Essgewohnheiten
 
Frau Poletto, was isst eigentlich Ihre Tochter?

Wird das Kind einer Sterneköchin automatisch zum Feinschmecker? Oder mag es - wie fast alle Kinder - am liebsten Nudeln, Würstchen und Pommes? Wir haben bei der Hamburger Starköchin Cornelia Poletto (36), Mutter von Paola (6), nachgefragt.

Essgewohnheiten: Frau Poletto, was isst eigentlich Ihre Tochter?

Was mag Ihre Tochter überhaupt nicht essen?
Sie mag Karotten, Blumenkohl und Romanesco. Aber wenn Sie ihr eine Bohne oder einen Rosenkohl vorsetzen, sind Sie leider auf der Verliererseite.

Sie probieren beim Essen wahrscheinlich viel aus?
Ja, wir essen ja jeden Tag zusammen, mit der Familie und allen Mitarbeitern nach unserem Mittagsgeschäft. Und das animiert Kinder natürlich auch eher, mal etwas zu probieren, als wenn sie allein da sitzen. Aber trotzdem möchte ich nicht sagen, dass ich das Glück habe, dass meine Tochter alles isst.

Haben Sie denn Tricks, mit denen Sie Paola die Bohne dann doch noch schmackhaft machen können?
Es gibt immer mal wieder so Zufallstricks - dass sie plötzlich was probiert, von dem ich dann doch erstaunt bin. Und ich versuche es auch immer wieder. Es ist, glaube ich, sehr wichtig, dass man als Eltern nie aufgibt, den Kindern immer wieder etwas anzubieten, selbst wenn sie es noch vor einem halben Jahr nicht gegessen haben. Kinder ändern so schnell ihren Geschmack, dass sie dann plötzlich sagen, "Boah, wie toll". Andersherum geht es aber auch: Meine Tochter liebt zum Beispiel jede Form von Muscheln - ob das Miesmuscheln sind oder Venusmuscheln - aber im Moment hat sie eine Phase, in der sie meint, sie mag keine Miesmuscheln mehr.

Dass ein Kind Muscheln mag, ist aber auch eher ungewöhnlich.
Paola hat schon mit drei Jahren bei mir in der Küche oben auf dem Küchentisch gesessen, während ich die Muscheln abgekocht habe. Und weil ich zwischendurch gerne mal eine esse - eine für mich, eine für die Gäste, sozusagen - habe ich auch irgendwann ihr eine zum Probieren gegeben. Und Paola liebt sie heute.

Und was ist das Lieblingsgericht Ihrer Tochter?
Das schwankt ein bisschen zwischen Fleisch mit Kartoffeln oder Spaghetti mit Muscheln, Spaghetti mit Bolognese oder auch gerne - wie Papi es auch liebt - Spaghetti mit Butter und Parmesan.

Gab es denn auch mal eine Phase, in der Paola nicht essen wollte, was mittags auf dem Tisch stand?
Ja, klar. Und ich bin leider auch nicht immer konsequent und kann es nicht mit ansehen, wenn Paola nichts essen will. Im Moment sind wir in einer Pfannkuchenphase, und wenn Paola dann sagt: "Ich will aber Pfannkuchen", antworte ich "Nein, es gibt keinen Pfannkuchen, erst wird etwas Richtiges gegessen." Meistens zwingt sie sich dann zwei, drei Stückchen von irgendwas rein, was sie eigentlich nicht essen wollte - und dann kriegt sie noch ihren Pfannkuchen.

Mir ist es wichtig, dass Paola den natürlichen Geschmack kennen lernt

Bringt Ihre Tochter denn hin und wieder auch andere Kinder zum Essen mit?
Ja, sehr häufig. Und ich finde es auch sehr wichtig, dass ein Einzelkind ganz viel Kontakt hat mit anderen Kindern. Ein- oder zweimal die Woche ist jemand da. Und ich merke, dass die Freundinnen meiner Tochter es auch unheimlich toll finden, dass es hier einen so großen Tisch gibt, an dem viele Menschen sitzen. Dann werden auch vielleicht mal Dinge gegessen, die sie zuhause nicht essen. Als meine Tochter noch im Kindergarten war, habe ich öfter die Kindergarten-Gruppe in meine Kochschule eingeladen und dann auch mal mit ihnen zusammen eine richtige Bolognese frisch gekocht. Das haben sie auch alle mit ganz großem Stolz gegessen. Nachher hat eine Mutter zu mir gesagt: "Das glaube ich nicht, dass sie das gegessen hat, das hat sie bei uns noch nie gemacht."

Wie haben Sie selbst als Kind gegessen?
Ich war als Kind ein recht ungewöhnlicher Esser, weil ich alles gemocht habe - ein richtiger Allesesser. Damals waren ja auch Schnecken in Kräuterbutter so angesagt und ich habe sie geliebt, genauso wie Muscheln. Nur eine Sache habe ich nicht gemocht: gekochter Rosenkohl. Da musste ich als Kind fast würgen.

Glauben Sie denn, dass eine professionelle Köchin wie Sie ein Kind anders an gutes, gesundes Essen heranführen kann als andere Mütter?
Ich glaube, dass man ein Kind in dieser Situation auch im wahrsten Sinne des Wortes "versauen" kann. Meine Tochter kriegt natürlich immer das beste Fleisch, den frischesten Fisch - und perfekt gegart. Und ich merke, dass Paola leider sehr zickig ist mit Essen, wenn sie bei Freunden isst. Und auch in anderen Restaurants.
Andererseits: Mit ist es wichtig, dass Paola hier eine Küche mitbekommt, die Geschmack hat - und vor allem natürlichen Geschmack. Ich habe gerade erst wieder gelesen, wie viele Fertiggerichte im letzten Jahr in Deutschland gekauft wurden. Die Kinder werden dadurch in Geschmacksrichtungen gebracht, die nicht mehr das eigentliche Produkt ausmachen. Die wissen zwar, wie eine Tomate schmeckt, aber meistens eher nur aus der Dose. Ich kann jede Mutter verstehen, die wenig Zeit zum Kochen hat, aber mit einigen frischen Zutaten kann man auch halbfertige Gerichte aufpeppen.

Was ist denn ein absolutes "No Go" bei der Ernährung Ihrer Tochter?
Ich bin der absolute Oberhasser von Fertiggerichten. Wenn ich hinten auf der Packung lese, wie viele Konservierungsstoffe da drin sind und dazu noch Glutamat, das geht überhaupt nicht. Meine Tochter kennt natürlich auch McDonalds, aber sie findet das überhaupt nicht spannend. Außerdem gab es bei uns von Anfang an nur Wasser zu trinken - und Paola hasst Cola wie die Pest.