Kochen für Gäste-Kinder
 
Gemüse mit Gemecker

Gar nicht so einfach, für Kinder zu kochen: Eines mag keinen Fisch, das andere mag kein Grünzeug. Hier finden Sie Tipps, Infos, Rezepte und einen Erfahrungsbericht.

Kochen für Gäste-Kinder
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Auswege aus dem Mütterfrust

Die Freundinnen meiner Tochter mag ich, wirklich. Und ich freue mich, wenn sie zu uns nach Hause kommen. Ist doch herrlich, wenn die achtjährigen Mädchen im Wohnzimmer Zirkus spielen oder versuchen, die Zwergkaninchen im Garten zu dressieren. Nur einen kritischen Moment gibt es: Wenn die Mädels schon im Auto fragen: "Und was gibt es zu essen?" Denn, egal was ich antworte, ein Kommentar kommt immer: "Iiiih, das mag ich nicht!" Und das ist noch die elegante Version ...

Leider kann jedes der Mädchen etwas anderes nicht leiden. "Brokkoli - ekelhaft!", meint Carolin. Annika findet Käse auf der Pizza abscheulich. Freya mag keine Tomatensoße, Birte weder Reis noch Kartoffelbrei. Meine Tochter Aileen beendet die Diskussionen schließlich: "Ich will Spaghetti und Salat!" Worauf ich mal vorgeschlagen habe, nur heißes Wasser auf den Tisch zu stellen, weil das niemand abgelehnt hatte. Manchmal rutscht mir leider aber auch die Frage raus: "Worauf habt ihr denn Lust?" Wobei ich eigentlich schon weiß, dass kaum eins der Mädchen "Seelachs-Brokkoli-Auflauf" vorschlagen würde. Wie sollten sie auch darauf kommen? Ist ja schließlich mein Job.
Was mir selbst schmeckt, bietet leider gar keinen Anhaltspunkt. Denn ich bin Vollwert-Fan - und damit kann ich bei den Kindern überhaupt nicht landen. Um die kleinen Monster dennoch irgendwie satt zu kriegen, habe ich schon einiges ausprobiert:

  • Das Buffetmenü: Es gibt lauter Einzelgerichte, aus denen sich die Kids aussuchen können, was ihnen schmeckt – Kartoffeln, Nudeln, Soße, Gemüse. Super erfolgreich, aber extrem aufwändig.
  • Die Stillhalte-Taktik: Man vereinbart mit den Kindern, dass sich am einen Tag die eine etwas aussuchen darf, beim nächsten Mal die andere. Das Problem: Was ist, wenn alle nur Spaghetti wollen? Ich kann keine Spaghetti mehr sehen!
  • Der leichte Zwang: Alle müssen von allem probieren, wenigstens einen kleinen Löffel voll. Einen "Zwergenhapps" nannte man das früher im Kindergarten. Es sollte dazu führen, dass die Kinder allmählich auch Dinge essen, die sie vorher nicht kannten oder mochten. Hirsebrei zum Beispiel. Bei mir zu Hause führte es dazu, dass den Mädchen schlagartig der Appetit verging. Und sie sich eine Stunde später, angeführt von meiner Tochter, über die Keksvorräte hermachten.
Meinen Freundinnen geht es auch nicht besser - mein einziger Trost!

Einziger Trost: Meinen Freundinnen geht es auch nicht besser. Alle müssen sie damit leben, dass die Kinder sich nur selten auf ein Essen wirklich freuen. Am besten, man macht sich deswegen nicht zu viele Gedanken. "Vor einem vollen Tisch ist noch kein Kind verhungert", sagt unser Kinderarzt. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund gibt ebenfalls Entwarnung für kochende Mütter und Väter: "Kinder müssen nicht alles mit Heißhunger essen, was man ihnen serviert", sagt sie. "Wenn sie sich mal nur Reis oder nur Nudeln nehmen, würde ich mir darüber gar keine Gedanken machen." Die Kochbuchautorin Dagmar von Cramm meint, wenn man seine und fremde Kinder wie Gäste behandele, die Mahlzeit gemeinsam vorbereite, den Tisch schön decke, sei das, was auf dem Teller liege, gar nicht mehr so wichtig. Diesem Rat folge ich jetzt öfter. Mit Erfolg. Gemeinsam Möhren schnippeln macht den Mädchen Spaß. Wir decken den Tisch gemeinsam, das stimmt auf die Mahlzeit ein. Mit ein bisschen Kritik an meiner Kochkunst lebe ich einfach. Meine Freundin Heike hatte dazu neulich guten Rat parat. Zu meinen Zweifeln, ob der auf dem Markt angebotene Brokkoli den Mädels wohl schmecken würde, meinte sie trocken: "Und wenn nicht, dann gibt es eben Gemüse mit Gemecker – dann brauchst du keine andere Beilage."

"Ich frage nicht, wie’s schmeckt!"

Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm über heikle EsserELTERN: Schwierige Gästekinder am Tisch – wie gehen Sie damit um?Dagmar von Cramm: Die Atmosphäre am Tisch entscheidet, ob gemeckert wird oder nicht. Wenn die Kinder an einem schön gedeckten Tisch sitzen und interessante Tischgespräche führen, dann tritt die Frage, ob das Essen schmeckt, in den Hintergrund. Ich frage nicht einmal danach. Gastgeber sind verantwortlich dafür, dass Gäste sich wohl fühlen. Aber auch Gäste haben Pflichten: zum Beispiel, nicht über das Essen zu meckern. Deshalb mache ich den Kindern deutlich: Wenn dir etwas nicht schmeckt, dann isst du es einfach nicht.ELTERN: Und wenn das Kind nur Nudeln nimmt?Dagmar von Cramm: Das schadet nichts. Dann sorge ich für einen besonderen Nachtisch, ein Eis mit einem Obstspieß zum Beispiel.ELTERN: Sie würden also nicht nur Spaghetti kochen, um auf Nummer sicher zu gehen?Dagmar von Cramm: Jede Mutter versucht doch, kindgerecht zu kochen. Aber wenn man die Kinder nie mit etwas konfrontiert, was sie nicht mögen, dann werden sie es später nicht unbedingt leichter haben.

Wie Sie kleine Esser verzaubern


Kinder essen mit den Augen - deshalb:

  • Kein Durcheinander auf dem Teller! Halten Sie Beilagen, Fleisch und Soße getrennt. Wenn schon Eintopf, dann ein „Extra“ dazu: Ein Klecks saure Sahne, Schnittlauchröllchen oder gewürfelte Paprika obendrauf
  • Farbe auf dem Teller macht mehr Appetit als braunes Einerlei
  • Kinder lieben Kleines: Minimöhren, Kirschtomaten, Sternchennudeln

Dekos machen Appetit - Ideen dazu:

  • Mit kleinen Formen Häschen, Enten, Herzen oder „Konfetti“ ausstechen – aus Paprika, Wurst, Möhren oder Gurkenscheiben
  • Mit Schablonen und Kakaopulver Muster aufs Gebäck oder den Quark zaubern
  • Warum nicht Brot in Katzenform (im Haushaltswarenladen) backen? Da schmeckt Kindern sogar Vollkorn!

Kinder lieben Selbstgemachtes - Probieren Sie's mal damit:

  • Salatzutaten (Gurke, Tomaten, Salatblätter) separat auf den Tisch bringen,
  • eine Vinaigrette dazu
  • Essbare "Tiere": Möhrenschnecken, Käse-Igel (siehe Rezepte)

Hier können alle mithelfen: Leckere Kleinigkeiten für Kinder

Möhrenschnecken 6 junge Möhren der Länge nach etwas abflachen. 100 g Brokkoliröschen mit etwas Wasser pürieren, mit 100 g Kräuter-Frischkäse vermischen. Daraus mit feuchten Händen Kugeln formen, als "Häuser" auf die Möhrenschnecken setzen – und mit je zwei Nelken als Fühler verzieren.Käse-Igel Für 8 Igel: Vier Mini-Babybels quer teilen. 1 Möhre in kleine Stifte schneiden, in den Käse stecken, Platz fürs Gesicht frei lassen. Ca. eine halbe Gurke so schälen, dass grün-weiße Streifen entstehen, in 8 dicke Scheiben schneiden. 8 Pumpernickeltaler dünn mit Tomatenmark bestreichen, erst eine Gurkenscheibe, dann den Igel draufsetzen. Sonnenblumenkerne als Augen in den Käse stecken, für die Münder aus der Gurkenschale Dreiecke ausschneiden.Schnelle Vinaigrette1/8 l Apfelessig, 3 EL Senf, Salz, Pfeffer, etwas Sojasoße, 2–3 EL Salatkräuter und 1/4 l Olivenöl in einer leeren Saftflasche schütteln, verschließen und kalt stellen (kann gut vorbereitet werden).Fleischwurstragout Für 4 Portionen: 300 g Fleischwurst würfeln, 1 rote Paprikaschote würfeln, 1 Zwiebel schälen und in feine Ringe schneiden. 1 EL Öl in einer großen Pfanne erhitzen, erst die Zwiebel, dann die Wurstwürfel anbraten. 3 El Tomatenmark unterrühren, Paprikawürfel und 1 Dose Balkangemüse (280 g Abtropfgewicht) dazugeben. Alles mit Salz, Pfeffer und viel süßem Paprikapulver würzen. 200 ml Tomatensaft und 50 g Sahne angießen, 2–3 Minuten leicht kochen lassen, nochmals abschmecken und evtl. mit dunklem Soßenbinder andicken. Dazu Reis, Kartoffelpüree oder Nudeln. Für Vegetarier: Räuchertofu statt Wurst.Erbsen-Pesto-Creme200 ml Gemüsebrühe aufkochen, 1 Packung TK-Erbsen dazugeben, 10 Minuten köcheln lassen. Einige Löffel Erbsen herausnehmen, beiseite legen, die Übrigen mit der Brühe und 100 g Feta-Käse pürieren. Nun die restlichen Erbsen zusammen mit 1 El Crme frache und 1 EL Pesto in die Soße geben. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen, einmal aufkochen lassen. 1 EL gehacktes Basilikum unterziehen und heiß zu Nudeln oder Reis servieren.Beerengesicht 2 runde Vollkornbrötchen in jeweils zwei Hälften schneiden, mit 100 g Quark (20%) bestreichen. 80 g Frischkäse mit 1 EL Erdbeermarmelade mischen, als Haarschopf auf die Brötchen geben, mit einigen gehackten Pistazien bestreuen. Je eine Himbeere als Nase, zwei Blaubeeren als Augen und einige Johannisbeeren als lachenden Mund legen.Blitznachtisch: Schokomousse auf Banane2 Becher Schokoladenpudding (Fertigprodukt) mit 2 großen Kugeln Schokoladeneis verrühren. Etwas bittere Raspelschokolade und 1 Tasse Sprühsahne unterziehen, auf Bananenstückchen servieren.

Ideen und Rezepte aus den Büchern von Dagmar von Cramm:

  • Kinder-Koch-Alphabet, GU, 14,90 Euro
  • Kochen für Kinder, quick und easy, GU, 6,50 Euro
  • Lieblingsrezepte für Kinder, GU, 14,90 Euro
  • Kinder-Knigge, Höflichkeit, Rücksichtnahme, Tischmanieren, Südwest, 9,95 Euro