. Bei allem gilt es, Ruhe zu bewahren und sich anzuschauen, ob und wie diese tatsächlich Auswirkungen auf den Alltag hat. 

Bisher galten Fieber über 38 Grad Celsius, trockener Husten und ein Verlust des Geschmacks- beziehungsweise Geruchsinns als relativ sichere Anzeichen einer Infektion mit dem Corona-Virus – sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Nun wurden neue Studien-Erkenntnisse in Großbritannien veröffentlicht, die auf etwas anderes hindeuten.

Während die bisherigen Symptome bei Erwachsene weiterhin gelten, hat die COVID Symptom-Studie, die am 07. September 2020 im British Medical Journal veröffentlicht wurde, für Kinder zusätzliche Symptome bestimmt. 

Demnach sind:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Halsschmerzen

bei Kindern häufigere Anzeichen für Corona. Auch Fieber gilt weiterhin als Symptom. Hautausschlag wurde bei Kindern auch als ein mögliches Symptom für Corona erkannt. (Trockener) Husten und der teilweise vollständige Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns sind dagegen eher seltenere Anzeichen einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern.

Wie hat die Studie getestet?

Für die Untersuchungen der „COVID Symptom Study" hatte das Forscherteam um Tim Spector knapp 16.000 Kinder auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet, von denen 198 Tests positiv ausfielen. Dafür wurde von dem Team eine App entwickelt, die die Daten der Nutzer begutachtete. Wichtig war, dass die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern getestet wurden. So wurden auch die Kinder getetestet, die keine Symptome aufwiesen.  

Knapp ein Drittel der positiv getesteten Kinder zeigten keine Symptome. Die anderen zwei Drittel zeigten folgenden Symptome:

  • 55 Prozent klagten über Müdigkeit 
  • 54 Prozent hatten Kopfschmerzen
  • knapp 50 Prozent hatten Fieber
  • 38 Prozent hatten Halsschmerzen
  • 35 Prozent litten unter Appetitlosigkeit
  • 15 Prozent hatten Hautausschlag
  • 13 Prozent Durchfall

In einer weiteren prospektiven Studie kamen ähnliche Ergebnisse heraus. Dabei wurden 992 gesunde Kinder von Eltern, die im Gesundheitssektor in Großbritannien arbeiteten, getestet. 6,9 Prozent, also 68 Kinder, wurden positiv auf SARS-CoV-2-Antikörper getestet.

Die Hälfte der positiv-getesteten Kinder zeigten keine Symptome. Die andere Hälfte litt unter folgenden Symptomen:

  • 31 Prozent hatten Fieber
  • 19 Prozent hatten gastrointestinale Symptome wie Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen
  • 18 Prozent klagten über Kopfschmerzen

Genauere Details lassen sich im British Medical Journal nachlesen.

„Wir haben uns Daten von 250.000 Kindern angeschaut und festgestellt, dass die Kinder mit einem positiven Abstrich unterschiedliche Symptome aufwiesen als Erwachsene. Husten und Schwierigkeiten beim Atmen kamen deutlich seltener vor. Gastrointestinale Probleme und vor allem Appetitverlust traten dagegen deutlich häufiger auf. Fieber tritt sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern auf", erklärt Tim Spector, Leiter der Studie und Professor für genetische Epidemiologie am King’s College London. „Knapp 50 Prozent der getesteten Kinder wiesen keine der drei Hauptanzeichen von Erwachsenen auf. (…) Auch Hautausschlag hatte eins von sechs Kindern." **

Ruhe bewahren und kritisch betrachten

Wie schon am Anfang des Artikels bemerkt, heißt es, sich jetzt erst einmal ganz in Ruhe die Auswirkungen dieser neuen Studienergebnisse anzuschauen. Ob die Bundesregierung basierend auf der Studie von britischen Kindern neue Verhaltenskataloge für Kindertagesstätten, Schulen und Freizeiteinrichtungen herausgegeben wird, wird die Zeit zeigen. Für uns Eltern sind solche neuen Studienergebnisse hilfreich, da wir dann noch einmal genauer und gezielter auf die Symptome unserer Kinder schauen können und dann ganz in Ruhe für uns entscheiden können, wie wir damit umgehen.

Denn diese neuen Daten können auch kritisch betrachtet werden, wie Dr. Sanjay Patel, Berater für Infektionskrankheiten von Kindern im Kinderkrankenhaus Southampton, gegenüber der britischen Zeitung „Guardian" bemerkt. Wenn man sich an die bisherigen Leitlinien der Regierung hält und auch die bisher typischen Anzeichen von Covid-19 (Fieber, Husten, Geschmacks- und Geruchsverlust) als Symptome für eine Corona-Infektion nimmt, meint Dr. Patel, deckt man vielleicht nicht jeden einzelnen Corona-Infekt bei Kindern auf, kann aber damit einen massiven Ausbruch und einer Entwicklung zum Hotspot gegenwirken.

Die neu-entdeckten Corona-Symptome bei Kindern können auch Ursache einer ganz anderen Krankheit sein. Wenn wir jetzt anfangen, Kinder wegen leichter Bauchschmerzen zwei Wochen in Quarantäne zu stecken, werden bald ganz andere Probleme auftreten. „Die Konsequenzen, die so ein Vorhaben nach sich zieht, sind sehr leicht greifbar", so Dr. Sanjay Patel. „Viele Kinder würden sehr häufig in der Schule fehlen und die meisten von ihnen wären trotzdem negativ auf Corona getestet." 

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** Originalzitat aus dem British Medical Journal:
“Looking at data from 250 000 children we found those with a positive swab test have a different range of symptoms to adults. Cough and shortness of breath are much less frequent and gastrointestinal problems, especially loss of appetite, more frequent. Fever is still a feature, as in adults.” 

​“Around 50% of children did not have the three core adult symptoms (high temperature, cough, and loss or change in sense of smell or taste) and may present with a wide range of non-specific symptoms, such as malaise and loss of appetite, although skin rash affected one in six,” he said. “The key is for parents to keep children at home with these non-specific signs until they feel better, until tests get more rapid and accessible.”