VG-Wort Pixel

Kinder- und Jugendreport Nicht Corona! 680.000 Kinder weniger geimpft als vor der Pandemie

Kinder- und Jugendreport: Nicht Corona! 680.000 Kinder weniger geimpft als vor der Pandemie
© istockphoto.com/Naumov/DAK
Während der Corona-Pandemie sind minderjährige Kinder deutlich weniger gegen andere Krankheiten als Covid geimpft worden als noch davor. Das geht aus dem Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK hervor.

Im vergangenen Jahr 2021 gab es elf Prozent weniger Impfungen für Kinder und Jugendliche als noch vor 2019 – also vor Pandemieausbruch. Nach Hochrechnungen der Krankenkasse wurden im vergangenen Jahr rund 680.000 Kinder weniger geimpft als Vergleichsjahr 2019, so die Ergebnisse einer Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit.

Ohne Impfungen können ausgerottete Krankheiten zurückkehren

"Wir beobachten schon länger einen Rückgang der Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen. In der Corona-Pandemie hat sich dieser negative Trend verstärkt", sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Es gäbe einen akuten Handlungsbedarf, sonst werden junge Menschen plötzlich wieder durch Krankheiten bedroht, die eigentlich als ausgerottet galten. Vor diesem Hintergrund fordert Andreas Storm eine breite Aufklärungskampagne, um Eltern über den Nutzen von Impfungen und das Risiko einzelner Krankheiten aufzuklären.

Nicht nur die Impfungen sind zurückgegangen, auch die Anzahl der Arztbesuche hat während der Pandemie abgenommen. So gingen hochgerechnet bundesweit rund 1,3 Millionen weniger Mädchen und Jungen in die Praxen als vor der Pandemie – ein Minus von vier Prozent. Besonders stark ist der Rückgang von Impfungen und Arztbesuchen während der Lockdown-Phasen zu erkennen.

Rund 166.000 Kindern fehlt die Impfung gegen Diphtherie und Co.

Mit 23 Prozent weniger ist die Gesamtimpfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung – die sogenannte Tdap-IPV-Impfung – am meisten zurückgegangen. Es wurden 2021 rund 166.000 weniger Kinder und Jugendliche geimpft. Im Bereich Meningokokken C erhielten sogar 200.000 weniger eine Impfung (ein Minus von 19 Prozent). Hier zeigt sich noch ein klarer Unterschied zwischen der Gesamtimpfung – worunter die erste sowie die letzte und Auffrischungsdosen einer Impfung zusammengefasst werden – und der Erstimpfung. Bei Erstimpfungen der Tdap-IPV ist ein Rückgang von 31 Prozent erkennbar.

Auch bei HPV-Impfungen zur Krebsvorsorge gingen die Zahlen 2021 zurück. Die Gesamtimpfungen sanken um 13 Prozent und Erstimpfungen sogar um gut ein Viertel (24 Prozent). Bei Jungen war der Rückgang mit einem Minus von 26 Prozent noch einmal deutlicher als bei den Mädchen mit 22 Prozent.

Für den Kinder- und Jugendreport untersuchte das Wissenschaftsteam von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 782.000 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind. Analysezeitraum waren die Jahre 2019 bis 2021. "Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kann die Analyse-Ergebnisse bestätigen", sagt Präsident Dr. Thomas Fischbach. "Die anhaltend hohen Infektionszahlen haben sicherlich auch negative Auswirkungen auf die Impfraten, die teilweise zweistellig gesunken sind. Wir müssen die Impflücken jetzt schließen."

Verwendete Quelle: Pressemitteilung DAK, dak.de

slr ELTERN

Mehr zum Thema