Gesund essen
 
So wird Ihr Kind fit!

Gewichtsschwankungen sind normal, wenn Kinder wachsen. Doch viele essen heute zu viel und zu fett. Hier nehmen wir die Essgewohnheiten unter die Lupe.

Immer mehr Kinder haben Übergewicht

Gesund essen: So wird Ihr Kind fit!

Bereits jedes fünfte Kind und sogar jeder dritte Jugendliche ist nach den Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung übergewichtig. Die Anzahl der adipösen, sprich fettsüchtigen, Kinder hat sich in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt. Kinderärzte diagnostizieren bei ihnen zunehmend Knick- und Senkfüße sowie massive Haltungsschäden. Diabetes Typ 2, im Volksmund Alterszucker genannt, verbreitet sich rasch - unter Kindern. Dicke Kinder leiden außerdem unter seelischen Nöten. Als "Mops" und "Fettkloß" gehänselt oder ausgegrenzt, befinden sich dicke Kinder in einem Teufelskreis: Sie ziehen sich frustriert zurück - und futtern noch mehr.

Warum unsere Kinder zu dick sind

Nach den Ursachen des gewichtigen Problems muss man nicht lange suchen: Viele Kinder essen zu viel und das Falsche, darüber sind sich sämtliche Experten einig. Obendrein bewegt sich die heranwachsende Generation immer weniger. Mit dem Computer kam nach Auto und Fernseher der dritte Bewegungskiller ins Familienleben. Statt wie früher auf dem Spielplatz zu toben, verbringen schon Kinder Stunden vorm PC oder vor der Mattscheibe. Ihr Aktionsradius beschränkt sich dabei auf den Griff zum Joystick, zur Fernbedienung und zur Chipstüte plus Cola. Ruck, zuck kommen da Hunderte von Kalorien zusammen - ohne nennenswerten Nährwert.

Vorsicht vor Diäten

Bessere Information tut Not, meinen deshalb einhellig Krankenkassen, Verbraucherminister und Ernährungswissenschaftler. Dabei geht's erst mal nicht darum, das Gewicht zu reduzieren. Schlankheitskuren sind für Kinder und Jugendliche ungeeignet. Nicht nur wegen des bekannten Jo-Jo-Effektes: Kaum ist die Diät zu Ende, setzt der Heißhunger ein, und das Gewicht schnellt wieder in die Höhe. Viel entscheidender ist, dass Diäten im Kindesalter oft den Einstieg in eine Ess-Störung wie Bulimie oder Magersucht bedeuten.

Auf eigene Faust Diät zu halten, kann noch in anderer Hinsicht gefährlich werden: Da Kinder im Wachstum sind, riskieren sie Mangelzustände, wenn sie mit bestimmten Nährstoffen nicht ausreichend versorgt werden. Beispiel Kalzium: Hier muss in jungen Jahren ein Speicher angelegt werden, aus dem sich der erwachsene Körper später versorgen kann. Ist kein gutes Depot vorhanden, werden die Knochen im Alter brüchig (Osteoporose). Erst bei mehr als zehn Kilo Übergewicht geht es nicht mehr ohne Diät, dann aber nach Anleitung und unter medizinischer Kontrolle.

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Eine bewusste Ernährung ist das A und O

Kartoffeln, Vollkornprodukte, Obst und Gemüse als Grundlage

In der Regel genügt es jedoch, wenn die Kinder und Jugendlichen ihr Verhalten ändern. Dann purzeln die Pfunde von ganz allein. Bei der Frage nach dem „Wie?“ scheiden sich allerdings die Geister. Während jahrelang die Parole ausgegeben wurde: "Fett macht fett", halten vor allem einige amerikanische Wissenschaftler diese These für überholt. Sie machen vielmehr, wie einst Diät-Guru Robert Atkins, die Kohlenhydrate verantwortlich fürs kollektive Übergewicht und fordern deshalb, bei Kartoffeln, Nudeln und Co. zu sparen und stattdessen eiweiß- und fettreich zu essen, damit das Gewicht runtergeht.

Volker Pudel, Professor für Ernährungspsychologie an der Universität Göttingen, hält nichts von dem neuen "Low Carb"-Trend (wenig Kohlenhydrate): "Klar, dass Kartoffeln, wenn sie fettreich als Pommes frites zubereitet oder in der Pfanne gebraten werden, wie sie die Amerikaner essen, dick machen", erklärt der Experte, "doch in Wasser gekocht, sind sie, ebenso wie Nudeln, gesund und machen satt." Pudel propagiert nach wie vor den maßvollen Umgang mit Fett (für Kinder nicht mehr als 40 bis 60 Gramm pro Tag, am besten aus ungesättigten Fettsäuren), reichlich Kartoffeln und Vollkornprodukten sowie frischem Obst und Gemüse als Grundlage einer gesunden Ernährung. Auch gelegentliches Naschen ist für den Ernährungspsychologen in Ordnung. Da die meisten Süßigkeiten jedoch eher "Fettigkeiten" seien, rät er, lieber mal zu Russisch Brot oder zu Gummibärchen zu greifen.

Die Zuckerfalle

Dass ein Übermaß an Kohlenhydraten (mehr als 500 Gramm täglich) ebenfalls dick macht, bestreitet auch Volker Pudel nicht. Der Ernährungsfachmann warnt in erster Linie vor der Zuckerfalle. Besonders Softdrinks, wie Cola und Limonade, enthalten massenweise (über-) flüssige Kalorien, ohne zu sättigen. Rund 100 Gramm Zucker verstecken sich beispielsweise in einem Liter Limonade. Kinder sollten sich deshalb schon von klein auf an Wasser und Früchtetees gewöhnen.

Vorsicht ist auch bei sogenannten Kinderlebensmitteln wie Frühstücksflocken, Müsliriegeln und Kinderjoghurt geboten. Die locken zwar mit "wertvollen Vitaminen und Spurenelementen", verschleiern dabei aber ihren enormen Zuckergehalt. Wesentlich gesünder, weil kalorienärmer, liefern Obst und Gemüse Vitamine und Mineralstoffe.

"Leichte" Irreführung

Nur sehr bedingt ratsam ist der Kauf von so genannten "Light"-Produkten, da es keine gesetzliche Regelung für die Bezeichnung "light" gibt. Fettreduzierte Produkte sind grundsätzlich empfehlenswert. Vorsicht aber, wenn Zucker durch Süßstoff ersetzt ist. "Dann gleicht der Organismus den Kalorienspareffekt bei der nächsten Mahlzeit aus", so Ernährungsexperte Volker Pudel.

Naschen ist erlaubt - aber in Maßen

Durch Anschauungsunterricht lernen Kinder bei Volker Pudel, dass Kalorien nicht gleich Kalorien sind: Auf einem Teller liegen acht Schokotrüffel, auf einem anderen sechs Bananen - beides hat 570 Kilokalorien. Auf die Frage, was gesünder satt macht, muss kein Kind lange überlegen. Gleichzeitig wird klar, welche Kalorienmenge man oft gedankenlos in sich hineinschaufelt. Wer isst schon sechs Bananen hintereinander? Acht cremige Kugeln sind dagegen leicht mal verputzt. "Schmecken ja auch besser", wendet da manches Kind ein. Stimmt leider. Von rigiden Verboten hält Volker Pudel deshalb nichts. Schließlich tun sich schon Erwachsene schwer, auf lieb gewonnene Gewohnheiten völlig zu verzichten, umso weniger gelingt es Kindern. Und bereits ein kleiner Ausrutscher löst oft die Gegenreaktion aus: "Jetzt ist es eh schon wurscht!"

Einen Kredit für Süßigkeiten aufnehmen
Sein Tipp: In überschaubaren Zeiträumen planen, zum Beispiel: "Bis morgen Abend esse ich nicht mehr als 20 Gummibärchen." Außerdem gibt es die Option, einen Kredit aufzunehmen: Wer beispielsweise zum Kindergeburtstag eingeladen ist, darf über die Stränge schlagen. Dafür gibt es am nächsten Tag nur die halbe Ration Süßes. Mit diesem Prinzip der flexiblen Kontrolle kommen die meisten Kinder klar, so die Erfahrung des Experten.

Seinen Kindern ein gutes Vorbild sein

Vorausgesetzt, die Eltern gehen mit gutem Beispiel voran. Studien beweisen: Kinder erben von ihnen nicht nur die Veranlagung, Fettpolster zu bilden, sondern sie übernehmen auch die (schlechten) Essgewohnheiten. Machen es sich Mama und Papa abends mit Bier und Knabbergebäck vor dem Fernseher gemütlich, werden Heranwachsende schwer einsehen, weshalb sie sich ihre Leckereien verkneifen sollen. Dasselbe gilt für die Inflation von Fastfood. Wo es nur Fertiggerichte aus der Mikrowelle gibt, lernen Kinder keinen bewussten Umgang mit dem Essen.

Zusammen mit den Kindern einkaufen und kochen

Der fängt schon beim Einkaufen an. Volker Pudel empfiehlt, Töchter und Söhne mitentscheiden und die Produkte vergleichen zu lassen. Wenn die Kinder lernen, bei Schokolade, Wurst und Käse auf Fettgehalt und Inhaltsstoffe wie künstliche Aromen und Konservierungsstoffe zu achten, entwickeln sie ein Gespür für "richtige" und "falsche" Lebensmittel und suchen auch selbst gern Gesundes aus. Können sie außerdem zuschauen, wie Karotten, Broccoli und Kohlrabi frisch in die Tüte gepackt werden, lassen sie sich viel eher zu einem Löffel von dem gesunden Gemüse überreden, als wenn eine grüne Masse aufgetaut und warm gemacht auf ihrem Teller landet. Und: Die meisten Kinder helfen gerne beim Kochen. Haben die Kinder die Karotten oder Kohlrabi selbst geputzt und geschnitten, schmeckt ihnen Gemüse, das sie sonst mäkelnd aus dem Essen pulen.

Gemeinsames Essen macht glücklich und schlank

Auch mehrere deutsche Spitzenköche zeigen in Kinderkochkursen, wie man Kids spielerisch guten Geschmack lehren kann. Unter fachmännischer Anleitung walzen die Acht- bis Zehnjährigen selbst gemachten Nudelteig aus, lernen die Schärfe von Tabasco, Chili, Ingwer und Pfeffer zu unterscheiden, schnuppern mit verbundenen Augen an einer frischen Tomatensuppe und probieren, wie unterschiedlich süß Kandis, Ahornsirup, Süßholz oder Lakritze schmecken. Zum Schluss wird dann gemeinsam am festlich gedeckten Tisch getafelt.

Für einige Kinder sei dies eine Offenbarung, erzählt Spitzenkoch Hanns-Georg Kupky. Denn durch die schnelle Küche ist in vielen Familien auch die Esskultur abhanden gekommen. Dabei sorgt die gemeinsame Mahlzeit am schön gedeckten Tisch nicht nur für das leibliche Wohl der Familie. Miteinander kochen und essen stärkt den Zusammenhalt, schafft Geborgenheit und Nähe. Wer zu wenig davon bekommt, sucht Trost und Ersatz, nicht selten in Form von Schokolade und Chips. Sitzt die Familie regelmäßig gemütlich am Esstisch zusammen, werden Magen und Seele satt.

Hier wird übergewichtigen Kindern geholfen

www.powerkids.de,

www.fke-do.de