Gesundheit
 
Folsäure: Wissenswertes für Kinderwunsch und Schwangerschaft

Dr. med Annette Klöpper, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Psychotherapie
Medizinisch geprüft vonDr. med. Annette Klöpper
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Dr. med. Annette Klöpper geprüft.

Folsäure ist besonders in den ersten Schwangerschaftswochen für das Baby wichtig. Daher sollten Frauen mit Kinderwunsch die ausreichende Versorgung mit diesem Vitamin schon früh im Blick haben. Was Folsäure ist, in welchen Lebensmitteln sie sich versteckt und wie viel es davon braucht, haben wir für dich zusammengestellt. Plus: Unser Schnelltest verrät dir, wie gut du bereits versorgt bist.

Folsäure in der Schwangerschaft
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Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Folsäure ist eines der wichtigsten Vitamine in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft.
  • In der Schwangerschaft verdoppelt sich der Bedarf an Folsäure auf 800 Mikrogramm pro Tag, weshalb die Einnahme von Folsäure-Präparaten empfohlen wird.
  • Mit der Einnahme sollte schon in der Phase des Kinderwunsches begonnen werden, damit der Fötus direkt ausreichend versorgt ist.
  • Folsäuremangel beim Fötus kann zu Entwicklungsstörungen im Zentralnervensystem führen und im schlimmsten Fall einen offenen Rücken, eine Lippen-Gaumen-Spalte oder andere Fehlbildungen zur Folge haben.

Was ist Folsäure eigentlich und wofür braucht der Körper sie?

Folsäure ist die synthetisch hergestellte Form von Folat, einem wasserlöslichen B-Vitamin. Es wurde erst in den 1940er Jahren entdeckt und ist auch als Vitamin B9 bekannt. Das Vitamin kann vom Körper nicht selbst gebildet werden, wird aber vom Organismus für die Blutbildung sowie für zahlreiche Stoffwechselvorgänge benötigt. Folsäure ist an der Synthese von DNS-Bausteinen beteiligt und spielt daher eine wichtige Rolle für alle Wachstumsprozesse im Körper. Für den wachsenden Embryo ist sie lebensnotwendig.  
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Wie hoch ist der Bedarf des Menschen an Folsäure?

Das kommt darauf an, in welcher Lebensphase sich die Person befindet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen, täglich 300 Mikrogramm Folsäure zu sich zu nehmen. Frauen mit Kinderwunsch sollten zusätzlich zur folatreichen Ernährung (siehe unten) täglich ein Präparat mit 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen. Schwangere, die weniger als vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft mit der Einnahme begonnen haben, sollten täglich 800 Mikrogramm Folsäure einnehmen, damit schnell eine ausreichende Menge Folsäure im Blut erreicht wird. Eine Überdosierung hat keinen negativen gesundheitlichen Effekt. Der Körper kann das überschüssige Vitamin nicht verwerten und scheidet es mit dem Urin aus. In der deutschen Bevölkerung ist eine Unterdosierung häufig zu beobachten: Etwa zwei Drittel der Erwachsenen liegen unter dem vorgegebenen Richtwert.  

Warum ist Folsäure so wichtig in der Schwangerschaft?

Folat spielt bei der Ernährung in der Schwangerschaft eine bedeutende Rolle, sie ist eines der wichtigsten Vitamine in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Bei Folsäuremangel kann sich das Zentralnervensystem des Fötus nicht gesund entwickeln. Im Extremfall können ein offener Rücken (Spina bifida), eine Lippen-Gaumen-Spalte oder andere Fehlbildungen die Folge sein.

Wann macht die Einnahme von Folsäurepräparaten Sinn?

Da in der Schwangerschaft der Bedarf an Folsäure steigt, ist es nicht leicht, diesen allein durch gesunde Nahrungsmittel zu decken – zumal der Körper nur etwa 50 Prozent des sogenannten Folats aus Lebensmitteln aufnehmen kann. Zu langes Lagern von Lebensmitteln schadet dem Folat-Gehalt, genauso wie Hitze. In gekochten Speisen ist weniger von dem Vitamin vorhanden. Für Frauen mit Kinderwunsch und für Schwangere bis zur zwölften Schwangerschaftswoche ist die Einnahme von Tabletten mit 800 Mikrogramm Folsäure daher sinnvoll, da auf diesem Weg die Folsäure einfacher und effektiver aufgenommen werden kann. Ab der zwölften Woche werden Präparate mit 400 Mikrogramm Folsäure bis zum Ende der Stillzeit empfohlen. Wichtig ist, dass du bezüglich der Dosierung Rücksprache mit deinem Frauenarzt hältst. Präparate gibt es in Apotheken und Drogeriemärkten in verschiedenen Zubereitungen zu kaufen.  

Warum sind Tabletten vor allem Frauen, die ein Kind planen, zu empfehlen?

Frauen, die sich ein Baby wünschen, sollten vom Absetzen des Verhütungsmittels an Folsäure-Präparate nehmen, damit der Embryo sofort ausreichend mit dem Vitamin versorgt wird. So kann das Risiko von Fehlbildungen verringert werden. Wenn du schwanger werden möchtest, solltest du mindestens vier Wochen vorher besonders gut darauf achtgeben, dass du ausreichend von dem Mikronährstoff bekommst. Es braucht nämlich etwas Zeit, bis sich die Folsäure in deinem Körper bis zu dem empfohlenen Pegel aufbauen kann. Mit einem Präparat kannst du sicherstellen, dass dein Baby von Beginn an gut versorgt ist. Denn vor allem im frühen Stadium der Schwangerschaft ist das Vitamin wichtig für die Entwicklung deines Kindes: Es ist maßgeblich an der Zellbildung und Teilung beteiligt. Außerdem schafft es die Voraussetzung für die gesunde Bildung des Nervensystems.

Warum sollte auch in der Stillzeit auf ausreichend Folsäure geachtet werden?

Nicht nur während du schwanger bist, sondern auch in der Stillzeit ist es ratsam, auf folsäurehaltige Nahrung zu achten. Denn mit deiner Gesundheit begünstigst du auch die deines Kindes: Durch das Stillen gerät der Nährstoff über die Muttermlich in den Blutkreislauf deines Babys und fördert damit Wachstum sowie Entwicklung der Organe. Säuglinge unter vier Monaten haben einen Bedarf von 60 Mikrogramm pro Tag, Babys zwischen vier und zwölf Monaten sollten 80 Mikrogramm pro Tag aufnehmen. Um dies zu gewährleisten, sollten Stillende täglich 600 Mikrogramm des Vitamins zu sich nehmen – am besten mithilfe eines Nahrungsergänzungsmittels.  

Welche Lebensmittel enthalten Folat?

Schwangere Frau isst ein Salat
iStock, gilaxia

Vor allem, weil du das Vitamin B9 nicht selbst produzieren kannst, ist eine bewusste Wahl der Lebensmittel so wichtig. Die besten Folsäure-Lieferanten sind Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen), Hefe und Getreidekeime (z.B. Weizenkeime). Auch grünes Blattgemüse, wie Spinat, Spargel oder Salat, und anderes Gemüse, wie Brokkoli, Grünkohl, Avocado, Karotten, Tomaten, Rosenkohl und Radieschen enthalten Folat. Vollkornprodukte, Sojabohnen, Orangen, Bananen, Eigelb, Fleisch (besonders Leber), Fisch, Nüsse und Milch enthalten ebenfalls Vitamin B9 und sind wichtig für eine vitaminreiche Ernährung vor und während einer Schwangerschaft.
 
Achtung: Folsäure ist licht- und wasserempfindlich. Gerade Blattgemüse sollte nicht zu lange gewässert werden. Auch lange Lager- und Kochzeiten reduzieren den Folsäuregehalt in frischen Lebensmitteln. Eine schonende Zubereitung und kurze Garzeiten sind zu empfehlen, weil bei zu großer Hitze der Mikronährstoff zerstört wird. Außerdem solltest du die Mengen an Folat, die in Lebensmitteln stecken, nicht überschätzen. Um den empfohlenen Richtwert zu erreichen, erfordert es eine sehr konsequente Ernährung. 
 

Woran erkenne ich, ob ich einen Folsäure-Mangel habe?

Auch wenn du im Moment kein Kind erwartest oder schwanger werden möchtest, ist eine ausreichende Versorgung mit Folsäure ein wichtiges Thema. Ohne ständigen Nachschub sind die Speicher in der Leber nach drei bis vier Wochen aufgebraucht. Symptome eines Folsäuremangels: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Herzklopfen, Ohrensausen, Schwindelgefühle, ein gestörter Geschmackssinn, Schleimhautentzündungen, Gewichtsverlust oder Durchfall. Erste Anhaltspunkte, ob du ausreichend versorgt bist, liefert der vom Deutschen Grünen Kreuz entwickelte Schnelltest. Absolute Gewissheit kann nur ein Bluttest bei deiner Ärztin bieten.

Wie kann es sein, dass ich zu wenig Folsäure aufnehme?

Da gibt es viele Gründe. Die häufigsten sind:

  • Unausgewogene Ernährung
  • Langwierige Schlankheitsdiät
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • bestimmte Medikamente (zum Beispiel die Pille)
  • zu viel direkte Sonne (das Vitamin ist sehr lichtempfindlich, gerade bei heller Haut reduziert starke Sonnenstrahlung den Folsäuregehalt im Körper)
  • Vitamin-B12-Mangel

Brauchen Kinder Folsäure?

Und ob! Schnelles Wachstum steigert den Bedarf enorm. Deshalb sollten beispielsweise Sieben- bis Zehnjährige auf Empfehlung der DGE 300 Mikrogramm Folsäure pro Tag aufnehmen. Durch eine gesunde, vollwertige Ernährung ist dieser Wert relativ schnell erreicht.

Stimmt es, dass in anderen Ländern das Mehl gezielt mit Folsäure angereichert wird?

Ja. In den USA, Kanada, Chile und anderen Ländern ist der Folsäurezusatz in Mehl gesetzlich vorgeschrieben. Ziel ist es, die Zahl der Schwangerschaften mit Spina bifida (Offener Rücken) oder anderen Fehlbildungen zu reduzieren. Auch in der Schweiz werden seit dem Jahr 2000 über 300 Produkte mit Folsäure angereichert. Da Folsäure gerade dann so wichtig für das Ungeborene ist, wenn die Mutter noch nichts von der Schwangerschaft weiß, gehen Experten davon aus, dass durch diese Maßnahmen die Zahl der Fehlbildungen deutlich abgesenkt werden kann. Andere Fachleute warnen vor der Gefahr einer versehentlichen Überdosierung. In Deutschland ist der Zusatz von Folsäure zu gängigen Lebensmitteln derzeit noch nicht rechtlich verankert. Man geht davon aus, dass man sich durch bewusste Ernährung ausreichend mit Nährstoffen versorgen kann und darüber hinaus die Möglichkeit hat, Nahrungsergänzungsmittel oder folsäureangereicherte Müsliriegel, Getränke oder Kochsalz zu kaufen.