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Süßigkeiten ohne Ende So wird dein Kind kein Zuckerjunkie

Süßigkeiten
© stockcreations / Shutterstock
Bis die Welt draußen weniger klebrig wird, kann es dauern. Aber unsere Kinder wollen jetzt was Süßes – und einfach laufen lassen geht auch nicht. Die Lösung: Regeln statt Verbote. Wer damit früh anfängt, hat gute Chancen, dass sein Kind auch später kein Zuckerjunkie wird.

Was kann ich tun, wenn das Kind ständig nach Süßigkeiten fragt?

Wir Eltern sind die „Bestimmer“ des Angebots. Wir müssen für uns klären: Was ist eine angemessene Tagesportion Süßes für unser Kind – und dann an einem Strang ziehen. Haben wir das einmal getan, erleichtern klare Regeln den Alltag enorm und verhindern ständiges Diskutieren. Wichtig ist dabei die Verkaufe. Wer es schafft, aus dem „Du darfst nicht“, ein „Du darfst“ zu machen, hat viel gewonnen. Zum Beispiel so: „Eine Portion Süßes am Tag ist okay. Und du darfst sie dir selber aussuchen ...“ Bei älteren Kindern funktioniert auch eine Wochenration. Dazu kann man eine schöne Box besorgen, und das Kind darf bestimmen, welche Süßigkeiten reinkommen.

Regel zwei könnte sein: Die Süßigkeiten werden am Tisch gegessen, oder das Kind darf damit gemütlich aufs Sofa. So kann es viel besser genießen, als wenn es nebenher durch die Wohnung rennt oder am Tablet spielt.

Und was, wenn das Kind morgens einen Korb voll Schoko-Eier gesammelt hat, später noch Osterhasen von Nachbarn und Freunden geschenkt bekommt und klarstellt: „Die gehören mir, die esse ich jetzt alle auf!“?

An besonderen Tagen darf es natürlich Ausnahmen geben. Und wir haben die Chance, endlich mal richtig großzügig zu sein und so schöne Sätze zu sagen wie: „Ja, heute darfst du den Schokohasen nach dem Frühstück essen und klar, später kannst du dir noch eine Portion Süßes aussuchen, ist ja schließlich Ostern. Den Rest darfst du auch behalten, den legen wir in deine Box.“ Für morgen und übermorgen.

Sind die Kinder älter und nicht völlig süßverrückt, muss man geschenkte Süßigkeiten gar nicht beschränken – wenn es sich um überschaubare Mengen handelt. 

Was kann ich tun, wenn mein Kind immer moppeliger wird und trotzdem naschen will?

Wichtig ist hier der Blick auf die Entwicklung. War das Kind schon immer kräftig und bleibt in seiner Kurve, müssen wir uns weniger Gedanken machen, als wenn es plötzlich zunimmt. Dann wird es Zeit zu überlegen, wo sich Zucker einsparen ließe, ohne dass es groß zum Thema wird. In einem Erdbeerjoghurt beispielsweise stecken bis zu sechs Zuckerwürfel, in einer Smoothie-Flasche bis zu neun. Wenn wir stattdessen Naturjoghurt kaufen und frische Früchte reinschnippeln oder selbst Obst pürieren, ist das viel gesünder, extralecker – und wir können sagen: „Ja Schatz, du darfst dir was Süßes nehmen.“ 

Wie soll ich reagieren, wenn mein Kind vom Mittagessen nur den Nachtisch will?

Unser Kind findet Brokkoli und Veggieburger iih? Und wir finden: Dann gibt’s auch den Nachtisch nicht. Keine gute Idee. Denn das wertet den süßen Nachschlag nur weiter auf und macht ihn noch interessanter. Besser als Verbote sind auch hier Regeln: „Nachtisch heißt Nachtisch, weil er danach kommt. Vor dem Nachtisch wird deshalb etwas gegessen, das satt macht. Aber wenn du willst, darfst du nur den Kartoffelbrei und die Soße essen. Oder auch einfach Brot mit Käse und Tomate.“ 

Was soll ich tun, wenn wir oft tütenweise Süßigkeiten von der Oma geschenkt bekommt und wir uns darüber ärgern?

Dann sollten wir reden – und zwar erst mal mit der Oma und ohne das Kind. Vielleicht bringt Oma nur eine Süßigkeit, dafür noch ein kleines Spiel mit. Gibt es weiter Stress, müssen wir uns fragen: Geht es hier vielleicht gar nicht wirklich ums Süße, tragen wir einen anderen Konflikt aus? Was dann hilft? Sich ein Stück zurücknehmen und den inneren Prinzipienreiter mal ziehen zu lassen: Großeltern dürfen mehr verwöhnen als Eltern. Ist das Kind noch klein, können wir sagen: Du darfst dir aus Omas großer Wundertüte jetzt eine Portion aussuchen, der Rest kommt in deine Naschbox. Das Kind stopft sich trotzdem voll? Dann steuern wir morgen nach und stellen statt Pudding eine Schale Blaubeeren auf den Tisch oder eine Wassermelone. Es geht schließlich nicht darum, Tag für Tag die Ernährungspyramide abzuarbeiten. Sie ist eine Orientierung, um das Kind einigermaßen vernünftig zu ernähren. Mit Betonung auf einigermaßen: Denn wenn es beim Essen ausschließlich um gesund geht und das auch ständig thematisiert wird, fällt zu vieles hinten runter: zusammensitzen, reden, sich auf Leckeres freuen und es genießen – all das gehört genauso dazu. 

ELTERN

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